Erziehung. Bildung. Sozialisation

Auseinandersetzung mit Theorien und Handlungskonzepten anhand eines Beispiels aus der Lebensphase Kindheit


Hausarbeit, 2010
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A Florian

B Sozialisation in der Kindheitsphase
1. Begriffsbestimmung
1.1 Sozialisation
1.2 Kindheit
2. Die Sozialisationsphasen in der Kindheit
2.1 Primäre Sozialisationsphase
2.2 Sekundäre Sozialisationsphase
3. Der Sozialisationsprozess am Beispiel von Florian
4. Resümee

C Die Spielpädagogik
1. Begriffsbestimmung
2. Die Bedeutung des Spiels für die kindliche Entwicklung
3. Entwicklung der Spielformen
3.1 Explorationsspiel
3.2 Phasenspiel
3.3 Rollensiel
3.4 Konstruktionsspiel
3.5 Regelspiel
4. Anwendungsgebiete der Spielpädagogik
4.1 Erziehung zum Spiel
4.2 Erziehung mit Spielen
5. Pädagogische Handlungsmöglichkeiten
5.1 Prinzipien spielpädagogischen Handelns
5.
5.1
5.1.1 Multidimensionalität
5.1.2 Akzeptanz
5.1.3 Situationsgestaltung
5.2 Formen spielpädagogischen Handelns
5.2
5.2.1 Unterstützung des Spiels
5.2.2 Spielförderung
5.2.3 Spielerische Einkleidung
6. Spielpädagogisches Handeln am Beispiel von Florian
7. Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Sozialisationsprozess eines Kindes sowie der Spielpädagogik als pädagogisches Konzept.

Zu Beginn werde ich Florian und seinen bisherigen Lebensweg kurz beschreiben. Ich gehe in meiner Hausarbeit auf den Sozialisationsprozess in der Kindheitsphase allgemein sowie speziell auf den Sozialisationsprozess von Florian ein. Danach folgt die Beschreibung der Spielpädagogik, wobei ich theoretische Grundlagen darlege und versuche, diese mit der Praxis zu verbinden.

Florians Pflegeeltern und seiner Erzieherin in der Kindertagesstätte bin ich sehr dankbar für ihre Unterstützung, die tiefgründigen Gespräche und ihre Offenheit mir gegenüber.

Angaben, die Florian betreffen, wie beispielsweise der Name, wurden verfälscht, so dass eine Zuordnung nicht möglich ist.

A Florian

Florian ist am 26.02.2003 in Düsseldorf geboren und lebt seit Dezember 2007 in einer Pflegefamilie. Gemeinsam mit seinen Pflegeeltern und deren Töchter (18 und 15 Jahre) lebt Florian auf dem Land in einem Einfamilienhaus.

Vorgeschichte

Florian ist das Mittelkind von drei Kindern. Seine große Schwester ist ca. 1,5 Jahre älter und wurde in Hoyerswerda geboren, die kleine Schwester wurde in Zittau geboren und ist ca. 1,5 Jahre jünger.

Bis zu dem dritten Kind lebten die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern in einer Wohnung, während der Schwangerschaft kam es jedoch zur Trennung. Die Mädchen sind bei der Mutter geblieben. Florian ist mit zum Vater gezogen. Als er zwei Jahre alt war, fühlte sich sein Vater überfordert und gab den Jungen zurück zur Mutter. Wenig später gab sie Florian an den Vater zurück. Bis Florian vier Jahre alt war, wurde er einige Male „hin und her gereicht“, zwischenzeitlich wurde er auch ans Jugendamt gegeben. Als beide Elternteile ihren Sohn nicht mehr aufnehmen wollten, kam Florian in ein Heim. Dort war er ca. fünf Monate, bis er zu einer Pflegefamilie gezogen ist, in der er auch jetzt noch lebt.

Florian zeigte viele Verhaltensauffälligkeiten und konnte nur sehr schwer Vertrauen zu seinen Pflegeeltern gewinnen. Er wurde von seinem Vater körperlich und seelisch misshandelt. Begonnen haben die Misshandlungen, in Form von Schlägen, bereits im Alter von sechs Wochen.

