[...]Das Thema gesetzlicher Krankenschutz wird oft, heiß und öffentlich diskutiert. Dahinter steht einerseits die Unsicherheit im Krankheitsfall auch langfristig genügend abgesichert zu sein und andererseits der Unmut über eine Versicherungspflicht, mit steigenden Beiträgen aber sinkenden „Kundenservice“ bei medizinischen Leistungen. Ganz anders soll es da den Versicherten der privaten Krankenversicherung (PKV) gehen. [...] Es lässt sich also feststellen, dass die PKV sich trotz geringeren Prämien besser refinanzieren kann als die GKV. Dies klingt paradox wenn die Kosten für das Gesundheitswesen doch steigen. Voraussetzung um in diesem Prozess involviert zu sein ist, dass die Versichertengemeinschaft Kosten verursacht, welche durch die Einnahmen des Versicherers nicht mehr gedeckt werden können. [...]
Zuerst soll der Begriff Gesundheit wissenschaftlich greifbarer gemacht werden um zu klären, welche Facetten unter Gesundheit zu verstehen und zu betrachten sind. Daran anschließend gilt es zu analysieren, durch welche Faktoren Gesundheit gefördert beziehungsweise gehemmt wird. Ziel soll es sein, anhand von ausschlaggebenden sozioökonomischen Indikatoren wie Einkommen, Bildung oder Wohnraum eine gesellschaftliche Unterteilung, von potenziell krank bis potenziell gesund, vornehmen zu können. Danach soll diese Schablonen auf die Versichertengemeinschaft von PKV und GKV gelegt werden, um zu zeigen, dass Privatpatienten aufgrund ihrer sozialen Stellung gesünder sind als Kassenpatienten. Dies soll dann an bestehenden Evaluationen bestätigt werden. Im letzten Schritt soll eine historische Herleitung Aufschluss über die morbiditätsbezogene Schieflage im Gesundheitssystem geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff der Gesundheit
2.1. Gesundheit als Gut
3. Sozioökonomischen Strukturen und Morbidität
3.1. Schicht und Krankheit
3.2. Sozioökonomische Strukturen als soziale Ungleichheit
3.2.1. Bildung
3.2.2. Beruf
3.2.3. Einkommen
3.2.4. Regionale Lage
3.2.5. Geschlecht und Alter
3.2.6. Individuelles Verhalten
3.2.7. Medizinische Versorgung
3.2.8. Drift Hypothese
3.3. Relevanz für das Gesundheitssystem
4. Morbidität im Vergleich GKV und PKV
4.1. Gesundheitszustand
4.2. Inanspruchnahme von Leistungen
5. Systematische Bedingung und Berücksichtigung von sozialer Ungleichheit und Morbidität bei GKV und PKV
5.1. Entstehung von GKV und PKV
5.1.1. Jüngere Entwicklung der GKV und PKV
5.2. Versicherter Personenkreis
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Strukturen und dem Gesundheitszustand (Morbidität) bei Versicherten der gesetzlichen (GKV) und privaten Krankenversicherung (PKV) in Deutschland, um zu klären, ob Privatversicherte aufgrund ihrer sozialen Stellung gesünder sind als gesetzlich Versicherte.
- Sozioökonomische Determinanten von Gesundheit
- Einfluss sozialer Ungleichheit auf die Morbidität
- Vergleich der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen
- Historische und strukturelle Entwicklung von GKV und PKV
- Systembedingte Unterschiede der Versichertenstrukturen
Auszug aus dem Buch
3.1. Schicht und Krankheit
Empirische Befunde zeigen einen schichtspezifischen Zusammenhang von sozialer Schicht, Morbidität und Mortalität, wobei die niedrigeren Schichten kranker sind und früher sterben (Behrens 2006: 62). Diese Erkenntnis mag auf den ersten Blick wenig überraschend sein, stehen den höheren sozialen Schichten tendenziell auch mehr Mittel für Gesundheitsleistungen zur Verfügung. Nach Wilkinson und Pickett (2009: 11 ff.) ist die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen primär nicht vom Einkommen abhängig. Ein Vergleich der Armutsgefährdungsquote (Tabelle 2) und dem Krankenstand von Versicherten der Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) nach Bundesländer (Tabelle 3) soll erstere Annahme stärken.
Der angestrebte Vergleich ist in zweierlei Hinblick kritisch zu würdigen. Erstens werden in die Statistik von Arbeitsunfähigkeiten lediglich Mitglieder mit Anspruch auf Krankengeld einbezogen. Zeiten von Arbeitsunfähigkeit während einer Familienversicherungszeit werden praktisch nicht eingepflegt. Zweitens ist die Vergleichbarkeit des Gesamtbetrags von Ost und West beziehungsweise altes und neues Bundesgebiet leicht beeinträchtigt, da Berlin verschieden zugeteilt wird, aber eine Tendenz ist klar abzulesen.
