Die Kinderliteratur entwickelte sich als eigenständiger Sektor mit der Erfindung des Buchdruckes und ist heute nicht mehr wegzudenken. Denkt man an Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren oder Robinson Crusoe von Daniel Defoe, nur um einige Beispiele der vielzähligen Kinderbuchklassiker zu nennen, denkt man automatisch an seine eigene Kindheit zurück. Die Figuren und Helden werden auch im hohem Alter nicht vergessen und es wird sich an so einige Geschichten und Abenteuer erinnert, die man zusammen mit den Kinderbuchfiguren als Kind erlebt hat. Astrid Lindgren drückt es in dem folgenden Zitat treffend aus.
„ Es begann in Kristins Küche, als ich ungefähr fünf Jahre alt war. Bis dahin war ich ein junges Tier gewesen, das mit Augen, Ohren und allen Sinnen nur das in sich eingesogen hat, was Natur war. […] Edith […] las mir das Märchen vom Riesen Bam Bam und der Fee Viribunda vor und versetzte meine Kinderseele dadurch in Schwingungen, die bis heute noch nicht ganz abgeklungen sind. Allmählich lernte ich selber lesen und ging auf die Jagd, um meinen wilden Lesehunger zu stillen. [...]“1
Doch wieso bleiben diese Geschichten im Gedächtnis und was macht sie zu so etwas besonderem, dass man die Helden seiner Kindheit nicht vergisst? Inwieweit wirken sich Erfahrungen mit Kinderbüchern auf die Identitätsbildung aus? Diese Fragen sollen in der Hausarbeit geklärt werden.
Als erstes werde untersuchen, was für Kinder wichtig ist, damit sie ein Buch als interessant ansehen und somit klären, was ein Kinderbuch zum Klassiker macht. Außerdem soll geklärt werden, warum manche Kinderbücher schlecht oder gar nicht von Kindern angenommen wird und somit aufgezeigt werden, welche Faktoren dazu führen, dass Bücher, obwohl sie für Kinder geschrieben sind, als „Ladenhüter“ im Buchladen stehen bleiben. Als letztes soll geklärt werden, wie sich Kinder mit den Helden und Geschichten der Kinderbücher identifizieren und welche Auswirkungen dies in Bezug auf die Identitätsbildung hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Anforderungen an Kinderliteratur
3 Benötigte Kompetenzen für den Umgang mit Literatur
3.1 Lesekompetenz
3.2 Literarische Kompetenz
3.3 Lesemotivation
4 Identität und Literatur
4.1 Identifikation mit Figuren und Inhalten
4.2 Identitätsbildung anhand von Kinderliteratur
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Kinderliteratur auf die Identitätsbildung bei Kindern. Dabei wird analysiert, welche Kriterien ein Kinderbuch für Kinder attraktiv machen, welche Kompetenzen für den Umgang mit Literatur erforderlich sind und inwieweit die Identifikation mit literarischen Figuren und Inhalten die persönliche Entwicklung der Kinder maßgeblich beeinflusst.
- Anforderungen an Kinderliteratur aus Kindersicht
- Kernkompetenzen: Lesekompetenz, literarische Kompetenz und Lesemotivation
- Mechanismen der Identifikation mit Buchfiguren
- Identitätsbildung durch literarische Grundmotive und Symbole
- Die Rolle der Literatur als Entwicklungshilfe für Kinder
Auszug aus dem Buch
4.1 Identifikation mit Figuren und Inhalten
Emotionalität ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für Identifikation mit einem Buch. Die Kinder nehmen emotional am Geschehen im Buch teil, es wird ein Prozess in Gang gesetzt bei dem der/die LeserIn individuelle Ideen entwickeln, die sich von Kind zu Kind unterscheiden. Kinder erkennen sich in diesen Geschichten wieder, ihr eigener Lebens- und Erfahrungsbereich spielt eine Rolle und sie können sich mit den Geschichten und Figuren identifizieren und die Situation nachvollziehen. Die Identifikation ist also einfach, wenn ein kindlicher Erfahrungsbereich angesprochen werden. Vor allem „Lust- und Genussquellen, die sonst unzugänglich sind“ reizen Kinder besonders. Beispiel hierfür ist Pippi Langstrumpf, denn jedes Kind träumt davon, so leben zu können, ohne dass Eltern ihnen sagen, was es machen sollen. Somit fällt die Identifikation mit der Hauptperson leicht. Auch Literatur, die in der Ich- Form geschrieben wurde, unterstützt die Kinder bei der Identifikation mit den Helden.
