Auswirkungen der Ausweitung des Anbaus von Biokraftstoffen auf die Teller-Trog-Tank-Problematik

Erklärungs- und Kritikansatz der Green Economy am Beispiel der Biokraftstoffe


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

21 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biokraftstoffe
2.1. Was sind Biokraftstoffe?
2.2. Weltweite Entwicklung (-stendenzen) der Biokraftstoffe

3. Biokraftstoffe und die „Tank, Teller oder Trog“-Problematik

4. Green Economy
4.1. Was versteht man unter Green Economy?
4.2. Kritik an der Green Economy

5. Erklärungs- und Kritikansatz der Green Economy am Beispiel der Biokraftstoffe

6. Zusammenfassung und Ausblick

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der im zweiten Fachsemester stattfindenden Veranstaltung „Teller, Trog oder Tank? Ernährungssicherung und der globale Wettlauf um Agrarland“ des Master-Studienganges „Geographien der Globalisierung-Märkte und Metropolen“ der Goethe-Universität Frankfurt wurde im Sommersemester 2012 eine Präsentation für die Teilnehmer des Seminars mit dem Titel „Biokraftstoffe - Trägt eine Ausweitung des Anbaus von Biokraftstoffen, insbesondere Jatropha, zu einer Verminderung oder einer Verstärkung der Teller-Trog-Tank-Problematik bei?“. Diese Präsentation möchte ich in dieser Seminararbeit in veränderter Form schriftlich ausarbeiten, wobei nicht explizit auf Jatropha eingegangen wird.

Nachdem kurz Biokraftstoffe und deren weltweite Entwicklung (-stendenzen) erläutert werden, folgt eine Beschreibung der Zusammenhänge und Problemfelder zwischen dem vermehrten Anbau von Biokraftstoffen und dem Nahrungs- und Futtermittelanbau, was oftmals mit der einfachen Fragestellung „Tank, Teller oder Trog?“ umschrieben wird. Im Anschluss wird auf die Green Economy und die Kritik an dieser eingegangen und Biokraftstoffe als Beispiel der Debatte um Green Economy genutzt. Schließlich möchte in der Zusammenfassung bzw. im Ausblick die Fragestellung der vorliegenden Seminararbeit beantwortet und auf mögliche Lösungsansätze eingegangen werden.

Die Zahl der Hungernden betrug nach Schätzungen der FAO 2010 weltweit ca. 925 Millionen Menschen (FAO 2010: 1; BMZ 2012: 12). „Ernährungssicherung bleibt somit eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Aber neben Nahrungs- und Futtermitteln wird auch Biomasse - sowohl zur stofflichen […] als auch zur energetischen Nutzung […] - vermehrt nachgefragt“ (BMZ 2012: 11) und die verschiedenen Nutzungsinteressenten „stehen im wachsenden Wettbewerb um die knapper werdenden Landressourcen“ (BMZ 2012: 11). Das anhaltende Bevölkerungswachstum, die Ausdehnung von Siedlungsflächen, Urbanisierung, anhaltende Flächenversiegelung, nicht nachhaltige Ackerbewirtschaftung, Überweidung, Dürre und Desertifikation und schon erkennbare Folgen des Klimawandels verstärken den Druck auf den Produktionsfaktor Boden (BMZ 2012: 11). Der Trend des „Land-Grabbing“ gerät immer mehr in die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit: Ausländische aber durchaus auch inländische Investoren pachten Agrarland, um darauf nicht nur Nahrungs- sondern auch Futtermittel oder Energiepflanzen anbauen zu können. José Graziano da Silva, der Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) „wies auf die verstärkte Konkurrenz zwischen Nahrungsmittel- und Treibstoffproduzenten […] hin“ (bpb 2012). Durch schlechte Ernten könnte diese verschärft werden und eine drastische Preissteigerung, oder sogar die Gefahr, die Ernährungssicherung nicht gewährleisten zu können, die Folge sein.

Green Economy, thematischer Mittelpunkt des im Juni 2012 stattgefundenen und als „gescheitert“ geltenden Erdgipfels „Rio+20“ bezeichnet „die Förderung einer ökologischen Wirtschaftsweise (Green Economy) als Grundlage für nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung“ (BMZ 2012b), bei der ökologische Interessen und wirtschaftliches Wachstum vereinbart werden können. Der Ansatz der Green Economy gilt als umstritten, weil viele Entwicklungsländer fürchten, dass eine „ökologische Umgestaltung der Wirtschaft ein Deckmantel für protektonische Beschränkungen internationalen Handels wird, die die Ungleichheit zwischen reichen und armen Ländern zementiert und die Entwicklung behindert“ (Brandi 2012: 1).

