Ökonomischer Strukturwandel im ländlichen Raume in Deutschland

Instrumente und Politikansätze


Hausarbeit, 2012

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ländlich – Definition von Ländlichkeit

3. Ländliche Regionen in Deutschland – Die aktuelle Situation

4. Politische Instrumente und Ansätze für den ländlichen Raum in Deutschland
4.1. Maßnahmen der Strukturpolitik
4.2. Lokale und regionale Ansätze

5. Gründe für Verbesserungen und Verbesserungspotential für die ländliche Politik in Deutschland

6. Schlussbemerkung

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Definition von Ländlichkeit nach BBR

Abbildung 2: Definition von Ländlichkeit nach OECD

Abbildung 3: Prognostizierte Bevölkerungsentwicklung bis

Abbildung 4: Zentrale Einflüsse für den ländlichen Raum

Abbildung 5: GAK

Abbildung 6: Fördergebiet der GRW 2007-2013

Abbildung 7: GRW

Abbildung 8: Deutsche LEADER Regionen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verbesserungvorschläge für die ländliche Politik in Deutschland laut ARL

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Nicht selten gelten die peripheren Gebiete, vorrangig im Osten der Republik, als sozioökonomische Problembereiche (Friedrich et al. 2009.). Der ökonomische Strukturwandel und der demografische Wandel lassen sich als zentrale Faktoren für die Abwärtsentwicklung im ländlichen Raum nennen (Dehne et al. 2008). Als Folge dieser Entwicklung können grundlegende Funktionen der öffentlichen Daseinsvorsorge nicht mehr wahrgenommen werden, da keine wirtschaftliche Tragfähigkeit gewährleistet ist. Die Prozesse verstärken sich gegenseitig und führen zu einer Abwärtsspirale, welche die Chancen den Entwicklungen entgegen zu wirken zunehmend verkleinert (Dehne et al. 2008).

Die starke Heterogenität der Regionen in Deutschland erweist sich als besonders schwierig (Mose & Nischwitz 2009). Ein einheitlicher Politikansatz ist daher nur schwer umsetzbar. Zudem ist die Sinnhaftigkeit eines derartigen Vorgehens zu hinterfragen. Als vorteilhafter erweist sich möglicherweise ein einheitlicher Ansatz für schrumpfende ländliche Räume und ein einheitlicher Ansatz für wachsende ländliche Räume. Den schrumpfenden Gebieten sollte allerdings eine größere Aufmerksamkeit gewidmet werden, da in diesen Gebieten eine Konsolidierung nötig ist.

Ein frühzeitiges Erkennen von Problemregionen und damit einhergehendes Handeln ist aufgrund der vorherrschenden Lage unabdingbar. Bund, Länder und Kommunen stehen in der Pflicht mit geeigneten politischen Instrumenten entgegen zu lenken. Ob die aktuellen Instrumente ausreichen und welche zusätzlichen Möglichkeiten es für eine nachhaltige Regionalentwicklung im peripheren Raum gibt, wird in vorliegender Arbeit untersucht.

Zur Einführung in die Thematik wird sich zu Beginn der Arbeit mit den Begriffen „Ländlich“ beziehungsweise „Ländlichkeit“ auseinander gesetzt. Zwei Definitionen sollen ein Verständnis dafür geben, was die wichtigsten Kriterien dafür sind, dass ein Gebiet als ländlich anzusehen ist. Im Anschluss werden die ländlichen Räume in Deutschland betrachtet. Die aktuelle Situation und der prognostizierte Trend stehen im Mittelpunkt. Welche Instrumente und politischen Mittel bestimmend für den ländlichen Raum in Deutschland sind, wird folgend untersucht. Schlussendlich werden Verbesserungspotentiale und Handlungsempfehlungen mit denen die ländliche Politik optimiert werden kann vorgestellt.

