Grundlagen der Sozialen Arbeit. Geschichte, Theorien, Praxisfelder


Hausarbeit, 2010
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A Soziale Arbeit in der Weimarer Republik
1. Historischer Überblick (1918/19-1933)
2. Die Entwicklung der Sozialen Arbeit
2.1 Die Situation der Bevölkerung
2.2 Die Entwicklung der Profession innerhalb der Wohlfahrtspflege
2.3 Die Verrechtlichung der sozialen Arbeit
2.4 Die Entwicklung der Familienfürsorge
3. Resümee

B Die Hermeneutik
1. Begriffsbestimmung
2. Die objektive Hermeneutik nach Ulrich Oevermann
2.1 Kurzbiografie Ulrich Oevermann
2.2 Methodologie der objektiven Hermeneutik
2.3 Zentrale Begriffe der objektiven Hermeneutik
2.3.1 Latente Sinnstrukturen und objektive Bedeutungsstrukturen
2.3.2 Text und Protokoll
2.3.3 Sequenzanalyse und Fallrekonstruktion
3. Resümee

C Offene Kinder- und Jugendarbeit
1. Begriffsbestimmung
2. Kurzbeschreibung der Tätigkeit
3. Grundprinzipien der offenen Jugendarbeit
3.1 Das Prinzip der Offenheit
3.2 Das Prinzip der Freiwilligkeit
3.3 Das Prinzip der Partizipation
4. Angewandte Methoden
4.1 Einzelfallhilfe
4.2 Gruppenarbeit
4.3 Gemeinwesenarbeit
5. Abgrenzung gegenüber angrenzenden Formen der
Sozialen Jugendarbeit
6. Das Kinder-Kultur-Café „Camaleón“ in Görlitz
6.1 Der Aufbau des Vereins
6.2 Leitbild
6.3 Handlungsprinzipien
6.4 Ziele
7. Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen der Sozialen Arbeit, d.h. mit der historischen Entwicklung, den Theorien der Sozialen Arbeit und den verschiedenen Praxisfeldern.

Zunächst werde ich die Entwicklung der Sozialen Arbeit in der Weimarer Republik beschreiben. Dabei gebe ich einen kurzen historischen Überblick und gehe danach über zur Entwicklung der Sozialen Arbeit in dieser Zeit.

Der zweite Abschnitt der Arbeit beschäftigt sich mit einer Theorie der Sozialen Arbeit, wobei ich mich für die Hermeneutik entschieden habe und speziell auf die objektive Hermeneutik nach Ulrich Oevermann eingehen werde.

Im letzten Abschnitt dieser Arbeit wird ein Praxisfeld der Sozialen Arbeit beschreiben. Ich möchte hier die Offene Kinder- und Jugendarbeit näher beschrieben. Nach einer allgemeinen Beschreibung des Praxisfeldes werde ich speziell auf das Kinder-Kultur-Café „Camaleón“ in Görlitz eingehen.

A Soziale Arbeit in der Weimarer Republik

1. Historischer Überblick (1918/19-1933)

Nach der Kapitulation Deutschlands im Ersten Weltkrieg löst die Weimarer Republik, als neue Staatsform, die bisherige Monarchie ab. Friedrich Ebert wird zum ersten Reichspräsidenten ernannt und am 11. August 1919 tritt die neue Weimarer Verfassung in Kraft. Bereits in den ersten Jahren wird das Land von heftigen Krisen erschüttert. Die Menschen leiden an Hungersnot und Arbeitslosigkeit. Anfang der zwanziger Jahre kommt es in Deutschland zu einer zunehmenden Inflation[1], die sich bis 1923 zu einer Hyperinflation entwickelt. (vgl. Hering/Münchmeier, 2007, S. 113) Durch die Einführung der Rentenmark wird die Hyperinflation gestoppt und es kommt zum wirtschaftlichen Aufschwung und zur politischen Beruhigung. Im Jahr 1929 kommt es jedoch zur Weltwirtschaftskrise und trifft Deutschland härter als andere europäische Staaten. Nach dem Zusammenbruch der New Yorker Börse am 24. Oktober 1929 (Schwarzer Donnerstag) bekommt Deutschland kaum noch Auslandskredite. Durch die einsetzende Massenarbeitslosigkeit verschlechtert sich zunehmend die soziale und wirtschaftliche Lage in Deutschland. Im Januar 1933 gelingt der NSDAP endgültig die Machtübernahme und Adolf Hitler wird durch Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Am 28. Februar 1933 unterzeichnet Hindenburg die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat und ebnet damit den Weg in die nationalsozialistische Diktatur. (vgl. Wikipedia: Weimarer Republik)

