Untersuchung der genderspezifischen Darstellung Caster Semenyas nach ihrem WM-Sieg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
48 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrundinformationen zu Intersexualität, Intersexualität im Leistungssport und dem Verlauf von Semenyas Karriere
2.1 Intersexualität
2.2 Intersexualität im Leistungssport
2.3 Betrachtung der Entwicklung von Semenyas sportlicher Karriere in Verbindung mit Sportverbänden und Medien

3. Untersuchung der genderspezifischen Darstellung Caster Semenyas auf Spiegel Online nach ihrem WM-Gewinn 2009
3.1 Begründung für die Wahl des Materialkorpus
3.2 Analysebasis
3.2.1 Untersuchung beschreibender Attribute nach Stuckard (vgl. Stuckard 2001)
3.2.2 Semantische Analyse der Bildelemente nach Meer (vgl. Meer 2010)
3.3 Analyse und Interpretation der Spon-Artikel
3.3.1 Analyse
3.3.2 Interpretation

4. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Intersexualität ist in unserer Gesellschaft nicht existent (vgl. Lang 2006, S. 298). Treten außerhalb der binären Norm von weiblich und männlich doch einmal Ausnahmen auf, so werden diese pathologisiert (vgl. Butler 1991, S. 45). Diese Heteronormativität wird von den Massenmedien aufrecht erhalten (Vgl. Karis 2012, S. 54). Und das obwohl die geschlechtliche Zuordnung von Menschen zu den identitätsstiftendsten Punkten zählt. So ist während der Schwangerschaft einer Frau die wohl meistgestellte Frage die nach dem Geschlecht des Kindes und Katinka Schweizer weist darauf hin, dass Identitätsgefühle an die Geschlechtsidentität geknüpft sind (vgl. Schweizer 2010, S. 52). Insofern wäre die Etablierung von mindestens einer weiteren Geschlechtskategorie neben weiblich und männlich in der öffentlichen Wahrnehmung wünschenswert.

Inwieweit das noch nicht der Fall ist, macht der massenmediale Umgang mit der Leichtathletin Caster Semenya deutlich. Sie gewann im August 2009 bei den Weltmeisterschaften in Berlin den 800-Meter-Lauf der Frauen. Da ihr Aussehen jedoch nicht dem Idealbild einer Frau entspricht, entbrannten daraufhin weltweit hitzige Diskussionen um ihre Geschlechtsidentität. Dieser öffentliche Diskurs soll (in stark eingeschränkter Form) in dieser Arbeit untersucht werden.

Daraus ergibt sich die Fragestellung, wie über Semenya genderspezifisch berichtet wurde. Um sich mit dieser Fragestellung auseinander zu setzen, werden Artikel untersucht, die zwischen August 2009 und September 2011 auf Spiegel Online über die Läuferin veröffentlicht wurden. Die Analyse dieser Artikel basiert dabei auf Methoden von Bettina Stuckard und Dorothee Meer, die die Darstellung von Frauen in Zeitschriftenartikeln (an Hand der verwendeten Attribute) und Werbeanzeigen (semantisch) untersuchten.

Der Untersuchungsverlauf dieser Arbeit sieht so aus, dass im 2. Kapitel zunächst in die Themen Intersexualität und Intersexualität im Leistungssport sowie die öffentliche Wahrnehmung vom Verlauf Caster Semenyas Karriere eingeführt wird, um das nötige Hintergrundwissen zur Verfügung zu stellen. Daraufhin wird unter 3. der Materialkorpus hergeleitet, die Methoden von Stuckard und Meer erörtert und schließlich die eigentliche Analyse und Interpretation durchgeführt, bevor in Kapitel 4 das Fazit folgt.

2. Hintergrundinformationen zu Intersexualität, Intersexualität im Leistungssport und dem Verlauf von Semenyas Karriere

In den nächsten drei Unterkapiteln folgt eine allgemeine Einführung in die Themen Intersexualität und Intersexualität im Leistungssport. Zudem wird der Verlauf von Caster Semenyas Karriere und ihre öffentliche Wahrnehmung erörtert.

