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Die Bildnisstrafen. Eine geistesgeschichtliche Untersuchung ihrer Ursprünge und Anwendung von der Antike bis zur Gegenwart

Title: Die Bildnisstrafen. Eine geistesgeschichtliche Untersuchung ihrer Ursprünge und Anwendung von der Antike bis zur Gegenwart

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kay Usenbinz (Author)

History of Germany - Modern History
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Summary Excerpt Details

Die Hinrichtung als Strafe erfreute sich seit der Antike großer Beliebtheit und erreichte im Mittelalter die Blüte eines unerschöpflichen Straftriebes, was sich in der Häufigkeit der Anwendung und in der – zum Teil grotesken – Differenzierung ihrer Handhabung zeigt. Hierzu gehört eben nicht die schlichte Hinrichtung als Solches, sondern die Bestrafung in effigie, also die Hinrichtung eines nicht habhaft zu werdenden Straftäters, sei es aus einfacher Abwesenheit, oder weil der Delinquent einfach vor der Umsetzung des Strafmaßes verstorben war. Aber nicht nur die Hinrichtung als Höchstmaß der Strafe wurde in effigie angewandt, auch andere Bestrafungen wurden auf diesem Wege vollstreckt. Es überrascht vielleicht, aber erst im späten 19. Jahrhundert, mit Inkrafttreten des Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich (1872), verschwindet die Scheinbestrafung aus dem Strafrecht Preußens. Heute sind solche Scheinbestrafungen in keinem westeuropäischen strafrechtlichen Regelwerk nachweisbar, obgleich Strafen am Bildnis sehr wohl in Ländern außerhalb Europas und darüber hinaus im deutschen Brauchtum noch heute Anwendung finden.

Eine geistes- und rechtsgeschichtliche Auseinandersetzung mit diesem Thema fand hauptsächlich Anfang des 20. Jahrhunderts statt und wird heute vor allem für rechtstheoretische Überlegungen des Verhältnisses zwischen Verbrechen und Strafe untersucht. An dieser Stelle seien die Schriften des Rechtshistorikers Karl von Amira erwähnt. Insbesondere seine Publikation zu den germanischen Todesstrafen bildet die Grundlage vieler aktueller rechts- und kunsthistorischer Arbeiten. In diverser Hinsicht unterliegen die Interpretationen und Schlussfolgerungen Amiras jedoch einer Neubewertung, weshalb als Zentrum der für diese Arbeit zugrundeliegenden Literatur das umfassende Werk des Volkskundlers und Kunsthistorikers Wolfgang Brückners dient: Ausnehmend detailliert und informativ ist seine Publikation „Bildnis und Brauch“ aus dem Jahre 1966.
Um die Komplexität dieser Form der Bestrafung zu verstehen, wird sie im 4. Kapitel geistesgeschichtlich dargestellt, jedoch sind einleitend einige Ausführungen zum Begriff Effigies nötig. Ebenso muss in diesem Zusammenhang die Macht des Bildes und mithin ihr Ursprung in Form des Bildzaubers erläutert werden – zusammen mit dem Begriff Effigies bilden sie die zentralen Begrifflichkeiten, die für das Verständnis unabdingbare Voraussetzung sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Effigies

3. Die Macht der Bilder und der Bildzauber

4. Bildnisstrafen

4.1 Das altrömische Bildnisrecht

4.2 Schandbilder und Schandfresken

4.3 Namensanschlag am Galgen

4.4 Bildnisanschlag am Schandpfahl

4.5 Bestrafung an Leichen

4.6 Der Strafvollzug in effigie

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht geistes- und rechtsgeschichtlich die Ursprünge und die Anwendung von Bildnisstrafen von der Antike bis in die Gegenwart, wobei insbesondere die Transformation von magischen Vorstellungen hin zu staatlich legitimierten Strafinstrumenten im Mittelalter und der Frühen Neuzeit analysiert wird.

