This seminar paper is dealing with critic works about the german pharma industry which badly influences the german health care system with negative effects on the healthiness of the people. I am focusing the question if and how physicians are just instruments of the industry to reach economic objects.
In the end I summarize different proposals how to avoid treating patients like products in order to improve the whole system.
In meiner Arbeit werde ich mich hauptsächlich mit der Fragestellung beschäftigen, wie stark besonders Ärzte und Patienten durch die Pharmakonzerne beeinflusst werden und ob die o.g. Aussage gegenwärtig der Realität entspricht.
Das Geschäft mit den Krankheiten stellt im Okzident den größten Wirtschaftsfaktor dar und liefert der Bevölkerung eine Menge an sicheren Arbeitsplätzen. In Europa ist die medizinische Versorgung insgesamt sehr gut, im Gegensatz zu den Ländern der Dritten Welt oder den USA. Allerdings ziehen Pharmafirmen ihre Vorteile aus dieser Situation, indem sie immer mehr neue Erkrankungen etablieren, die vorgeblich mit innovativen Medikamenten zu behandeln sind (vgl. Walach 2012:4).
„Unser gesamtes Gesundheitssystem ist völlig auf Krankheit eingestellt. An der Krankheit wird verdient. Je mehr Kranke es gibt, desto höher der Profit.“ (Felsch de Vellnagel 2006:16f)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kritik am deutschen Pharmamarkt
3. Gesundheit als Ware
3.1 Ärzte als Instrumente
3.2 Probleme des Zweiklassensystems
3.3 Das Erfinden von Krankheiten
3.4 Medikamente mit schweren Folgen
4. Ursachen und Problematik
5. Prognose
6. Lösungsvorschläge
7. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch den Einfluss der Pharmaindustrie auf das deutsche Gesundheitssystem und analysiert, inwieweit Ärzte und Patienten als bloße Instrumente ökonomischer Interessen missbraucht werden. Ziel ist es, die Kommerzialisierung der Medizin zu hinterfragen und Wege aufzuzeigen, wie eine patientenorientierte Versorgung wieder in den Vordergrund rücken kann.
- Kritische Analyse des deutschen Pharmamarktes und seiner Lobbystrukturen
- Die Transformation von Gesundheit zur Ware und deren Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis
- Problematiken wie Zweiklassenmedizin, Fehlbehandlungen und die Kommerzialisierung von Krankheitsbildern
- Vorstellung von Reformvorschlägen zur Steigerung der Qualität und ethischen Verantwortung
Auszug aus dem Buch
3.3 Das Erfinden von Krankheiten
Eines der jüngsten Beispiele liefert ein Artikel der tagesschau online, in dem die Feststellung von Behandlungsfehlern von Ärzten im Jahr 2011 angeführt werden. Gutachter des MDK haben insgesamt 4070 solcher Fehler in Deutschland festgestellt! Die Ziffer entsteht aus 12.686 Vorwürfen von Patienten, die sich durch ihr Krankenhaus bzw. ihren niedergelassenen Arzt falsch behandelt gefühlt haben. Auffällig ist die starke Anzahl von bezichtigten Orthopäden oder Chirurgen, denen häufig bei künstlichen Hüft- oder Knieoperationen Fehler unterliefen. Bei drei von vier Fällen folgte durch den Kunstfehler ein gesundheitlicher Schaden. Die Gutachter der MDK stellten die Defizite der Behandlungen vor allem in den Therapievorgängen und der Diagnosestellungen fest. An zweiter Stelle stehen erst die Dokumentations- und Aufklärungsmängel und die falsche Nachbehandlung.
Hierbei ist es wichtig anzuführen, dass sich in den Statistiken nur ein gewisser Teil der Fehlbehandlungen bemerkbar machen, weil nur eine kleine Anzahl von Patienten die Möglichkeit es wahrnehmen, den Behandler direkt zu verklagen. Eine exakte Behandlungsfehleranzahl kann deshalb nicht erfasst werden. Als Lösung wird gegenwärtig über ein gewisses Patientenrechtegesetz diskutiert, durch welches in der Zukunft solche negativen Fälle gemildert werden könnten (Tagesschau 2012).
Die Pauschalen bzw. der vorgegebene Leistungskatalog des derzeitigen Abrechnungssystems verführt einige Ärzte regelrecht dazu, bewusst Fehldiagnosen zu stellen und unnötige Therapien einzuleiten. Ein Beispiel ist, wie in Kap. 3 bereits angedeutet, der massive Wachstum von durchgeführten Arthroskopien an Kniegelenken, die oft risikoreiche Entzündungen nach sich ziehen, während eine andere vielleicht sinnvollere, aber weniger lukrative Diagnostik oder Therapie auf der Strecke bleibt. Die Politik hat die Lobbygruppen stark gefördert und ist somit auch mitschuldig an der existenten Profitorientierung, die die Kultur des Heilens zunichte gemacht hat (vgl. Fromm/Rickelmann 2010:221f.).
Krankheiten zu konzipieren und durch Marketing und PR- Tätigkeiten zu etablieren liegt nicht nur in Deutschland, sondern international im Trend. Andererseits existiert aber auch eine sich auflehnende Ärzteschaft als Opposition, die der Medikalisierung der Industrie mit starker Kritik gegenübertreten. Patienten selbst fällt es aufgrund der Verkaufswut von bestimmten Kollegen immer schwerer zwischen einem gesunden oder kranken Organismus zu unterscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung der Medizin als ethisch fundierte Instanz dem gegenwärtigen Trend der Ökonomisierung und Kommerzialisierung durch die Pharmaindustrie gegenüber.