2. Was ist ländlich – Definition von Ländlichkeit

Der ländliche Raum liegt trivialer Weise außerhalb der urbanen Kerne und ist dünner besiedelt als die Verdichtungsräume (Spangenberg 2008). Allerdings ist diese Definition zu einfach, als dass sie als Grundlage für eine Politik des ländlichen Raumes dienen kann. Weiterhin ist die Heterogenität von ländlichen Räumen zu stark ausgeprägt, als dass eine einfache Stadt – Land Abgrenzung zur Beschreibung genügt. Nach Spangenberg existiert „nicht der ländliche Raum […]“ und es herrscht „keine Dichotomie zwischen Stadt und Land.“ (Spangenberg 2008, S. 2).

Daher das es keine klare Abgrenzung zwischen ländlich und nicht ländlich gibt, sind mehrere Definitionen des ländlichen Raumes möglich. Für Deutschland bietet sich die Definition des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR) an, da sich die deutsche Politik sehr stark an dieser Strukturierung orientiert. Als Beispiel für eine andere Definition wird die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angebracht. Die OECD Definition bezieht auch Daten aus dem Ausland mit ein und besitzt daher eine breitere Datengrundlage. Die OECD Definition ist allerdings um einiges grober, als die des BBR da sie für ein größeres Betrachtungsgebiet – Europa bzw. den gesamten Bereich der OECD Mitglieder – entwickelt wurde.

Nach der BBR Typisierung existieren in Deutschland drei dominierende Raumtypen. Diese sind:

- Agglomerationen: Diese Raumkategorie wurde in den sechziger Jahren von der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO), aufgrund erhöhter Konzentration von Einwohnern und Arbeitsplätzen abgegrenzt (ARL 2012). Sie werden auch oft als Verdichtungsräume bezeichnet und durch Siedlungsdichte (Einwohner pro Hektar) und Siedlungsflächenanteil (Anteil der Siedlungs – und Verkehrfläche an der gesamten Gemarkungsfläche in Prozent) definiert. Die Siedlungsdichte sollte größer als 15 Einwohner pro Hektar sein und der Siedlungsflächenanteil sollte über 25 % liegen. Darüber hinaus sollten Verdichtungsräume mehr als 150.000 Einwohner im zusammenhängenden Gebiet aufweisen
- Stadt – Umland Bereiche: Auch diese Raumkategorie definiert sich über die Siedlungsdichte und den Siedlungsflächenanteil. Eine Siedlungsdichte von 7,5 Einwohnern bis 15 Einwohnern pro Hektar und ein Siedlungsflächenanteil von 10 % bis unter 25 % beschreibt diese Raumkategorie
- Ländliche Räume: Bei dieser Raumkategorie ist ein Siedlungsflächenanteil von unter 10 % und eine Siedlungsdichte von weniger als 7,5 Einwohnern pro Hektar typisierend.

Neben diesen drei Raumkategorien lassen sich diverse andere Typisierungen vornehmen. So ist eine Einteilung nach Wachstumsregion und Schrumpfungsregion bei Problemorientierten Ansätzen zu erwarten (Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) 2012). Zudem ist eine genauere Differenzierung bei regionaler oder lokaler Betrachtung von Vorteil. So kann der ländliche Raum zusätzlich in ländlich geprägt mit Verdichtungsansätzen und ländlich – peripher eingeteilt werden. Stadtregionen können weiter differenziert werden, sodass Stadtentwicklungskonzepte eine genauere Datengrundlage haben. Auch die Bundesländer haben eigene Differenzierungskategorien, welche bei Länderpolitischen Angelegenheiten in Betracht kommen (Spangenberg 2008).