  • Historische Entwicklung des Rechtsbegriffs der Effigies
  • Die psychologische und magische Wirkung der Macht von Bildern
  • Formen der Bildnisstrafe wie Schandbilder, Leichenbestrafung und Strafvollzug in effigie
  • Die Bedeutung von Ehre und Schande als normatives regulatives Merkmal
  • Transformation und Abschreckungsfunktion der Strafpraxis bis zur Aufklärung

Auszug aus dem Buch

4.2 Schandbilder und Schandfresken

Eine weitere Form der Bildnisstrafe stellen die sog. Schandbilder dar, welche im engeren Sinne seit dem späten 13. Jahrhundert aus Florenz bekannt sind. Schandbilder, auch Schmähbilder genannt, fanden vornehmlich in Nord- und Mitteldeutschland des 16. Jahrhunderts in so genannten Schandbriefen und an öffentlicher Wand Verwendung. Im Falle eines Schand- oder Schmähbriefes dienten Schandbilder, durch vertraglich zugestandene Ehrverpfändung in Schuldverschreibungen, der erfolgreichen Schuldeintreibung. Bei Vertragsbruch wurde ein Bildnis desjenigen, der die Vereinbarung nicht erfüllte, gefertigt und an öffentlichen Plätzen wie Kirchentüren, Rathäusern, am Galgen oder Rad angeschlagen, also ihm gleichsam seine Ehre verletzt.

Als Bestärkungsmittel wurde die Ikonographie der Schandbilder durch das Darstellen des Delinquenten oftmals mit als schändlich angesehenen Symbolen, zum Beispiel dem umgekehrten Reiten auf einer Sau, und mit Galgen und Rad beherrscht. Beliebtes Motiv war auch das Wappen, welches statt des Namens oder daneben übergroß dargestellt, mitunter sogar mitgehängt oder unter den Schwanz einer Sau, einer Eselin, einer Kuh, einer Mähre oder Hündin gedrückt wurde. Neben Schandbildern im Rahmen schuldrechtlicher Verschreibungen werden in Norditalien weitere Delikte belegt: Erpressung, falsches Zeugnis und betrügerischer Konkurs (siehe Absatz zu Schandfresken). Gemalte Darstellungen im Rahmen der executio in effigie gehören ebenso zu den Schandbildern, die allerdings erst in der Neuzeit zu „einem veritablen Strafrechtsinstrument“ entwickelt worden sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die historische Praxis der Bestrafung am Bildnis ein und stellt die theoretische Basis sowie die zentralen Begrifflichkeiten vor.

2. Effigies: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Effigies als stellvertretendes Bildnis und dessen historische Verwendung bei Leichenfeiern und zur Repräsentation monarchischer Unsterblichkeit.

3. Die Macht der Bilder und der Bildzauber: Hier wird die psychologische Faszination von Bildern sowie der Glaube an die magische Identität zwischen Bild und Dargestelltem untersucht.

4. Bildnisstrafen: Das Hauptkapitel analysiert die verschiedenen Ausprägungen rechtlicher Bildnisstrafen von der Antike bis zur Frühen Neuzeit, inklusive ihrer sozialen und symbolischen Funktionen.

4.1 Das altrömische Bildnisrecht: Die Untersuchung befasst sich mit der politischen Funktion der Ehrenstatue und der Instrumentalisierung des Denkmalsturzes gegen Staatsfeinde.

4.2 Schandbilder und Schandfresken: Das Kapitel behandelt die Nutzung von Schandbildern zur öffentlichen Ehrverletzung bei Vertragsbruch und anderen Delikten.

4.3 Namensanschlag am Galgen: Es wird analysiert, wie der Name als Identitätsträger des physischen Körpers zur Bestrafung genutzt wurde.

4.4 Bildnisanschlag am Schandpfahl: Dieser Abschnitt beleuchtet die gesetzliche Verankerung von Bildnisstrafen bei Delikten wie dem Duell oder bei Suizidanten.