2.1 Intersexualität

Seit den 1970er Jahren gibt es einen öffentlichen Diskurs über die Unterscheidung des Geschlechts von Menschen in das biologische (Sex) und das soziale (Gender). Diese Dichotomie basiert auf der Annahme, dass Gender kulturell geprägt sei und durch Sozialisation erworben werde. Daraufhin konzentrierten sich die Kulturwissenschaften in ihrer Betrachtung hauptsächlich auf Gender-Konzepte und das biologische Geschlecht wurde weiterhin binär (also entweder weiblich oder männlich) definiert (vgl. Lang 2006, S. 26 (ff)). Ausnahmen von dieser Norm werden pathologisiert (vgl. Butler 1991, S. 45). So wird Betroffenen und ihrem Umfeld meist unreflektiert eine geschlechtszuweisende medizinische Behandlung empfohlen, obwohl viele Intersexuelle entweder eine Aufhebung der normativen binären Geschlechtsdefinition oder zumindest (auch rechtlich) die Einführung einer dritten Geschlechtskategorie fordern, auf die sich dann Personen berufen könnten, die ihr Geschlecht nicht in weiblich oder männlich unterteilen möchten (vgl. Zehnder 2010, S. 191 (ff) und S. 303 (ff)).

Eine anerkannte Definition von Intersexualität bieten Blackless et al. in Form einer Negativdefinition. So seien solche Personen intersexuell, deren Körper von der folgenden Beschreibung abweiche:

„We define the typical male as someone with an XY chromosomal composition, and testes located within the scrotal sac. The testes produce sperm which, via the vas deferens, may be transported to the urethra and ejaculated outside the body. Penis length at birth ranges from 2.5 to 4.5 cm (Flatau et al., 1975); an idealized penis has a completely enclosed urethra which opens at the tip of the glans. During fetal development, the testes produce the Mullerian inhibiting factor, testosterone, and dihydrotestosterone, while juvenile testicular activity ensures a masculinizing puberty. The typical female has two X chromosomes, functional ovaries which ensure a feminizing puberty, oviducts connecting to a uterus, cervix and vaginal canal, inner and outer vaginal lips, and a clitoris, which at birth ranges in size from 0.20 to 0.85 cm (Oberfield et al., 1989).“ (Blackless et al. 2000, S. 152)

Diese Beschreibung macht deutlich, dass Intersexualität anders als Transsexualität körperlich definiert wird. Diese liegt nämlich dann vor, wenn jemand körperlich eindeutig weiblich oder männlich ist, sich aber dem jeweils anderen Geschlecht zugehörig fühlt (vgl. Schweizer 2010, S. 22 (f)). Ein weiterer Begriff in diesem Kontext ist Hermaphroditismus (ugs. Zwittrigkeit), der teilweise an Stelle von Intersexualität verwendet wird (vgl. Brandt & Supp 2007).

Innerhalb der Intersexualität gibt eine große Bandbreite an Geschlechtsvariationen, die davon abhängig sind, auf welcher Ebene man das Geschlecht definiert. So unterscheidet beispielsweise Kathrin Zehnder zwischen dem chromosomalen, gonadalen, phänotypischen und psychosozialen Geschlecht. Das Chromosomale wird durch die Geschlechtschromosomen bestimmt. Der Regelfall ist hier die Kombination XX oder XY, jedoch gibt es davon abweichend zahlreiche Variationsmöglichkeiten, die dadurch entstehen, dass bis zu fünf Geschlechtschromosomen miteinander kombiniert auftreten können (vgl. Zehnder 2010, S. 75- 78).

Das Gonadale ist abhängig von den Keimdrüsen, genauer gesagt ihrer Beschaffenheit und ihrer Lage im Körper. Ebenso relevant ist hier die Frage, welche Geschlechtshormone von den Keimdrüsen in welcher Menge produziert werden (vgl. ebd. S. 78- 86).

Je nachdem welche primären Geschlechtsorgane eine Person aufweist, wird das phänotypische Geschlecht definiert. Ihm kommt eine besondere Bedeutung zu, da auf seiner Grundlage die allererste Zuordnung eines Kindes nach seiner Geburt erfolgt (vgl. ebd. S. 86- 91).