Folgende Abbildung verdeutlicht die grundlegende Typisierung nach dem BBR.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Definition von Ländlichkeit nach BBR (Quelle: BBR 2008)

Die Einteilung der OECD basiert auf dem Konzept der territorialen Ebenen. Dabei wird das Gebiet der EU-27 (europäische OECD Mitgliedstaaten) in zwei territoriale Ebenen unterteilt. Die obere Ebene – TL 2 – besteht aus 300 Makrogebieten, die untere Ebene – TL 3 – aus mehr als 2300 Mikrogebieten (Crosta & Maguire 2007). Auf Grundlage dessen werden die Regionen typologisiert. Drei Typen werden von der OECD anhand eines Hauptindikators, der Bevölkerungsdichte, vorgeschlagen:

- Vorwiegend ländlich (rural): Laut OECD sind dies Kommunen in denen über 50 % der Einwohner in ländlichen Gebieten leben. Als ländlich gilt eine Bevölkerungsdichte von weniger als 150 Einwohnern pro km².
- Vorwiegend städtisch (urban): Dabei handelt es sich um Gebiete in denen weniger als 15 % der Bevölkerung im ländlichen Raum lebt.
- Intermediär (semirural): Hierbei handelt es sich um Regionen mit einem ländlichen Bevölkerungsanteil von 15 – 50 %.

Neben dieser Einteilung kann man gemäß OECD die Regionen auch auf Grundlage ihrer urbanen Zentren einteilen. So ist ein Gebiet, welches ursprünglich als ländlich definiert wurde intermediär, sobald es ein städtisches Zentrum von mindestens 200.000 Einwohnern aufweist, das mindestens 25 % der Bevölkerung ausmacht. Ein Gebiet was ursprünglich als intermediär definiert wurde, gilt als vorwiegend städtisch, falls ein urbanes Zentrum von 500.000 Einwohnern besteht, welches auch hier mindestens 25 % der Bevölkerung ausmachen.

Abbildung 2 zeigt die OECD Klassifizierung der TL 3 Gebiete für Deutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Definition von Ländlichkeit nach OECD (Quelle: OECD 2007)

3. Ländliche Regionen in Deutschland – Die aktuelle Situation

Bezeichnend für die ländlichen Gebiete in Deutschland ist ihre sehr stark ausgeprägte Heterogenität. Die Spanne reicht von stark wachsenden Regionen, wie dem Emsland, Oldenburger Münsterland oder Bodensee Oberschwaben, bis zu stark schrumpfenden Regionen wie dem Wendland oder dem gesamten Bereich Vorpommern (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2004).

Laut Prognose des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, weisen zukünftige Szenarien allerdings auf eine zunehmende Bevölkerungsschrumpfung im ländlichen Raum hin und auf eine sich verstärkende Strukturschwäche. Abbildung 3 zeigt den prognostizierten Trend.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Prognostizierte Bevölkerungsentwicklung bis 2020 (Quelle: Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2004)

Ein weiteres typisches Merkmal der aktuellen Situation im ländlichen Raum ist die ausgeprägte Mehrdimensionalität der Einflussfaktoren. Die wesentlichsten Faktoren sind: Demografie, Wirtschaft und Beschäftigung, Versorgungsstruktur und Infrastruktur, kommunale Finanzen, Bildung und Qualifizierung, Kulturlandschaft, Naturkapital, Tourismuspotential, Klimawandel, Regionalimage und regionale Handlungsoptionen. (Mose & Nischwitz 2009)

Aufgrund des sich abzeichnenden Trends, ist es sinnvoll die Einflussfaktoren auf die schrumpfenden Regionen zu beziehen und deren aktuelle Situation genauer zu betrachten. Zudem ist die Brisanz der Situationen in strukturschwachen Gebieten um einiges höher und rechtfertigt eine bevorzugte Betrachtung.

Der Umfang dieser Arbeit wird der Betrachtung aller Einflussfaktoren nicht gerecht. Aus diesem Grund wird sich auf die vier zentralen Anliegen – in Abbildung 4 dargestellt – laut OECD Prüfbericht zur Politik für ländliche Räume in Deutschland beschränkt (Crosta & Maguire 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Zentrale Einflüsse für den ländlichen Raum (Quelle: Crosta & Maguire 2007)

