Karl Marx, Das Kapital. "Die Ware"

Warenfetischismus


Seminararbeit, 2013

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Einleitung

Die Absicht dieses Essays besteht in einer gründlichen und nachvollziehenden Darstellung und vorsichtigen Interpretation der Werttheorie im ersten Kapitel des Kapitals, insbesondere der Kategorie der Ware als solcher. Zu Anfang werde ich den allgemeinen Begriff von Waren darlegen und die Interpretation von Marx dazu darstellen. Danach folgt die gründliche Auseinandersetzung mit den Begriffen des qualitativen Gebrauchswertes und den quantitativen Tauschwertes. Ich werde die beiden Werte der Ware gegenüberstellen und aufzeigen das der unterschied der beiden schlicht und einfach darin liegt, dass es beim Gebrauchwert nur auf den Nutzen jedes einzelnen Individuum ankommt es dient nur zur Erfüllung von Bedürfnisse und der Tauschwert erst auftaucht wenn die Waren aufeinandertreffen und untereinander ausgetauscht werden. Nur so erhalten die Waren ihren Wert. Ich werde Marx Werttheorie analysieren und feststellen, dass für Marx die Gemeinsamkeit aller Waren darin besteht, dass sie Produkte menschlicher Arbeit sind.

Im zweiten Teil dieses Essays werde ich mich mit dem Fetischcharakter der Waren beschäftigen und aufzeigen wie in einen Kapitalistischen Wirtschaftsystem Waren mit ihrer starren Reproduktion zu einer materiellen Wirklichkeit werden der sich niemand vollständig entziehen kann. (vgl. Heinrich, 2005, S. 73)

Zum Schluss werde ich den Warenfetisch in der heutigen Zeit beleuchten und einen kurzen Einblick in meine eigene Sicht der Dinge geben.

Zunächst einmal der Begriff der Ware, in der klassischen politischen Ökonomie bezeichnet man Waren als diejenigen Güter, die durch gesellschaftliche Arbeitsteilung hergestellt werden und für den Austausch bestimmt sind.

Für Marx stellen Waren die Grundform der kapitalistischen Ökonomie dar, da sich für ihn der Kapitalist den gesamten Wert der produzierten Waren aneignet, während der Arbeiter nur den Tauschwert der Arbeit erhält. (vgl. Seiche, Artikel Wert, S. 668)

Waren haben laut Marx eine qualitative und eine quantitative Seite. Eine Ware hat erstens einen bestimmten qualitativen Gebrauchswert, ist also in der Lage, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Mit einen Stift kann man schreiben, mit dem Handy telefonieren, ein Auto fahren, etc. Diese Nützlichkeit eines Dings besteht unabhängig davon, ob ich es tauschen kann, oder nicht. (vgl. Heinrich, 2005, S. 38) “Jede Ware ist zunächst „ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaft menschliche Bedürfnisse in irgendeiner Form befriedigt“ ( Marx, 1864, S.49). Der Gebrauchswert ist subjektiv, den bestimmt - prinzipiell - jede und jeder einzelne selbst und er kann auch von Situation zu Situation erheblich differieren. Für mich kann eine kalte Cola im Sommer das höchste Gut sein für jemanden anderes der keine Cola mag ist es nichts Wert. Entscheidend daran ist, dass der Gebrauchswert eine immanente, qualitative Eigenschaft jeder Ware ist.

„Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. (vgl. Locke, 1691, S.28) “Aber die Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw., ist daher ein Gebrauchswert oder Gut. Dieser sein Charakter hängt nicht davon ab, ob die Aneignung seiner Gebrauchseigenschaften dem Menschen viel oder wenig Arbeit kostet. Bei Betrachtung der Gebrauchswerte wird stets ihre quantitative Bestimmtheit vorausgesetzt, wie Dutzend Uhren, Elle Leinwand, Tonne Eisen usw. Die Gebrauchswerte der Waren liefern das Material einer eignen Disziplin, der Warenkunde. Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion, Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des - Tauschwerts.“(Marx, 1864, S.50)

Nun muss man aufpassen, dass man Gebrauchswert und Tauschwert nicht durcheinander bringt es ist für den Nutzen eben egal, ob man 3 Wochen an einer Ware arbeitet oder nur 1 Stunde. Für den Tauschwert ist das jedoch überhaupt nicht egal. (dazu komme ich aber etwas später) Der Tauschwert kommt dann erst im Blick wenn man die Ware nicht mehr im Einzelnen, sondern als vergleichbare, tauschbare Ware betrachtet.

„Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives, ein der Ware innerlicher, immanenter Tauschwert (valeur intrinsèque) also eine contradictio in adjecto "Nichts kann einen inneren Tauschwert haben" (Barbon, l.c.p. 6), oder wie Butler sagt: "Der Wert eines Dings ist grade so viel, wie es einbringen wird.“ (edp)

Die Unterschiede zwischen den Gebrauchswerten – wie der auf sie bezogenen Bedürfnisse – werden damit ziemlich gleichgültig. Wenn mir z.B. warm ist, kann ich keinen Pullover gebrauchen, wenn mir ein Bett fehlt kann ich dafür keinen Tisch nehmen etc. Aus ihrer Besonderheit als Gebrauchswerte, aus ihren natürlichen Eigenschaften ist das Maßverhältnis, welches zwei Arten von Gebrauchswerten eingehen also nicht bestimmbar, denn als solche sind sie schlicht nicht messbar. Aber in ihrem Tauschwert sind die unterschiedlichen Waren in bestimmter Quantität gleichgesetzt.

Also folg daraus, dass nur in Gesellschaften, in denen Güter getauscht werden, erhalten diese eine Tauschwert (vgl. Sweezy, 1970 S.41). Wenn aber zwei Waren mit qualitativ völlig unterschiedlichen Gebrauchswerten, wie beispielsweise Stift und Telefon, gegeneinander getauscht werden können, dann muss das Austauschverhältnis, soweit es nicht völlig beliebig ist, auf irgendeine Gemeinsamkeit zurückzuführen sein. Für Marx besteht diese Gemeinsamkeit aller Waren darin, dass sie Produkte menschlicher Arbeit sind. Somit ist Entscheidend für den Tauschwert einer Ware das Maß an menschlicher Arbeit, die für ihre Herstellung aufgewendet wurde. Wenn ein Auto gleichviel Wert hat wie drei Motorräder, so liegt das daran, dass für die Produktion von einem Auto genauso viel menschliche Arbeit gebraucht wird wie für drei Motorräder (vgl. Heinrich, 2005 S.39). Wichtig dabei ist aber nicht die individuelle Arbeit des einzelnen Produzenten (dann wäre die Arbeit eines faulen, langsamen Arbeiters mehr Wert als das von einem schnellen), sondern die gesellschaftliche notwendige Arbeitszeit.

„Arbeitszeit, erheischt um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen“ (Marx, 1864, S53).

Für den Wert einer Ware ist also unerheblich ob es sich bei der verausgabten Arbeit um Tischlerei oder Metallbau handelt, er wird unabhängig von allen qualitativen Unterschieden allein durch das quantitative Maß an menschlicher Arbeitszeit gebildet (vgl. Altvater et al., 1999 S 23) Beim tauschen wird die menschliche Arbeit schlechthin reduziert. (vgl. Altvater et al., 1999 S 51) Der Wert eines Produktes ist somit die abstrakte Arbeitszeit die dafür gebraucht worden ist.

Mit diesem zentralen, wenn auch etwas komplizierten Zusammenhang befinden wir uns nun schon fast mitten in dem Feld, das mit dem Warenfetischismus-Kapitel im Kapital eine bemerkenswerte Bekanntheit erlangt hat. „Eine Ware scheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches, triviales Ding. Ihre Analyse ergibt, daß sie ein sehr vertracktes Ding ist, voll metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken. “ (Marx, 1864, S. 85) Bedeutet soviel wie das die Ware erst interessant wird, wenn sie gefragt wird, selten ist, besonders etc. Marx schreibt weiter, es geschehe etwas Mysteriöses, sobald ein Ding als Ware auftrete: Es verwandle sich nämlich in ein „sinnlich übersinnliches Ding“ (edp). Damit ist laut Wolfhang Fritz Haug gemeint: „Sinnlich erscheint uns der Gebrauchswert der Ware, während das Übersinnliche den dinglich nicht fassbaren gesellschaftlichen Charakter, die ökonomische Formbestimmtheit der Ware meint“. (Haug, 1971, S. 131)

Gesellschaftlichen Charakter erhalten jene Waren jedoch erst wenn sie auf dem freien Markt als Endprodukte verschiedener Produzenten in Relation gesetzt werden können. Das Produkt agiert dementsprechend im gesellschaftlichen Verhältnis und somit auch seine Eigenschaften. Demzufolge spricht Marx von einer Vergesellschaftung des dinglichen Charakters, aber auch die Gesamtheit der vereinheitlichten menschlichen Arbeitskraft unterwirft sich der Vergesellschaftung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Karl Marx, Das Kapital. "Die Ware"
Untertitel
Warenfetischismus
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Sonderpädagogik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V214821
ISBN (eBook)
9783656428862
ISBN (Buch)
9783656638735
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karl, marx, kapital, ware, warenfetischismus
Arbeit zitieren
Robert Feno (Autor), 2013, Karl Marx, Das Kapital. "Die Ware", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214821

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Karl Marx, Das Kapital. "Die Ware"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden