Eine Sprachentwicklungsstörung gründet meist auf Veränderung des Spracherwerbs im Sprachsystem. Daraus entsteht in Folge ein verlangsamtes Einsetzen der kindlichen Sprache.
Jeder hat schon einmal von Kindern gehört beziehungsweise mit einigen zu tun gehabt, die sich nicht richtig ausdrücken konnten und denen auch im Gespräch die gängigsten Begriffe fehlten. Diese Kinder wirken oft begriffsstutzig oder sie zeigen einen „ armen“ Wortschatz, jedoch besitzen sie trotz allem meistens ein umfangreiches Sprachverständnis. G. Knura beschreibt Sprachstörungen als „die individuell unterschiedlich verursachte und ausgeprägte Unfähigkeit zum regelhaften, der Altersnorm entsprechenden Gebrauch der Muttersprache. Sie kann sich auf eine, mehrere, oder alle Strukturebenen und Teilfunktionen des Sprachsystems erstrecken, vorrübergehend, andauernd oder bleibend sein.“
Seit Beginn der Neunziger Jahre beobachten man eine starke Zunahme von Sprachentwicklungsstörungen. Gestützt wird diese Beobachtung durch zwei Pilotstudien: Screening- Untersuchungen in Kindergärten ergaben bei 34 % der deutschen Kinder Sprachentwicklungsverzögerungen.
Eine weitere Studie belegt eine gravierende Zunahme von sprachgestörten Kindern an Schulen für Sprachbehinderte. 80 % dieser Kinder wiesen Sprachentwicklungsstörungen auf.
Wie die Studien zeigen, gibt es nicht nur viele betroffene Kinder, es gibt auch eine Vielzahl von Sprachentwicklungsstörungen. Diese Hausarbeit soll einige der häufigsten Störungsarten aufzeigen, ihre Ursachen benennen und deren Behandlungsmöglichkeiten beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. WAS SIND SPRACHENTWICKLUNGSSTÖRUNGEN?
2. URSACHEN UND ARTEN DER SPRACHENTWICKLUNGSSTÖRUNGEN
2.1. URSACHEN
2.2. ARTEN DER SPRACHENTWICKLUNGSSTÖRUNG
2.2.1. Familiäre Sprachentwicklungsstörung
2.2.2. Mangel an sprachlicher Anregung (Deprivationssyndrom)
2.2.3. Die Überfürsorge (Overprotection)
2.2.4. Mehrsprachigkeit
2.2.5. Die Hörschädigung
2.2.6. Erkrankung der peripheren Sprechwerkzeuge
2.2.7. Allgemeine (körperliche) Entwicklungsverzögerung
2.2.8. Erkrankungen des zentralen Nervensystems
3. BEISPIELE DYSGRAMMATISMUS/ DYSLALIE
3.1. DYSGRAMMATISMUS
3.1.1. Definition
3.1.2. Fünf- Phasen Modell (Clahsen)
3.1.3. Ursachen und Symptome des Dysgrammatismus
3.1.4. Behandlung
3.2. DYSLALIE
3.2.1. Definition
3.2.2. Einteilung von Dyslalien nach Lautausfällen/- fehlbildungen
3.2.3 Ursachen
3.2.4 Diagnose
3.2.5. Therapie/ Behandlungsmöglichkeiten
3.2.6. Darstellung einiger Sprachtherapieansätze
Zielsetzung und Themenbereiche
Diese Arbeit zielt darauf ab, einen Überblick über die vielfältigen Erscheinungsformen und Ursachen von Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern zu geben sowie entsprechende therapeutische Interventionen aufzuzeigen. Die Forschungsfrage konzentriert sich auf die systematische Einordnung der Störungen und die Darstellung effektiver Behandlungsmöglichkeiten im pädagogischen und medizinischen Kontext.
- Definition und Grundlagen von Sprachentwicklungsstörungen
- Differenzierung von Ursachen (z.B. familiäre Faktoren, Deprivation, organische Schädigungen)
- Ausführliche Analyse der Krankheitsbilder Dysgrammatismus und Dyslalie
- Vorstellung logopädischer und sprachheilpädagogischer Therapieansätze
Auszug aus dem Buch
2.2.3. Die Überfürsorge (Overprotection)
Aus der Vielfalt der Ursachen der Überfürsorge ergeben sich zwei häufig auftretende Beispiele:
Das erste Beispiel wäre die Kommunikation mit nichtkindgerechter Erwachsenensprache. Hierbei werden dem Kind komplizierte Sätze, Fremdwörter und sogar semantisch schwer zu deutende Begriffe dargeboten. Dies hat zur Folge, dass sich zwangsläufig die physiologische Sprach- und Sprechentwicklung in eine nichtkindgerechte Kommunikationsform entwickelt. Es bildet sich ein verbales Kommunikationsprofil aus, welches versucht, die Erwachsenensprache zu imitieren.
Als zweites Beispiel wäre eine durch Fernsehen hervorgerufene Sprachentwicklungsstörung zu nennen. Diese entsteht durch das fehlende Zustandekommen eines Zwiegesprächs bei vermehrtem Fernsehgenuss. Aber für die störungsfreie Entwicklung des Kindes ist das Hin und Her eines Zwiegesprächs mit den Eltern unersetzlich. Man kann das Fernsehen auch als eine „Einbahnstrasse“ bezeichnen, da sich vom bloßen Zuhören keine physiologische Sprach- und Sprechentwicklung einstellt. Die positiven und negativen Reaktionen der Eltern sind von entscheidender Bedeutung für diesen Zusammenhang.
Zusammenfassung der Kapitel
1. WAS SIND SPRACHENTWICKLUNGSSTÖRUNGEN?: Dieses Kapitel definiert Sprachentwicklungsstörungen als Störungen des Spracherwerbs und verweist auf deren zunehmende Prävalenz im Kindesalter.
2. URSACHEN UND ARTEN DER SPRACHENTWICKLUNGSSTÖRUNGEN: Hier werden verschiedene ätiologische Faktoren wie familiäre Bedingungen, Deprivation und organische Erkrankungen systematisch erläutert.
3. BEISPIELE DYSGRAMMATISMUS/ DYSLALIE: Dieser Hauptteil analysiert die zwei häufigsten Störungsbilder, ihre Definitionen, Ursachen, diagnostischen Verfahren sowie gezielte Therapiemethoden.
Schlüsselwörter
Sprachentwicklungsstörung, Dysgrammatismus, Dyslalie, Kindliche Sprachentwicklung, Logopädie, Sprachtherapie, Deprivationssyndrom, Artikulationsstörung, Sprachdiagnostik, Überfürsorge, Hörschädigung, Sprechwerkzeuge, Mehrsprachigkeit, Sprachentwicklungsverzögerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die medizinischen und pädagogischen Grundlagen von Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern, deren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Sprachstörungen, deren Auslöser und spezifische Krankheitsbilder wie Dysgrammatismus und Dyslalie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die fundierte Aufklärung über die häufigsten Störungsarten und die Darstellung relevanter Therapieansätze für den klinischen und pädagogischen Alltag.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung klinischer Studien zu Sprachentwicklungsverzögerungen und deren therapeutischen Interventionsmöglichkeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Definition, Diagnose und Behandlung des Dysgrammatismus und der Dyslalie, einschließlich konkreter Modelle und Therapieansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sprachentwicklungsstörung, Dysgrammatismus, Dyslalie, Logopädie und frühkindliche Sprachförderung.
Wie unterscheidet sich die familiäre Sprachentwicklungsstörung von anderen Formen?
Sie zeichnet sich durch eine genetische Komponente und ein erhöhtes Risiko bei Geschwistern aus, wobei die Symptome oft schleichend über Verzögerungen zu Störungen wie Dysgrammatismus führen.
Welche Rolle spielt die Musik in der Sprachtherapie?
Musik und Rhythmik dienen als unterstützende Medien, um die Sprechfunktion durch hohe Motivation und Verknüpfung von Psychomotorik und Sprache zu verbessern.
- Quote paper
- Diane Schmidt (Author), Heiko Wulschner (Author), 2002, Sprachentwicklungsstörungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21482