Treue ist neben vielen anderen Faktoren ein wichtiger Bestandteil romantischer Zweierbeziehungen. Besonders die Exklusivität der beiden Beziehungspersonen, d.h. sexuelle Treue und persönliche Loyalität, genießen eine große Bedeutung und Aufmerksamkeit.
Verschiedene Studien in den USA fanden heraus, dass „nahezu alle amerikanischen Paare [...] gegenseitige sexuelle Exklusivität von einander erwarten“ und dass es wichtig sei, monogam zu sein.
In Anbetracht dieser eindeutigen Einstellungen ist es umso verwunderlicher, dass die Hälfte aller verheirateten Amerikaner trotzdem in eine Form sexueller extradyadischer Untreue involviert sind. Die Versuchung, einer solchen sexuellen Beziehung außerhalb der bestehenden Partnerschaft nachzugehen war und ist nach Buunk und Dijkstra ein weitverbreitetes Phänomen. Die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest ein Partner eine außereheliche Beziehung eingeht, liegt laut einer Studie von Thompson zwischen 40% und 76%.
Beobachtet man die aktuellen Medien, so liest und hört man fast täglich von neuen Seitensprüngen bekannter Politiker, Hollywoodstars und Profisportler. Selbst in den europäischen Königshäusern spielt eheliche und –partnerschaftliche Untreue eine große Rolle.
Ausgehend von der genannten Unstimmigkeit zwischen der Inakzeptanz von
extradyadischen Beziehungen und tatsächlich vorkommender Untreue stellt sich die Frage, aus welchen Gründen einige Personen trotzdem untreu sind und welche Faktoren solch ein Verhalten beeinflussen. Zur Beantwortung wird sich die vorliegende Hausarbeit mit den soziobiologischen Erklärungen, persönlichen Motiven und partnerschaftlichen Korrelaten und gesellschaftsspezifischen bzw. externen Gründen für dieses Phänomen
befassen. Dabei werden sowohl post-hoc Erklärungen als auch vorhersagende
Veränderungen in den Verhaltensweisen und individuellen Empfindungen als
Begründungen in Betracht gezogen. Allerdings wird der Unterschied zwischen
außerehelicher und außerpartnerschaftlicher Untreue nicht näher berücksichtigt.
Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen von Untreue wird der Begriff zunächst
definiert und die verschiedenen Formen der Untreue vorgestellt. Darüber hinaus werden verschiedene Formen der Untreueforschung und ihre Schwerpunkte aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen und Formen von Untreue
3 Forschungsweisen und -schwerpunkte
4 Welche Faktoren beeinflussen untreues Verhalten?
4.1 Sozio-biologische Erklärungen
4.2 Persönliche Motive und partnerschaftliche Korrelate
4.3 Gesellschaftsbedingte und externe Gründe
5 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Ablehnung von Untreue und deren tatsächlichem Auftreten in Partnerschaften. Ziel ist es, die vielfältigen soziobiologischen, psychologischen und soziologischen Faktoren zu identifizieren, die untreues Verhalten begünstigen oder rechtfertigen.
- Soziobiologische Erklärungen des Paarungsverhaltens
- Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen und Bindungsstilen
- Die Rolle von Beziehungszufriedenheit und Investment-Modellen
- Gesellschaftliche Gelegenheitsstrukturen und soziales Umfeld
- Unterscheidung zwischen sexuellen und emotionalen Motiven
Auszug aus dem Buch
4.1 Soziobiologische Erklärungen
Die Grundlage des soziobiologischen Ansatzes besteht in der Annahme, „dass es biologisch festgelegte Verhaltensprogramme gibt, die veränderbar unsere Sozialbeziehungen bestimmen“ (Lenz 2009: 33). Dazu zählt neben dem Geschlecht auch das Alter der betreffenden Person.
Wie bereits erwähnt, genießt die Erforschung von Geschlechtsunterschieden in Bezug auf Untreue eine besondere Bedeutung. Hinsichtlich der reinen geschlechtsbedingten Begründung für außerpartnerschaftliche Aktivitäten werden aber besonders andere einfließende Faktoren untersucht und erst danach die ermittelten Geschlechtsunterschiede herausgestellt.
