Kommentierte Textwiedergabe zu "Kinder brauchen Grenzen" von Jan-Uwe Rogge


Seminararbeit, 2003

25 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Die Notwendigkeit der Grenzziehung
2.1 Mut zum Grenzensetzen
2.2 Die Unsicherheit Erziehender bezüglich der Grenzen
2.3 Das kindliche Bedürfnis nach Grenzen

3. Einschränkung und Behinderung von Kindern durch zu enge Grenzen
3.1 Mögliche Fehler im Umgang mit Kindern und Grenzen
3.2 Folgen von zu einschränkender Grenzsetzung
3.3 Mitgefühl statt Mitleid

4. Die Grenzproblematik einiger Erziehungsstile
4.1 Zuckerbrot und Peitsche
4.2 Folgenloses Laissez-Faire
4.3 Verwöhnung ohne Grenzen

5. Grenzüberschreitungen
5.1 Das Spiel mit den Grenzen
5.2 Mögliche Motive der Grenzüberschreitung
5.3 Kindliche Strategien zur Grenzerweiterung
5.4 Kraftausdrücke und Entwürdigungen - Beispiele für Grenzüberschreitung
5.5 Erzieherische Maßnahmen bei Grenzüberschreitung

6. Die Kunst des Grenzensetzens
6.1 Schwierigkeiten beim Grenzensetzen
6.2 Der Versuch der Gefahrenabwendung durch Grenzen
6.3 Zeiten, Räume, Rituale
6.4 Generationsgrenzen
6.5 Das Grenzensetzen in der Fernseherziehung
6.6 Die Notwendigkeit von Konsequenz beim Grenzensetzen

7. Die Probleme der Erziehenden mit dem Grenzensetzen
7.1 Konsequenz und Härte
7.2 Der Umgang mit Erziehungsstreß
7.3 Expertenratschläge – Theorie oder Praxis ?
7.4 Der Umgang mit Ausnahmen
7.5 Körperliche Strafen als Mittel des Grenzensetzens

8. Die Grenzen der Erziehenden
8.1 Selbstlose Aufopferung im pädagogischen Handeln
8.2 Erzieherpersönlichkeit und erzieherische Aggression

9. Die wichtigsten Fakten zur Grenzziehung in der Zusammenfassung

10. Persönliche Stellungnahme

11. Angaben zur Literatur

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit werde ich das Buch „Kinder brauchen Grenzen“ von Jan-Uwe Rogge bearbeiten.

Ich habe mich für dieses Buch entschieden, weil ich bei einem früheren Praktikum mit Kindern die Erfahrung gemacht habe, dass der gegenseitige Respekt zwischen Kindern und Erziehern immer mehr abnimmt. Die Kinder scheinen nicht mehr zu wissen, wie weit sie gehen können und wo die Grenzen sind. Die Erzieher wissen sich dann oft nicht mehr zu helfen und reagieren unangemessen.

Als ich die Zusammenfassung von „Kinder brauchen Grenzen“ gelesen habe, wurde mein Interesse geweckt, weil ich dachte, dass der Autor die von mir erwähnte Problematik vielleicht in seinem Buch erklärt und mögliche Lösungswege aufzeigt.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ich bei der Bearbeitung dieses Buches nicht auf die zahlreichen Fallbeispiele eingehen werde, sondern ich konzentriere mich auf die Kernaussagen jeden Kapitels.

2. Die Notwendigkeit der Grenzziehung

2.1 Mut zum Grenzensetzen

Bereits in seinem Vorwort erwähnt der Autor die große Notwendigkeit von Grenzen in der Erziehung, denn sie geben Eltern und Kindern gleichermaßen Sicherheit und Verlässlichkeit und man kann sich an ihnen orientieren.

Wenn Kinder keine Grenzen gesetzt bekommen, dann haben sie keine Achtung und keinen Respekt vor der Erzieherperson, denn Grenzen bedeuten gegenseitige Anerkennung der Persönlichkeiten.