2. Die Entwicklung der Sozialen Arbeit

2.1 Die Situation der Bevölkerung

Zu Beginn der Weimarer Republik erleben die Menschen zum ersten Mal den Versuch, demokratische Verhältnisse in Deutschland zu schaffen.

Die Menschen erfahren einen kulturellen und emanzipativen Aufschwung, der vor allem für die Emanzipation der Frau von Bedeutung ist. Kindern und Jugendlichen werden durch die Volksbildungsbewegung und Reformpädagogik neue Möglichkeiten der Orientierung und Gesellung geboten.

Nach dem Krieg sind acht Millionen Kriegsteilnehmer arbeitslos. Die Frauen, die in der Zwischenzeit die Arbeit verrichtet haben, verlieren ihre Stellen, so können die Männer wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden. Jedoch bleibt die Arbeitslosigkeit während Weimarer Republik ein zentrales Problem. Immer mehr arbeitslose Menschen suchen Massenspeisungen und Wärmehallen auf. Mütter benötigen Kleiderspenden für ihre Kinder und alte Leute, die ihre Rente aufbessern wollen, versuchen Zimmer in ihrer großen Wohnung unterzuvermieten.

Die Inflation bringt gewaltige soziale Veränderungen mit sich. Während die Kleinrentner bisher immer gut von den Zinsen öffentlicher Anleihen und Hypotheken leben konnten, stehen sie am Ende der Inflation vor dem Nichts und sind auf die öffentliche Fürsorge angewiesen. Auch der Arbeiterschaft zerrinnt der Lohn in den Händen. Das Warenangebot wird aufgrund der umlaufenden Geldmenge weit überstiegen und die Preise werden weiter in die Höhe getrieben. Auf dem Höhepunkt der Inflation kostet ein Brot Millionen, teilweise sogar Milliardenbeiträge.

Ein weiteres besorgniserregendes Problem ist der Geburtenrückgang. Das Absinken der Geburtenrate ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, z.B. auf die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen der Frauen und die bedrückenden sozialen Verhältnisse in den zwanziger Jahren. Die Zunahme der über 65-jährigen ist auch auf den Geburtenrückgang zurückzuführen. Gegen Ende der Weimarer Republik stellt sich erstmals der Ausbau von Altersheimen als eine soziale Notwendigkeit dar.

Kinder und Jugendliche sind ebenfalls hart betroffen. Jedoch kann nun durch die Einrichtung von Jugendämtern und Fürsorgestellen die Lage genau registriert und kritischer bewertet werden. (vgl. Hering/Münchmeier, 2007, S. 116-119)

2.2 Die Entwicklung der Profession innerhalb der Wohlfahrtspflege

Der Bedarf an ausgebildeten Kräften, die sich um die Opfer des Krieges kümmern, steigt schon mit Beginn des Ersten Weltkrieges. Es wird zunehmend die Erkenntnis gewonnen, dass der Arbeitsbereich der Sozialen Arbeit in einzelne Handlungsfelder aufgespalten werden muss, um speziellere Angebote für die Bedürfnisse einzelner Betroffener zu gestalten. Diese Entwicklung setzt sich in den Anfängen der Weimarer Republik fort.

