Die Religionssystematik Max Webers

Protestantische Ethik, Konfuzianismus und Taoismus


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Mit der Fragestellung, warum sich die moderne Gesellschaft des Okzidents gegenüber anderen Kulturen in ihren kapitalistischen Merkmalen so ausprägend und kennzeichnend entwickelt hat, betrachtet der Soziologe Max Weber die fünf großen Weltreligionen. Dabei geht es ihm nicht um eine umfassende Kulturanalyse, sondern darum, die Gegensätze des Orients zur okzidentalen Kulturentwicklung aufzuzeigen sowie um den Nachweis der Verknüpfung zwischen der Entstehung des kapitalistischen Geistes und ursächlich dazu um das Vorhandensein der jeweiligen religiösen Ethik, die letztendlich dann das alltägliche Handeln beeinflusst.[1] Weiter möchte er damit auch seine vorher erschienene protestantische Ethik in einen größeren Rahmen stellen.[2] Der nachfolgende Text soll am Beispiel Konfuzianismus und Taoismus Max Webers zugrunde liegenden Religionssystematik beschreiben.

2. Die protestantische Ethik

2.1 Der Geist des Kapitalismus und die protestantische Ethik

Max Weber zeigt Zusammenhänge der kapitalistischen Gesinnung mit der eher ökonomisch orientierten und rationalen Lebensweise der Protestanten auf und stellt diese im selben Kontext dem Traditionalismus und Humanismus der Katholiken gegenüber. Erst das Selbstverständnis des Protestantismus schuf demnach die ethische Aufwertung des Berufes. Zu dieser protestantischen Ethik zählen neben der Prädestinationslehre, wonach alle Menschen zwar Gottes Willen unterworfen, jedoch unabhängig von ihren Taten für das Leben vorherbestimmt sind, auch die Berufsidee als Erfüllung und Produkt der Nächstenliebe sowie schließlich die Bildung der von calvinistischer Arbeitsethik geprägten reformierten Kirchen, der Freikirchen und vor allem auch Sekten mitsamt ihrer arbeitswilligen Anhänger. Die protestantisch gelebte ökonomische Aktivität, sowie die gleichsam erzeugte innerweltliche Askese, also der Orientierung an weltlichem Erfolg und „frommen“ Tugenden wie Fleiß und Arbeitsamkeit bilden damit die Grundlage für das Entstehen des „kapitalistischen

Geistes“. Im Gegensatz zum Traditionalismus der Katholiken bestimmt daher auch nicht primär die Zugehörigkeit eines bestimmten Standes, sondern der Antrieb für das wirtschaftlich rationale Verhalten den besagten „Geist“ für die Entwicklung des westlichen Kapitalismus.

Diese Rationalität war es auch, welche die okzidentale Entwicklung der Systematik in der Wissenschaft als „Fachbetrieb“ und den damit verbundenen „eingeschulten Fachmenschentum“ ermöglichte, und darüber hinaus als großen Rahmen das entstehen des Staates mit seiner Verfassung und den Parlamenten, mit seinen technisch, kaufmännisch und juristisch geschulten Beamten bildete.[3] Rationale Strukturen ähnlichen Ausmaßes wären überspitzt Formuliert in einer von Schamanismus geprägten Gesellschaft nicht denkbar gewesen.

Doch obwohl es von der Rationalität her gesehen mit dem Protestantismus vergleichbare, ähnliche Strukturen religiöser Gemeinschaften in China gab - die Rede ist von dem rational geprägten Konfuzianismus und dem gegenüber mystisch geprägten Traditionalismus des Taoismus - hat Weber bereits hier eine Erklärung für die sich dennoch unterschiedlich entwickelten Gesellschaften von Orient und Okzident, die er neben o.g. Strukturen u.a. mit der freien Arbeit begründet, auf die ich im gleichnamigen Unterpunkt später eingehen werde.

