Thema dieser Arbeit ist die theoretische Auseinandersetzung mit dem Modell der Creative Governance sowie deren praktische Anwendung in den Governanceprozessen des Fallbeispiels Kulturhauptstadt RUHR.2010.
Leitfrage dabei ist durch welche besonderen, unkonventionellen Planungsinstrumente die Kulturhauptstadt überhaupt erst ermöglicht wurde sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit eines solchen Projektes.
Das Kulturhauptstadt RUHR.2010 ist im wesentlichen ein Region Branding Prozess, initiiert von verschiedenen regionalen Vertretern, um der post-industriellen Region Ruhrgebiet ein neues, positiv besetztes Image zu geben, dass Investoren, Fachkräfte und Unternehmen in die Region locken soll. Aus diesem Grund wird an den notwendigen Stellen ein Bezug zu Branding Theorien hergestellt werden müssen, um die Intention von bestimmten Governance Prozessen deutlich zu machen.
Die Arbeit gliedert sich grob in fünf Kapitel. Nach der Einleitung wird der theoretische Hintergrund des Creative Governance Modells erläutert und in das Konzept in die aktuelle wissenschaftliche Debatte eingegliedert – der Wandel im Staats- und Steuerungsverständnis sowie der Wandel in der traditionellen Planungskultur. In diesem Theorieteil wird außerdem ein weiteres momentanes ‚Trendthema‘ der Stadtplanung angesprochen, nämlich die Debatte um die Ansiedlung der Kreativen Klasse und deren Wichtigkeit für eine zukunftsorientierte, nachhaltige Stadtentwicklung. Die Attrahierung der kreativen Klasse stellt neben dem Branding Gedanken ein weiteres wichtiges Ziel der Kulturhauptstadt dar und muss aus diesem Grund bei der Analyse des Fallbeispiels immer im Hinterkopf behalten werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergund
3 Ausgangssituation im Ruhrgebiet
4 Ruhr 2010
4.1 Daten und Fakten
4.2 Timeline der Kulturhauptstadt
4.3 Bewerbung: Januar 2001-April 2006
4.4 Vorbereitung und Planung: April 2006 – Ende 2009
4.5 Dritte Phase: Kulturhauptstadtjahr 2010
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Modell der Creative Governance anhand des Fallbeispiels der Kulturhauptstadt RUHR.2010, um zu untersuchen, welche unkonventionellen Planungsinstrumente dieses Projekt ermöglichten und wie effektiv diese Governance-Prozesse in einer post-industriellen Region waren.
- Theoretische Fundierung des Modells der Creative Governance
- Strukturwandel und regionale Identität im Ruhrgebiet
- Analyse der Governance-Prozesse während der Bewerbungs- und Umsetzungsphase von RUHR.2010
- Bedeutung von Region Branding und der Rolle der Kreativwirtschaft
- Evaluierung von interkommunalen Kooperationen und Netzwerkstrukturen
Auszug aus dem Buch
4.3 Bewerbung: Januar 2001-April 2006
Als Startschuss der Bewerbung kann ein Interview genannt werden, dass fünf Kulturdezernenten der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung am 9. Januar 2011 gaben. In diesem Gespräch sprachen die Dezernenten „eher beiläufig“ (Scheytt 2010: S.10) von der Idee, die Kulturhauptstadt 2010 in das Ruhrgebiet zu holen, wobei eine der größten Städte der Region als Zugpferd dienen sollte. Die Erfolge der IBA Emscher Park und die Idee einer Ruhrtriennale als Fortführung des Kulturprogramms in den sanierten ‚Industriekathedralen‘ gaben den Ausschlag für eine offene Diskussion des Konzepts, dass auf große positive Resonanz stieß. Die bereits angesprochene Heterogenität des Siedlungsraumes brachte jedoch auch große Bedenken um die Durchführbarkeit eines solchen Leuchtturmprojektes mit sich, die vor allem in den Köpfen der Planer und Beschäftigten bei den Städten vorherrschten und überwunden werden mussten. (ebd.)
Wie bereits im theoretischen Teil der Arbeit angedeutet, sind diese Vorbehalte gegenüber unkonventionellen planerischen Vorhaben typische ‚Kinderkrankheiten‘ von kreativer, regionaler Zusammenarbeit. Die Erfahrungen in den kommunalen Verwaltungsinstitutionen lassen die Verantwortlichen Akteure häufig zuerst die Hindernisse als die Potenziale in komplexen Projekten sehen. (Kunzmann 2004: S. 9)
Die erste Phase der Bewerbung zur Kulturhauptstadt war vor allem dadurch gekennzeichnet, die Jurys „auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene davon zu überzeugen, dass die Kulturhauptstadt „Essen für das Ruhrgebiet“ den Titel erhalten sollte.“ (Scheytt 2010: S.10) „Essen für das Ruhrgebiet“ konnte zu diesem Zeitpunkt als Arbeitstitel angesehen werden da noch kein klares Konzept dafür stand, wie die Bewerbung letztendlich aussehen sollte. Sowohl die konkreten Ziele der Kulturhauptstadt als auch der letztendliche Bewerbungstitel
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Creative Governance ein, definiert die Forschungsfrage bezüglich der Planungsinstrumente von RUHR.2010 und gibt einen Überblick über den strukturellen Aufbau der Arbeit.
2 Theoretischer Hintergund: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der Creative Governance als Modifikation traditioneller Steuerungsmodelle und diskutiert die Bedeutung der Kreativwirtschaft sowie der „Kreativen Klasse“ für die regionale Entwicklung.
3 Ausgangssituation im Ruhrgebiet: Hier wird der sozioökonomische Kontext des Ruhrgebiets, die heterogene Siedlungsstruktur und die traditionelle interkommunale Zusammenarbeit vor der Kulturhauptstadt beleuchtet.
4 Ruhr 2010: Das Kernkapitel analysiert chronologisch die Bewerbung, Planung und Umsetzung des Projekts RUHR.2010 und untersucht, wie moderne Governance-Strukturen und Netzwerkbildungen funktionierten.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet den Erfolg des Projekts als neuartiges Regionalprojekt und wagt einen Ausblick auf zukünftige Kooperationsmodelle.
Schlüsselwörter
Creative Governance, Kulturhauptstadt, RUHR.2010, Region Branding, Kreativwirtschaft, Regionalentwicklung, interkommunale Kooperation, Städteregion, Stadtplanung, Netzwerkstrukturen, Strukturwandel, Metropole Ruhr, Governance-Prozesse, Standortmanagement, Innovationskraft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit setzt sich theoretisch mit dem Modell der Creative Governance auseinander und untersucht deren praktische Anwendung am Fallbeispiel der Kulturhauptstadt RUHR.2010.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf dem Strukturwandel im Ruhrgebiet, der Bedeutung von Region Branding, dem Konzept der Kreativwirtschaft und der Analyse interkommunaler Governance-Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, durch welche unkonventionellen Planungsinstrumente die Kulturhauptstadt realisiert wurde und wie wirksam diese Governance-Ansätze in der Praxis waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit nutzt eine systematisierte Analyse von Planungsprozessen, eingebettet in theoretische Konzepte der Regional- und Creative Governance nach Kunzmann und anderen Autoren.
Was wird im umfangreichen Hauptteil thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des theoretischen Rahmens, die Analyse der Ausgangslage im Ruhrgebiet sowie eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der Bewerbungs- und Umsetzungsphasen von RUHR.2010.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen insbesondere Creative Governance, Ruhrgebiet, Metropole Ruhr, interkommunale Kooperation, Kulturhauptstadt und Region Branding.
Warum war die Gründung der RUHR.2010 GmbH für den Prozess so entscheidend?
Die GmbH fungierte als zentrales Steuerungsorgan, das abseits festgefahrener kommunaler Strukturen agieren konnte und so die notwendige Koordination und Professionalisierung des Bewerbungs- und Planungsprozesses sicherstellte.
Welche Kritik äußert die Arbeit am Branding-Ansatz der Kulturhauptstadt?
Die Arbeit weist auf eine Diskrepanz zwischen den Zielen der Planer (Marketing und Vernetzung) und den Erwartungen der lokalen Kulturschaffenden hin, die sich teilweise durch die rein auf Vermarktung fokussierte Strategie übergangen fühlten.
- Arbeit zitieren
- BA Moritz Bannert (Autor:in), 2012, Creative Governance - Das Fallbeispiel Ruhr 2010, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215148