Im Alter von knapp fünf Jahren hat er nachts immer wieder eingenässt, aus Angst hat er sich vor seinen Pflegeeltern in der Garderobe hinter den Sachen versteckt, da er früher von seinem Vater immer mit den nassen Sachen in den Hausflur gestellt wurde. Florian hat sich auch geweigert zu duschen, weil er von seinem Vater immer wieder eiskalt abgeduscht wurde, wenn er ihn bestrafen wollte. Des Weiteren bekam Florian panische Angst, wenn seine Zimmertür geschlossen wurde, denn früher, wenn sein Vater weggehen wollte, wurde er in seinem Zimmer eingeschlossen. Noch heute bereitet ihm das große Probleme und er hat Angst allein in einem geschlossenen Raum zu sein.

Florian hat zu seiner Mutter regelmäßigen Kontakt. Die Mutter hat einen neuen Partner und ist wieder schwanger. Das war zunächst sehr schwer für Florian. Er fragt sich, warum sie ihn nicht will und jetzt ein neues Kind bekommt, ob sie das neue Kind, so wie ihn, dann auch wieder weggibt. Auf der anderen Seite sorgt er sich auch sehr um seine Mutter, möchte ihr Sachen, die ihm nicht mehr passen, für das Baby geben. Er macht ihr aber auch Vorwürfe, denn sie raucht trotz Schwangerschaft immer noch.

Zu seinem Vater besteht seit ca. zwei Jahren kein Kontakt mehr, da dieser das nicht mehr gewünscht hat. Später wollte er wieder Kontakt aufnehmen, jedoch haben sich seine Pflegeeltern dagegen gewährt, um Florian vor Enttäuschung zu schützen. Dies führte zu verschiedenen Drohungen, wie Haus abbrennen, Kinder wegbringen bis hin zu Morddrohungen.

Florian geht zur Ergotherapie, um seine Konzentration und Koordination zu fördern. Außerdem ging er zur Logopädie, da er sehr gestottert hat.

Seit ca. einem Jahr besucht er auch eine Kinderpsychologin um das Erlebte aufarbeiten zu können. Allerdings sehen die Pflegeeltern ein Rückschritt in Florians Entwicklung (starke Verhaltensauffälligkeiten). Die Kinderpsychologin hat vor allem ihr Augenmerk darauf gelegt, Florian wieder an seinen Vater zu gewöhnen, damit später ein Treffen zwischen den beiden möglich ist.

Florian besuchte, nachdem er ein Jahr zurückgestuft wurde, bis August 2010 eine integrative Kindertagesstätte und wird nun eingeschult. In der Kindertagesstätte war er zunächst sehr verhaltensauffällig, er war aggressiv und er hat oft andere Kinder geschlagen. Mit der Einzelintegration war es möglich, Florian gezielt zu fördern und ihn in seiner verzögerten Entwicklung (Sprache / Sprachverständnis, Sozialverhalten, Ausdauer- und Konzentrationsfähigkeit) weiterzubringen.

B Sozialisation in der Kindheitsphase

1. Begriffsbestimmung

1.1 Sozialisation

Klaus Hurrelmann beschreibt den BegriffSozialisationfolgendermaßen:

„Sozialisation bezeichnet (…) den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen weiterentwickelt. Sozialisation ist die lebenslange Aneignung von und Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen, die für den Menschen die innere Realität bilden, und der sozialen und physikalischen Umwelt, die für den Menschen die äußere Realität bilden.“ (Hurrelmann, 2006, S. 15/16)

1.2 Kindheit

Die Phase der Kindheit lässt sich nach Bründel und Hurrelmann in folgende zwei Abschnitte unterteilen:

- die frühe Kindheit:Säuglingsalter (bis 1. Lebensjahr) und Kleinkindalter (1.-3. Lebensjahr)
- die späte Kindheit:Vorschulalter (4.-5. Lebensjahr) und Grundschulalter (6.-11. Lebensjahr)