2.2 Die Wirtschaftsethik der Religion

Unter der allgemeinen Betrachtungsweise der Wirtschaftsethik einer Religion versteht Max Weber zunächst die „[...]in den psychologischen und pragmatischen Zusammenhängen der Religionen gegründeten praktischen Antriebe zum Handeln[...]“[4]. Damit fasst er das relativ rationale Handeln des Einzelnen innerhalb einer religiösen Ethik wie folgt zusammen: Dieses Handeln wird maßgeblich beeinflusst von dem unmittelbar kausalen Zusammenhang, wie Religion die Lebensführung bestimmt und in welchen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Gegebenheiten diese Lebensführung wiederum steht. Das Handeln kann sich dabei einer objektiven Rationalität entziehen oder als zumindest relativ rational betrachtet werden - dennoch bleibt es hierbei nach Weber verständlich, subjektiv und ein durch

einen Sinn spezifiziertes Sichtverhalten zu Objekten.[5] Der hier erwähnte Sinn resultiert dabei aus negativen Erfahrungen von Sinnwidrigkeit der Welt und führt damit zu einer Flucht vor der Weltentzauberung, hin zum gesinnungsethischen Gemeinschaftshandeln.[6] Gemeint ist also eine nicht nur, aber auch kollektive „Flucht“ in die Religion, ein Urlaub vom weltlichen. Bestimmend für das Handeln auf dieser Ebene sind dabei laut Weber ein oder mehrere konstante oder wechselnde Schichten der Bevölkerung, die für diese Ethik richtungsweisend sind und diese dementsprechend auch praktisch beeinflussen. Um dazu ein auf den Konfuzianismus bezogenes Beispiel zu nennen, waren Zugehörige einer solche Schicht dort die Beamten bzw. der „Bürokrat“, worauf im Abschnitt „Konfuzianismus“ noch weiter eingegangen wird.

2.3 Kapitalismusbegriff

Max Webers Kapitalismusbegriff trägt in seiner Allgemeinheit die Merkmale des kontinuierlichen und rationalen Denkens und Handelns um der Rentabilität Willen als notwendiges Merkmal und Selbstzweck. Er sieht ihn dazu hauptsächlich als Prinzip einer Einnahme- und Ausgabenrechnung, die sich in allen Kulturen gleicht:

„Es kommt für den Begriff nur darauf an: daß die tatsächliche Orientierung an einer Vergleichung des Geldschätzungserfolges mit dem Geldschätzungseinsatz, in wie primitiver Form auch immer, das wirtschaftliche Handeln entscheidend bestimmt. In diesem Sinne nun hat es »Kapitalismus« und »kapitalistische« Unternehmungen, auch mit leidlicher Rationalisierung der Kapitalrechnung, in allen Kulturländern der Erde gegeben, soweit die ökonomischen Dokumente zurückreichen.“[7]

Weber bezieht sich hier auch noch auf die Historie, die ebenfalls belegt, dass ein Kapitalismus nach der o.g. Definition in allen Ländern ähnlich existent war bzw. noch ist. In den Ursprüngen sind auch die wirtschaftlichen Ziele zu finden, die Max Weber

dem religiösen und magischen Handeln in gleicher Weise zuspricht, wie dem Zweckhandeln.[8]

[...]


[1] Vgl. Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen, Konfuzianismus und Taoismus, S.241.

[2] Vgl. Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, Religiöse Gemeinschaften, S.167.

[3] Vgl. Weber, Max: gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Vorbemerkung, S. 17.

[4] Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, Teilband 2, Religiöse Gemeinschaften. S. 167.

[5] Vgl. Kippenberg, Hans G. Max Webers Religionssystematik, S. 30.

[6] Vgl. Ebd,.

[7] Weber, Max: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie. Schriften zur Religionssoziologie, S. 17.

[8] Vgl. Riesebrodt, Martin, Max Webers Religionssystematik, S. 104.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Religionssystematik Max Webers
Untertitel
Protestantische Ethik, Konfuzianismus und Taoismus
Hochschule
Universität Hamburg  (Department Wirtschaft und Politik der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Prof. Dr. Stefan Breuer, Sozial- und Gesellschaftstheorie
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V215373
ISBN (eBook)
9783656431435
ISBN (Buch)
9783656434405
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Lest am besten den Abstract für die Herangehensweise und Zusammenfassung dieser Arbeit und lasst Euch nicht von Begriffen beeindrucken, falls ihr diese nicht kennen solltet - zu jedem findet man online eine Erklärung. Prof. Dr. Stefan Breuer ist einer der bekanntesten Max Weber Experten und eine Koryphäe auf dem Gebiet.
Schlagworte
Max Weber, protestantische Ethik, Geist des Kapitalismus, Kapitalismusgeist, Konfuzianismus, Taoismus, Religionssoziologie, Weltreligionen, Soziologie, Protestantismus, Katholizismus
Arbeit zitieren
Andrzej Wiencek (Autor), 2013, Die Religionssystematik Max Webers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215373

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