Einleitung
Am ersten und zweiten Mai 1998 (vgl. Bundesrat, 2012) beschloss die Europäi- sche Union (EU) die Nutzung einer gemeinsamen Währung für einen Teil der in der EU befindlichen Länder. Damit sollte die europäische Staatengemein- schaft wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich erfolgreicher interagieren. Eine Währungsunion wie die EU muss für ein funktionierendes Miteinander Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen schaffen.
Aktuell befindet sich die europäische Währungsunion in einer großen Kri- se, weshalb anzunehmen ist, dass bestimmte Voraussetzungen nicht gegeben waren. Derartige Krisen haben tiefer gehende Ursachen, welche im Folgenden beleuchtet werden.
Ein Teilbereich, mit dem sich hier auseinander gesetzt wird, ist im Speziellen Moral Hazard....
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundproblem Moral Hazard
2.1 Prinzipal-Agent-Beziehung
2.2 Ex-Ante und Ex-Post Moral Hazard
2.3 Verstärkende Eekte
3 Fiskal- und Transferunion
3.1 Charakterisierung
3.2 Perspektiven, Chancen und Optionen
3.3 Souveränität der Staaten versus Zentralität
4 Moral Hazard in einer Fiskal- und Transferunion
4.1 Vorgelagerte Informationsasymmetrien
4.2 Nachgelagerte Informationsasymmetrien
4.3 Lösungsansätze
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Problem des Moral Hazard im Kontext einer möglichen Transformation der europäischen Währungsunion in eine Fiskal- und Transferunion. Dabei wird analysiert, wie Informationsasymmetrien zwischen den Staaten zu ineffizientem Verhalten führen und welche Rolle eine zentralere fiskalpolitische Steuerung bei der Minderung dieser Anreizprobleme spielen kann.
- Grundlagen der Prinzipal-Agent-Theorie und Moral Hazard
- Charakterisierung und Funktionsweise einer Fiskal- und Transferunion
- Analyse von Informationsasymmetrien im zwischenstaatlichen Kontext
- Auswirkungen von Bailout-Garantien auf das staatliche Verhalten
- Lösungsansätze zur Internalisierung negativer Anreize
Auszug aus dem Buch
2.2 Ex-Ante und Ex-Post Moral Hazard
Im Allgemeinen wird Moral Hazard in zwei Ausprägungen dierenziert, in Ex-Ante und Ex-Post Moral Hazard.
Bei Ex-Ante Moral Hazard wird ein Verhalten beschrieben, bei dem der Versicherte vor Inkrafttreten der Absicherung wenig bis gar keine Maßnahmen ergreift, um den Schadensfall zu verhindern. Ist der Agent (der Versicherte) gegen Diebstahl versichert, besteht ein geringerer Anreiz darauf zu achten, ob das Auto immer abgeschlossen ist. Der Versicherungsnehmer zeigt wenig Eigeninitiative, da dieser sich im Klaren darüber ist, dass die Versicherung für den Schaden aufkommen wird. Angenommen man kann bei Schadenseintritt nicht feststellen, ob das Auto abgeschlossen war, so ist der Versicherer in diesem Fall der Prinzipal. Er trägt die Kosten der Unachtsamkeit seitens des Agenten.
Der Agent profitiert somit von vorliegender Informationsasymmetrie.
Ex-Post Moral Hazard charakterisiert ein Verhalten, bei dem der Versicherte nach Eintritt der Absicherung bewusst die Kosten über den eigentlichen Schaden hinaus der Versicherung aufbürdet. Ist der Versicherte beispielsweise krankenversichert, wäre bei einer harmlosen Verstauchung eine Schonzeit ausreichend. Da der Versicherer (der Prinzipal) nicht kontrollieren kann, wie es um die Krankheit des Mandaten steht, könnte dieser diverse überflüssige Arztbesuche, Medikamente und eine Rehabehandlung in Anspruch nehmen. Die unnötig anfallenden Kosten trägt aufgrund des Informationsnachteils der Versicherer.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der europäischen Währungsunion und das damit verbundene Moral-Hazard-Problem ein, wobei die Zielsetzung der Arbeit sowie die Definition einer Fiskal- und Transferunion erläutert werden.
2 Grundproblem Moral Hazard: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Prinzipal-Agent-Beziehung und unterscheidet zwischen Ex-Ante und Ex-Post Moral Hazard sowie verstärkenden Effekten.
3 Fiskal- und Transferunion: Hier werden die zentralen Elemente einer Fiskal- und Transferunion charakterisiert sowie die Perspektiven, Chancen und das Spannungsfeld zwischen nationaler Souveränität und Zentralisierung diskutiert.
4 Moral Hazard in einer Fiskal- und Transferunion: In diesem Hauptteil werden die theoretischen Erkenntnisse auf zwischenstaatliche Beziehungen übertragen, wobei vorgelagerte und nachgelagerte Informationsasymmetrien sowie mögliche Lösungsansätze untersucht werden.
5 Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer Fiskalunion für eine funktionierende Transferunion, um Moral Hazard zu begrenzen.
Schlüsselwörter
Moral Hazard, Fiskalunion, Transferunion, Währungsunion, Prinzipal-Agent-Beziehung, Informationsasymmetrie, Eurokrise, Bailout, Anreizwirkungen, Staatsschulden, Homo Oeconomicus, Wirtschaftspolitik, Sanktionen, Nachhaltigkeit, Europäische Union.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik des Moral Hazard bei zwischenstaatlichen Beziehungen innerhalb der Europäischen Union, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Fiskal- und Transferunion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die ökonomische Theorie asymmetrischer Informationen, die Ausgestaltung fiskalischer Unionskonzepte und die Analyse politischer Anreizstrukturen in Krisenzeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Moral Hazard entsteht, wenn nationale Regierungen im Vertrauen auf Rettungsmechanismen ihr wirtschaftliches Handeln anpassen, und welche strukturellen Gegenmaßnahmen innerhalb einer Fiskalunion existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Literaturrecherche, wobei Konzepte der Neuen Institutionenökonomik, insbesondere die Prinzipal-Agent-Theorie, auf den Kontext der europäischen Finanzpolitik angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Moral Hazard, die Charakterisierung der Fiskalunion und die spezifische Übertragung der Informationsprobleme auf die Eurokrise und deren Lösungsansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Moral Hazard, Fiskalunion, Informationsasymmetrie, Bailout und Anreizstruktur charakterisiert.
Wie genau beeinflusst eine Transferunion die Anreize der Mitgliedsstaaten?
Durch die Aussicht auf finanzielle Unterstützung oder Bailout-Garantien sinkt für Mitgliedsstaaten der Anreiz, eine nachhaltige und eigenverantwortliche Wirtschaftspolitik zu verfolgen, was das Moral-Hazard-Problem verschärft.
Welche Rolle spielt der Homo Oeconomicus in diesem Modell?
Der Homo Oeconomicus dient als Annahme für rational handelnde Akteure, die ihren eigenen Nutzen maximieren, was in einer Union mit gemeinsamer Haftung dazu führt, dass Staaten bewusst Risiken eingehen, deren Kosten von anderen getragen werden.
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- Sascha Engel (Author), 2012, Moral Hazard in einer Fiskal- und Transferunion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215375