In der von Alexander B. Murphy im Jahre 2004 verfassten Veröffentlichung „Territorial Ideology and Interstate Conflict“ aus dem Sammelband „Geography of War and Peace“ von Flint, Colin (Hrsg.) erklärt der Autor, dass gestützt auf ethnokulturelle, physisch-räumliche, politisch-territoriale oder strategische Argumente Regime territorialer Legitimation im modernen Staatensystem zwischen- und überstaatliche Konflikte framen. Einzugliedern ist Murphys Raumtheorie dabei in die geografische Konfliktforschung.
Die territoriale Logik des modernen Staatensystems dient als Wurzel aller territorialen Konflikte. Ein modernes Staatensystem geht einher mit der Konstruktion von Grenzen und deren Zusammenspiel mit der Idee der Legitimierung von Territorialansprüchen. Diese Territorialansprüche werden durch die Existenz der bestehenden staatlichen Legitimierung immer wieder geltend gemacht. Die Entwicklung bzw. Evolution des modernen Staatensystems ist mit zwei essentiellen Konzepten territorialer Bedeutung verbunden: Mit der Souveränität und dem Nationalstaat. Diese zwei Grundaspekte gelten als eine Gemeinsamkeit von allen (legitimierten) Staaten, trotz der vielen kulturellen, geschichtlichen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Unterschiede. Werden diese von anderen Staaten (oder auch von Völkergruppen innerhalb eines Staates) nicht akzeptiert, kann es durchaus zum territorialen Konflikt kommen. Es werden verschiedene Typen historisch-geographischer Überlegungen bzw. Verständnisse von den Regimen als ideologische Argumente angeführt, um ihre territoriale Logik und damit auch ihre Nationalstaatenbildung bzw. dessen weitere Existenz argumentativ zu belegen: Das ethnokulturelle Heimatland als Einheit, die physisch-räumliche bzw. naturräumliche Einheit, die politisch-territoriale Einheit und das „strategische Ersatzargument“.
Durch Murphys Raumkonzept ist es möglich, zurückliegende aber auch aktuelle inner- und zwischenstaatliche Konflikte zu interpretieren und ihr Entstehen nachvollziehen zu können.
Am Beispiel des israelisch- palästinensischen Konfliktes wird deutlich, dass sich die betroffenen Länder und ihre Machthaber bzw. ethnokulturellen Gruppen auf die drei erstgenannten Argumente stützen.
Das ausgewählte Beispiel des arabisch-jüdischen Konfliktes zeigt auch offensichtlich das Fehlen eines Argumentes in Murphys geopolitischer Raumtheorie: Das Argument der sicheren Grenzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Raumkonzept von Alexander B. Murphy
3. Die Anwendung der Raumtheorie von Alexander B. Murphy auf den israelisch-palästinensischen Konflikt
4. Kritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das von Alexander B. Murphy entwickelte Raumkonzept und analysiert dessen Anwendbarkeit auf den israelisch-palästinensischen Konflikt. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwieweit Murphys Typologie territorialer Legitimationsregime dazu beitragen kann, die Ursachen und die Dynamik dieses spezifischen Konflikts zu erklären und welche Schwachstellen sich in der Theorie im praktischen Anwendungskontext offenbaren.
- Analyse der territorialen Logik im modernen Staatensystem nach Murphy
- Untersuchung der vier ideologischen Argumente für territoriale Legitimation
- Anwendung des theoretischen Rahmens auf den israelisch-palästinensischen Konflikt
- Kritische Reflexion über Begriffsdefinitionen und die Grenzen der theoretischen Erklärbarkeit
Auszug aus dem Buch
3. Die Anwendung der Raumtheorie von Alexander B. Murphy auf den israelisch-palästinensischen Konflikt
In diesem Abschnitt möchten die in 1.Einleitung aufgeführten Fragen kurz beantwortet und die mögliche Anwendung von Murphys Raumkonzept auf ein schon lang bestehendes und immer noch aktuelles Beispiel verdeutlicht werden. Dabei ist zu erwähnen, dass die Grundlagen des Konfliktes als wissend vorausgesetzt werden, und dessen Geschichte hier nicht genauer erläutert wird. Nachzulesen ist eine kurze Zusammenfassung des Konfliktes in Fouberg et al. (2009): Human Geography: People, Place and Culture.