Erscheint es somit sinnvoll, Land im globalen Süden zu pachten, um darauf Biokraftstoffe anzupflanzen, mit dem Ziel den weltweiten CO2- Ausstoß zu reduzieren, dadurch aber die weltweite Ernährungssicherung zu gefährden, unter der dann arme Länder des globalen Südens am ehesten zu leiden haben? Trägt eine Ausweitung des Anbaus von Biokraftstoffen zu einer Verminderung oder einer Verstärkung der „Teller-Trog-Tank-Problematik“ bei?

2. Biokraftstoffe

2.1. Was sind Biokraftstoffe?

Biokraftstoffe (biofuels), werden definiert als „erneuerbare Energieträger, die aus Biomasse gewonnen werden und entweder flüssiger oder gasförmiger Natur sind“ (Bühler 2010). Sie werden zur Kraft- und Wärmegewinnung genutzt, aber hauptsächlich in Verbrennungsmotoren im Transportsektor eingesetzt (BMZ 2011: 8).

Der Begriff Biokraftstoffe impliziert nur, dass sie aus Biomasse gewonnen werden und nicht, „dass es sich per se um umweltschonende („grüne“) Kraftstoffe handelt“ (BMZ 2011: 8). Oftmals findet man daher in Publikationen auch die Bezeichnung der Agrarkraftstoffe (Hönicke & Meischner 2009: 4), deren Wortwahl auf die ökologischen, sozialen und auch wirtschaftlichen Folgen des Anbaus von Energiepflanzen hinweisen möchte. Es soll vermieden werden, dass mit dem Begriff Biokraftstoff der Eindruck eine nachhaltige Produktion verbunden wird (Hönicke & Meischner 2009: 4). Im folgenden Verlauf wird aber, wie auch schon in der Einleitung, der Begriff der Biokraftstoffe als gängig angesehen und weiterhin verwendet.

Oftmals ist auch der Begriff der Energiepflanzen vorzufinden. Diese Bezeichnung benennt Agrarprodukte, die der Energiegewinnung dienen und impliziert daher nicht explizit die Nutzung als Biokraftstoffe (bpd 2012).

Bioenergie umfasst sämtliche feste, flüssige und gasförmige Energieträger, die sowohl aus Holz, landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und organischen Rest- und Abfallstoffen bestehen können, und daher machen Biokraftstoffe nur einen klein Teil der gesamten Bioenergie aus (BMZ 2011: 8).

Man unterteilt Biokraftstoffe in die 1., 2. (Bühler 2010: 22) und 3. Generation (BMZ 2011: 8). Bei Biokraftstoffen der 1. Generation handelt es sich um flüssige Kraftstoffe aus öl- und stärkehaltigen Pflanzen (BMZ 2011: 8). Beispiele sind „Bioäthanol auf der Basis von Zuckerrohr, Getreide und Zuckerrüben, sowie Biodiesel aus Ölpalmen, Raps, Soja und weiteren Ölpflanzen“ (BMZ 2011: 8). Dabei wird nur ein „bestimmter Inhaltsstoff der Pflanzen wie Stärke, Zucker oder Öl verwertet“ (Hönicke & Meischner 2009: 7). Die Technologie dieser Biokraftstoffe ist erprobt und daher stellen die Biokraftstoffe der 1. Generation die bisher einzigen breit eingesetzten Energieträger dar (BMZ 2011: 8).

„Biokraftstoffe der 2. Generation sind flüssige und gasförmige Kraftstoffe auf der Basis von Lignozellulose“ (BMZ 2011: 8). Hierbei wird aus fester Biomasse wie z.B. Holz, holzartigen Abfällen oder auch Gräsern reiner Biokraftstoff synthetisiert, wobei zwischen BtL (Biomass-to-Liquid) und GtL (Gas-to-Liquid) unterschieden wird (BMZ 2011: 8; Hönicke & Meischner 2009: 7). Die Herstellung dieser Kraftstoffe geschieht mittels aufwendiger Verfahren (Hönicke & Meischner 2009: 7) und daher stellen Biokraftstoffe der 2. Generation aufgrund der „technischen Anforderung keine Option für den breiten Einsatz in Entwicklungsländern“ (BMZ 2011: 8) dar und gelten noch nicht als marktreif (BMZ 2011: 8). Die noch in der Erprobung bzw. Forschung befindlichen Technologien sollen in Zukunft ermöglichen, dass bei der Herstellung von Biokraftstoffen auch die anfallenden Rest- und Abfallstoffe verwendet werden und damit die Nutzung von Biomasse effizienter gestaltet werden kann (Bühler 2010: 23).

