Japans Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg und ihr Einfluss auf Mitsubishi Heavy Industries


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Mitsubishi in der Schwerindustrie vor

3 Die japanischen Kriegsvorbereitungen ab
3. 1 Wirtschaftssituation
3. 2 Politische Maßnahmen

4 Der Einfluss der Kriegswirtschaft auf Mitsubishi Heavy Industries
4. 1 Produktionsumstellung
4. 2 Mitsubishis Beziehung zur Regierung – zwischen Zwang und Eigenbemühungen

5 Fazit

6 Liste der japanischen Begriffe

7 Literaturliste

1 Einleitung

Der Zweite Weltkrieg ist bis heute ein viel diskutiertes Thema. Im Falle von Japan ist in der Forschung unklar, ob der Pazifische Krieg bereits 1931 mit der Einrichtung des Marionettenstaates Manchukuo in Nordchina, 1937 mit erneuten Kampfhandlungen in China oder aber 1941 mit dem Angriff auf Pearl Harbor begann; sicher ist aber, dass sich die japanische Wirtschaft seit Beginn der 1930er Jahre verändert hat, dass sie auf Kriegsproduktion umgestellt wurde und sich Japan politisch wie wirtschaftlich immer stärker von den westlichen Großmächten isolierte (Martin 1978:184).

Diese Arbeit soll die wirtschaftlichen Veränderungen an einem ausgewählten Unternehmen untersuchen. Mitsubishi ist als einer der größten zaibatsu und stark in die Kriegswirtschaft involvierter Konzern (Lockwood 1974:217) ein mehr als geeignetes Beispiel, um aufzuzeigen, welchen Einfluss die Situation, in der ein Land sich befindet, auf eine einzelne Firma haben kann. Insbesondere soll es hier um Mitsubishi Heavy Industries gehen, da mir die Untersuchung der Schwerindustrie am geeignetsten scheint, wenn es um die Umstellung auf Rüstungsindustrie geht. Die Leitfrage sei folgende: Inwieweit beeinflussten Japans wirtschaftspolitische Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg die Produktion von Mitsubishi Heavy Industries?

Zur Beantwortung dieser Frage wird sowohl aktuelle Literatur herangezogen, die das Geschehen aus einiger Distanz bewertet, als auch Literatur, die während des Krieges und kurz nach dessen Ende entstanden ist, um zu möglichst breit gefächerten Ergebnissen zu gelangen. Unterstützt wird die Literatur außerdem von statistischen Belegen, die wirkliche Produktionszahlen und somit deren Veränderungen verdeutlichen werden.

In Kapitel 2 wird Mitsubishis wirtschaftliche Arbeit kurz von den Anfängen des Unternehmens bis 1930 dargestellt, damit später die Produktionsveränderungen klarer werden. Kapitel 3 der Arbeit widmet sich der Wirtschaftssituation in den 1930er Jahren (3. 1) sowie den politischen Maßnahmen, die wirtschaftliche Veränderungen bewirkt haben (3. 2), die auch an Mitsubishi Heavy Industries sichtbar wurden. Schließlich wird sich Kapitel 4 mit den tatsächlich eingetretenen Veränderungen bei Mitsubishi (4. 1) beschäftigen und auch darauf eingehen, ob sich diese aus eigenem Antrieb oder durch politischen Zwang vollzogen haben (4. 2). Ein abschließendes Fazit soll in Kapitel 5 die Ergebnisse zusammenfassen und versuchen, die Leitfrage zu beantworten.

2 Mitsubishi in der Schwerindustrie vor 1930

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf Mitsubishi Jūkōgyō (Mitsubishi Heavy Industries), doch dieses Subunternehmen des Mitsubishi-Konzerns wurde erst 1934 gegründet (Morikawa 1992:231), als Mitsubishi begann sich stärker in der Schwerindustrie zu diversifizieren (Morikawa 1992:230). Die Schwerindustrie ist ein Wirtschaftssektor, der sowohl die eisenerzeugende und eisenverarbeitende Industrie als auch den Bergbau bezeichnet (Duden Online 2013). Diese Definition umschließt im Falle Mitsubishis den Abbau und die Weiterverarbeitung von Kohle und verschiedenen Metallen, den Schiff- und Flugzeugbau sowie den Maschinenbau (Lockwood 1974:217; Morikawa 1992:231). Morikawa (1992:230) zählt zur Schwerindustrie außerdem die Verarbeitung von Öl- und Chemikalien, mit der sich Mitsubishi Heavy Industries in den 1930er Jahren weiter diversifizierte.

Um verstehen zu können, dass Mitsubishis starkes Engagement in diesem Wirtschaftssektor in den 1930er und 1940er Jahren tatsächlich eine Veränderung zu vorher darstellte, scheint es mir zunächst wichtig, aufzuzeigen, wie der Konzern vor 1930 wirtschaftete.