Heute ist es allerdings oft so, dass Eltern und Erzieher die Kinder an der „langen Leine“ lassen, weil sie nur deren vermeintlich bestes wollen und Angst haben, die Kinder zu sehr einzuengen (S. 10). Dies geht aber meist auf Dauer nicht gut und die Folge ist unbeherrschtes erzieherisches Handeln.

Laut dem Autor ist hierfür die Verunsicherung und Entmündigung der Erziehenden durch zahlreiche Tipps, Ratschläge und Vorschriften von angeblichen Erziehungsexperten mitverantwortlich (S.11). Dies ist nämlich der Grund für eine zunehmend rationale Erziehung, die kein Gefühl und keine Spontanität zulässt. Deshalb sollen Eltern ihre Verantwortung zurückbekommen, sie sollen selbständig handeln und zu ihren Entscheidungen stehen, auch wenn diese nicht immer fehlerfrei sind, denn es gibt ja immer noch die Möglichkeit sich zu entschuldigen und es beim nächsten Mal anders zu machen (S.11/12). Erziehung sollte nicht in Stress ausarten und unter dem Druck der Fehlerlosigkeit stehen. Probleme und Fehler gehören zur Erziehung dazu und sollten nicht zu verbissen gesehen werden, aber es gibt auch Ausnahmen, die auf keinen Fall zu rechtfertigen sind.

„Es gibt drei Formen von Verletzung in der Erziehung, deren Folgen lebenslang zu spüren, deren Verwundung und Narben bleiben: die ständige körperliche Misshandlung von Kindern, die seelische Erniedrigung durch Liebesentzug und fehlende emotionale Nähe sowie der sexuelle Missbrauch.“(S.12).

Erziehung sollte immer ein Miteinander sein und hat nichts mit Perfektion zu tun. Grenzen ziehen, finden und verändern muss geübt und erprobt werden. Erfolg und Misslingen, Mut und Entmutigung, Selbstzweifel und Hoffnung gehören dazu (S.13). Der Weg sollte das Ziel sein, denn das Grenzensetzen ist ein nie endender Prozess.

2.2 Die Unsicherheit Erziehender bezüglich der Grenzen

Neben zahlreichen Fallbeispielen kommt der Autor in seinem ersten Kapitel auf die enorme pädagogische Handlungsunsicherheit zu sprechen, welche bei vielen Erziehenden im Umgang mit Grenzen zu beobachten ist. Er führt dies auf die Tatsache zurück, dass viele Menschen unangenehme Dinge, wie Strafe und Züchtigung, mit dem Wort „Grenze“ assoziieren.

Die daraus resultierende Werte- und Normunsicherheit bezüglich Erziehungsfragen wird auch durch Ratgeberliteratur nicht beseitigt, sondern im Gegenteil – die Verunsicherung wird noch verstärkt.

Um Grenzen setzen zu können bedarf es einer Erzieherpersönlichkeit, die sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen annimmt, denn nur sie ist in der Lage ebenfalls das Kind mit all seinen Persönlichkeitsanteilen anzunehmen. Dies muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass man allen Launen des Kindes nachgibt.

Ein weiterer Punkt ist, dass sich manchmal die eigene Kindheit des Erwachsenen ungünstig auf die Erziehungsbeziehung auswirkt, denn die persönliche Kindheit wird oft auf das Kind projiziert. Erwachsene versuchen dann häufig zwanghaft und um jeden Preis alles viel besser zu machen als die eigenen Eltern damals, denn schließlich soll es das Kind einmal viel besser haben als man selbst früher.

Die Erziehenden schlussfolgern dann, dass Regeln und Grenzen die Freiheit und Selbständigkeit des Kindes nicht gewährleisten und verstecken sich statt dessen hinter guten Worten und umständlichen, endlosen Diskussionen. Da man aber hierfür auf Seiten der Kinder keine Einsicht findet, weil diese eher nach klaren, festen Leitfiguren suchen, an denen sie sich orientieren können, enden derartige Erziehungsmethoden oft in Schreien, Beleidigungen, Rücksichtslosigkeit oder Liebesentzug. Zurück bleibt ein verunsichertes, entmündigtes Kind.