Die drei genannten Kategorien beziehen sich auf das somatische also das körperliche Geschlecht. Alle gesellschaftlichen Geschlechterrollen, Rollenerwartungen, Selbstzuschreibungen und Identitätsgefühle fasst Zehnder als psychosoziales Geschlecht zusammen (vgl. ebd. S. 97).

2.2 Intersexualität im Leistungssport

Obwohl schon auf Grund der überdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit jede/r Leistungssportler/in nicht der körperlichen Norm entspricht, wird bei Wettkämpfen seit jeher trotzdem versucht, im Sinne der Gerechtigkeit Normen zu formulieren, die die Teilname regeln. So treten Frauen und Männer nur jeweils gegeneinander an und bei der Leichtathletik-EM 1966 wurden erstmals verpflichtende Geschlechtstest für alle Sportlerinnen durchgeführt (vgl. Bellstedt 2011, S. 12). Die Methoden der medizinischen Untersuchungen wurden seitdem mehrfach modifiziert und seit 1999 mussten sich nicht mehr alle Athletinnen den Tests unterziehen, aber der IOC behielten sich vor, die Untersuchungen in begründeten Einzelfällen weiter anzuwenden (vgl. Nell Warren 2006). Nachdem die öffentliche Diskussion um das Geschlecht der Läuferin Caster Semenya deutlich machte, dass für solche Fälle kein angemessenes und standardisiertes Vorgehen vorliegt, veröffentlicht der IOC im April 2011 eine neue Richtlinie, die die Starterlaubnis für Frauenwettkämpfe in Abhängigkeit vom Geschlechtshormonspiegel regelt (vgl. o.V. (f) 2011). Damit soll in Zukunft schneller auf Zweifelsfälle reagiert werden können, die binäre Geschlechtertrennung in weiblich und männlich bleibt jedoch bestehen, obwohl Menschenrechtsinitiativen wie Zwischengeschlecht.org seit Jahren Regeln für die Teilnahme intersexueller Personen an Wettkämpfen fordern (vgl. Wiedemeyer 2010), da im Kontext des Leistungssportes auch schon vor Semenya immer wieder möglicherweise Intersexuelle öffentlich bloßgestellt wurden[1]. Auf Grund der Annahme, dass Männer Frauen gegenüber leistungsfähiger seien, waren von den Untersuchungen immer nur bei den Frauen startende Personen betroffen (vgl. Bellstedt 2011, S. 11).

2.3 Betrachtung der Entwicklung von Semenyas sportlicher Karriere
in Verbindung mit Sportverbänden und Medien

Bei den Leichtathletikweltmeisterschaften der Junioren 2008 in Polen scheidet Caster Semenya im 800-Meter-Lauf noch in der Vorrunde aus (vgl. o.V. (c) 2008). Innerhalb von einem Jahr verbesserte sie ihre Leistung dann so erheblich, dass der Südafrikanische Leichtathletikverband (ASA) auf Grund dieser Leistungssteigerung und weiterer Faktoren wie ihrem maskulinen Aussehen und ihrer tiefen Stimme beginnt, medizinisch ihr biologisches Geschlecht zu untersuchen. Die Athletin selbst wird nicht über diese Untersuchungen informiert, sondern in dem Glauben gelassen, die Blutproben würden für eine routinemäßige Dopinguntersuchung entnommen. Der Nationaltrainer Wilfried Daniel tritt wegen dieses Vertrauensbruchs später zurück. Die Untersuchungsergebnisse sind nicht bekannt und der ASA lässt Caster Semenya bei den Leichtathletikweltmeisterschaften 2009 in Berlin starten ohne eventuelle Zweifel an der Eindeutigkeit ihres biologischen Geschlechts ihr gegenüber oder in einem anderen Kontext zu thematisieren (vgl. Reinsch 2009). In Berlin gewinnt sie am 19. August den 800m-Lauf (vgl. o.V. (d) 2009). In den folgenden Tagen wird öffentlich intensiv darüber diskutiert, ob die Sportlerin möglicherweise intersexuell sei, woraufhin der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) einen Chromosomentest anordnet (vgl. Reschke 2009). Sowohl die Läuferin als auch ihre Trainer und einige Südafrikanische Politiker wie der Sportminister protestieren massiv gegen diesen Schritt, werfen dem IAAF rassistische Beweggründe vor und reichen Beschwerde bei der Menschenrechtskommission der UN ein (o.V. 2009). Daraufhin veröffentlicht die südafrikanische Zeitung Mail & Guardian allerdings Emails, die belegen, dass der ASA bereits vor der WM den gleichen Verdacht hatte wie nun der IAAF., weshalb einige Personen des Südafrikanischen Verbands suspendiert werden (vgl. Reinsch 2009).