Aus Algen und anderen photosynthetisierenden Mikroorganismen werden Biokraftstoffe der 3. Generation gewonnen. Deren Entwicklung steht noch am Anfang und ist hier daher nicht weiter erwähnenswert (BMZ 2011: 8).

2.2. Weltweite Entwicklung (-stendenzen) der Biokraftstoffe

Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen stoßen Biokraftstoffe wie z.B. Bioäthanol und Biodiesel bei ihrer Verbrennung lediglich nur „die Menge an CO2 aus, die die Pflanzen im Laufe ihres Wachstums aufgenommen haben“ (bpb 2008). Daher erscheinen sie im „Kampf gegen den Klimawandel“ als attraktiv, und dies insbesondere im Einsatz im Transportsektor, der schließlich ca. 14 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verursacht (bpb 2008). Die „Rolle von Bioenergie bzw. Biokraftstoffen wird im Rahmen eines nachhaltigen weltweiten Energiesystems“ sowohl national als auch global immer stärker betont (Fritsche et al 2005: 2), und die Biokraftstoffproduktion hat in den letzten Jahren weltweit zugenommen“ (BMZ 2011: 8). Es steigt die Anzahl von Energieinvestoren, die Flächen in Entwicklungsländern mit dem Ziel erwerben, „großflächig Energiepflanzen und schnell wachsende Baumarten für die nationalen und internationalen Bioenergiemärkte anzubauen“ (BMZ 2012: 13). „Vielerorts vorhandene Beimischungsquoten für Agrartreibstoffe, etwa die Richtlinie der Europäischen Union (EU) zur Förderung der Erneuerbaren Energien (2009/28/EG), steigende Ölpreise, sowie die Ausstiegsbestrebungen aus der Atomenergie bieten zusätzliche Anreize, Investitionen in den Anbau von Energiepflanzen bzw. Biokraftstoffe zu tätigen“ (BMZ 2012: 13). So machen Biokraftstoffe „derzeit ca. 3 Prozent des weltweiten Kraftstoffverbrauchs im Transportsektor aus“ (BMZ 2011: 8). Die Produktion von Biodiesel hat sich in den Jahren 2006 bis 2010 fast verdreifacht (bpb 2012), die Bioäthanolproduktion verdoppelt (BMZ 2011: 8), siehe dazu Abb. 1. Laut der Bundeszentrale für poltische Bildung werden derzeit mehr als fünf Prozent der globalen Getreideernten dazu genutzt, Biokraftstoffe herzustellen (bpb 2012). 2011 wurden rund 2,28 Millionen Hektar Agrarfläche für den Anbau von Energiepflanzen genutzt, was ungefähr 19 Prozent der vorhandenen Ackerflächen ausmacht (bpb 2012).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Globale Biokraftstoffproduktion in den Jahren 200 bis 2010 (IEA (2010) zit. n. BMZ 2011: 8).

Bis zum Jahr 2021 soll sich die weltweite Produktion von Bioäthanol beinahe verdoppeln und bei 180 Mrd. Liter liegen, wobei die Hauptproduktionsländer weiterhin die USA, Brasilien und die Europäische Union darstellen werden (ama 2012: 1). Biodiesel soll ebenso bis zum Jahr 2012 eine Verdopplung des Volumens erfahren und bei 42 Mrd. Liter im Jahr liegen (ama 2012: 1). Grund dafür sind, wie schon oben erwähnt, gesetzliche Rahmenbedingungen wie die Richtlinie der Europäischen Union (EU) zur Förderung der Erneuerbaren Energien (2009/28/EG), oder z.B. die in der USA geltende Richtlinie Renewable Fuel Standard (RFS2) (ama 2012: 1).