In welchen Aspekten des Konfliktes sieht sich Murphys Raumkonzept als bestätigt? Beim dem arabisch-jüdischen Konflikt geht es nicht nur um einen zwischen zwei Staaten umstrittenen Grenzbereich, sondern besonders um unversöhnliche Ansprüche zweier Konkurrenten -der Israelis und Palästinenser- auf ein und dasselbe kleine Land und seine heilige und hoch empfindliche Hauptstadt- Jerusalem (Gelber 2004). Wie aber legitimieren diese zwei Gruppen ihren Anspruch auf das räumliche Gebiet?
Beide Gruppen stützen sich auf historische Fakten, und bedienen somit das erste und auch dritte Argument Murphys. Palästinenser haben lange Zeit versucht, die kolonialistische Qualität des Zionismus nachzuweisen, um ihre Argumentation zu stützen. Die Verknüpfung des Zionismus mit dem Kolonialismus ist so alt wie der Konflikt an sich. Dennoch beruht die Beweisführung auf dürftigen und zweifelhaften historischen Fakten, die meist das Gegenteil belegen, denn Zionismus ist nicht Kolonialismus. Juden, die nach Israel auswanderten, wurden getrieben von einer einzigartigen Motivation, die sie von allen anderen kolonialen Bewegungen unterscheidet: der Wiederbelebung eines uralten Erbes (Gelber 2004). Israel
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Alexander B. Murphy ein, verortet es in der politischen Geographie und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Anwendbarkeit dieser Theorie auf den israelisch-palästinensischen Konflikt.
2. Das Raumkonzept von Alexander B. Murphy: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen Murphys, insbesondere die territoriale Logik des modernen Staatensystems und die vier zentralen Argumente für territoriale Legitimation.
3. Die Anwendung der Raumtheorie von Alexander B. Murphy auf den israelisch-palästinensischen Konflikt: Hier wird die Theorie auf das Fallbeispiel übertragen und untersucht, welche Argumentationsmuster der Konfliktparteien durch Murphys Modell erklärt werden können.
4. Kritik: Das abschließende Kapitel analysiert Schwachstellen der Theorie, wie die Unschärfe des „strategischen Ersatzarguments“ und die mangelnde Präzision bei der Definition von Territorium.
Schlüsselwörter
Alexander B. Murphy, Raumtheorie, Territorium, Staatensystem, territoriale Legitimation, israelisch-palästinensischer Konflikt, Nationalstaat, Souveränität, ethnokulturelles Heimatland, politische Geographie, Konfliktforschung, Grenzziehung, strategisches Ersatzargument
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Raumtheorie von Alexander B. Murphy aus dem Jahr 2004 und wendet diese auf den israelisch-palästinensischen Konflikt an.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind territoriale Legitimation, der moderne Nationalstaat, geopolitische Konfliktursachen und die Rolle von Grenzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu prüfen, ob Murphys theoretische Typologie geeignet ist, die komplexen Ansprüche im israelisch-palästinensischen Konflikt zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, die auf einem ausgewählten wissenschaftlichen Text basiert und diesen deduktiv auf ein empirisches Fallbeispiel anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Theorie, die praktische Anwendung auf den Nahostkonflikt und eine kritische Auseinandersetzung mit der Theoriebildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind territoriale Legitimation, Nationalstaat, ethnokulturelle Identität, politische Geographie und Grenzkonflikte.
Warum wird das Konzept der "Mesoebene" in der Theorie eingeführt?
Die Mesoebene soll Prozesse und Akteure erfassen, die mehrere Staaten betreffen, ohne jedoch rein globaler Natur zu sein, um die Lücke zwischen Mikro- und Makroebene zu schließen.
Welches Argument fehlt laut der Autorin in Murphys Theorie?
Die Autorin stellt fest, dass in Murphys Theorie das Argument der „sicheren Grenzen“ fehlt, welches für Staaten ein zentrales Motiv für territoriale Ansprüche darstellt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2012, Die Erläuterung der Raumtheorie von Alexander B. Murphy und dessen Anwendung auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215184