Der Umgang mit Komplexität in der Mediendemokratie


Studienarbeit, 2012

46 Seiten


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„ Sollte nicht von dem Fortschritt der menschlichen Kultur ungeiähr dasgelten, was wir beijeder Erfahrungzu bemerken Gelegenheit haben?

Hier aber bemerkt man dreiMomente:

1. Der Gegenstand steht ganz vor uns,aber verworren und meinanderfließend.
2. Wir trennen einzelne Merkmale und unterschieden. Unsere Erkenntnis ist deutlich, aber vereinzelt und borniert.
3. Wir verbinden das Getrennte, und das Ganze steht abermals vor uns, aber jetzt nicht

mehr verworren,sondern von allen Seiten beleuchtet. In der ersten Periode waren die Griechen. In derzweiten stehen wir. Die dritte ist also noch zu hoffen, und dann wird man die Griechen auch nicht mehr zurückwünschen."

Friedrich Schiller, 1793

1. Einleitung

In was für einer Welt leben wir? Während die Politik meist dem Tagesgeschäft verhaftet bleibt und nur zu besonders besinnlichen Anlässen solch abstrakte Fragen stellt, ist es Aufgabe der Medien, unsere Gesellschaft auch im Ganzen zu reflektieren. Obwohl die daraus gezogenen Konsequenzen höchst unterschiedlich ausfallen, geht doch den meisten Beobachterinnen[1] die Diagnose recht leicht und einhellig über die Lippen oder den Stift: Sie ist unüberschaubar, unvorhersehbar, vernetzt - sie ist komplex.

„Komplexität" scheint, vielleicht als Nachfolgerin der „Postmoderne", das unentbehrliche Schlagwort unserer Zeit zu sein. Ein Schlagwort ist es jedoch nicht aus dem Grund, dass es eine unzutreffende oder unangemessen vereinfachende Charakterisierung darstellen würde. Wie im Folgenden noch zu zeigen sein wird, beschreibt „Komplexität" im Gegenteil sehr treffend die Herausforderungen, die auf uns warten - oder sich vielmehr aufdrängen.

Dennoch findet allzu oft eine schlagwortartige Verknappung statt, zumindest beim Gebrauch des Begriffs in Medien, die an ein Massenpublikum adressiert sind. Teilweise wird „Komplexität" tatsächlich als wissenschaftlich erscheinendes buzzword gebraucht, mit dem beispielsweise Vorgänge beschrieben werden, die zwar kompliziert, jedoch nicht komplex sind. Auf eine Erläuterung des Begriffs wird dementsprechend verzichtet. Auch wenn „Komplexität" in einem angemessenen Zusammenhang verwendet wird, so wird doch häufig die Bekanntheit des Begriffs bei Leserinnen und Lesern vorausgesetzt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass ihnen die umfängliche Bedeutung von „Komplexität" nie untergekommen und vertraut gemacht worden ist. Daher liegt meist nur ein unpräzises Verständnis vor, dass die Behandlung und Vermittlung von Komplexität in den Medien erschwert.

Wir sind damit direkt in die Metaebene eingestiegen: Komplexität ist als begriffliches System selbst komplex. Definitionsversuche sind häufig stark durch spezielle Anwendungsgebiete, wie beispielsweise Informatik, Biologie, Physik, Soziologie oder Politologie geprägt. Als „komplex" können mikroskopisch kleine Systeme wie biologische Zellen charakterisiert werden, jedoch ebenso Mega­Systeme, wie zum Beispiel der Klimawandel, die Erde als Ökosystem oder soziale Systeme wie Politik und Sprache. Das Auftreten von Komplexität - als Attribut zahlloser Phänomene mit weitreichenden Folgen für Interventionen und Steuerung - wird jedoch ebenso wie deren vielschichtige begriffliche Bedeutung in den Massenmedien unzureichend vermittelt.

Diese These - als Wahrnehmung eines Missstands - verdeutlicht zunächst meine Motivation, darüber, d. h. über den Umgang mit Komplexität in der Mediendemokratie, zu schreiben, bringt jedoch noch eine weitere zentrale These der vorliegenden Arbeit mit sich: Komplexität wird durch die Massenmedien unzureichend vermittelt, was aufgrund der Bedeutung der Massenmedien für unsere gesellschaftliche Selbstbeobachtung und unser politisches System zur Folge hat, dass Gesellschaft und Politik keinen angemessenen Umgang mit Komplexität pflegen.