Mitsubishi wurde 1867 als Schifffahrtsunternehmen gegründet (Morikawa 1992:12) und stand als Überseehändler im Dienste der Regierung (Zöllner 2009:335). Aus dieser Beschäftigung heraus entwickelte sich das Unternehmen zu einem zaibatsu. Morikawa (1992:XVII) definiert den zaibatsu als familiengeführten Konzern, der mit Tochterunternehmen in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft vertreten war. Diese starke Diversifizierung verlieh den zaibatsu große wirtschaftliche Macht, so dass sie bis zu ihrer Auflösung nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Wirtschaftssektoren, darunter auch die Rüstungsindustrie, dominierten (Eisele 2004:3; Morikawa 1992:XV).

Mitsubishi war in der Schifffahrt schon immer dominant (Morikawa 1992: 28). 1884 brachte das Unternehmen die Nagasaki-Werft in ihren Besitz (Fukasaku 1992:12), die 1857 von der Regierung gegründet wurde (Fukasaku 1992:14). Die Mitsubishi-Nagasaki-Werft wurde somit zum ersten privaten Schiffbauunternehmen Japans (Fukasaku 1992:13). Schiffe waren aber nicht Mitsubishis einziges Interesse. Am Ende des 19. Jahrhunderts war der Konzern in verschiedenen anderen Wirtschaftssektoren tätig, wie zum Beispiel in der Metallurgie, dem Bankgeschäft, dem Lagerwesen und auch im Immobilienhandel (Morikawa 1992:28). Aus einigen dieser Industriezweige bezog Mitsubishi sogar weit größeren Gewinn als aus dem Schiffbau, wie aus Tabelle 1 ersichtlich wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Mitsubishis Einkommensquellen 1886, 1889 und 1892 (Angaben in %)

(Quelle: modifizierte Darstellung nach Hatate (1978:22-33), zitiert in Morikawa (1992:28))

Es wird deutlich, dass der Schiffbau am Ende des 19. Jahrhunderts nicht zu den Haupteinnahmequellen gehörte. Tabelle 1 zeigt, dass Mitsubishi, das als Schifffahrtsunternehmen gegründet wurde, seinen Tätigkeitsbereich ausgeweitet hat und andere Industriezweige inzwischen lukrativer geworden waren. So ist zwischen 1886 und 1892 mit steigenden Aktiengewinnen die Ausweitung des Finanzsektors zu verzeichnen. Das größte Einkommen erhält Mitsubishi aber aus dem Abbau von Kohle und anderen Rohstoffen, der 1892 48 Prozent der Gesamtgewinne ausmacht.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vergrößerte der Konzern seinen Aktionsbereich weiter und gründete eine Handelsfirma, die Mitsubishi Trading Company (Morikawa 1992:68).

Im Ersten Weltkrieg konzentrierte sich Mitsubishi wieder mehr auf den Schiffbau, da die Nachfrage in dieser Zeit größer wurde (Morikawa 1992:128). Nach Ende des Krieges brach dieses Geschäft allerdings abrupt ein, da kaum noch Schiffe benötigt wurden (Morikawa 1992:145). Mitsubishi erlitt zwar einige Verluste, doch es profitierte letztendlich davon, dass es wesentlich weniger Schiffe produziert hatte als beispielsweise Kawasaki, das durch seine Überproduktion und die fehlende Nachfrage nach dem Krieg bankrottging (Morikawa 1992:145). Mitsubishi war zwischen den beiden Weltkriegen eher leistungsschwach, doch konnte durch seine starke Diversifizierung und die damit einhergehenden Einkünfte aus anderen Industriebereichen trotzdem weiterhin bestehen (Morikawa 1992:145). Bis in die 1930er Jahre hinein blieb es ein unabhängiges Unternehmen, das nur mit dem Ausland zusammenarbeitete, um neue Technologien zu importieren und sich so ständig zu verbessern (Fukasaku 1992:14), doch wirklich erfolgreich wurde das Unternehmen erst wieder durch die steigende Nachfrage nach schwerindustriellen Gütern ab den 1930er Jahren, wie Kapitel 4 noch zeigen wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Japans Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg und ihr Einfluss auf Mitsubishi Heavy Industries
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Politikwissenschaft und Japanologie)
Veranstaltung
Politik und Wirtschaft Japans: Zaibatsu – Japans Wirtschaftskonglomerate von der Edo-Zeit bis heute
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V214659
ISBN (eBook)
9783656429593
ISBN (Buch)
9783656433682
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft, Japan, Mitsubishi, Schwerindustrie, 2. Weltkrieg
Arbeit zitieren
Franziska Riedel (Autor), 2013, Japans Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg und ihr Einfluss auf Mitsubishi Heavy Industries, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214659

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