Die neuen Bundesländer weisen zusammen mit Berlin eine Armutsgefährdungsquote von 19,5% auf und haben ohne Berlin einen Krankenstand von 4,2%. In den alten Bundesländern ist die Armutsgefährdungsquote 6,2% und der Krankenstand 0,9% niedriger. Baden Württemberg hat mit einer Armutsgefährdungsquote von 10,9% und einem Krankenstand von 2,8% in beiden Tabellen den niedrigsten Wert. Die höchste Armutsgefährdungsquote weist Mecklenburg-Vorpommern mit 23,1% auf, liegt aber beim Krankenstand mit 4,2% hinter Brandenburg mit 4,3% und einer Armutsgefährdungsquote von 16,7%. Diese Relationen belegen erstere Aussage. Am Beispiel Hessens das dies ein Grundsatz und keine geltende Kausalität ist. einer Armutsgefährdungsquote von 12,4% liegt Hesse deutlich unter dem Durchschnitt der alten Bundesländer und hat die dritt geringste Quote im Bundesgebiet. Der Krankenstand liegt jedoch mit 3,5% über dem Durchschnitt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Debatte um das deutsche Gesundheitssystem und stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen für gesundheitliche Unterschiede zwischen GKV- und PKV-Versicherten.
2. Zum Begriff der Gesundheit: Dieses Kapitel definiert Gesundheit aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven und betrachtet sie als Kapitalgut, das investive und konsumptive Funktionen erfüllt.
3. Sozioökonomischen Strukturen und Morbidität: Hier wird der theoretische Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren wie Bildung, Beruf, Einkommen und dem Gesundheitsstatus sowie der Inanspruchnahme von Leistungen dargelegt.
4. Morbidität im Vergleich GKV und PKV: Dieses Kapitel analysiert empirisch den Gesundheitszustand und die Inanspruchnahme von Leistungen bei gesetzlich und privat Versicherten.
5. Systematische Bedingung und Berücksichtigung von sozialer Ungleichheit und Morbidität bei GKV und PKV: Es wird die historische Entstehung und die strukturelle Entwicklung der beiden Versicherungssysteme sowie deren Umgang mit sozialen Risiken erläutert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die systematische Ungleichverteilung zwischen den beiden Versichertengruppen als Folge historisch gewachsener Strukturen.
Schlüsselwörter
Gesundheit, GKV, PKV, Morbidität, Sozioökonomische Strukturen, Soziale Ungleichheit, Bildung, Einkommen, Gesundheitswesen, Versicherungsstatus, Krankheitsrisiko, Leistungsnachfrage, Gesundheitsreform, Solidarprinzip, Risikostrukturausgleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die sozioökonomischen Hintergründe und den Gesundheitszustand von gesetzlich und privat Versicherten in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören der Begriff der Gesundheit, der Einfluss von Bildung, Beruf und Einkommen auf die Gesundheit sowie die historische Entwicklung von GKV und PKV.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Privatpatienten aufgrund ihrer sozioökonomischen Stellung im Durchschnitt gesünder sind als gesetzlich versicherte Patienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Literaturanalyse sowie eine Auswertung bestehender empirischer Daten und Statistiken vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Zusammenhänge zwischen sozialer Schichtung, individuellen Verhaltensweisen und der Inanspruchnahme medizinischer Versorgung im Kontext des dualen Versicherungssystems.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Morbidität, soziale Ungleichheit, Versicherungsstatus, Gesundheitskapital und Risikostrukturausgleich.
Welche Rolle spielt die Bildung für den Gesundheitszustand in dieser Untersuchung?
Die Untersuchung zeigt, dass Bildung indirekt die Gesundheit beeinflusst, da höhere Bildung oft mit besserer Informationsbeschaffung und gesundheitsbewussterem Verhalten korreliert.
Was besagt die Drift-Hypothese in diesem Dokument?
Die Drift-Hypothese kehrt den Kausalzusammenhang um: Nicht ein niedriger sozialer Status führt zwingend zur Krankheit, sondern eine Krankheit kann zum sozialen Abstieg und somit zu einem niedrigeren Status führen.
- Arbeit zitieren
- B.Sc. Nick Baumann (Autor:in), 2011, Vergleich von sozioökonomischen Strukturen und Morbidität bei GKV und PKV Patienten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215314