Die vom IAAF angeordneten Untersuchungen werden durchgeführt und die genauen Ergebnisse vertraulich behandelt. Jedoch gibt der IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss die Pressemitteilung ab, dass Caster Semenya eine Frau sei, aber vielleicht nicht zu 100%. Den Weltmeistertitel und die dazugehörige Prämie darf die Athletin behalten (vgl. o.V. (b) 2009).

Bis zur endgültigen Entscheidung des IAAF, dass Semenya weiterhin bei den Frauen starten darf, vergehen 11 Monate, in denen die Läuferin für Wettkämpfe gesperrt ist (vgl. o.V. (e) 2010).

3. Untersuchung der genderspezifischen Darstellung Caster Semenyas auf Spiegel Online nach ihrem WM-Gewinn 2009

In diesem Kapitel wird zunächst die Auswahl des Untersuchungsmaterials hergeleitet, dann die verwendeten Analyseverfahren erörtert und schließlich die Analyse durchgeführt und die Ergebnisse interpretiert.

3.1 Begründung für die Wahl des Materialkorpus

Um die mediale Präsentation dieses Themas zu analysieren, müssen zunächst der Untersuchungszeitraum und das Material sinnvoll eingeschränkt werden. Um einerseits den Umfang dieser Arbeit nicht zu überbeanspruchen und andererseits keine relevanten Entwicklungen außer Acht zu lassen, werden hier Berichte von August 2009 bis September 2011 berücksichtigt. Wie im Kapitel 2.3 dargestellt, begannen im Kontext ihres WM-Sieges im August 2009 die öffentlichen Diskussionen um Semenyas mögliche Intersexualität und bis September 2011 kam der Diskurs gewissermaßen zu einem Abschluss, da sie ihre Starterlaubnis für Frauenwettkämpfe zurück erhielt und der IOC eine neue Regelung für den Umgang mit zukünftigen Fällen dieser Art erließ (s. Kapitel 2.2). Des Weiteren werden nur auf Spiegel Online (Spon) veröffentlichte Artikel zur Analyse herangezogen. Diese bieten den Vorteil eines einfachen und kostenfreien Zugangs über das Onlinearchiv. Zudem hat Spon konstant über aktuelle Entwicklungen bezüglich des Themas berichtet und stellt Jürgen Wilkes Definition folgend ein Leitmedium dar (vgl. Wilke 1999), da es laut der IVW die reichweitenstärkste deutschsprachige Nachrichten-Website ist (vgl. o.V. (g) 2012). Somit erlaubt Spon einen repräsentablen Eindruck des Diskursverlaufs. Aus diesem Grund wurden auch Berichte aus solchen Medien vernachlässigt, die sich an Rezipienten mit Expertenwissen richten, wie beispielsweise Sportmagazine oder solche, die der Queerbewegung nahe stehen und deshalb auf einer anderen Ebene über Intersexualität im Allgemeinen und Intersexualität im Leistungssport berichten, als Spiegel Online, das sich an Leser/innen mit sehr heterogene Wissensvoraussetzungen richtet, die meist aber vermutlich anders als die eines mit ähnlichen Diskursen vertrauten Rezipienten gestaltet sind.