Der Demografische Wandel ist eines der zentralen Themen im ländlichen Raum. Bemerkbar wird das demografische Dilemma durch Abwanderung junger und qualifizierter Menschen, vor allem Frauen sowie einer Überalterung dieser Gebiete. Als Resultat kommt es zum Leerstand von Wohnungen und einem Preisverfall auf dem Immobilienmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt entwickelt sich ein zunehmender Fachkräftemangel, der die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hemmt. Auch das regionale Image leidet unter einem erhöhten Leerstand. Die überalterte Gesellschaft verursacht eine starke Belastung der Gesundheitsinfrastruktur. Die Bildungsinfrastruktur kann teilweise nicht mehr aufrecht erhalten werden, da die Mindestkapazitäten für Schulklassen oder den Schülerverkehr nicht gewährleistet werden können. Generell führt dies zu Problemen für die Tragfähigkeit der technischen und sozialen Infrastruktur. (Mose & Nischwitz 2009)

Wirtschaftlich zeichnen sich die schrumpfenden ländlichen Gebiete durch eine geringe regionalwirtschaftliche Leistungsfähigkeit aus. Der Hauptindikator dafür, ist ein unterdurchschnittliches Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Die wirtschaftliche Monostruktur (einseitige Strukturierung auf Landwirtschaft, Tourismus oder alte Industriezweige) in vielen ländlichen Räumen sorgt für eine geringe Innovationsfähigkeit. Unternehmen für Forschung und Entwicklung sind daher in den peripheren Gebieten Deutschlands nur sehr selten vorhanden. Aufgrund geringer finanzieller Mittel in den Kommunen sind viele Angebote in Freizeit, Tourismus oder Kultur überaltert. Die fehlende Investitionsfähigkeit verhindert eine nachfragegerechte Modernisierung. Resultierend aus der Demografischen Entwicklung herrscht ein angespannter Arbeitsmarkt mit hoher struktureller Arbeitslosigkeit und einen geringen Qualifizierungsgrad der Arbeitnehmer. (Mose & Nischwitz 2009)

Im Bereich Soziales ist es vorrangig der Bildungssektor, welcher vor großen Herausforderungen steht. So ist die Bereitstellung von berufsbildenden und allgemeinbildenden Schulen zukünftig fraglich, da eine wirtschaftliche Tragfähigkeit unter Schrumpfungsbedingungen nicht mehr gewährleistet werden kann. Die soziale Infrastruktur reduziert zunehmend ihr Angebot an sozialen Einrichtungen, die Grundleistungen der Krankenversorgung und die Versorgungseinrichtungen werden verringert. Beides resultiert aus den hohen Abwanderungsraten. Zudem verdünnt sich das Angebot an kulturellen Einrichtungen, Sport – und Freizeiteinrichtungen. (Mose & Nischwitz 2009)

Der Klimawandel ist das zentrale Thema für den Umwelt bereich. Regional werden die Folgen sehr spezifisch sein und entsprechende Anpassungsmaßnahmen nach sich ziehen. Insbesondere der landwirtschaftliche Sektor muss sich mit den Szenarien auseinander setzen, um mögliche Ernteausfälle zu vermeiden. Der Klimawandel birgt allerdings auch Chancen. Vor allem im Bereich Tourismus können steigende Temperaturen zu einer erhöhten Nachfrage in Gebieten mit vielen Bademöglichkeiten (z.B. Mecklenburger Seenplatte) führen. (Mose & Nischwitz 2009)

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Ökonomischer Strukturwandel im ländlichen Raume in Deutschland
Untertitel
Instrumente und Politikansätze
Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V214812
ISBN (eBook)
9783656428886
ISBN (Buch)
9783656437390
Dateigröße
2171 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit stellt einen grundlegenden Überblick zum betreffenden Themengebiet dar und bedarf (im Falle unfangreicher Literatursammlung) tiefgehender Recherche. Der Autor übernimmt dementsprechend keine Gewähr auf detaillierte Vollständigkeit.
Schlagworte
ökonomischer, strukturwandel, raume, deutschland, instrumente, politikansätze
Arbeit zitieren
Daniel Reißmann (Autor), 2012, Ökonomischer Strukturwandel im ländlichen Raume in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214812

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