Gemäß der systemtheoretischen Perspektive, die der Wahl dieses Themas und einem Großteil meiner Argumente zugrunde liegt, ist jedoch bereits hier festzustellen, dass der soeben angedeutete Zusammenhang nicht einer linearen Kausalität, sondern einem zirkulären Rückkopplungsverhältnis entspricht. Die These könnte nämlich ebenso lauten: Politik und Gesellschaft pflegen keinen angemessenen Umgang mit Komplexität, daher wird Komplexität durch die Massenmedien - die ja zum Teil als „Spiegel der Gesellschaft" verstanden werden - auch nicht angemessen dargestellt.

Wie sich diese Wechselwirkungen vollziehen, soll im Folgenden näher beleuchtet werden. Im Fokus steht dabei die erste Fassung der These, einschließlich der oben genannten „Bedeutung der Massenmedien für unsere gesellschaftliche Selbstbeobachtung und unser politisches System". Diese Bedeutung spiegelt sich im Begriff der Mediendemokratie wider, den ich im Titel der Arbeit verwende. Dabei handelt es sich selbstverständlich um eine zugespitzte Charakterisierung unseres politischen Systems. Trotz der enorm wichtigen Stellung und der vielfältigen Funktionen der Medien in unserer Gesellschaft wäre es weder adäquat noch hilfreich, Medien als übermächtige Strippenzieher oder gar letztendliche Entscheider zu portraitieren. Der für einen leichter verständlichen Titel der Arbeit verwendete Begriff der Mediendemokratie soll daher nicht nahelegen, dass Medien durch ihren Einfluss auf Bürgerinnen und Politikerinnen die tatsächlich Regierenden wären, sondern die zunehmende Medialisierung von Politik und Gesellschaft anreißen. Unter Medialisierung ist kurz gefasst die Übertragung medialer Logiken auf beispielsweise die politische Sphäre zu verstehen.

An dieser Stelle möchte ich kurz erklären und veranschaulichen, welche Konstellation die von mir bereits mehrfach erwähnten kollektiven Akteure Politik, Gesellschaft und Medien verbindet: Es gibt die Bürgerinnen und Bürger, die ihr Zusammenleben organisieren müssen. Dazu schaffen sie eine politische Sphäre, die sie repräsentiert und treuhänderisch regiert, jedenfalls in einer repräsentativen Demokratie wie der unseren. Dem bekannten Modell von David Easton zufolge stehen Politik und Gesellschaft in einem Austausch mittels „inputs" und „outputs", genauer gesagt „demands" und „support" bzw. „decisions" und „actions.[2] Damit diese Forderungen, Entscheidungen usw. aber tatsächlich ausgetauscht werden können, bedarf es der intermediären Organisationen. Sie vermitteln zwischen Politik und Bürgerinnen - auch zwischen den Wahlen. Die Grenzen sind dabei fließend, beispielsweise bei Parteien oder Bürgerinitiativen, die je nach Theorieverständnis auch der politischen bzw. zivilgesellschaftlichen Sphäre zuordenbar sind. Schon dem Namen nach eindeutig intermediär sind jedoch die Medien. Das klassische Verständnis der Konstellation dieser drei Sphären wäre nun folgendes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Diese Darstellung soll veranschaulichen, dass die drei Sphären der Gesellschaft, der Politik und der vermittelnden Medien für den Analysefokus dieser Arbeit die notwendigen und zugleich hinreichenden Kernakteure darstellen. Eine Vielzahl von Akteuren, Institutionen, Schnittmengen und hybriden Organisationsformen, die sogar selbst die Komplexität unserer Gesellschaft entscheidend konstituieren, müssen leider weitgehend unberücksichtigt bleiben.

