Diese Arbeit ist eine Untersuchung der Moche-Bildwerke. Zentral ist dabei die Frage nach der Kosmologie und Mythologie. Mythische Weltsicht, Glaubensvorstellungen und die Götterwelt der Moche sollen vor dem Hintergrund der Kulturabfolge in den Anden dargestellt werden. Anstatt ausschließlich gängige Ansichten zur Kosmologie der Moche wiederzugeben, wird – vor dem generellen Hintergrund südamerikanischer Kosmologie – auch ein eigener Vorschlag der Deutung gemacht. Um diesen vorzustellen, wird zuerst ein genereller Überblick über die Moche-Kultur gegeben. Die Stellung innerhalb der andinen Kulturabfolge und eine Übersicht über den archäologischen Befund sowie den Moche-Kunststil werden dargelegt. Dann soll die Mythologie und Kosmologie der Moche ikonographisch erschlossen werden, gefolgt von einem Überblick über die Götterwelt und ihre bildliche Darstellung. Dazu wird der Stand der ikonographischen Arbeiten über die Mochekultur zusammengefasst und, aufbauend auf idigene Quellen über die südamerikanische Kosmologie, ein eigener Deutungsvorschlag entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Moche-Kultur
2.1 Stellung innerhalb der andinen Kulturabfolge
2.2 Fundstätten und archäologischer Befund
2.3 Der Moche-Kunststil
3. Moche-Ikonographie: Mythologie und Pantheon
3.1 Kosmovision und Mythologie
3.2 Das Pantheon: Numinose Wesen der „Mochica“
4. Nachwort
5. Verzeichnis der verwendeten Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Moche-Bildwerke, um die Kosmologie und Mythologie dieser Kultur vor dem Hintergrund der andinen Kulturabfolge zu erschließen. Anstatt lediglich gängige Ansichten zu wiederholen, entwickelt der Verfasser eine eigene Deutungshypothese, welche die ikonographischen Attribute als Ausdruck von Status und hierarchisch geordneten sozialen Rollen innerhalb der Götterwelt interpretiert, anstatt ein Pantheon aus festen, individuellen Göttern vorauszusetzen.
- Analyse der andinen Kulturabfolge und des Moche-Kunststils
- Untersuchung von Kosmovision und Mythologie in der Ikonographie
- Deutung von Ritualen, Opferzeremonien und Bestattungsthemen
- Kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Thesen zur Götterwelt
- Entwicklung einer alternativen Hypothese zur sozialen Spiegelung im Mythos
Auszug aus dem Buch
3.1 Kosmovision und Mythologie
Nach Ansicht der meisten Archäologen hatte die Mythologie der Moche in ihren Grundzügen Ähnlichkeiten mit der anderer präkolumbischer Gruppen Zentral-und Südamerikas. Donnan (1978) wies ziemlich überzeugend nach, dass die Moche Ikonographie keine alltäglichen Inhalte thematisiert, sondern mythologische Themen und Rituale. Diese Ansicht wird von den meisten Forschern geteilt. Während die dargestellten Rituale relativ leicht mit Bezug auf anderer Gruppen erklärt werden können, ist die Mythologie schwerer zu deuten. Es gibt noch immer keinen Konsens über die Mythologie der Moche. Die Kosmovision der Moche lässt sich zumindest im Ansatz auch aus der Ikonographie erschliessen. In den von verschiedenen Archäologen untersuchten komplexen Themen der Moche finden sich Hinweise auf ihre „Götter“, ihre Mythologie und ihre Kosmologie.
Donnan (1979) identifizierte einige solcher Themen, die wichtige Hinweise auf die Kosmologie der Moche geben. Auch fand er einige archäologische und ethnographische Belege für eine kulturelle Kontinuität in grundlegenden Glaubensvorstellungen (1979: 12). Aus einer wenig bekannten ethnohistorischen kolonialzeitlichen Quelle, einem Bericht des Augustinermönches Antonio de la Calancha über indigenes Brauchtum im Norden Perus, zog er zum Beispiel einige wesentliche Schlüsse. Das von ihm isolierte Thema dürften die Riten um ein Begräbnis einer wichtigen Person (inklusive der Opferung einer weiblichen Person) zeigen. Abbildung 3 zeigt einen Aussschnitt aus dem Thema. Es zeigt zwei numinose Wesen. Sie halten einen Weg in die Erde (und vielleicht auch in eine Unterwelt, s.u.) offen. In verwandten anderen Darstellungen sieht man sie, wie sie einen für die Moche typischen Korbsarg in die Erde lassen (siehe 3.3).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel führt in die archäologischen Grundlagen der Moche-Kultur ein, benennt die Problematik der Schriftlosigkeit bei der Rekonstruktion ihres Weltbildes und skizziert das methodische Vorgehen der ikonographischen Untersuchung.
2. Die Moche-Kultur: Hier werden die Moche in die andine Kulturabfolge eingeordnet, die wichtigsten Fundstätten sowie der charakteristische Moche-Kunststil als Basis für die weitere Analyse vorgestellt.
3. Moche-Ikonographie: Mythologie und Pantheon: Dieses Kernkapitel untersucht die Kosmovision, Opferzeremonien und numinose Wesen, um die These zu begründen, dass ikonographische Attribute eher den Status innerhalb einer sozialen Hierarchie als feste göttliche Individuen darstellen.
4. Nachwort: Das Nachwort fasst die Ergebnisse zusammen, reflektiert die Schwierigkeiten bei der Erforschung einer schriftlosen Gesellschaft und diskutiert die Hypothese, dass die Götter der Moche möglicherweise im Jenseits aufgestiegene Geister waren.
5. Verzeichnis der verwendeten Literatur: Auflistung der im Werk zitierten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Moche-Kultur, Peru, Archäologie, Ikonographie, Mythologie, Kosmologie, Götterwelt, Ritual, Menschenopfer, Keramik, soziale Hierarchie, andine Kulturabfolge, Mochica, Grabbeigaben, numinose Wesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über die Kosmologie, Mythologie und Religion der präkolumbischen Moche-Kultur an der Küste Perus auf Basis ihrer ikonographischen Hinterlassenschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Analyse von Moche-Bildwerken, die Einordnung der Kultur in die andine Abfolge sowie die Interpretation ritueller Szenen wie Opferzeremonien und Bestattungsthemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Götterwelt der Moche nicht als Pantheon individueller Götter zu begreifen, sondern zu zeigen, dass ikonographische Attribute eher sozialen Status und hierarchische Rollen vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf der ikonographischen Analyse von Tongefäßen und Wandmalereien, ergänzt durch Vergleiche mit ethnohistorischen Quellen und anderen indigenen Mythen Südamerikas.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Kosmovision, der Interpretation von Ritualen durch den Vergleich mit Mythen anderer Kulturen und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Identifizierung der sogenannten Götter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Moche-Ikonographie, Kosmologie, Mythologie, soziale Hierarchie und rituelle Zeremonien charakterisiert.
Welche Rolle spielen die Opferzeremonien in der Moche-Mythologie?
Opferzeremonien werden als zentrale Ausdrucksform gedeutet, die eng mit Agrarzyklen, Vorstellungen von Tod und Wiedergeburt sowie der Darstellung von Machtstrukturen verbunden sind.
Wie unterscheidet sich die These des Verfassers von bisherigen Ansichten?
Während bisherige Forschungen meist ein Pantheon aus individuellen, festen Göttern voraussetzten, argumentiert der Verfasser, dass die ikonographischen Merkmale lediglich Status und hierarchische Funktionen innerhalb einer Rollenverteilung widerspiegeln.
Welche Rolle spielen die „Heldenzwillinge“ aus dem Popol Vuh für das Verständnis der Moche?
Die Mythen der Maya dienen als Vergleichsmaterial, um die Szenen der Moche (z.B. den Sieg über Unterweltsmächte) besser zu deuten und die Funktion von Tod und Wiedergeburt in ihrem Weltbild zu beleuchten.
Was schlägt der Autor als Erklärung für die „Götter“ der Moche vor?
Der Autor schlägt vor, dass die sogenannten Götter keine festen Gottheiten waren, sondern verstorbene Persönlichkeiten, die im sozial stratifizierten Jenseits einen höheren Status erlangt haben könnten.
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- M.A. Christopher Knapp (Author), 2002, Die Moche-Kultur. Götter und Mythologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215001