Spätestens seit den 1980er Jahren herrscht innerhalb der Literaturdidaktik ein lebhafter Austausch darüber, wie man bei Schülerinnen und Schülern die Freude am Lesen wecken, ihnen den Wert von Literatur vermitteln und diese erkenntnisreich analysieren kann. Im Zuge dieser Diskussionen sind verschiedene didaktische Ansätze entstanden, die in dieser Arbeit behandelt werden.
Die übergeordnete Fragestellung lautet dabei, ob es eine Methode gibt, die sich für den Literaturunterricht am besten eignet. Dafür werden unterschiedliche Ansätze erörtert, miteinander verglichen und kritisch reflektiert.
Die vorliegende Arbeit beginnt mit einer Abbildung der historischen Entwicklung des Literaturunterrichts in Deutschland, dann wird der Verlauf vom fragend-entwickelnden über den handlungs- und produktionsorientierten Unterricht zum offen-literarischen Gespräch und dem Konzept des Heidelberger Modells nachvollzogen. Da all diese Unterrichtsformen stark von den Tätigkeiten der Lehrperson abhängen, wird in einem Unterkapitel die Klassifikation von Lehrimpulsen nach Hartmut Thiele behandelt, bevor es zu einer Reflektion der Gesprächsarten und schließlich einem Fazit kommt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung des Literaturunterrichts in Deutschland
3. Gesprächsformen des Literaturunterrichts
3.1 Das fragend-entwickelnde Gespräch im Literaturunterricht
3.2 Der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht
3.3 Das offen-literarische Unterrichtsgespräch und das Heidelberger Modell
3.3.1 Klassifikation der Lehrtätigkeiten bei literarischen Unterrichtsgesprächen nach Thiele
4. Kritische Reflektion der Methoden des Literaturunterrichts
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht verschiedene didaktische Ansätze des Literaturunterrichts mit dem Ziel zu klären, ob eine spezifische Methode existiert, die gegenüber anderen zu bevorzugen ist, oder ob ein variabler Einsatz didaktischer Handlungsformen für einen anregenden Unterricht zielführender ist.
- Historische Evolution des Literaturunterrichts in Deutschland
- Analyse des fragend-entwickelnden Unterrichtsgesprächs
- Konzept und Methodik des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
- Das offen-literarische Unterrichtsgespräch und das Heidelberger Modell
- Klassifikation von Lehrimpulsen nach Hartmut Thiele
- Kritische Reflektion zur Wirksamkeit und Limitationen verschiedener Lehrmethoden
Auszug aus dem Buch
3.1 Das fragend-entwickelnde Gespräch im Literaturunterricht
Das fragend-entwickelnde Unterrichtsgespräch weist einen hohen Grad der Lenkung durch die Lehrkraft auf. Ihre Redeanteile liegen bei bis zu 80% und die SuS agieren vorrangig reaktiv. Darum bezeichnet Johannes Mayer diese Kommunikationsform eher als eine Unterweisungshandlung denn ein Gespräch. Die starke Asymmetrie einer solchen Unterrichtssituation führt seit den 1980er Jahren zu massiver Kritik, doch trotzdem ist diese Methode an Deutschen Schulen nach wie vor die meist genutzte Methode.
Ihre Tradition lässt sich bis zu den mäeutischen Lehrdialogen von Sokrates zurückverfolgen, die darauf basieren, dass dem Schüler durch Fragen zunächst sein Unwissen vor Augen geführt wird, um ihm dann durch weitere Fragen zu einer selbstständigen Erkenntnis zu verhelfen. Platon verglich diese Dialoge mit der Tätigkeit einer Hebamme (Mäeutik (altgriech.): Hebammenkunst). Sie können nur gelingen, wenn der Schüler bereits das entsprechende Vorwissen besitzt. Hans Aebli beschreibt diese Unterrichtsform ebenfalls mit Hilfe eines sprachlichen Bildes, da er davon ausgeht, jedes Problem trage den Kern seiner Lösung bereits in sich und dieser müsse nur noch zu Tage gefördert werden, in dem man das Problem in seine Einzelteile zerlege.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die literaturdidaktische Diskussion um Methoden zur Leseförderung und formuliert die Fragestellung nach der geeignetsten Unterrichtsmethode.
2. Historische Entwicklung des Literaturunterrichts in Deutschland: Dieses Kapitel zeichnet den Weg von der klassischen Rhetorik über den nationalliterarischen Kanon bis zur rezeptionstheoretischen Wende nach und nennt Prinzipien für erfolgreichen Literaturunterricht.
