Moral Hazard in einer Fiskal- und Transferunion


Seminararbeit, 2012
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundproblem Moral Hazard
2.1 Prinzipal-Agent-Beziehung
2.2 Ex-Ante und Ex-Post Moral Hazard
2.3 Verstärkende Effekte

3 Fiskal- und Transferunion
3.1 Charakterisierung
3.2 Perspektiven, Chancen und Optionen
3.3 Souveränität der Staaten versus Zentralität

4 Moral Hazard in einer Fiskal- und Transferunion
4.1 Vorgelagerte Informationsasymmetrien
4.2 Nachgelagerte Informationsasymmetrien
4.3 Lösungsansätze

5 Schlussbetrachtung

1 Einleitung

Am ersten und zweiten Mai 1998 (vgl. Bundesrat, 2012) beschloss die Europäi­sche Union (EU) die Nutzung einer gemeinsamen Währung für einen Teil der in der EU befindlichen Länder. Damit sollte die europäische Staatengemein­schaft wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich erfolgreicher interagieren. Eine Währungsunion wie die EU muss für ein funktionierendes Miteinander Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen schaffen.

Aktuell befindet sich die europäische Währungsunion in einer großen Kri­se, weshalb anzunehmen ist, dass bestimmte Voraussetzungen nicht gegeben waren. Derartige Krisen haben tiefer gehende Ursachen, welche im Folgenden beleuchtet werden.

Ein Teilbereich, mit dem sich hier auseinander gesetzt wird, ist im Speziellen Moral Hazard. Im zweiten Abschnitt wird das Grundproblem beleuchtet. Im Verlauf dieser Arbeit wird dargestellt, was Moral Hazard in Bezug auf die wechselseitige Beziehung zwischen Ländern bedeutet.

Es wird dargelegt, welche Anreizwirkungen und Ursachen eine Informationsa­symmetrie, in diesem Fall Moral Hazard, auf die Währungsunion hat.

Es stellt sich im Zuge der genannten Eurokrise die Frage, wie eine Währungs­union funktionieren müsste. Notwendige Bedingungen galten bis dato für eine Währungsunion und nicht für eine Fiskal- und Transferunion. Seit Beginn der Währungsunion behaupten kritische Stimmen, dass eine gemeinsame Fiskal- und Transferunion deutlich sinnvoller für Verbünde wie die EU wäre. Bei einer Recherche, was genau unter einer Fiskal- und Transferunion zu verstehen ist, sind die Meinungen breit gestreut und es lässt sich keine eindeutige Antwort finden. Folglich wird zu definieren sein, wie hier eine Fiskal- und Transferunion charakterisiert wird. Dies erfolgt in Abschnitt 3.

Um zuvor begangene Fehler zu internalisieren und neuen gar nicht erst die Chance zu geben, ist ein Zusammenhang zwischen Moral Hazard und einer Fiskal- und Transferunion herzustellen. Im Abschnitt 4 werden die Grund­probleme des Moral Hazard auf eine Fiskal- und Transferunion übertragen.

Kommt es bei einer Währungsunion zu einer Transformation in eine Fiskal- und Transferunion, sind effektivere Rahmenbedingungen im Vergleich zur Währungs­union zu schaffen. Wenn keine angemessenen Richtlinien und Instrumentarien implementiert sind, können Anreize darin bestehen, vom Ziel des Gemeinwohls zugunsten der Eigennutzenmaximierung abzuweichen.

Besonders schwierig ist bei dem Vorhaben der Transformation die Rolle der Einzelstaaten. Eine eklatant wichtige Frage ist, welche Instanz die Verantwor­tung trägt. Ist es der Fall, dass ohne den Zwischenschritt “Währungsunion“ direkt in eine Fiskal- und Transferunion gestartet wird, sind die Vorausset­zungen oft andere, als mit der vorgelagerten Währungsunion. Welche Rolle spielt wirtschaftliche Stärke oder Schwäche in Bezug auf Moral Hazard? Ist es notwendig, eine Staatengemeinschaft partiell zu entflechten und den Einzel­staaten mehr Souveränität in ihrer Haushaltspolitk zu geben? Oder umgekehrt, sollte die Verflechtung vertieft werden, weil es einfacher ist, gemeinsam bzw. als ein einziges handelndes Organ die Problemstellungen anzugehen? All dies sind Fragen, die im Rahmen des Themas dieser Facharbeit zu klären sind.

In der Facharbeit wird der aus der Volkswirtschaftslehre bekannte Homo Ökonomikus vorausgesetzt. Dieser handelt bekanntlich rational. Es ist somit Kontextbezogen dementsprechend zu interpretieren.

2 Grundproblem Moral Hazard

2.1 Prinzipal-Agent-Beziehung

Die Abschnitte 2.1 und 2.2 basieren in weiten Teilen auf das Buch (Wigger, 2006, S. 73-82 )

Die Problematik Moral Hazard fällt als Teilbereich unter die asymmetri­schen Informationen. Asymmetrische Informationen beschreiben die Beziehung zwischen zwei oder mehreren Beteiligten, bei der das eine Individuum einen Informationsvorteil dem anderen gegenüber hat. Der Agent ist meist das wis­sende oder handelnde Individuum, der Prinzipal der Beobachter. Hier macht sich die Informationsasymmetrie wie folgt bemerkbar. Der Agent hat Kenntnis über einen bestimmten Zustand oder Handlungsalternativen, die dem Prinzipal verborgen bleiben. An diesem Punkt stellt sich eine meist ineffiziente Verhal­tensweise ein. Da der Agent einen Informationsvorteil besitzt, kann dieser den Vorteil für sich nutzen.

Es ist weiterhin zwischen zwei Möglichkeiten der Informationsasymmetrie zu unterscheiden. Bezieht sich die Informationsasymmetrie auf eine Eigenschaft, so wird von adverser Selektion gesprochen. Auf dieses Problem wird im Späteren eingegangen. Die zweite Möglichkeit bezieht sich auf das so genannte Moral Hazard, welches eine Handlung unter ungleichen Informationen beschreibt. Moral Hazard ist wie folgt definiert:

„Allgemein versteht man unter Moral Hazard im Versicherungs­kontext Verhaltensveränderungen der Versicherten, die durch die Tatsache der Versicherung selbst ausgelöst werden", (Wigger, 2006, S. 78)

2.2 Ex-Ante und Ex-Post Moral Hazard

Im Allgemeinen wird Moral Hazard in zwei Ausprägungen differenziert, in Ex-Ante und Ex-Post Moral Hazard.

Bei Ex-Ante Moral Hazard wird ein Verhalten beschrieben, bei dem der Versicherte vor Inkrafttreten der Absicherung wenig bis gar keine Maßnahmen ergreift, um den Schadensfall zu verhindern. Ist der Agent (der Versicherte) gegen Diebstahl versichert, besteht ein geringerer Anreiz darauf zu achten, ob das Auto immer abgeschlossen ist. Der Versicherungsnehmer zeigt wenig Eigeninitiative, da dieser sich im Klaren darüber ist, dass die Versicherung für den Schaden aufkommen wird. Angenommen man kann bei Schadenseintritt nicht feststellen, ob das Auto abgeschlossen war, so ist der Versicherer in diesem Fall der Prinzipal. Er trägt die Kosten der Unachtsamkeit seitens des Agenten.

Der Agent profitiert somit von vorliegender Informationsasymmetrie.

Ex-Post Moral Hazard charakterisiert ein Verhalten, bei dem der Versicher­te nach Eintritt der Absicherung bewusst die Kosten über den eigentlichen Schaden hinaus der Versicherung aufbürdet. Ist der Versicherte beispielswei­se krankenversichert, wäre bei einer harmlosen Verstauchung eine Schonzeit ausreichend. Da der Versicherer (der Prinzipal) nicht kontrollieren kann, wie es um die Krankheit des Mandaten steht, könnte dieser diverse überflüssige Arztbesuche, Medikamente und eine Rehabehandlung in Anspruch nehmen. Die unnötig anfallenden Kosten trägt aufgrund des Informationsnachteils der Versicherer.