Kinder brauchen eine feste Persönlichkeit, die mit Klarheit, Bestimmtheit, Gelassenheit und gegenseitiger Achtung handelt, denn nur so gewinnen sie Orientierung und Autonomie und erlernen ein partnerschaftliches Miteinander.

Eltern müssen kindorientiert handeln, was aber nicht bedeutet jeder Forderung nachzugeben. Außerdem müssen die Erziehenden klar und fest sein, was auch wiederum nichts mit Herrschsucht oder physischer und psychischer Gewalt zu tun hat.

Eltern müssen den Kindern ein Vorbild sein, ihnen Selbständigkeit und Autonomie vorleben und sie müssen den Mut haben, zu eigenen Handlungen zu stehen.

Ein weiterer Grund, warum sich Eltern davor scheuen, Grenzen zu setzen, ist, dass sich derjenige, der dies tut, oft unbeliebt macht und Streit riskiert. Außerdem ist es sehr anstrengend und erfordert Rückhalt, bei Verstößen sehr konsequent und standhaft zu bleiben.

Grenzen sollten die Kinder leiten und führen, unterstützen und anregen. Die Erziehenden sollten das Kind achten und respektieren und ihm diese Haltung auch vorleben, denn dann können sie diese auch von dem Kind er- warten (S.37).

2.3 Das kindliche Bedürfnis nach Grenzen

In seinem zweiten Kapitel berichtet Rogge unter anderem von Gesprächen mit älteren Kindern, welche deutlich machen, dass sich aufgrund fehlender Grenzen viele der Heranwachsenden im Stich gelassen fühlen. Viele zerstörerische und auffällige Verhaltensweisen sind nur Versuche, sich in einer immer diffuser werdenden Welt, die keine Orientierung bietet, zurechtzufinden (S.46).

Die Gleichgültigkeit, die vielen Kindern entgegengebracht wird, und das daraus resultierende Gefühl, allein zu sein, treibt Kinder oft zu extremem Verhalten. Dies ist ein verzweifelter Versuch, ihre Grenzen zu spüren. Sie wollen die Reaktionen der Erwachsenen hervorrufen und Beziehungen herstellen.

„Hinter maßlosen Grenzüberschreitungen verbirgt sich auch der Wunsch nach Klarheit und Festigkeit.“(S.47).

Auf Grenzüberschreitungen sollten Eltern immer eingehen. Entweder ist es Zeit, bestehende Grenzen zu lockern oder zu erweitern, oder aber das Kind ist mittels der abgesprochenen Konsequenzen in die Schranken zu weisen (S.50). Letzteres ist aber kein Zeichen für Erniedrigung oder Missbilligung. Vielmehr bedeutet Grenzsetzung Achtung und Respekt des Erziehenden gegenüber dem Kind und umgekehrt.

3. Einschränkung und Behinderung von Kindern durch zu enge Grenze

3.1. Mögliche Fehler im Umgang mit Kindern und Grenzen

Viele Kinder werden heute zunehmend um ihre ganz spezifischen Raum- und Zeiterfahrungen betrogen. Auf diese Tatsache geht der Autor in den ersten beiden Gliederungspunkten seines dritten Kapitels ein.

Die Forderungen, die heute an ein Kind gestellt werden, wachsen stetig und es wird immer schwieriger, alle Interessen unter einen Hut zu bringen, wobei allerdings noch fraglich bleibt, ob die jeweilige Aktivität wirklich immer im Interesse des Kindes ist und nicht in dem der Eltern.

Auf jeden Fall erfordern zahlreiche terminliche Verpflichtungen eine exakte Zeitorganisation und genaue Planung des Tagesablaufes. Dies übernehmen meist die Mütter und für das Kind beginnt eine Hetzjagd von einem Termin zum nächsten.

„Langeweile, Nichtstun oder Müßiggang werden nicht gerne gesehen und deshalb unterbunden.“(S.56)

Den Kindern wird von Anfang an die Fähigkeit abgesprochen, ihre freie Zeit selbst zu gestalten und auszufüllen und tatsächlich verlieren sie durch diese Entmündigung immer mehr die Begabung dazu.