Durch die veränderte körperliche, seelische und soziale Entwicklung, sind diese zwei Abschnitte der Kindheit voneinander abgegrenzt. (vgl. Bründel/Hurrelmann, 2003, S. 68)

2. Die Sozialisationsphasen in der Kindheit

2.1 Primäre Sozialisationsphase

Die primäre Sozialisation findet im Wesentlichen in der Familie statt. So nehmen Familien die früheste und intensivste Prägung der Persönlichkeit eines Neugeboren in der Gesellschaft vor. (vgl. Hurrelmann, 2006, S. 127)

Die primäre Phase beginnt mit der Geburt und endet mit dem Eintritt in die Schule. In der Sozialisation spielen unzählige Inhalte eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel „(…) der Aufbau grundlegender Persönlichkeitsmerkmale, (…) die Einführung in Kulturtechniken, wie Sprechen, Lesen und Rechnen, das Erlernen des richtigen Benehmens (…)“. (Thiele, 2010, S. 7) Im Wesentlichen geht es darum, die Sicherheit zu schaffen, in dieser Welt erwünscht zu sein. Entwicklungsschäden können dann entstehen, wenn gefühlsmäßige Beziehungen, Kontakte und die emotionale Zuwendung entfallen. Das Kind erlangt in dieser Phase Selbstbewusstsein und eine Ich-Identität. Diese erste Phase ist überaus wichtig, denn was in dieser Zeit versäumt wird, wirkt sich negativ auf die weiteren Phasen aus.

In dieser Phase wird eine Geschlechteridentität (Libido) entwickelt. Hierbei werden fünf Libidostufen unterschieden: Die orale Phase, anale Phase, phallische Phase, Latenzphase und die genitale Phase.

Primäre Sozialisationsinstanzen sind z.B. die Familie, der Kindergarten und die Nachbarn.

2.2 Sekundäre Sozialisationsphase

Die sekundäre Sozialisationsphase beginnt mit dem Schuleintritt und endet, wenn der Erwachsenenstatus erreicht wurde (abgeschlossene Ausbildung / Studium, eigener Hausstand, usw.). Grundlegend ist hier die kognitive Entwicklung. Formales Denken bildet sich heraus und ist notwendig für das Erlernen abstrakter Zusammenhänge. Die sekundäre Sozialisationsphase wird auch schulische Sozialisationsphase genannt, denn die hauptsächlichen sekundären Sozialisationsinstanzen sind die Schule, Ausbildung und das Studium. Das Verlassen der Herkunftsfamilie und die Integration in die Gesellschaft der Erwachsenen ist der enormste Entwicklungsschritt. Dieser Prozess wirdAdoleszenzkrisegenannt, wobei es eine Schere zwischen körperlicher und gesellschaftlicher Reife gibt. (vgl. Thiele, 2010, S. 26/27)

„Je stärker die Sozialisationserfahrungen und die Lebenswelt des Elternhauses mit den im (Aus-) Bildungssystem vermittelten und erwarteten Sozialisationsinhalten übereinstimmen, um so günstiger sind die Chancen des Kindes, sich in diesem System zurechtzufinden.“ (Thiele, 2010, S. 27)

Die sekundäre Sozialisation ist umso bedeutender und umfangreicher, wenn eine Gesellschaft komplexer und mehr schulisches und berufliches Wissen zu erlernen ist. (vgl. ebd., S. 27)

3. Der Sozialisationsprozess am Beispiel von Florian

Einleitend möchte ich Monika Nienstedt und Arnim Westermann zitieren, die meines Erachtens das Sozialisationsziel für Pflegekinder sehr treffend formuliert haben.