4.5 Bestrafung an Leichen: Hier wird die Praxis der Nachbestrafung Verstorbener als Mittel der Abschreckung und der Ehrenstrafe thematisiert.

4.6 Der Strafvollzug in effigie: Das Kapitel beschreibt die Entwicklung der Scheinhinrichtung als juristisches Instrument bei Abwesenheit oder Tod des Angeklagten.

5. Fazit: Die Zusammenfassung reflektiert den Rückgang dieser Strafen durch die Aufklärung und weist auf heutige, modifizierte Formen der Bildschändung hin.

6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten rechtshistorischen und kunsthistorischen Quellen und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Bildnisstrafe, Effigies, Bildzauber, Schandbild, Leichenbestrafung, Exekution, Ehre, Schande, Rechtsgeschichte, Frühe Neuzeit, Ikonoklasmus, Strafrechtsinstrument, Abschreckung, Rechtskultur, Bildakt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Praxis, Personen durch die Beschädigung oder Zerstörung von deren Bildnissen (Statuen, Porträts, Puppen) strafrechtlich zu belangen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle von Rechtsgeschichte, Anthropologie, Bildwissenschaft und Magietheorie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Entwicklung der Bildnisstrafe von ihren magisch motivierten Ursprüngen bis hin zur staatlich formalisierten Form in der Frühen Neuzeit darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine geistes- und rechtsgeschichtliche Analyse, basierend auf Quellenstudien und der Auswertung zentraler literarischer Referenzen wie Wolfgang Brückner und Karl von Amira.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert spezifische Strafformen, darunter das römische Bildnisrecht, Schandfresken, Namensanschläge, die Bestrafung von Leichen und den Strafvollzug in effigie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Bildnisstrafe, Ehre, Effigies, Bildzauber und die rechtliche Exekution in Abwesenheit.

Wie unterscheidet sich die Leichenbestrafung von der Hinrichtung in effigie?

Während die Leichenbestrafung den bereits verstorbenen Körper (oder dessen Überreste) straft, bedeutet die Hinrichtung in effigie die rituelle Vollstreckung am Abbild einer lebenden, aber flüchtigen Person.

Welche Rolle spielt der Begriff "Ehre" in der untersuchten Rechtspraxis?

Die Ehre fungiert als "binär codiertes" Regulativ; die öffentliche Zurschaustellung der Schande dient dazu, den sozialen Status des Straftäters dauerhaft zu zerstören.

Warum verschwanden diese Strafen im 18. Jahrhundert?

Der Aufstieg der Aufklärungsphilosophie und die zunehmende Trennung von weltlicher Rechtsprechung und religiös-magischen Vorstellungen führten zur Ablösung dieser Praktiken durch rationalere Rechtsnormen.

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Details

Title
Die Bildnisstrafen. Eine geistesgeschichtliche Untersuchung ihrer Ursprünge und Anwendung von der Antike bis zur Gegenwart
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Course
Bilderkult, Bildersturm und Bilderflut in der frühen Neuzeit
Grade
1,0
Author
Kay Usenbinz (Author)
Publication Year
2012
Pages
21
Catalog Number
V214625
ISBN (eBook)
9783656429784
ISBN (Book)
9783656438830
Language
German
Tags
Effigien Effigie Bildzauber Bildnisstrafe substitutiver Bildakt Schadenzauber crimen exceptum Denkmalsturz Schmähbilder Schandbilder Leichenbestrafung Bildnisrecht Schandpfahl Galgen Schandfresken Schandbrief Schmähbrief Schmähbild Schandbild Inquisition Allgemeines Landrecht Preußen Criminal ordnung Polizey Kontumazialverfahren Kontumazialprozess Strafgesetzbuch Strafprozess Strafrecht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kay Usenbinz (Author), 2012, Die Bildnisstrafen. Eine geistesgeschichtliche Untersuchung ihrer Ursprünge und Anwendung von der Antike bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214625
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