Die Untersuchung des Begriffs Weltanschauung lässt sich unter vielerlei Perspektiven angehen, historisch, soziologisch, kompatibilistisch, kulturell, funktionalistisch etc. Hier soll v. a. betrachtet werden, aus welchen anthropologischen Bedingungen die Notwendigkeit resultiert, eine bestimmte Perspektive auf die Welt zu entwickeln, welche Faktoren daran beteiligt sind und wie sich Weltanschauungen unter unterschiedlichen Bedingungen verändert haben. „[S]ie bestimmen in umfassender Form [das menschliche] Selbstverständnis, prägen die Organisation seiner unmittelbaren Sozialbeziehungen, schreiben bestimmte Bilder vom Staat und der
Gesellschaft fest, unterlegen der Geschichte einen einheitlichen Sinn und stellen in der Regel auch kosmische Sinnentwürfe dar.“1 Hier soll also v. a. nach dem Verhältnis des Menschen zur Welt gefragt werden. Dabei wird immer wieder die Frage nach der Sinnhaftigkeit und der Bedeutung für den Menschen gestellt werden, da sie ein zentrales Moment innerhalb der Erklärung der Welt darstellt. Dazu werden Standpunkte aus unterschiedlichen Erkenntnisperspektiven angeführt. Diltheys Ausführungen sollen für die Arbeit grundlegend darstellen, welche menschlichen Faktoren in ihrer Beziehung und Deutung zur Welt beteiligt sind und was ein Weltbild leistet (im Übrigen soll der zwar negativ konnotierte Begriff Weltanschauung hier nicht problematisiert werden; er soll vielmehr, wenn er verwendet wird, so verstanden werden, wie es sein neutrales Denotat hergibt). Scheler wird des Weiteren interessante Aspekte zur Notwendigkeit des Weltbildes und zum Weg zur metaphysischen Anschauung geben. Überleitend wird ein Text von Schiller Ausgangspunkt sein, die beiden Untersuchungen zusammenzuführen und auf Weber zu verweisen, dessen Entzauberungstheorie im Anschluss dargestellt wird. Zuletzt soll betrachtet werden, wie das Weltbild der technischen Moderne aussieht und inwiefern es noch Sinn oder eine umfassende Deutung von Welt ermöglicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Betrachtungen
2.1 Dilthey: Die Typen der Weltanschauung
2.2 Scheler: Philosophische Weltanschauung
2.3 Exkurs Schiller und Kant
3. Weber: Rationalisierungsprozesse und Weltbildwandel
4. Rohbeck: Kulturelle Effekte von Technik
5. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Weltanschauung aus anthropologischer Perspektive und geht der Frage nach, warum Menschen das Bedürfnis haben, ein Weltbild zu konstruieren, wie sich dieses im Laufe der Geschichte unter verschiedenen Bedingungen gewandelt hat und welche Rolle die technische Moderne für die heutige Weltdeutung spielt.
- Anthropologische Grundlagen der Weltanschauungsbildung
- Vergleich der philosophischen Ansätze von Dilthey und Scheler
- Bedeutung des Erhabenen und Schillers anthropologische Auffassungen
- Webers Theorie der Entzauberung und Rationalisierung
- Kulturelle Auswirkungen technischer Systeme auf die Welterfahrung
Auszug aus dem Buch
2.1 Dilthey: Die Typen der Weltanschauung
Eine Weltanschauung resultiert nach Dilthey – verkürzt gesagt – aus der psychischen Totalität und ihren Bezügen zu Welt und Leben bei dem stetigen Versuch, das „Lebensrätsel“ zu lösen. Aus dem Lebensverhalten, der Lebenserfahrung, der Struktur unserer psychischen Totalität gehen [die Weltanschauungen] hervor. Die Erhebung des Lebens zum Bewusstsein in Wirklichkeitserkenntnis, Lebenswürdigung und Willensleistung ist die langsame und schwere Arbeit, welche die Menschheit in der Entwicklung der Lebensanschauungen entwickelt hat. Mit der psychischen Totalität ist ein ganzheitliches Er-leben gemeint, d. h. Denken, Erhöhen, Fühlen als Bewerten und Wollen als Wirk-Bedürfnis, das angesichts der vorzufindenden Phänomene als Unsicherheit und Widersprüchlichkeiten empfunden wird.