„Die Aufnahme eines Kindes in eine Pflegefamilie hat in den meisten Fällen nur dann einen Sinn, wenn die Pflegebeziehungen dazu dienen, daß ein Kind, dessen Eltern es nicht versorgen und erziehen können, noch einmal neue befriedigende, individuelle Eltern-Kind-Beziehungen entwickeln kann. Denn Eltern-Kind-Beziehungen sind die Grundlage für die Ausbildung von Persönlichkeitsstrukturen, für die Entwicklung der Ich-Fähigkeiten, des Selbstwertgefühls und des Gewissens. Befriedigende Eltern-Kind-Beziehungen dienen dazu, daß ein Kind aus seiner Kindheit als gesunder Mensch hervorgeht und als erwachsener Mensch arbeits- und liebesfähig und schließlich auch als Vater oder Mutter erziehungsfähig sein wird.“ (Nienstedt/Westermann, 1990, S. 296)

Mit Florians Geburt hat die erste Phase, d.h. die primäre Sozialisation begonnen. Die Familie spielt hierbei mit die wichtigste Rolle. In der Primärsozialistation soll eine stabile und solide Grundlage für das Leben eines Menschen gelegt werden.

Florian wurde in eine Familie hineingeboren, in der ihm von Anfang an nicht die Sicherheit gegeben wurde, dass er willkommen ist. Eine emotionale Eltern-Kind-Beziehung wurde nicht aufgebaut. Vor allem zu seinem Vater hat Florian eine negative, distanzierte Beziehung entwickelt. Florians Persönlichkeit wurde durch Misshandlungen geprägt. Bereits im Alter von sechs Wochen wurde er das erste Mal geschlagen. Urvertrauen gab es nicht. In der ersten Phase sind die wichtigsten Ziele für die weitere Entwicklung, das Sauberwerden, Sprechen und Laufen. Florian hat das Laufen erlernt, jedoch wurde das Ziel des Sauberwerdens und Sprechens nur partiell erreicht. Florian konnte in seiner ersten Lebensphase kein Selbstbewusstsein aufbauen, zudem fehlte der emotionale Kontakt zu seinen Eltern, der wesentlich für den Spracherwerb ist. Kinder erlernen Sprache vor allem durch das Hören sowie durch Nachahmung. Da es keine intensive Bindung gab und er nur ein vermindertes Selbstbewusstsein entwickeln konnte, hat Florian seine Sprache nicht „perfekt“ erlernen können. Er hat stark gestottert, was meines Erachtens auch ein Ausdruck von Unsicherheit und Angst sein kann. Des Weiteren hat das nächtliche Einnässen häufig psychische Ursachen und wird u.a. durch Gewalt, die sich gegen das Kind, wie auch bei Florian, ausgelöst. Es ist ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Auch nach dem nächtlichen Einnässen wurde Florian immer wieder bestraft, indem ihn sein Vater mit den nassen Sachen in den Hausflur gestellt hat. Wahrscheinlich wollte der Vater dadurch erreichen, das Florian aufhört mit dem Einnässen. Jedoch hat er damit auch viel Negatives in seiner Entwicklung, in seiner Identitätsbildung bewirkt.

Nach der Trennung seiner Eltern, ist Florian mit zu seinem Vater gezogen. Dort gab es weiterhin körperliche und seelische Gewalt. Der Vater war überfordert, so dass er Florian nicht mehr bei sich haben wollte. Auch die Mutter hat ihn immer wieder von sich geschoben, bis er letztlich in einem Heim untergebracht wurde. Dies ist mit das Schlimmste, was es für ein Kind geben kann. Florians Entwicklung wurde so weiter erschüttert. Fehlende Zuwendung und Liebe führen zu Verschlossenheit und Misstrauen gegenüber anderen Menschen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Erziehung. Bildung. Sozialisation
Untertitel
Auseinandersetzung mit Theorien und Handlungskonzepten anhand eines Beispiels aus der Lebensphase Kindheit
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V215187
ISBN (eBook)
9783656439387
ISBN (Buch)
9783656439486
Dateigröße
987 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erziehung, bildung, sozialisation, auseinandersetzung, theorien, handlungskonzepten, beispiels, lebensphase, kindheit
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts - Soziale Arbeit Monique Mücklisch (Autor), 2010, Erziehung. Bildung. Sozialisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215187

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