Aufgrund der verbreiteten Arbeitslosigkeit finden immer mehr Männer ihren Arbeitsbereich im sozialen Sektor. So werden die Arbeitsplätze in der Wohlfahrtspflege durch männliche Kräfte ersetzt. Viele Frauen, die sich im Bereich der Fürsorge engagieren, werden durch diese Entwicklung zurück in die Rolle der Hausfrau gedrängt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden nun auch Ausbildungsstätten für männliche Wohlfahrtspfleger gegründet. Gleichzeitig gelingt es einzelnen Frauen, aufgrund der demokratischen Grundzüge der Weimarer Republik, ein Vordringen in Führungspositionen. Jedoch war es bis 1925 schwierig für Frauen, eine Leitungsposition zu übernehmen, denn bis dahin ist ein universitärer Abschluss nur für Männer möglich. Um diesen Missstand zu beseitigen, reagieren 1925 eine Vielzahl ehemaliger Fürsorgerinnen und gründen unter der Führung von Alice Salomon[2] und Gertrud Bäumer die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit in Berlin. So wird es Frauen erstmals möglich, einen höheren Abschluss zu erwerben, der sie für Leitungspositionen qualifiziert. Doch nach wie vor werden die Aufgaben in der Verwaltung überwiegend von Männern übernommen und die Frauen widmen sich der praktischen Arbeit mit den Klienten. (vgl. Ullrich, 2001/2002, S. 8/9)

Die Internationale Arbeiterhilfe (IAH) und die Rote Hilfe spielen eine gesonderte Rolle im Rahmen der Wohlfahrtsverbände. Sie werden in den 1920er Jahren von der Kommunistischen Partei gegründet, um gegen die spezifischen Benachteiligungen von proletarischen Familien vorzugehen. Um Kinder, deren Eltern getötet wurden oder im Gefängnis sitzen, zu schützen, werden Kinderheime eingerichtet. Dort werden sie versorgt und zu einem parteipolitischen Verständnis ihrer Lage bewegt. (vgl. Hering/Münchmeier, 2007, S. 126)

Zu unterscheiden sind die Berufe der Wohlfahrtspflegerin und der Sozialpädagogin. Der Beruf der Sozialpädagogin entstand aus dem der Kindergärtnerin heraus und weckt bei den arbeitsuchenden Männern keinerlei Interesse. Im Laufe der Jahre hat sich die Ausbildung und Praxis vom Vorschulbereich auf die Hortnerinnen, Jugendleiterinnen und Werklehrerinnen ausgeweitet. Somit wurde ein hochqualifizierter Frauenberuf geschaffen. In der Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit, werden erstmals auf höchster Ebene die bislang voneinander unabhängigen Berufe zusammengeführt. (vgl. Ullrich, 2001/2002, S. 9)

2.3 Die Verrechtlichung der sozialen Arbeit

Nach der Gründung der Weimarer Republik beginnt die Gesetzgebungsarbeit. Für die weitere Entwicklung der Sozialen Arbeit werden drei zentrale Gesetzeswerke geschaffen: Das 1922 beschlossene „Reichsjugendwohlfahrtsgesetz“ (RJWG), das „Jugendgerichtsgesetz“ (JGG) von 1923 und die 1924 beschlossene „Reichsfürsorgepflichtverordnung“ (RFV) zusammen mit den „Reichsgrundsätzen über Voraussetzung, Art und Maß der öffentlichen Fürsorge“ (RGr). (vgl. Hering/Münchmeier, 2007, S. 131)

Im § 1 RJWG heißt es: „Jedes deutsche Kind hat ein Recht auf Erziehung zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit“. Dieser Paragraph räumt Kindern und Jugendlichen erstmalig einen öffentlich- rechtlichen Erziehungsanspruch ein. Die RFV vertritt das Ziel der finanziellen Entlastung des Staates. So werden mit diesem Gesetz die Fürsorgekosten auf die einzelnen Länder übertragen. RFV und RGr legen Rechtsansprüche auf Unterstützung durch den Staat innerhalb der Verfassung fest. Im JGG wird die Strafmündigkeit von 12 Jahre auf 14 Jahre heraufgesetzt und für Jugendliche im Alter von 14 - 18 Jahren wird eine relative Strafmündigkeit bei mangelnder Schuldeinsichtsfähigkeit bestimmt. Bedeutend für die soziale Arbeit ist die Aussage, dass denkbare Erziehungsmaßnahmen einer strafrechtlichen Maßregelung vorzuziehen sind. (vgl. Ullrich, 2001/2002, S. 4/5)