2.3 Verstärkende Effekte

Adverse Selektion, bezogen auf Informationsasymmetrien, beschreibt nicht sichtbare Eigenschaften, die der Agent dem Prinzipal vorenthalten kann (vgl. Wigger, 2006, S. 75). Der Agent kann sich somit zum Beispiel vor Abschluss eines Krankenversicherungsvertrages den Vorteil verschaffen, den Versicherer (Prinzipal) nicht vollständig über seinen Gesundheitszustand in Kenntnis zu setzen. Der Agent wird eventuell günstiger versichert, als hätte der Prinzipal vollständiger Information gehabt.

Im Bezug auf Moral Hazard ist die meist vorgelagerte Adverse Selektion sehr problematisch. Denn besteht bereits vor Vertragsabschluss eine Informations­asymmetrie, so ist der Prinzipal bereits bei Eintritt von Moral Hazard stark benachteiligt und die Wirkung von Moral Hazard verstärkt sich (Frech, 2005, S. 35).

Die hier getroffene Wortwahl “Pre-Moral-Hazard“ beschreibt den zeitlichen Ablauf, in dem Adverse Selektion und Moral Hazard erfolgen. Adverse Selektion tritt meist vor Vertragsabschluss ein und besteht somit bereits, wenn Moral Hazard entsteht.

Ein weiterer Effekt, der Moral Hazard hervorufen kann, ist das Kalkül der Eigennutzenmaximierung. Der Homo Ökonomicus richtet sich nicht nach dem

Wohl anderer. Er ist auf seinen eigenen größt möglichen Profit aus, weshalb er bewusst Moral Hazard eingeht (vgl. Tietzel, 1981, S. 121 ff.).

3 Fiskal- und Transferunion

3.1 Charakterisierung

Um das zentrale Thema Moral Hazard im Zusammenhang mit einer Fiskal- und Transferunion untersuchen zu können, muss zunächst geklärt werden, was unter einer Fiskal- und Transferunion zu verstehen ist.

Nach der Recherche in einschlägiger Literatur ist festzustellen, dass es keine allgemein gültige Definition gibt. In dieser Facharbeit wird vorrangig auf die Eigenschaften Bezug genommen, die von zwei Ökonomen beschrieben wurden.

C. Fuest und A. Peichl haben fünf zentrale Elemente benannt und erläutern anhand derer wie eine Fiskalunion charakterisiert werden kann (vgl. Fuest und Peichel, 2012, S. 3-7). Diese sollen hier nun vorgestellt werden.

Das erste Element einer Fiskalunion gestaltet einen Grundrahmen, der fi­nanzpolitische Vorschriften, politische Koordination und eine übergeordnete Kontrollinstanz (Supervisor) beinhaltet. Diese Richtlinien sind essenziell, um präventiv ökonomisches Fehlverhalten einzudämmen und die zu formulierenden Verträge sind dementsprechend zu gestalten. Außerdem ist die Einhaltung der Gesetze zu überwachen, denn die Gefahr eines für die Union unangemessenen Verhaltens bei Nichtkontrolle ist hoch.

Das zweite Element verlangt nach einem gemeinsamen Vorgehen bei Eintritt einer Krise. Sollte der zuvor angesprochene Grundrahmen nicht ausreichen und es zu einer Krise kommen, müssen geeignete Instrumente vorhanden sein, um angemessen zu intervenieren.

Der dritte Punkt besagt, dass es eine gemeinsame Garantie für Staatsschulden geben muss. Ist eine Union bereits nach Kriterium eins und zwei aufgebaut, so ist eine gemeinsamen Haftung für die Staatschulden inherent. Hier ist die Ausgestaltung der Modalitäten besonders wichtig.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Moral Hazard in einer Fiskal- und Transferunion
Hochschule
Universität Hamburg  (Lehrstuhl Internationale Wirtschaftsbeziehungen)
Veranstaltung
Aktuelle Fragen der Volkswirtschaftstheorie und -politik
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V215375
ISBN (eBook)
9783656431862
ISBN (Buch)
9783656435242
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moral Hazard, Fiskalunion, Transferunion
Arbeit zitieren
Sascha Engel (Autor), 2012, Moral Hazard in einer Fiskal- und Transferunion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215375

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