3. Biokraftstoffe und die „Tank, Teller oder Trog“-Problematik

Die Zahl der Hungernden betrug nach Schätzungen der FAO 2010 weltweit ca. 925 Millionen Menschen (FAO 2010: 1; BMZ 2012: 12). „Ernährungssicherung bleibt somit eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“ (BMZ 2012: 11). Ernährungsexperten „gehen davon aus, dass die jährlich weltweit geerntete Getreidemenge von 1,0 Mrd. Tonnen ausreichen würde, um jeden der 6,1 Mrd. Erdenbürger mit der WHO-Mindestration von 2250 kcal zu versorgen“ (Fraunholz & Pulla 2008: 64). Die Problematik besteht aber darin, dass weltweit ungefähr 40 Prozent der Getreideernte an Tiere verfüttert wird (Fraunholz & Pulla 2008: 64) und somit als reines Futtermittel dient. Dabei ist weniger das anhaltende Bevölkerungswachstum, sondern der Wandel der Ernährungsweise, wie z.B. der steigende Verzehr von Milch- und Fleischprodukten in Schwellenländern wie China oder Indien der Grund für die Erhöhung des Bedarfs an zu bepflanzender Landfläche (Exner 2011: 15). So werden im globalen Süden eiweißreiche Futtermittel wie z.B. Sojabohnen in großen Mengen angebaut, um sie direkt in Industrieländer für deren Tierproduktion zu exportieren. Folglich steht das angebaute Produkt der lokalen Nahrungsmittelversorgung nicht mehr zur Verfügung, das Produktionsgut Boden wird nur geringfügig für lokale Bedürfnisse genutzt; Tendenz steigend.

Aber nicht nur für die Nutzung als Nahrungs- und Futtermittel wird Biomasse angebaut, sondern auch zur stofflichen (z.B. Baumwolle für Kleidung) und zur energetischen Verwertung (z.B. Mais für Biokraftstoff) (BMZ 2012: 11). Auf die stoffliche Verwertung wird in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen, da eine genaue Betrachtung der energetischen Nutzung angestrebt wird.

Gründe für die ansteigenden Investitionen in Land, um darauf Energiepflanzen anzubauen sind, dass Biokraftstoffe „als ein wichtiger Pfeiler zur Erreichung globaler Klimaziele und langfristiger Energiesicherheit angesehen“ werden (BMZ 20111: 4). Investitionen in Land zu energetischen Nutzung können zur Steigerung von Einkommen und zu einem verbesserten Zugang zu Energie führen (BMZ 2011: 4). Nach Peak Oil wird immer weniger auf organische Bestände, die in der Vergangenheit akkumuliert worden sind (fossile Ressourcen) zugegriffen werden können und so wird die Nachfrage nach Energie in Zukunft vermehrt über die Landfläche gedeckt (Exner 2011: 15).

Ein Zusammenhang zwischen dem Anbau von Pflanzen zur Nutzung als Futtermittel oder als Energiepflanze kann wie folgt beschrieben werden:

Wenn z.B. Mais verstärkt für die Produktion von Äthanol angebaut wird, ist das Pflanzenprodukt in geringeren Mengen für die Nahrungs- als auch für die Futtermittelnutzung verfügbar. Es wird verstärkt nach Ersatzpflanzen wie Weizen oder Soja nachgefragt, die wiederum sowohl als Nahrungs-, Futtermittel oder als Energiepflanze genutzt werden können. Die Preise aller drei Pflanzen steigen an. Dabei steigen nicht nur die Preise der Produkte als Rohstoff für die notwendige Ernährung, sondern durch die Verteuerung der Pflanzen als Futtermittel kommt es folglich auch zu einer Preissteigerung von Milch- und Fleischprodukten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der Ausweitung des Anbaus von Biokraftstoffen auf die Teller-Trog-Tank-Problematik
Untertitel
Erklärungs- und Kritikansatz der Green Economy am Beispiel der Biokraftstoffe
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Humangeographie)
Note
2,0
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V215098
ISBN (eBook)
9783656431206
ISBN (Buch)
9783656435617
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
trägt, ausweitung, anbaus, biokraftstoffen, verminderung, verstärkung, teller-trog-tank-problematik, erklärungs-, kritikansatz, green, economy, beispiel, biokraftstoffe
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Auswirkungen der Ausweitung des Anbaus von Biokraftstoffen auf die Teller-Trog-Tank-Problematik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215098

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Auswirkungen der Ausweitung des Anbaus von Biokraftstoffen auf die Teller-Trog-Tank-Problematik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden