Die Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung

Entstehung, Aussage und gegenwärtige Bedeutung


Hausarbeit, 2012

20 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Die directive state Theorie der sozialen Wahrnehmung
1.2 Die Entstehung der Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung

2 Die Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung
2.1 Grundlagen der Theorie
2.1.1 Der Wahrnehmungsprozess
2.1.2 Charakterisierung der Theorie
2.2 Annahmen der Theorie
2.2.1 Die Hypothesenstärke
2.2.2 Die Determinanten der Hypothesenstärke

3 Praktische Anwendung der Hypothesentheorie
3.1 Der Halo-E ekt
3.1.1 Ausprägungen des Halo-E ekts
3.1.2 Beispiel: Einstellungsgespräch
3.1.3 Beispiel: Korrektur von schriftlichen Prüfungen
3.1.4 Vermeidung des Halo-E ekts
3.2 Die selbst-erfüllende Prophezeiung
3.2.1 Der Placebo-E ekt
3.2.2 Der Nocebo-E ekt
3.2.3 Das Law of attraction

4 Fazit

Literatur

1 Einleitung

Ein und dasselbe Objekt wird in der Regel von zwei Individuen unterschiedlich beschrieben. [1] Die Fähigkeit bei der Interaktion mit anderen Individuen sozial rele- vante Perzepte[2] aus dem Datenstrom der Sinnes-reize zu konstruieren wird als so- ziale Wahrnehmung bezeichnet. Als Teilgebiet der sozialen Kognition dient diese Wahrnehmung dem Verständnis und der Meinungsbildung über andere Individuen, Gruppen, dem Selbst[3] und der Rolle des Selbst in der Gruppe.[4]

Die Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung geht aus dem sich in den 1940er Jahren vollziehenden Paradigmenwechsel zur Erklärung von sozialer Wahr- nehmung hervor. Grundlage des in den USA von Jerome S. Bruner und Leo Postman initiierten new look in perception waren hierbei vor allem sozialpsychologische Variablen wie Bedürfnisse, Motive und Werte.[5]

Während sich die traditionellen Wahrnehmungstheorien in erster Linie auf die ange- borenen und kaum veränderbaren Eigenschaften[6] des menschlichen Wahrnehmungs- apparats bezogen, lag der Schwerpunkt von Bruner und Postman auf den Verhaltens- Determinanten, die sich aus der sozialen Interaktion und den persönlichen Vorerfah- rungen ergeben.

Dieser social perception Ansatz führte zu unzähligen Experimenten, die alle- samt zu dem Ergebnis kamen, dass die sozialen Variablen die Wahrnehmung beein- ussen. Der Sozialpsychologe F. H. Allport benannte jene Experimente und Au as- sung als die directive [7] state Theorie.[8] [Sch85] subjektiv erfahrene, erlebte, bewusste Resultate Introspektion [AWA08, Vgl. S. 90] [FI84, Vgl. S. 19]

1.1 Die directive state Theorie der sozialen Wahrnehmung

Der direkte Ein uss sozialer Faktoren auf die menschliche Wahrnehmung wurde durch eine Reihe von Experimenten erforscht und resultierten in folgen 6 Hauptthe- sen:

1. Die körperlichen Bedürfnisse tendieren dazu, die Wahrnehmung zu determi- nieren.
2. Die Wahrnehmung wird dann durch Belohnungen und Bestrafungen determi- niert, wenn diese mit bestimmten Reizsituationen assoziiert sind.
3. Subjektive Werthaltungen beein ussen die Wiedererkennungszeit von Wör- tern, die darauf bezogen sind.
4. Der subjektive Wert eines Objekts, determiniert die wahrgenommene Gröÿe des Objekts.
5. Die Umwelt wird so wahrgenommen, dass die Au assung konsistent mit den persönlichen Eigenschaften ist.
6. Verwirrende oder bedrohliche Reize erfordern eine längere Wiedererkennungs- zeit als neutrale.[9]

1.2 Die Entstehung der Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung

Die directive state Theorie legte den Grundstein des social perception Ansatzes, unterlag jedoch zahlreichen Kritikpunkten:

- Fehlerhafte Konzeptionierung der Experimente führte zu teils mehrdeutigen und widersprüchlichen Ergebnissen.
- Die teilweise auftretende perceptual defense [10] konnte nicht erklärt werden.
- Der Ein uss von Bedürfnissen, Motiven und Werten wurde bestätigt, deren Wirkungsweise und Relevanz wurde jedoch nicht deutlich.
- Vorerfahrungen der Versuchspersonen wurden gänzlich vernachlässigt

Neben diesen kritischen Beurteilungen el vor allem die Tatsache ins Gewicht, dass durch die zahlreichen Experimente und deren Ergebnisse, die Menge an abgeleiteten Mechanismen und Regeln, schier unüberschaubar wurde. Bruner und Postman ent- worfen daher 1951 ein konsistentes Theoriekonzept, das sich auf wenige zentrale An- nahmen stützt und fortan als die Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung bezeichnet wurde.

2 Die Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung

2.1 Grundlagen der Theorie

Die Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung beschreibt im Kern den Ein- uss der Erwartungen auf die Wahrnehmung. Nach Bruner beginnt jeder Wahrnehmungsprozess mit einer Wahrnehmungserwartung, einer Erwartungs-Hypothese[12]. Diese Hypothesen entstehen aus subjektiven Vorerfahrungen und tre en Aussagen darüber, welche Ereignisse erwartet werden.

Der durch die directive state Theorie postulierte direkte Ein uss von Bedürfnissen, Motiven und Werten wird dahingehend korrigiert, dass diese Variablen nicht direkt die Wahrnehmung beein ussen, sondern neben zahlreichen anderen Faktoren ausschlieÿlich die Hypothesenstärke (siehe 2.2.1 auf Seite 8) beein ussen.

2.1.1 Der Wahrnehmungsprozess

Wahrnehmung an sich ist weniger eine einfach Abbildung der Wirklichkeit, als vielmehr ein konstruktiver Prozess, der eine Vermittlung zwischen innerem Bild (der Hypothese) und der äuÿeren Wirklichkeit (sinnesmotorische Reizinformationen[13] ) darstellt.[14] Der Vorgang der Wahrnehmung verläuft nach Bruner dreistu g und wiederholt sich so lange, bis eine Hypothese bestätigt wurde:

1. Bereitstellung einer Hypothese die Aussagen darüber tri t, welche Ereignisse erwartet werden (interne Stimuli der Person).
2. Eingabe der Reizinformationen die das Wahrnehmungsobjekt erfassen (exter- ne Stimuli der Situation).
3. Bestätigung oder Widerspruch der Hypothese durch den Vergleich von Hy- pothese und Reizinformationen.

Wurde die Hypothese im letzten Schritt bestätigt, so endet der Wahrnehmungspro- zess. Wurde die Erwartung nicht erfüllt und damit der Hypothese widersprochen, so beginnt der Wahrnehmungsprozess von vorne. Widersprochene Hypothesen werden dabei nicht verworfen sondern lediglich in ihrer Hypothesenstärke abgeschwächt.

[...]


1 [Sch85]

2 subjektiv erfahrene, erlebte, bewusste Resultate

3 »Introspektion«

4 [AWA08, Vgl. S. 90]

5 [FI84, Vgl. S. 19]

6 »autochthone Determinanten«

7 [All55]

8 [FI84, Vgl. S. 20]

9 [FI84, Vgl. S. 23]

10 Abwehr der Wahrnehmung von unangenehmen oder uninteressanten Reizen

11 [FI84, Vgl. S. 24]

12 »perceptual set« / »cognitive predisposition«

13 »cues« / »clues«

14 [FW09, Vgl. S. 191]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung
Untertitel
Entstehung, Aussage und gegenwärtige Bedeutung
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt; Würzburg  (Informatik)
Veranstaltung
Sozial- und Führungskompetenzen
Note
1.3
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V214924
ISBN (eBook)
9783656428503
ISBN (Buch)
9783656437550
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Hypothesentheorie, soziale Wahrnehmung, Halo-Effekt, Selbsterfüllende Prophezeiung
Arbeit zitieren
Christoph Metz (Autor:in), 2012, Die Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214924

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