Nichtsdestotrotz gehen Sozialwissenschaftler und Psychologen bei ihrer Suche nach Begründungen für Untreue zunächst von evolutionsbiologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern aus. Diesen Theorien zufolge sei die „primäre Absicht des menschlichen Paarungsverhaltens die reine Weitergabe der eigenen Gene“ (Boekhout et al. 1999: 103) und dient damit der „erfolgreichen Fortpflanzung unter den Menschen“ (k & Dijsktra 2006: 536). Bei der Verfolgung dieses Ziels benutzen Männer und Frauen – begründet durch unterschiedliche biologische Fortpflanzungscharakteristika – verschiedene Strategien (vgl. Boekhout et al. 1999: 103). Für unsere weiblichen Vorfahren war es damals eine absolute Notwendigkeit in eine nachhaltige und langfristige Beziehung zu investieren um Nachwuchs zu zeugen und diesen ins fortpflanzungsfähige Alter zu bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen dem hohen Stellenwert sexueller Exklusivität in Partnerschaften und der dennoch weit verbreiteten Realität von Untreue.
2 Definitionen und Formen von Untreue: In diesem Kapitel wird Untreue als Verletzung von Beziehungsnormen definiert und nach sexuellen sowie emotionalen Formen differenziert.
3 Forschungsweisen und -schwerpunkte: Dieses Kapitel klassifiziert wissenschaftliche Studien über Untreue in deskriptive Forschung, Reaktionsforschung und Erklärungsforschung.
4 Welche Faktoren beeinflussen untreues Verhalten?: Das Kapitel analysiert verschiedene Einflussgrößen, unterteilt in biologische Grundlagen, persönliche Eigenschaften und externe Faktoren.
4.1 Sozio-biologische Erklärungen: Hier werden evolutionsbiologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern als potenzielle Ursachen für unterschiedliche Untreuestrategien untersucht.
4.2 Persönliche Motive und partnerschaftliche Korrelate: Dieses Kapitel betrachtet individuelle Persönlichkeitsmerkmale, Bindungsstile und die Beziehungszufriedenheit als Prädiktoren für untreues Verhalten.
4.3 Gesellschaftsbedingte und externe Gründe: Dieses Kapitel beleuchtet externe Rahmenbedingungen wie Gelegenheitsstrukturen, soziale Netzwerke und räumliche Faktoren, die Untreue begünstigen können.
5 Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Vielschichtigkeit der Motivlage.
Schlüsselwörter
Untreue, Partnerschaft, Soziobiologie, Beziehungszufriedenheit, Investment-Modell, Bindungsstil, Exklusivität, Fremdgehen, extradyadische Beziehungen, Sozialisation, Persönlichkeitsmerkmale, Gelegenheitsstrukturen, Beziehungsnormen, Fremdgehverhalten, emotionale Untreue.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Gründe und Einflussfaktoren für untreues Verhalten in Paarbeziehungen vor dem Hintergrund, dass Untreue gesellschaftlich meist abgelehnt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen soziobiologische Theorien, individuelle psychologische Motive, beziehungsspezifische Faktoren sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, aus welchen Gründen und durch welche Faktoren Personen trotz bestehender Inakzeptanz untreu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die verschiedene soziologische und psychologische Studien zum Thema Untreue sichtet und zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Analyseebenen: biologische Erklärungsansätze, psychologische Persönlichkeits- und Beziehungsfaktoren sowie soziologische Gelegenheitsstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Untreue, Partnerschaft, Soziobiologie, Bindungsstil, Investment-Modell und Gelegenheitsstrukturen.
Welche Rolle spielt die evolutionsbiologische Perspektive?
Sie liefert Erklärungen für geschlechtsspezifische Unterschiede beim Paarungsverhalten, basierend auf dem Ziel der erfolgreichen Weitergabe der eigenen Gene.
Wie beeinflusst das soziale Umfeld die Untreue-Tendenz?
Das soziale Netzwerk kann durch die Überlappung der Kontakte und die Offenheit gegenüber Untreue als regulierender Faktor für oder gegen ein solches Verhalten wirken.
Was besagt das Investment-Modell in diesem Kontext?
Das Modell postuliert, dass das 'Commitment' – bestehend aus Zufriedenheit, Alternativen und Investitionen – eine zentrale Rolle dabei spielt, ob eine Person in einer Partnerschaft bleibt oder untreu wird.
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- Carina Debeur (Author), 2012, Untreues Verhalten in einer Partnerschaft. Gründe, Erklärungen und Rechtfertigungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215444