Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage wie die truiwe-Konzeption in diesem komplexen Werk zu verstehen ist. Im weiteren Verlauf wird analysiert, inwieweit die Minne eine instrumentalisiserte und untergeordnete Rolle im Geschehen spielt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Begriffserklärung
2.1. Die triuwe: Eigenschaft und Fundament der Feudalgesellschaft
2.2. Mhd. triuwe versus nhd. Treue
III. Die Realisierung der triuwe Konzeptionen im Engelhard
3.1. Der Prolog
3.2. Die Apfelprobe
3.3. Der Rollentausch und das manipulierte Gottesurteil
3.4. Die Aussatzerkrankung von Dietrich und das Opfern Engelhards Kinder
IV. Die instrumentalisierte Minnehandlung
4.1. Engeltruds triuwe
4.2. Die Frau von Dietrich
V. Fazit
VI. Abstract
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzeption der „triuwe“ in Konrads von Würzburg Werk „Engelhard“. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob eine Ambivalenz der triuwe-Konzeption im Werk vorliegt und inwiefern die Minnehandlung innerhalb des Geschehens lediglich instrumentalisiert wird, um das zentrale Freundschaftsmotiv zu unterstreichen.
- Analyse des Bedeutungsspektrums der mhd. „triuwe“
- Untersuchung von Freundschafts- und Minnemotiven
- Betrachtung von Rollentausch und Gottesurteil als Prüfungssituationen
- Deutung der Rolle von Frauenfiguren im Kontext der Treueprüfung
- Widerlegung der These des Werkes als reiner Minneroman
Auszug aus dem Buch
Die Apfelprobe
Engelhards Vater gibt ihm drei Äpfel mit auf die Reise zum Hofe von König Fruote von Dänemark. Er solle anhand dieser prüfen, welcher Weggefährte ein treuer Freund ist und dies durch das Teilen des Apfels unter Beweis stellt. Den Rat des Vaters über das Zustandekommen einer wahren Freundschaft formuliert er folgendermaßen:
triuw ist daz beste êren kleit
daz den friunde lôsen man
in dem ellende kann
erfröwen und erhœhen wol.
(V. 372 - 375)
Dietrich, der dritte Gefährte, teilt den Apfel mit ihm, nachdem er ihn geschält hat. Er bezeugt durch diese Handlung eine edle Gesinnung und zugleich eine höfische Bildung. Diese Eigenschaften teilt er mit Engelhard.
ouch was ir leben tugentrîch
an der geschepfede ein und ein.
ouch flôz ein sprâche von in zwein
und was ouch ein gebærde an in.
gelîche stuont ir beider sin
ûf tugent unde ûf êre.
in was diu schande sêre
entfremdet unde entwildet.
(Vers 462 - 469)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der „triuwe“ im Werk „Engelhard“ ein und stellt die zentrale These der Instrumentalität der Minnehandlung für das Freundschaftsmotiv auf.
II. Begriffserklärung: Hier werden die Grundlagen der „triuwe“ als Tugend und Verpflichtung im mittelalterlichen Feudalsystem sowie die Abgrenzung zum neuhochdeutschen Treuebegriff erarbeitet.
III. Die Realisierung der triuwe Konzeptionen im Engelhard: Dieses Kapitel untersucht anhand spezifischer Schlüsselszenen wie dem Prolog, der Apfelprobe, dem Rollentausch und dem Kinderopfer die verschiedenen Ausprägungen der Treue.
IV. Die instrumentalisierte Minnehandlung: Es wird analysiert, wie die Minnethematik in der Erzählung funktionalisiert wird, um die Freundschaft zwischen Engelhard und Dietrich zu unterstreichen.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die freundschaftlich motivierte „triuwe“ die Hauptthematik bildet, während die Minnehandlung untergeordnet bleibt.
VI. Abstract: Das Abstract fasst kurz das Forschungsziel und die methodische Vorgehensweise der Arbeit zusammen.
Schlüsselwörter
Engelhard, Konrad von Würzburg, triuwe, Freundschaftsmotiv, Minnehandlung, Feudalgesellschaft, Gottesurteil, Apfelprobe, Treue, Literaturwissenschaft, Mittelalter, instrumentalisierte Minne, Tugend, Ambivalenz, höfische Dichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Konzeption der „triuwe“ (Treue) in dem mittelhochdeutschen Werk „Engelhard“ von Konrad von Würzburg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von „triuwe“, der Rolle von Freundschaft als zentralem Motiv und der funktionalen Einordnung der Minnethematik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu eruieren, ob eine Ambivalenz in der „triuwe“-Konzeption existiert und ob diese als Grundmotiv des Romans fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine textnahe Analyse ausgewählter Szenen, die in den historischen Kontext der höfischen Dichtung eingebettet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, eine Untersuchung zentraler Handlungsereignisse (wie die Apfelprobe oder der Rollentausch) und eine Analyse der Minnehandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind „triuwe“, „Freundschaftsmotiv“, „Konrad von Würzburg“, „Engelhard“ und „instrumentalisierte Minne“.
Warum spielt der Rollentausch eine wichtige Rolle für die Analyse?
Der Rollentausch dient als zentrale Prüfungssituation, an der sich die „horizontale“ (freundschaftliche) Treue gegen vertikale Verpflichtungen bewähren muss.
Wie bewertet der Autor das Handeln der Ehefrau Dietrichs?
Die Arbeit stellt heraus, dass der Autor das Abwenden der Ehefrau nicht wertet oder als Negativbeispiel anprangert, sondern deskriptiv als Gelegenheit für Engelhards Treuebeweis nutzt.
- Arbeit zitieren
- Clotilde Bry-Chemarin (Autor:in), 2013, Konzeption der truiwe und instrumentalisierte Minnethematik in Konrads von Würzburg "Engelhard", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215243