Nachdem nun das Feld, in dem meine Analyse stattfinden soll, abgesteckt und die zentrale These benannt ist, möchte ich noch einmal näher auf meine Motivation zu dieser Thematik eingehen. Sie entspringt dem von mir subjektiv wahrgenommenen Kontrast zwischen Konstanten und Veränderungen in unserer Gesellschaft. Technologische Entwicklungssprünge vollziehen sich immer schneller und in immer höherer Frequenz. Gleichzeitig wächst die Welt weiter zusammen und entwickelt dabei ein neues Kräfteverhältnis. Prognosen lassen erwarten, dass die sogenannten Schwellenländer wie Brasilien oder Indien bereits in wenigen Jahrzehnten über hochmoderne Wirtschafts- und womöglich auch Gesellschaftsordnungen verfügen werden.[3] Auch in Deutschland kann man ökonomische wie auch soziale Umbrüche beobachten, beispielsweise in der Organisation des Arbeitslebens. Trotzdem verharren viele dieser progressiven Experimente in einer gesellschaftlichen Nische. Während sich weltweit gravierende Umwälzungen abspielen und die eigene Jugend grundlegend anders sozialisiert wird und wurde als noch die Elterngeneration, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass insbesondere die entscheidenden Steuerungseliten in Deutschland sich davon eigentümlich wenig beeindrucken lassen. Trotz der tiefgreifenden technologisch-gesellschaftlichen und soziopolitischen Veränderungen, die sich auch bei uns in den letzten Dekaden abgespielt haben, wird vieles - wenn nicht gar das Meiste - nach wie vor gehandhabt wie vor 30 Jahren. Die Organisation des Arbeitslebens kann wiederum als Beispiel angeführt werden: Die großstädtische Kreativszene mag sich in Coworking Spaces zusammenschließen und neue Wege für eine Balance zwischen Privatem und Beruf erproben. Der gesellschaftliche Mainstream jedoch hat sich bis heute nicht vom Ideal der Vollbeschäftigung und des sogenannten Normalarbeitsverhältnisses emanzipiert.

In meiner Wahrnehmung tut sich hier eine wachsende Kluft auf: Eine tief verankerte Rückwärtsgewandtheit steht einem immer schnelleren wissenschaftlich-technologischen Fortschritt und unserem Potenzial, neue Organisationsformen des Zusammenlebens zu entwickeln, gegenüber. Natürlich liegt der Grund für unsere Sehnsucht nach Beständigkeit und Konstanz in unseren Gefühlen. Es ist die Angst vor Unsicherheit sowie eine vielleicht auch kulturell bedingte niedrige Toleranz gegenüber Fehlern und Risiken. Die Bereitschaft zum Wandel entsteht nicht ohne ein emotionales Fundament dafür. Ein wichtiger Grund für das Gefühl von Unsicherheit, das den sozialen Wandel hemmt, ist in meinen Augen die steigende Komplexität. Je komplexer ein System, umso schwieriger ist es, Zusammenhänge zu erkennen und Folgen abzuschätzen - umso mehr, wenn man sich dabei auf veraltete oder unangemessene Methoden verlässt. Die Akzeptanz und Verarbeitung von Unsicherheit geht Hand in Hand mit der Akzeptanz und Verarbeitung von Komplexität. Die Grundvoraussetzung für einen meines Erachtens erstrebenswerten gesellschaftlichen Wandel ist also ein angemessener Umgang mit Komplexität. Doch wie soll der Umgang mit ihr erlernt werden, wenn sie in Politik und Medien zumeist bloß unter den Tisch gekehrt oder künstlich reduziert wird? So entstand das Vorhaben, sich mit den Hindernissen, die eine medialisierte Gesellschaft dem Komplexitätslernen stellt, und möglichen Strategien für deren Überwindung zu befassen. Komplexität wird insbesondere für Menschen mit einem abendländisch geprägten Weltbild, die daran gewöhnt sind, zu kategorisieren und zu isolieren, immer eine Herausforderung bleiben. Dennoch gibt es Ansätze, die uns eine neue Perspektive auf diese scheinbare Bedrohung erlauben könnten. Sie sollen im letzten Teil der Arbeit Erwähnung finden.

Zunächst werde ich auf die Eckpfeiler unserer Wahrnehmung oder eben häufig eher Nicht-Wahrnehmung von Komplexität, ihre Definition und einige Beispiele für komplexe Phänomene, die unsere Gegenwart prägen, eingehen. Anschließend werde ich die Bedeutung der Medien für unser politisches System im Allgemeinen und im Hinblick auf Komplexitätsverarbeitung untersuchen sowie die dafür bedeutsame Entwicklung der Boulevardisierung der Medien näher erörtern. Schließlich werde ich einige Strategien gegen die Überforderung, die uns aus der zunehmenden Komplexität erwächst, zusammentragen und in meiner eigenen abschließenden Wertung hoffentlich der bereits angedeuteten Forschungsfrage auf den Grund gehen: Verhindert die Medialisierung unserer Politik und Gesellschaft einen erfolgreicheren Umgang mit Komplexität, und wenn ja, warum und wodurch? Dabei verfolge ich die Methode einer theoretischen Reflexion und Analyse, wobei jedoch die entwickelten Erkenntnisse durchaus eine praktische Bedeutung in sich tragen sollten. Ich verfolge den Anspruch einer modernen Wissenschaftlichkeit, die sich aus dem Elfenbeinturm auch in alltagsrelevante Gefilde herabbegibt und die „faktische Verschiedenheit menschlicher Erfahrung und der Wege zum

