Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Java allmählich von den Niederländern okkupiert und kolonisiert, dieser Zustand wurde mit kurzer Unterbrechung durch die Briten bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieg, als Japan die Insel besetzte, aufrechterhalten. Java wurde danach unabhängig und Teil des Staates Indonesien. Java bzw. Indonesien galt zu der Zeit, in der sich die folgende Betrachtung bewegt, als Entwicklungsland. Es handelt sich hierbei neben einer kurzen historischen Betrachtung vornehmlich um den Zeitraum der 1960er und 1970er Jahre. Innerhalb dieses Zeitraumes schreibt der amerikanische Ethnologe Clifford Geertz sein Werk „ Agricultural involution: the process of ecological change in Indonesia“ und behandelt darin die Unterentwicklung der javanischen Ökonomie und erstellt das theoretische Konstrukt der landwirtschaftlichen Involution, dass seiner Meinung nach ursächlich für die ungenügende industrielle Entwicklung ist.
In den Jahren nach der Analyse Geertz beginnen global Programme die der Bekämpfung von Hunger und Armut dienen sollen. Die Grüne Revolution zielt auf die Steigerung der Produktivität durch den Einsatz verschiedener Maßnahmen. Aufgabe der Arbeit ist es zu beleuchten, inwieweit Forderungen die Geertz in seinem Konstrukt aufstellt durch die Grüne Revolution erfüllt werden und welche positiven und negativen Auswirkungen sich
dadurch ergeben.
Zu Beginn ist zu klären anhand welcher Rahmendaten sich der Status eines Entwicklungslandes definieren lässt und welche gängigen Annahmen über Ursachen einer Rückständigkeit – im Bezug auf die moderne, vorherrschende westlich-kapitalistische – bestehen. Im Anschluss daran wird das Konzept der Involution erläutert sowie Folgen und Auswirkungen dieses Prozesses näher beschrieben werden.
Nachdem eine Grundlage für die Notwendigkeit struktureller Innovationen in der javanischen Landwirtschaft erarbeitet wurde ist die Umsetzung des Modernisierungsprozesses durch die Grüne Revolution im allgemeinen und daran anschließen im speziellen Fall Javas aufzuzeigen und zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Morphologische Daten als Merkmalsträger zur Definition eines Entwicklungslandes
Ursachen der Rückständigkeit
Das Konzept der landwirtschaftlichen Involution – Das Beispiel Javas
Auswirkungen der Involution auf die jetzige Rückständigkeit des javanischen Agrarsektors
Grüne Revolution – Intention und Anspruch
Folgen der Grünen Revolution in Java
Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das von Clifford Geertz entwickelte Konzept der "landwirtschaftlichen Involution" im Kontext der historischen Entwicklung Javas und analysiert, inwieweit die darauf folgende Grüne Revolution die erhofften positiven Entwicklungseffekte erzielen konnte oder die sozioökonomische Rückständigkeit des Agrarsektors weiter zementierte.
- Historische Genese der wirtschaftlichen Rückständigkeit in Java durch koloniale Strukturen
- Theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept der landwirtschaftlichen Involution
- Analyse der Grünen Revolution als technokratischer Modernisierungsansatz
- Bewertung der sozioökonomischen Auswirkungen der Grünen Revolution auf Kleinbauern
- Untersuchung der Dualität zwischen subsistenzwirtschaftlichen und kapitalistischen Marktstrukturen
Auszug aus dem Buch
Das Konzept der landwirtschaftlichen Involution – Das Beispiel Javas
In vorkolonialer Zeit war die Gesellschaft in Java auf bäuerliche Subsistenzproduktion und dörfliches Handwerk ausgelegt. Waren wurde getauscht oder an ihrem Gebrauchswert ausgerichtet. Zu bemerken ist jedoch, dass die egalitäre Dorfgesellschaft wie Geertz sie im Konzept der geteilten Armut (s.u.) zeichnet zu keiner Zeit existierte. Auch in vorkolonialer Zeit gab es eine Klasse Bodenbesitzender und eine Klasse Abhängiger und die dörflichen Gemeinschaften standen unter Kontrolle einer zentralstaatlichen Instanz, an die auch Abgaben geleistet wurden. Die niederländische Kolonisation und den kolonialen Kapitalismus werden diese Strukturen zerstört. Die vorgehende Konzentration auf Subsistenz und Tauschhandel wurde marginalisiert und durch die Prioritäten der Produktionssteigerung und Profitmaximierung ersetzt (vgl. Holenstein 1981: 3).
Es entstehen zwei duale Gesellschaften die auf unterschiedliche Weise produzieren: Einerseits die bäuerliche Landwirtschaft, die auf das Hauptnahrungsmittel Reis konzentriert wird und andererseits die koloniale und in ihrer Produktionsweise kapitalistisch produzierende Plantagenwirtschaft (vgl. Bundschu 1994: 104).