3. Gesprächsformen des Literaturunterrichts: Das Kapitel differenziert zwischen Lehrer-Schüler- und Schüler-Schüler-Interaktionen und erörtert verschiedene Sozialformen für den Unterricht.
3.1 Das fragend-entwickelnde Gespräch im Literaturunterricht: Es wird die stark lenkende, traditionelle Form des Unterrichtsgesprächs kritisch beleuchtet und ihre sokratische Herkunft erläutert.
3.2 Der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht: Hier wird ein Ansatz beschrieben, bei dem Lernende Texte durch Umschreiben oder Transformation in andere Medien produktiv erschließen.
3.3 Das offen-literarische Unterrichtsgespräch und das Heidelberger Modell: Dieses Kapitel stellt das Heidelberger Modell vor, welches den Fokus auf das Lehrerverhalten und eine wertschätzende Gesprächsführung legt.
3.3.1 Klassifikation der Lehrtätigkeiten bei literarischen Unterrichtsgesprächen nach Thiele: Es werden die von Hartmut Thiele entwickelten Kategorien zur Analyse von Lehrimpulsen vorgestellt.
4. Kritische Reflektion der Methoden des Literaturunterrichts: Das Kapitel bietet eine vergleichende Analyse der Stärken und Schwächen der vorgestellten Unterrichtsmethoden unter Berücksichtigung von Expertenmeinungen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass keine Methode absolut zu bevorzugen ist und plädiert für einen variablen, situationsgerechten Einsatzdidaktischer Ansätze.
Schlüsselwörter
Literaturunterricht, Literaturdidaktik, fragend-entwickelndes Gespräch, handlungsorientierter Unterricht, produktionsorientierter Unterricht, offen-literarisches Gespräch, Heidelberger Modell, Hartmut Thiele, Lehrimpulse, Rezeptionsästhetik, Konstruktivismus, Gesprächsführung, Schülerzentrierung, Unterrichtsmethoden, Lehrperson.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die unterschiedlichen Gesprächsformen und didaktischen Ansätze im Literaturunterricht, um zu ermitteln, welche Methode für eine effektive Literaturvermittlung am besten geeignet ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des Literaturunterrichts, die Analyse verschiedener Gesprächsformen sowie die methodische Klassifikation des Lehrerverhaltens bei der Gesprächsführung.
Was ist die primäre Zielsetzung oder Forschungsfrage?
Die übergeordnete Forschungsfrage lautet, ob es eine didaktische Methode gibt, die sich für den Literaturunterricht als die beste erweist, oder ob ein variabler Ansatz vorzuziehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, bei der didaktische Ansätze erörtert, miteinander verglichen und auf Basis der Fachliteratur kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung, die Erläuterung der drei großen Ansätze – fragend-entwickelnder Unterricht, handlungs- und produktionsorientierter Unterricht sowie das Heidelberger Modell – inklusive einer Analyse von Lehrimpulsen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Literaturdidaktik, Unterrichtsmethoden, Gesprächsführung und verschiedene orientierte Lehransätze charakterisiert.
Warum wird das fragend-entwickelnde Unterrichtsgespräch so intensiv kritisiert?
Es wird kritisiert, dass diese Methode durch die starke Lenkung durch die Lehrkraft die SuS zu einer reaktiven Rolle zwingt und die mäeutische Intention verfehlt, da sie oft in Rätselraten statt in echter Erkenntnis endet.
Was macht das Heidelberger Modell im Vergleich zu anderen Ansätzen besonders?
Das Heidelberger Modell legt weniger Gewicht auf spezielle Techniken als vielmehr auf die Haltung der Lehrkraft, die interessiert und wertschätzend sein soll, und lehnt sich dabei an die Themenzentrierte Interaktion an.
Welche Rolle spielt die Klassifikation nach Hartmut Thiele für die Analyse?
Thieles Kategorien ermöglichen es, die verschiedenen Impulse einer Lehrkraft, wie etwa "Fundieren lassen" oder "Nachhaken", wissenschaftlich zu erfassen und so die Qualität des Unterrichtsgesprächs fundiert zu bewerten.
Inwiefern beeinflussen gesellschaftliche Strömungen die Didaktik?
Die Arbeit zeigt auf, dass Trends wie die schülerzentrierten Verfahren oft zeitgleich mit gesellschaftlichen Veränderungen, etwa dem Aufkommen antiautoritärer Ansichten, entstanden sind.
- Quote paper
- Ninon Nasseri (Author), 2012, Vom fragend-entwickelnden Unterricht zum offen-literarischen Gespräch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215367