Wissen"[4] anerkennt. Dem internen Realismus, d. h. dem epistemologischen Profil meiner Wahl zufolge gibt es „mehr als eine allein richtige Bedeutung der Worte, mehr als eine vernünftige Erkenntnis und Wahrheit, mehr als eine gegenstandsangemessene Methode. Eine Gewähr dafür, dass die in verschiedenartigen Lebensweisen, Denkstilen, Sprachen und anderen symbolischen Formen entstehenden Weltsichten miteinander verträglich (kommensurabel) sind, gibt es nicht"[5]. Was als logisch oder relevant - und damit eben nicht zuletzt auch als wissenschaftlich - anerkannt wird, ist abhängig von der Subjektivität aller Zugänge zu allen Themen und der Relativität, die aus unterschiedlichen Lebenswelten und psycho-sozialen Kontexten erwächst. So kann jeder nur hoffen, dass seine Worte verstanden und seine Erkenntnisse geteilt werden - eine Garantie dafür kann jedoch von niemandem gegeben werden und sollte auch nicht durch eine bewusste Standardisierung der „Wege zum Wissen" erzwungen werden.

2. Wahrnehmung von Komplexität

Die Wahrnehmung von Komplexität hat meines Erachtens eine rationale und eine emotionale Komponente. Die rationale Komponente besteht darin, dass wir in unserer Gesellschaft zunehmend Entsprechungen für die formalen Kriterien von Komplexität finden. Hierbei ist jedoch fraglich, ob nur die Zahl der so charakterisierten Phänomene steigt oder ob sich nicht auch unser Potenzial für die Wahrnehmung dessen weiterentwickelt hat. Diese These wirft Fragen zur sich ja weiter vollziehenden Evolution des menschlichen Gehirns auf, die in dieser Arbeit leider nicht weiter verfolgt werden können.

Die emotionale Komponente besteht in einem meist schwer artikulierbaren, kollektiven Gefühl, das zwar, wenn man es in seine Einzelteile zerlegt - soweit das bei einem Gefühl abstrahierend möglich ist - wiederum viel mit den formalen Kriterien von Komplexität zu tun hat, aber dennoch darüber hinausgeht. In meinen Augen hat es viel mit dem Lebensgefühl einer Generation zu tun, deren Optionen ins Unermessliche gewachsen sind. Als unvermitteltes Gefühl erfasst es Komplexität auf eine Weise, die eine andere Qualität hat als die Beschreibung anhand einer begrenzten Zahl von Kriterien. Und damit zeigt dieser Zusammenhang zugleich die zentrale These und Erkenntnis von komplexitätsorientiertem Denken auf: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

2.a) Erkenntnisheuristiken

2.a) i. Analyse

Anhand der Beschreibung einzelner Teilaspekte, Erscheinungsformen und mit den Mitteln der Wissenschaft „herausgearbeiteter" Kriterien von Komplexität lässt sich durchaus eine Vorstellung davon bekommen, was der Begriff meint - jedenfalls insofern, dass es mich in die Lage versetzt zu sagen: „Aha, hier könnte Komplexität vorliegen", wenn mehrere dieser Kriterien auf ein Phänomen zutreffen. Der Begriff des „Herausarbeitens" funktioniert hierfür sehr anschaulich: Aus einem Ganzen werden Teile herausgenommen, extrahiert, es wird zerlegt - es wird analysiert.

Der Begriff der Analyse stammt von dem altgriechischen Verb analysein, was so viel bedeutet wie „auflösen". Die Analyse ist also das Auflösen eines Ganzen in seine Einzelbestandteile.[6] Dieser Vorgang kann natürlich in unzähligen Schritten wiederholt werden, so dass jeder „herausgearbeitete" Einzelbestandteil die Rolle eines neuen Ganzen einnimmt und anschließend weiter zerlegt wird. So stößt die Analyse denn auch an ihren wohl kritischsten Punkt, nämlich die Frage: Wo soll sie enden? Oder: Wo endet sie - quasi naturgemäß? Damit sind wir bei Goethes berühmter Frage nach der Essenz, die die Welt im Innersten zusammenhält. Eine Zeitlang dachte man, mit dem Atom den kleinsten Weltbaustein gefunden zu haben, doch dies stellte sich als vorschnell heraus - ganz zu schweigen von dem gravierenden Manko, dass unser Wissen über das Atom uns nur sehr wenig darüber verrät, was die Welt der sozialen und psychisch-emotionalen Phänomene im Innersten zusammenhält.

Das Analysieren führt uns also nicht nur an einen „toten Punkt", sondern verrät uns auch nichts über das Zusammenwirken der einzelnen Teile. Solange wir nichts darüber wissen, was sich zwischen(!) den Einzelteilen abspielt, werden wir das Ganze nicht begreifen können. Im analytischen Weltbild wird das Zusammenspiel der Teile also tendenziell marginalisiert. Dort, wo es nicht völlig außer Acht gelassen wird, findet zumeist eine Reduktion auf eine spezifische Art und Weise des Zusammenspiels statt, nämlich auf lineare Kausalität.

2.a)ii. Linearität

Ein System ist dann linear, wenn es zwei Eigenschaften erfüllt: die Additivitätseigenschaft und die Homogenitäts- oder Skalierbarkeitseigenschaft. Erstere bedeutet: „Die Antwort des Systems auf eine Summe von Eingangssignalen ist gleich der Summe der Einzelantworten". Skalierbarkeit kann wie folgt definiert werden: „Die Skalierung (Verstärkung oder Abschwächung) des Eingangssignals führt zu einer ebensolchen Skalierung des Ausgangssignals". Beide Eigenschaften in Kombination werden als Superpositionsprinzip bezeichnet.[7] Dies bedeutet letztlich, dass das System vorausberechenbar reagiert und auch dementsprechend gesteuert werden kann. Diese Art von Zusammenhang wird jedoch häufig auf Phänomene angewandt, die tatsächlich ganz anders funktionieren - nämlich alle offenen, dynamischen Systeme. So kommt es zu gravierenden Fehlsteuerungen. Experimentell wurde dies zum Beispiel von Dietrich Dörner, Psychologe und Komplexitätsforscher, mit seiner 1975 beschriebenen „Tanaland"-Simulation nachgewiesen. Zwölf Personen unterschiedlicher Fachrichtungen sollten dafür sorgen, dass es Tanaland, einem fiktiven Entwicklungsland mit den reellen Bedingungen vieler afrikanischer Regionen, besser geht.

[...]


[1] Sprache ist eines der komplexesten Phänomene unseres Alltags. Ihrer weitreichenden Wirkungen und Implikationen sind wir uns nach wie vor nur unzureichend bewusst. Eine geschlechtergerechte Sprache ist daher eine Mammutaufgabe, deren Bewältigung noch aussteht. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, auf das generische Maskulinum weitestgehend zu verzichten - trotz der stets befürchteten Beeinträchtigung der Lesbarkeit und des erhöhten Arbeitsaufwands. Stattdessen verwende ich die in meinen Augen von Fall zu Fall praktikabelste Alternativformulierung.

[2] Easton 1965, S. 32

[3] Vgl. z. B. Ward 2011 und http://www.bain.de/press/press-releases/bain-studie-the-great-eight- billionen-chancen-fuer-westliche-Unternehmen.aspx (Zugriffsdatum für alle Links: 22.08.2012)

[4] Sandkühler 2009, S. 24

[5] Ebd.

[6] http://de.wikipedia.ore/wiki/Analvse

[7] http://www.ak.tu- berlin.de/fileadmin/a0135/Unterrichtsmaterial/EDS WS0910/0910 Musterloesung Aufgabenblatt l.p df

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Details

Titel
Der Umgang mit Komplexität in der Mediendemokratie
Hochschule
Hochschule Bremen
Autor
Jahr
2012
Seiten
46
Katalognummer
V214749
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang, komplexität, mediendemokratie
Arbeit zitieren
Lisa Wegener (Autor), 2012, Der Umgang mit Komplexität in der Mediendemokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214749

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