Genauso schwer wird es Kindern bei der spontanen Raumaneignung gemacht, aber hierbei weniger durch die Eltern, als durch die Umwelt, zum Beispiel durch vielbefahrene Straßen. Somit sind den Kindern enge Grenzen gesetzt und natürliche, ursprüngliche Erholungsräume, wie Wald und Wiese, sind weit entfernt und nur schwer zu erreichen (S.56). Kinder können nicht mehr einfach nur herumstromern und bummeln. Ihr Bewegungsbedürfnis wird nicht ausreichend befriedigt und das wirkt sich

negativ auf deren Körpergefühl und Orientierungsvermögen aus. Ein pädagogisches Ausgleichsprogramm, wie beispielsweise der Ballettunterricht, kann hierfür aber auch nicht die einzig richtige Lösung sein. Zwischenräume zum Entspannen und Abschalten müssen den Kindern erhalten bleiben.

Ebenso problematisch ist es mit den Wegen, die Kinder täglich zurücklegen müssen, um zum Beispiel zur Schule oder zu Freunden zu gelangen. Immer mehr Wege werden mit dem Auto zurückgelegt und nicht mehr gelaufen. Entweder, weil die Entfernungen so groß sind, oder weil es Zeitgründe erfordern. Streckenbewältigungen solcher Art sind aber meist erlebnisärmer und lassen keine intensive Wahrnehmung zu. Alles muss möglichst schnell und bequem und effektiv sein, egal ob dies die Kinder einengt oder beschränkt. Das Kind sollte aber sich selbst und seinen Körper erfahren können und seine Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen, denn dies ist unabdingbar für eine positive Entwicklung.

Viele Fahrten mit dem Auto sind vollkommen überflüssig, aber man sollte natürlich auch einsehen, dass diese Art von Beförderung manchmal unumgänglich ist. Einige Entfernungen sind einfach zu groß und einige Wege zu gefährlich, als dass man das Kind einfach laufen lassen könnte. Hierbei ist die elterliche Anleitung und Unterstützung unverzichtbar. Erziehende sollten also immer unterscheiden und das Kind nicht unnötig einengen.

„Wer körperliche Erfahrungen einschränkt, der kann Entwicklungsprozesse behindern.“(S.61).

Kinder brauchen auch soziale Kontakte außerhalb der Familie, zum Beispiel auf ihrem Schulweg.

Man darf Kinder nicht überbehüten und sie um eigene Erfahrungen betrügen, denn einige davon können sie nur durch Kommunikation und Auseinandersetzung mit anderen Menschen machen (S.62).

3.2. Folgen von zu einschränkender Grenzsetzung

Obwohl einige Kinder körperlich und organisch gesund sind, kann es bei ihnen zu motorischen und wahrnehmungsbedingten Störungen kommen, weil sie Opfer einer überfürsorglichen Erziehung geworden sind. Die Eltern sind ständig anwesend und stets bemüht ihre Kinder vor negativen Erfahrungen zu schützen. Somit werden die Kinder eingeschränkt und irgendwann ist das Nervensystem nicht mehr in der Lage, Reize aus der Umwelt, die über die Sinnesorgane aufgenommen werden, angemessen zu verarbeiten. Daraus resultierende Folgen können motorische Unruhe, Aggressionen, Konzentrationsstörungen, übertriebene Ängstlichkeit, mangelndes Selbstvertrauen und Fehler in der Grob- und Feinmotorik sein (S.64).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Kommentierte Textwiedergabe zu "Kinder brauchen Grenzen" von Jan-Uwe Rogge
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz  (Sozialarbeit/Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Seminar: Erziehungswissenschaft
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V21451
ISBN (eBook)
9783638250702
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine kommentierte Textwiedergabe des Erziehungsratgebers &quot,Kinder brauchen Grenzen&quot, von dem Erziehungswissenschaftler Jan-Uwe Rogge. (Grenzsetzung in der Kindererziehung)
Schlagworte
Kommentierte, Textwiedergabe, Kinder, Grenzen, Jan-Uwe, Rogge, Seminar, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Franziska Röser (Autor), 2003, Kommentierte Textwiedergabe zu "Kinder brauchen Grenzen" von Jan-Uwe Rogge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21451

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