2.4 Die Entwicklung der Familienfürsorge

In der Zeit der Weimarer Republik haben sich verschiedene Handlungsfelder entwickelt. Zu diesen Handlungsfeldern zählen u.a. die Fürsorgeerziehung, die Jugendpflege, die Gesundheitsfürsorge, die Familienfürsorge, die Betriebsfürsorge, die Erwerbslosenfürsorge und die Kriegsopferfürsorge. Im Folgenden werde ich die Familienfürsorge näher beschreiben.

Aus der Kriegsfürsorge heraus entwickelte sich die Familienfürsorge. In der Familienfürsorge soll eine Mehrfachbetreuung vermieden werden, d.h. der Klientel soll es erspart werden, mehrere Behörden aufsuchen zu müssen, um Probleme, die eng miteinander verbunden sind, zu lösen. Der Begriff Familienfürsorge beinhaltet die Methode, sich nicht nur der Notlage des Einzelnen in der Familie anzunehmen, sondern die Familie als Ganzes zu sehen und die Handlungen auf die Zusammenhänge zwischen den Familienmitgliedern anzupassen. Die Einführung der Familienfürsorge verläuft jedoch nicht problemlos. Zum einen wird schnell deutlich, dass sich bestimmte Spezialfürsorgen durch das Eingreifen der Familienfürsorge nicht erspart bleiben. Zum anderen kommen Zweifel auf, ob die Arbeit und Verantwortung, die einer einzelnen Familienfürsorgerin zukommt, nicht zu einer Überforderung führen kann. Das entscheidende Problem liegt jedoch in amtsinternen Arbeitsbedingungen. Die einzelnen Fürsorgerinnen sollen zwar Familien aufsuchen und betreuen, sie haben aber nicht die Möglichkeit zu entscheiden, was mit diesen zu geschehen hat. Das bedeutet, diejenige die im direkten Kontakt mit der Familie steht, legt einen Bericht und eine Empfehlung bezüglich ihrer Arbeit vor, wie jedoch weiter verfahren wird, entscheidet der Verwaltungsmann im Innendienst. So ist es für die Fürsorgerinnen nur sehr schwer, ein Vertrauensverhältnis zu ihrer Klientel aufzubauen, da sie auch Entscheidungen vertreten müssen, hinter denen sie nicht stehen. Zudem wird ihre Fachlichkeit angezweifelt. (vgl. Hering/Münchmeier, 2007, S. 149-151)

[...]


[1] Inflation bedeutet eine „mit Geldentwertung und Preissteigerungen verbundene beträchtliche Erhöhung des Geldumlaufs im Verhältnis zur Produktion.“(Duden: Das Fremdwörterbuch, 2006, S. 452)

[2] Alice Salomon (1872-1948) zählt zu den einflussreichsten Personen in der Sozialen Arbeit. Essentiell war für sie, hilfsbedürftige Menschen als Einheit in ihrer wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen und moralischen Bezügen anzusehen. Die Organisation der Wohlfahrtspflege, die Entwicklung und Förderung der sozialen Ausbildung und ihrer Institutionen, die Funktion der bürgerlichen Frauen im Feld der Wohlfahrtspflege sowie Aussöhnung verschiedener gesellschaftlicher Schichten und Gruppierungen waren wichtige Gegenstände ihrer umfangreichenden Forschungsarbeiten. (vgl. Markert: Studienskript)

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Grundlagen der Sozialen Arbeit. Geschichte, Theorien, Praxisfelder
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Veranstaltung
Theorien und Diskurse Sozialer Arbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V215186
ISBN (eBook)
9783656439394
ISBN (Buch)
9783656440215
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grundlagen, sozialen, arbeit, geschichte, theorien, praxisfelder
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts - Soziale Arbeit Monique Mücklisch (Autor), 2010, Grundlagen der Sozialen Arbeit. Geschichte, Theorien, Praxisfelder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215186

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