Die vorliegende Arbeit möchte den Dynamiken und Zusammenhängen, die die Entwicklung von der Subkultur zum Hype hervorgebracht haben, auf den Grund gehen. Dabei soll der Fokus auf die vermeintliche Paradoxie gerichtet werden, die zwischen der die Werbung kritisierenden Street Art und deren Vereinnahmung durch eben jene besteht.
Zu Beginn wird dem Leser ein Überblick zur Entwicklungsgeschichte, sowie zu verschiedenen Motivationen und Stilen gegeben, um zum einen die klare Abgrenzung zwischen Street Art und Graffiti zu verdeutlichen und zum Anderen um zu zeigen, wo sich der hier fokussierte konsumkritische Strang der Street Art verorten lässt.
Im Anschluss werden Beispiele für konsum- bzw. werbekritische Aktionen gegeben und deren Bedeutung für die Entwicklung zum Hype aufgezeigt. Das darauf folgende Kapitel untersucht die Strategien des Guerilla Marketings und welche Bedeutung diese für die politische Botschaft der werbekritischen Street Art haben.
Es wird daraufhin zunächst mit einem Exkurs in die Trendforschung gezeigt, wie Trendhypes, in diesem Falle der um die Street Art, entstehen, um im Folgenden den Fokus speziell auf die Hypeentwicklung bei Gegenkulturen zu untersuchen.
Zum Abschluss werden schließlich die Auswirkungen der Nutzung für Werbezwecke auf die Etablierung im Kunstfeld betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ursprünge der Street Art
3 Techniken, Motivationen und Akteure
3.1 Techniken und ihre Pioniere
3.2 Intentionen
4 Street Art und Werbekritik
4.1 Kommunikationsguerilla
4.2 Adbusting
5 Die Antwort der Werbung auf Adbusting: Guerilla Marketing
5.1 Guerilla Marketing
5.2 Lifestyle Marketing
5.3 Beispiele für Guerilla Marketing
5.4 Aushöhlung der Konsumkritik
6 Von der Subkultur zum Hype: Warum Rebellion sich so gut verkaufen lässt
6.1 Exkurs Trendforschung
6.2 Gegenkultur als Motor des Kapitalismus?
6.3 Trauma der Massengesellschaft
7 Und was ist mit der Kunst?
7.1 Notwendigkeit exakter Termini
7.2 Trennung von Kunst und Werbung
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Dynamiken, die zur Transformation von Street Art von einer subkulturellen, werbekritischen Bewegung hin zu einem kommerziellen Hype geführt haben. Der Fokus liegt dabei auf der vermeintlichen Paradoxie, dass die Street Art einerseits die Konsumgesellschaft angreift, andererseits jedoch durch die Werbeindustrie vereinnahmt und instrumentalisiert wird.
- Entwicklungsgeschichte und Differenzierung von Street Art und Graffiti
- Analyse der Strategien des Adbustings und der werbekritischen Aktionen
- Untersuchung der Instrumentalisierung von Street Art durch Guerilla- und Lifestyle-Marketing
- Kritische Betrachtung der Konsumgesellschaft und der Rolle von Gegenkulturen
- Diskurs zur Positionierung von Street Art im etablierten Kunstfeld
Auszug aus dem Buch
4.2 Adbusting
Ein typisches Beispiel für Kommunikationsguerilla-Aktivismus im Bereich der Street Art ist beispielsweise das Adbusting.
Adbusting setzt sich aus den englischen Wörtern Advertisement (Werbung) und busting (zerstören) zusammen.37 Zu großer Bekanntheit gelangte beispielsweise der Street Art Aktivist Zevs mit seiner Adbusting Aktion „Liquidated Logos“ (Abb. 1), bei der er bekannte Markenlogos wie z.B. das von McDonald’s oder das von Coca Cola so veränderte, dass sie den Anschein haben zu zerfließen.
Auch seine „Visual Kidnapping“ Aktion 2002 in Berlin sorgte für großes Aufsehen. Zevs schnitt aus einem gigantischen Werbeplakat der Kaffee Firma Lavazza am Berliner Alexander Platz das Model heraus und „entführte“ es (Abb. 2 und 3). An die Firmenleitung in Turin schickte er den abgeschnittenen Finger des ausgeschnittenen Werbemodels und forderte ein Lösegeld in Höhe von 500.000 €. Nach der Entführung tauchte das Werbemodel in verschiedenen europäischen Galerien auf, bis es schließlich nach einer inszenierten Geldübergabe an Lavazza zurückgegeben wurde.38
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Transformation von Street Art von einer rebellischen, werbekritischen Subkultur zu einem kommerziell verwertbaren Phänomen und definiert die Forschungsfrage.
2 Ursprünge der Street Art: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von den ersten Graffiti-Wellen in New York bis zur Entstehung der vielfältigeren Street Art Bewegung nach.
3 Techniken, Motivationen und Akteure: Es werden die verschiedenen künstlerischen Techniken, die Hintergründe der Akteure sowie deren Motivationen und Zielsetzungen beleuchtet.
4 Street Art und Werbekritik: Dieser Abschnitt analysiert das Konzept der Kommunikationsguerilla und das Adbusting als Mittel des Widerstands gegen die Werbeindustrie.
5 Die Antwort der Werbung auf Adbusting: Guerilla Marketing: Das Kapitel untersucht, wie die Werbeindustrie die subversive Ästhetik der Street Art für Guerilla- und Lifestyle-Marketing adaptiert und instrumentalisiert.
6 Von der Subkultur zum Hype: Warum Rebellion sich so gut verkaufen lässt: Hier wird der Prozess der kommerziellen Vereinnahmung mittels Trendforschung und soziologischer Theorien über Gegenkultur und Massengesellschaft diskutiert.
7 Und was ist mit der Kunst?: Es wird kritisch hinterfragt, inwieweit Street Art als Kunstform bestehen kann, wenn sie gleichzeitig durch kommerzielle Verwertungslogiken belastet ist.
8 Fazit: Das Fazit resümiert die Wechselwirkung zwischen Street Art und Werbung und bewertet das zukünftige Potenzial der Bewegung.
Schlüsselwörter
Street Art, Graffiti, Werbekritik, Adbusting, Guerilla Marketing, Lifestyle Marketing, Subkultur, Kapitalismus, Konsumgesellschaft, Kommunikationsguerilla, Trendforschung, Authentizität, Kunstdistanz, Instrumentalisierung, Rebellion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen der ursprünglich subkulturellen und werbekritischen Street Art Bewegung und ihrer zunehmenden Kommerzialisierung durch die Werbeindustrie.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Street Art, Adbusting, Guerilla Marketing, die Instrumentalisierung von Subkulturen durch den Kapitalismus und die ästhetische sowie inhaltliche Abgrenzung zur Werbekultur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Dynamik hinter der Entwicklung von Street Art als vermeintlich rebellischer Kunstform hin zum Teil der massenmedialen Werbeästhetik zu verstehen und die Paradoxie dieser Vereinnahmung aufzudecken.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, bestehend aus der Auswertung soziologischer Fachliteratur (z.B. zu Gegenkultur und Diffusionstheorie), der Analyse von Fallbeispielen sowie einer kunsthistorischen Perspektive.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Street Art, die Untersuchung von Adbusting-Aktionen, die Gegenstrategien der Werbeindustrie und die kritische theoretische Einordnung des Prozesses der Kommerzialisierung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Konsumkritik, Kommunikationsguerilla, Cooptation, Authentizität und die Dialektik zwischen Rebellion und Markt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Banksy in diesem Kontext?
Banksy wird als prominentes Beispiel für Akteure angeführt, die sowohl durch provokante Street Art Aktionen als auch durch die geschickte Nutzung der Massenmedien (z.B. durch Filme) die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz immer wieder neu verschieben.
Gibt es eine endgültige Antwort auf die Frage nach dem "Sell-Out"?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Vereinnahmung zwar stattfindet, die Street Art in ihrer permanenten Weiterentwicklung jedoch eine Offenheit bewahrt, die sie schwer vollständig "greifbar" oder "verwertbar" macht.
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- Anja Schneck (Author), 2010, Street Art und ihre Verwertung durch die Werbeindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214646