Diese „Lebensrätsel“ besteht genauer in der allgegenwärtigen Vergänglichkeit aller Phänomene, die dem seelischen Streben nach „innerer Festigkeit“, im Sinne von Unvergänglichkeit, Notwendigkeit und Allgemeingültigkeit widerspricht. Erkanntes in der Welt, das sich im „Weltbild“ (welches wiederum durch abstrahierende und theoretisierende Phänomene-Zusammenhänge bildet) und den Lebenserfahrungen zusammennimmt stehen strenger formuliert der emotionalen Bewertung („Lebenswürdigung“) von Erkanntem als positiv/ nützlich oder negativ/ schädlich und dem anthropologisch grundlegenden Willen nach innerer Stabilität entgegen: Allgemeingültige Vergänglichkeit dem Wunsch nach Unvergänglichkeit, Übermacht der Natur dem Selbständigkeitswunsch und die erkannte Begrenztheit steht dem Wunsch nach Freiheit entgegen. Aufgrund dieser Ohnmacht des Spannungsfeldes wird ein universeller Wertmaßstab bzw. ein Lebensideal gesucht, das sich relativ stabil gegenüber der physischen Welt zeigt, Orientierung und Sinn im Lebensplan erzeugt. Daraus resultiert eine Lebensanschauung und die Weltanschauung. Die Auflösung des Lebensrätsels gelingt durch den Vergleich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die anthropologischen Fragestellungen zum Begriff der Weltanschauung ein und definiert den theoretischen Rahmen der Arbeit.
2. Grundlegende Betrachtungen: Dieses Kapitel analysiert die Konzepte von Dilthey und Scheler sowie das Verhältnis zwischen Mensch, Natur und dem Erhabenen anhand der Schriften von Schiller und Kant.
3. Weber: Rationalisierungsprozesse und Weltbildwandel: Hier wird Webers Entzauberungstheorie diskutiert, um den Übergang von einer magisch geprägten Welt zur modernen, zweckrationalen Gesellschaft nachzuvollziehen.
4. Rohbeck: Kulturelle Effekte von Technik: Dieser Teil beleuchtet die Rolle der Technik als Medium der Welterfahrung und deren Einfluss auf unser Welt- und Selbstverständnis.
5. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung und stellt die heutige Situation der Weltdeutung in der technisierten Moderne dar.
Schlüsselwörter
Weltanschauung, Weltbild, Anthropologie, Dilthey, Scheler, Weber, Entzauberung, Rationalisierung, Technik, Lebensrätsel, Subjektivität, Metaphysik, Moderne, Sinnstiftung, Erhabenes
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die anthropologischen Bedingungen, die den Menschen dazu bewegen, eine bestimmte Perspektive auf die Welt zu entwickeln und sich ein sinnhaftes Weltbild zu konstruieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die philosophischen Weltanschauungslehren des 19. und 20. Jahrhunderts, die Entzauberung der Welt durch Rationalisierungsprozesse und die kulturellen Auswirkungen technischer Entwicklungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu ergründen, warum Weltanschauung eine anthropologische Notwendigkeit darstellt und wie sich diese unter dem Einfluss von Moderne und Technik gewandelt hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-hermeneutische Methode, indem sie klassische Texte von Dilthey, Scheler, Weber, Schiller und Kant analysiert und in einen aktuellen theoretischen Kontext setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst die theoretischen Grundlagen der Weltanschauung, führt dann in Webers Theorie zur Entzauberung der Welt ein und diskutiert abschließend Rohbecks Technikphilosophie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Weltanschauung, Entzauberung, Rationalisierung, anthropologische Notwendigkeit und Technikphilosophie.
Inwiefern beeinflusst Technik laut Rohbeck unser Weltbild?
Technik fungiert als Medium, das nicht nur praktische Aufgaben erfüllt, sondern auch unsere Wahrnehmung von Raum, Zeit und unserer eigenen Position in der Welt grundlegend verändert.
Wie erklärt Weber den Verlust des Sinns in der Moderne?
Weber beschreibt den Prozess der Entzauberung, bei dem durch fortschreitende Rationalisierung und Wissenschaft die Welt aus einer magisch-religiösen Sinnhaftigkeit gelöst wurde, was zu einem individuellen Sinn- und Freiheitsverlust führt.
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- Johannes Key (Autor:in), 2009, Entstehung, Notwendigkeit und Wandel des Weltbildes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214592