2. Kritik am deutschen Pharmamarkt: Das Kapitel beschreibt das Machtsystem der Pharmaindustrie, welches durch Lobbyismus und Abhängigkeitsverhältnisse in Forschung und Klinik die ärztliche Unabhängigkeit untergräbt.
3. Gesundheit als Ware: Die Analyse beleuchtet, wie Patienten zum "lukrativen Kunden" degradiert werden, und untersucht Unterpunkte wie die instrumentelle Nutzung von Ärzten, Zweiklassenmedizin, Krankheitserfindung und Medikamentenrisiken.
3.1 Ärzte als Instrumente: Dieses Kapitel erläutert die Deprofessionalisierung von Ärzten durch ökonomische Zwänge wie Fallpauschalen und den Verlust der individuellen Therapiegestaltung.
3.2 Probleme des Zweiklassensystems: Hier wird die Diskriminierung von gesetzlich Versicherten im Vergleich zu Privatpatienten sowie die ungleiche Verteilung und Verfügbarkeit von Spezialisten thematisiert.
3.3 Das Erfinden von Krankheiten: Es wird analysiert, wie durch Marketing medizinische Normalprozesse zu pathologischen Zuständen umdefiniert werden, um neue Märkte zu erschließen.
3.4 Medikamente mit schweren Folgen: Dieses Kapitel führt Beispiele für gesundheitsschädliche Medikamente an, die trotz bekannter Risiken aufgrund mangelnder Transparenz und Profitinteressen vermarktet wurden.
4. Ursachen und Problematik: Die Ursachen für steigende Gesundheitskosten werden in einer unnatürlichen Lebenskultur, demographischem Wandel und falschen Anreizen im Abrechnungssystem verortet.
5. Prognose: Das Kapitel wagt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Gesundheitssystems unter dem Druck zunehmender Kommerzialisierung und der Gefahr einer sozialen Spaltung.
6. Lösungsvorschläge: Es werden konkrete Ansätze wie die Einführung einer Bürgerversicherung, mehr Transparenz durch Positivlisten und eine Stärkung der Eigenverantwortung und Solidarität vorgestellt.
7. Schlussfolgerung: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine umfassende finanzielle und strukturelle Reform unabdingbar ist, um die Gesundheit als Lebensnotwendigkeit und nicht als Luxusgut zu erhalten.
Schlüsselwörter
Gesundheitssystem, Pharmaindustrie, Kommerzialisierung, Zweiklassenmedizin, Patient, Arzt, Lobbyismus, Krankheitserfindung, Fallpauschalen, medizinische Ethik, Patientenrechte, Solidarität, Eigenverantwortung, Gesundheitsökonomie, Krankenkassen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die negativen Einflüsse der Pharmaindustrie auf das deutsche Gesundheitssystem und kritisiert die zunehmende Kommerzialisierung, die Patienten und Ärzte in abhängige ökonomische Rollen drängt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der "Ware Gesundheit", dem Machtmissbrauch durch Lobbyismus, den Problemen der Zweiklassenmedizin, sowie der Erfindung von Krankheiten zu Marketingzwecken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage ist, ob und wie Ärzte und Patienten durch die Pharmaindustrie instrumentalisiert werden und welche Maßnahmen notwendig sind, um dieses System patientenorientiert zu reformieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender kritischer Publikationen und Sekundärquellen, um die Machenschaften im Gesundheitswesen methodisch aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Marktmechanismen, der Systemkritik an Vergütungsstrukturen wie Fallpauschalen, die Darstellung ethischer Defizite und konkrete Lösungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Ware Gesundheit", "Zweiklassenmedizin", "Pharmalobby", "Patientenrechte" und "Systemkritik" geprägt.
Welche Rolle spielen Fallpauschalen bei der Verschlechterung der Versorgungsqualität?
Die Fallpauschalen führen laut Arbeit zu einer ökonomischen Anreizstruktur, die Ärzte zu unnötigen, aber profitablen Behandlungen verleitet und eine individuelle, medizinisch notwendige Versorgung oft verhindert.
Warum wird die "Erfindung von Krankheiten" (Disease Mongering) als kritisch angesehen?
Die Arbeit kritisiert, dass durch PR und Marketing normale Lebensprozesse pathologisiert werden, um den Absatz von Medikamenten zu steigern, was Patienten verunsichert und Gesundheitskosten unnötig in die Höhe treibt.
Welche Bedeutung misst die Autorin dem Konzept der "Eigeninitiative" bei?
Die Eigeninitiative wird als notwendiger Gegenpol zur rein ökonomischen Fremdbestimmung gesehen, wobei der Patient aktiv Verantwortung für seinen Lebensstil und seine Gesundheit übernehmen soll.
Was schlägt die Arbeit konkret vor, um das System zu verbessern?
Unter anderem werden die Einführung einer Bürgerversicherung, die Bekanntmachung einer Positivliste für Medikamente, mehr Transparenz bei Patientendaten und eine stärkere Qualitätshonorierung statt Mengensteuerung vorgeschlagen.
- Quote paper
- Bettina Beinlich (Author), 2012, Die Ware Gesundheit in der deutschen Pharmaindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214888