Mit rund 152 Millionen Einwohnern ist Nigeria nicht nur das bevölkerungsreichste Land, sondern mit einer Förderung von 1,94 Millionen Barrel Erdöl pro Tag auch der größte Rohölproduzent des afrikanischen Kontinents. Trotz seines enormen Ressourcenreichtums und der Erschließung gewinnbringender Erdölvorkommen versäumte Nigeria jedoch lange die Chance sich zu einer modernen, industrialisierten Volkswirtschaft zu entwickeln. Knapp 30 Jahre der Militärdiktatur haben das Land der über 250 verschiedenen Ethnien zermürbt und heruntergewirtschaftet. Nach dem Erliegen vieler wichtiger wirtschaftlicher, politischer und sozialer Strukturen hat Nigeria seit seiner Redemokratisierung 1999 nun die Chance die jahrzehntelange Leidensgeschichte von Korruption, Armut und Gewalt abzuschließen sowie sich zu Afrikas größter Volkswirtschaft zu entwickeln.
Ziel dieser Arbeit ist es, die verschiedenen strukturellen Schwachpunkte sowie wirtschaftspolitische Fehlverhalten herauszuarbeiten, welche die Stagnation und den Nicht-Voranschritt Nigerias erklären. Um eine detaillierte Analyse der Missstände Nigerias verständlich zu machen, wird im ersten Teil erläutert, welche Punkte eine Volkswirtschaft im Prozess ihrer wirtschaftlichen Entwicklung im Allgemeinen realisieren muss. Anhand dieser Aspekte sollen im zweiten und dritten Abschnitt Nigerias Entwicklungen der letzten fünf Jahrzehnte ausgewertet und diskutiert werden. Kernfrage ist dabei immer, wo wirtschaftspolitische Strukturen versagt haben und letztendlich Entwicklungsstrategien gescheitert sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wirtschaftlicher Fortschritt als Konfluenz mehrerer Faktoren
2.1. Politisches System
2.2. Struktureller Wandel
2.3. Wachstum und Kapitalakkumulation
2.4. Schaffung neuer Institutionen
3. Wirtschaftspolitische Entwicklungen Nigerias von 1960 bis 1999
3.1. Vor der Unabhängigkeit
3.2. Die 1960er Jahre
3.2.1. Die Erste Republik und ihr Scheitern (1960-1966)
3.2.2. Militärregime unter Gowon und Biafra-Krieg (1966-1970)
3.3. Die 1970er Jahre
3.3.1. Der Öl-Boom und die Dutch Disease (1970-1975)
3.3.2. Staatlich geführte Entwicklung und Redemokratisierung (1975-1979)
3.4. Die 1980er Jahre
3.4.1. Die Krise nimmt ihren Lauf (1979-1985)
3.4.2. Liberale Ansätze und politischer Balanceakt Babangidas (1985-1989)
3.5. Die 1990er Jahre
3.5.1. Niedergang (1990-1993)
3.5.2. Das „räuberische Regime“ Abachas (1993-1999)
4. Wirtschaftspolitische Entwicklungen Nigerias ab 1999
4.1. Redemokratisierung und Reformpläne Obasanjos
4.2. Analyse der Reformen
4.2.1. Strukturelle Veränderungen
4.2.2. Ökonomischer Diversifikation
4.2.3. Finanzielle Entwicklungen und internationaler Kontext
4.2.4. Korruptionsbekämpfung
5. Fazit.
6. Literaturverzeichnis
7. Abbildungsverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Warum hat Nigeria trotz Ölreichtums wirtschaftliche Probleme?
Jahrzehntelange Militärdiktaturen, massive Korruption und die einseitige Abhängigkeit vom Erdöl haben die Entwicklung anderer Wirtschaftszweige verhindert.
Was bedeutet „Dutch Disease“ im Kontext Nigerias?
Es beschreibt das Phänomen, dass der boomende Rohstoffsektor (Öl) zu einer Aufwertung der Währung führt, wodurch andere Sektoren wie die Landwirtschaft international nicht mehr wettbewerbsfähig sind.
Welche Rolle spielte das Regime von Sani Abacha?
Das Regime der 1990er Jahre gilt als eines der korruptesten und repressivsten, das die staatlichen Strukturen Nigerias weitgehend zerrüttet hat.
Was änderte sich mit der Redemokratisierung 1999?
Unter Präsident Obasanjo begannen Reformpläne zur ökonomischen Diversifikation, Schuldenreduzierung und verstärkten Korruptionsbekämpfung.
Wie viele Ethnien leben in Nigeria?
In Nigeria leben über 250 verschiedene Ethnien, was die politische Stabilität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor große Herausforderungen stellt.
- Quote paper
- Saskia Amend (Author), 2010, Wirtschaftspolitische Analyse Nigerias von 1960 bis 2010, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214772