Geertz sieht darin die Grundlage für die bis heute anhaltende Rückständigkeit des javanischen Agrarsektors und untersucht dazu die Situation Javas Ende des 19. und Anfang bzw. Mitte des 20. Jahrhunderts.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema der landwirtschaftlichen Rückständigkeit in Java und die theoretische Fundierung durch das Konzept der landwirtschaftlichen Involution nach Clifford Geertz.
Morphologische Daten als Merkmalsträger zur Definition eines Entwicklungslandes: Untersuchung struktureller Merkmale von Entwicklungsländern, insbesondere der hohen Beschäftigungsrate im Agrarsektor bei gleichzeitig geringer Produktivität und Monokultur-Problematiken.
Ursachen der Rückständigkeit: Analyse der kolonialen Okkupation als Zäsur, die durch Störung einheimischer Produktionsweisen und Etablierung wirtschaftlicher Abhängigkeiten zu dauerhafter Stagnation führte.
Das Konzept der landwirtschaftlichen Involution – Das Beispiel Javas: Darlegung, wie die Zerstörung subsistenzorientierter Strukturen durch den kolonialen Kapitalismus zur Entstehung dualer Gesellschaftsformen und einer spezifischen, statischen Expansion (Involution) führte.
Auswirkungen der Involution auf die jetzige Rückständigkeit des javanischen Agrarsektors: Erörterung der unzureichenden Integration des subsistenzorientierten Sektors in den kapitalistischen Markt und die Hemmung der Modernisierung durch koloniale Erblasten.
Grüne Revolution – Intention und Anspruch: Beschreibung der Ziele der Grünen Revolution, insbesondere der Steigerung der Nahrungsmittelproduktion durch moderne Technologien zur Bewältigung von Hunger und Armut.
Folgen der Grünen Revolution in Java: Kritische Analyse der Implementierung der Grünen Revolution in Java, die zwar Ertragssteigerungen ermöglichte, jedoch zu verstärkter sozialer Differenzierung und Landlosigkeit führte.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Grüne Revolution die strukturellen Probleme der Kleinbauern nicht löste, sondern oft verschärfte, da sie kapitalstarke Akteure bevorzugte.
Schlüsselwörter
Landwirtschaftliche Involution, Java, Grüne Revolution, Kolonialismus, Subsistenzwirtschaft, Agrarsektor, Modernisierung, Entwicklungsland, Bodenbesitz, Sozioökonomische Strukturen, Ertragssteigerung, Kapitalismus, Kleinbauern, Armut, Produktivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen der landwirtschaftlichen Rückständigkeit in Java unter Berücksichtigung kolonialer Einflüsse und bewertet die Auswirkungen der "Grünen Revolution" auf die sozioökonomische Situation der Bevölkerung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die koloniale Wirtschaftsgeschichte, das theoretische Konzept der "landwirtschaftlichen Involution" von Clifford Geertz, der Prozess der Modernisierung und die soziale Differenzierung innerhalb der javanischen Agrargesellschaft.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit die von Clifford Geertz beschriebenen Anforderungen an die Entwicklung durch die Maßnahmen der Grünen Revolution erfüllt wurden und welche positiven bzw. negativen Folgen sich daraus für den Agrarsektor ergaben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die historische Daten und entwicklungspolitische Theorien (insbesondere von Geertz, Hartmann und Holenstein) heranzieht, um die ökonomischen Transformationsprozesse in Java zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Involution, die Analyse der Auswirkungen kolonialer Strukturen und eine detaillierte Prüfung der Grünen Revolution hinsichtlich ihrer Intentionen und tatsächlichen Konsequenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Landwirtschaftliche Involution, Grüne Revolution, Java, Subsistenzwirtschaft, koloniale Okkupation, soziale Ungleichheit, Agrarpolitik und Modernisierung sind die maßgeblichen Begriffe.
Wie unterscheidet sich die Situation in Java von der in Japan?
Im Gegensatz zu Java gelang Japan der Übergang vom Agrarstaat zum Industriestaat, da Japan seine bäuerliche Bevölkerung anders in den Industrialisierungsprozess integrieren konnte und technische Innovationen den Agrarsektor nachhaltig stärkten, anstatt ihn zu marginalisieren.
Warum konnte die Grüne Revolution die soziale Lage der Kleinbauern oft nicht verbessern?
Die Maßnahmen setzten oft Kapital für Bewässerung, Dünger und moderne Technik voraus. Da Kleinbauern über dieses Kapital meist nicht verfügten, profitierten primär Großgrundbesitzer, während Kleinbauern marginalisiert oder in die Landlosigkeit getrieben wurden.
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- Johannes Mohn (Author), 2011, Landwirtschaftliche Involution in Java. Ursachen und die Auswirkungen der Grünen Revolution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214992