Ein anderer wichtiger Aspekt für Identifikation mit den Geschichten ist die Mischung zwischen Wirklichkeitsnähe und unbekanntem. Einerseits gibt es etwas bekanntes, an dem man „festhalten“ kann und andererseits kann man Abenteuer erleben, die in der realen Welt nicht möglich sind. Somit wird klar, dass „Literarische Figuren (...) eine ganz entscheidende Entwicklungshilfe für das soziale Verstehen und die emotionale Entwicklung der jungen Leser sein“ können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Kinderliteratur ein und formuliert die zentrale Fragestellung hinsichtlich des Einflusses von Leseerfahrungen auf die kindliche Identitätsbildung.
2 Anforderungen an Kinderliteratur: Das Kapitel analysiert, warum Kinder bestimmte Geschichten bevorzugen und welche Faktoren (wie Authentizität oder Fantasieanregung) ein Kinderbuch für die Zielgruppe interessant machen.
3 Benötigte Kompetenzen für den Umgang mit Literatur: Hier werden die essenziellen Voraussetzungen wie Lesekompetenz, literarisches Verständnis und Lesemotivation definiert und ihre Bedeutung für den Umgang mit Texten erläutert.
4 Identität und Literatur: Dieser Abschnitt beleuchtet die Mechanismen der Identifikation mit Romanfiguren und zeigt auf, wie literarische Motive bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen und der Identitätsbildung unterstützen.
5 Zusammenfassung: Das letzte Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und bestätigt den bedeutenden Beitrag der Kinderliteratur zur Persönlichkeitsentwicklung und Subjektwerdung des Kindes.
Schlüsselwörter
Kinderliteratur, Identitätsbildung, Lesekompetenz, Literarische Kompetenz, Lesemotivation, Identifikation, Kinderbuchklassiker, Sozialisation, Persönlichkeitsentwicklung, Grundmotive, Symbolik, Literaturdidaktik, Kindliche Entwicklung, Leseverhalten, Subjektwerdung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Kinderliteratur als Medium zur Förderung der Identitätsbildung bei Kindern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen Anforderungen an Kinderliteratur, erforderliche Lesekompetenzen, die Identifikation mit Figuren und die Wirkung von Literatur auf die Identitätsfindung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Kinderbüchern auf die Entwicklung der kindlichen Identität zu erforschen und zu klären, warum bestimmte Geschichten als Klassiker fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung vorhandener Fachliteratur sowie Studien zu Kinderliteratur, Identitätsbildung und Leseerziehung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Voraussetzungen für literarisches Lernen, die Bedeutung der Lesemotivation und die psychologischen Aspekte der Identifikation mit literarischen Charakteren detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kinderliteratur, Identitätsbildung, Lesekompetenz, literarische Sozialisation und Identifikation.
Warum ist die Identifikation mit Figuren für Kinder so bedeutsam?
Die Identifikation ermöglicht es Kindern, Situationen nachzuvollziehen, emotionale Bindungen aufzubauen und sich spielerisch mit eigenen Problemen sowie moralischen Werten auseinanderzusetzen.
Welche Rolle spielen „Grundmotive“ wie das Aschenputtel-Motiv?
Grundmotive wie Minderwertigkeitsgefühle oder das Übertreten von Verboten helfen Kindern, eigene Entwicklungsprobleme zu reflektieren und Zuversicht in ihre eigene Bewältigungsfähigkeit zu gewinnen.
- Citar trabajo
- Cindy Scharfenberg (Autor), 2012, Identifizierung mit Kinderbüchern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215060