Durch diese Auswahl ergab sich ein Materialkorpus von 17 Spon-Artikeln (in chronologischer Reihenfolge im Anhang). Diese 17 Berichte sind mit insgesamt 12 Fotos von Caster Semenya illustriert, d.h. einige der Bilder wurden mehrfach verwendet. Bei den Großaufnahmen wird sich die Analyse auf Semenyas Gesichtsausdruck konzentrieren. In einigen Artikeln wird gesammelt über das Abschneiden mehrerer Athlet/ innen bei der WM berichtet. Insofern werden die Teile, die sich nicht auf Caster Semenya beziehen, für die Untersuchung nicht berücksichtigt. Außerdem stellt sich die Frage, ob nur die Zuschreibungen von den Sponredakteuren über Semenya analysiert werden oder auch solche, die in Zitaten enthalten sind, da ja die Darstellung in Spiegel Online untersucht werden soll. Da die Zitate jedoch durch die/ den jeweiligen Autor/in aus einem Pool von möglichen Zitaten gewählt wurden, repräsentieren sie die Darstellung durch Spon und werden in diesem Sinne nicht außer Acht gelassen.

3.2 Analysebasis

Da Diskurse aus zwei Ebenen bestehen, der Mikro- und der Makrostrukturebene (vgl. Spieß 2012, S. 90), werden die ausgewählten Artikel sowohl als Einzelphänoneme als auch in ihrer Gesamtheit betrachtet.

Die Beschreibungen von Caster Semenya werden, unter besonderer Berücksichtigung genderspezifischer Zuschreibungen, Bettina Stuckard folgend untersucht. Sie hat 2001 zur Analyse der Darstellung von Frauen in Zeitschriften Attribute gesammelt, mit denen Personen beschrieben werden und die interpretiert Aussagen über ihre Geschlechtsrollen erlauben (vgl. Stuckard 2001).

Bei der Untersuchung der Bildelemente übernehme ich das Vorgehen von Dorothee Meer, die 2010 Werbeanzeigen für Kosmetikartikel semantisch analysierte (vgl. Meer 2010).

3.2.1 Untersuchung beschreibender Attribute nach Stuckard (vgl. Stuckard 2001)

Die Beschreibung von Frauen und Männern erfolgt laut Bettina Stuckard an Hand von biologischen Attributen wie dem Alter oder Beschreibungen des Körpers, Bewertungen des Aussehens (z.B. schön, schlank oder attraktiv), Nennung von Verhaltensweisen wie sensibel, unabhängig oder schüchtern, Beschreibungen der Kleidung in Bezug auf die Farben, modische Aktualität, oder den Stil, Darstellungen der sozialen Rolle (z.B. durch Angaben zum Familienstand) und Berufsbezeichnungen.

Bei all diesen Attributen ist zu beachten, dass sie nicht einfach genannt werden, sondern von ihnen immer auch eine Interpretation abgeleitet wird, die Rückschlüsse über die Eigenschaften der beschriebenen Person zulasse. So ist beispielsweise eine rauhe Stimme verführerisch, ein schlanker Körper attraktiv und erotisch oder pastellfarbene Kleidung romantisch. Dabei hält Stuckard fest, dass Frauen und Männer höchst unterschiedlich beschrieben und wahrgenommen werden. Insofern ist für die Untersuchung der Darstellung von Caster Semenya besonders interessant, ob ihre Beschreibungen eher den für Frauen oder Männern geltenden Mustern folgen.

Neben den genannten Attributen werden Personen laut Stuckard auch mit Hilfe von Handlungsbereichen beschrieben. Diese sind der Beruf und Hobbys, Leistungen und Ziele, Körper und Aussehen, Eigenschaften und Verhalten, Motivationen und Selbstreflexionen, soziale Beziehungen, Umgang mit dem anderen Geschlecht und Sexualität.

3.2.2 Semantische Analyse der Bildelemente nach Meer (vgl. Meer 2010)

Dorothee Meers semantische Analyse basiert auf den struktural-semantischen Grundüberlegungen von Algirdas J. Greimas. Diese seien laut Meer besonders geeignet genderspezifische Themen zu erfassen. Um nicht nur Texte sondern auch Fotos, Graphiken, usw. zu untersuchen, müssen diese paraphrasiert werden. Dann könne der Sememstatus von Bildelementen analytisch genutzt werden. Für die semantische Vagheit von Bildelementen gelte dabei, dass diese konstitutiver Bestandteil ihrer Bedeutung seien und demzufolge nur annäherungsweise überwunden werden können. Insofern wären auch andere Paraphrasierungen möglich. Ich werde zwar versuchen, die naheliegendsten zu erzielen, jedoch gilt hier wie für jede andere Analyse auch, dass Objektivität unerreichbar ist, weil jede Deutung durch die Sozialisation des Untersuchenden geprägt wird.

Das konkrete Vorgehen sieht so aus, dass das Paraphraseergebnis mit anderen Lexemen kontrastiert wird. Aus dieser Kontrastierung ergibt sich eine Semopposition, die dem ersten Lexem (und somit dem Bild) zugeordnet wird, wodurch man die spezifische Bedeutung ermitteln kann. Meer verdeutlicht den Ablauf mit Hilfe des Beispiellexems „Thermalwasser“. Dieses kontrastiert sie mit „Abwasser“. Dadurch erhält sie die Semopposition +/-[natürlich] und dieses Sem wiederum beschreibt die spezifische Bedeutung von „Thermalwasser“.

3.3 Analyse und Interpretation der Spon-Artikel

Nach der Erörterung der Analysewerkzeuge wird die Analyse im Folgenden durchgeführt und die Ergebnisse interpretiert. Die vollständigen Artikel sind im Anhang zu finden, die Bilder jedoch sind auch hier abgebildet (verkleinert), um eine praktischere Nachvollziehbarkeit der Paraphrasierungen zu gewährleisten.

3.3.1 Analyse

Allen Artikeln gemein ist, dass Caster Semenya in ihnen weiblich tituliert wird, also z.B. als Läuferin oder Athletin. Des Weiteren wird das biologische Geschlecht binär dargestellt und intersexuelle Personen werden uneinheitlich als intersexuell, Hermaphroditen oder Zwitter bezeichnet.

Leichtathletik-WM: Semenya siegt über 800 Meter, Bolt locker im Halbfinale (20.08.2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[2]

- Paraphrasierung des Bildes: Sieg, kontrastierendes Lexem: Niederlage, Semopposition: +/-[erfolgreich].
- Attribute im Text: Südafrikanerin, Läuferin, unbeeindruckt, in der Weltspitze aufgetaucht, siegte, unwissend.

Geschlechtstest bei Leichtathletik-WM: XY ungelöst (20.08.2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[3]

- Paraphrasierung des Bildes: Zusammenhalt, kontrastierendes Lexem: auf sich allein gestellt sein, Semopposition: +/-[unterstützt werden].

[...]


[1] z.B. Stella Olson, Ewa Klobukowska, Erika Schinegger, Maria Patino oder Santhi Soundarajan

[2] Abb. veröffentlicht am 20.08.2009 unter http://www.spiegel.de/sport/sonst/leichtathletik-wm-semenya-siegt-ueber-800-meter-bolt-locker-im-halbfinale-a-643869.html

[3] Abb. veröffentlicht am 20.08.2009 unter http://www.spiegel.de/sport/sonst/geschlechtstest-bei-leichtathletik-wm-xy-ungeloest-a-643911.html

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Untersuchung der genderspezifischen Darstellung Caster Semenyas nach ihrem WM-Sieg
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Germanistik I: Deutsche Sprache)
Veranstaltung
Gender und Medien: Verfahren der Mediatisierung von Geschlecht
Autor
Jahr
2012
Seiten
48
Katalognummer
V215366
ISBN (eBook)
9783656440055
ISBN (Buch)
9783656439721
Dateigröße
933 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender, Medien, Mediatisierung, Geschlecht, Caster Semenya, Semenya, Intersexualität, Spiegel Online, Spon, Leistungssport, Bettina Stuckard, Dorothee Meer, Diskurs, Algirdas Greimas, Semantik, struktural-semantisch
Arbeit zitieren
Ninon Nasseri (Autor), 2012, Untersuchung der genderspezifischen Darstellung Caster Semenyas nach ihrem WM-Sieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215366

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