Beratung in der Pädagogik unter dem Aspekt der Erziehung


Hausarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung

B Hauptteil
1. Hinführung zum Thema
2. Das Beratungsverhältnis
3. Die Ordnungsstruktur
4. Die Rolle der Erfahrung
5. Die Funktion des Beraters
6. Die Reflexion
7. Die Rolle der Sprache in der Beratung
8. Das Problembewusstsein des Beraters
9. Der Sinn der Reflexion
10.Die Entscheidung
11.Beistehen in der Beratung

C Schlussteil

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der folgenden Ausarbeitung wird die Beratung detailliert in ihren Facetten beleuchtet unter besonderer Hinzunahme des Verhältnisses zwischen Beratung und Erziehung, wobei besonders auf Spreys Werk „Beraten und Ratgeben in der Erziehung“ Bezug genommen wird. Eben jenes stammt aus dem Jahre 1986, welches folglich nicht zu der heutigen Jungliteratur zählt, jedoch zeigt sich an verschiedenen Punkten dieser Abhandlung die Aktualität des Buches. Beispielsweise spielt die Beratung auch noch in der heutigen Zeit eine bedeutende Rolle in unserem Alltag, denn die Ratbedürftigkeit des Einzelnen ist nicht in den Hintergrund gerückt. Das Buch wurde in Weinheim und somit in der ehemaligen BRD, kurz vor der Wende, veröffentlicht.

Es soll nun die Frage beantwortet werden, in welchem Verhältnis Beratung und Erziehung zueinander stehen – ob die Beratung eine Unterform der Erziehung ist, ob beides gleichzusetzen ist oder ob die Unterschiede so gravierend sind, dass sich kaum ein Zusammenhang feststellen lassen würde. Dazu werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgegriffen und vor allem die Gegenüberstellung von Berater und Ratsuchendem oder Erzieher und Heranwachsender und deren Funktionen und Eigenschaften näher betrachtet. Auch vereinzelte, wichtige Teilphänomene finden Beachtung.

1. Hinführung zum Thema

Beratung ist eine „[…] ‘Lebensfunktion‘ der Gesellschaft […]“ (Sprey 1986, S. 16 zit. nach Pöggeler 1963, S. 980), denn Beratungsbedürfnisse treten in den unterschiedlichsten Lebenssituationen auf (vgl. Sprey 1986, S. 6 vgl. Pense 1963, S. 51), Beispiele hierfür wären: „[…] Schulwahl oder Schulwechsel, Berufswahl oder spezielle Erziehungsschwierigkeiten“ (Sprey 1986, S. 6), jedoch gibt es auch institutionelle Beratungssituationen wie das Arbeitsamt oder Ausbildungs- und Studienberatung, worin der Berater die Funktionen „[…] des Vaters, Lehrers, Meisters, Seelsorgers oder Freundes“ übernimmt (Sprey 1986, S. 8 zit. nach Flitner 1963, S. 57). Die Rolle des Beraters im privaten Rahmen wird häufig jemandem zugeschrieben, der ein Freund/Vertrauter der Familie, jemand, der den Ratsuchenden eventuell schon eine Zeit lang kennt, jemand, der möglicherweise eine Vorbildfunktion inne hat und der dem Ratsuchenden zu einem gewissen Zeitpunkt das Gefühl gegeben hat, dass er sich an ihn wenden kann und ein gewisses Maß an Erfahrung besitzt.

Besonders der Schritt vom schulischen ins Berufsleben bereitet vielen Ratsuchenden[1] Schwierigkeiten (vgl. Sprey 1986, S. 54), da sie bisher kaum berufsbezogene Erfahrungen gemacht haben (vgl. Sprey 1986, S. 10 vgl. Göbel 1964, S. 398) und dadurch schon mit den, für den jeweiligen Beruf relativ simplen, Aufgaben zu kämpfen haben (vgl. Sprey 1986, S. 11 vgl. Maeder-Eigen 1960, S. 313-317; 1965a, S. 242-246; 1965/66b, S. 39-46). Die Folgen sind Zweifel und Unentschlossenheit, da eine Anwendung von den durch schulische und familiäre Einflüsse geprägten Handlungsweisen nicht so einfach durchführbar ist (vgl. Sprey 1986, S. 11).

Reaktion und Methodik des Beratenden müssen auf die jeweilige Art des Problems des ratsuchenden Jugendlichen angepasst werden (vgl. Sprey 1986, S. 11 vgl. Maeder-Eigen 1960, S. 314) und eine Beratungssituation entwickelt sich erst, wenn der Jugendliche aktiv wird (vgl. Sprey 1986, S. 14 zit. nach Schelsky 1961, S. 16). Zwei Grundeinstellungen des Heranwachsenden dominieren hierbei: zum einen sehnt er sich nach einem ihm beistehenden Berater, zum anderen ist er in einer vorsichtigen Erwartungshaltung (vgl. Sprey 1986, S. 15 vgl. Bertlein 1960, S. 299, 311). Das Sehnen kommt dadurch zustande, dass die Eltern manchmal keine typischen Elternrollen vertreten – beispielsweise wenn ein Vater wenig zu Hause ist und kaum Interesse an dem Heranwachsenden zeigt oder ein Elternteil fehlt, dann sucht er sich eine Art Ersatz, um eine bessere Orientierung im Leben erfahren zu können.

2. Das Beratungsverhältnis

Bedeutsame Faktoren, die für eine Beratung notwendig, aber auch austauschbar sind: Räumlichkeiten, der Beratungszeitpunkt, sowie der körperliche und geistige Zustand der Person (vgl. Sprey 1986, S. 33). Ein weiteres Merkmal, das Einfluss hat, ist die Doppel- bzw. Wechselseitigkeit der Beratungsteilnehmer, welche als Folge einer Ratlosigkeit entsteht, wodurch ein helfendes Handeln notwendig wird (vgl. Sprey 1986, S. 34). Im Gegensatz dazu steht die Erziehung, bei der das wechselseitige Verhältnis nicht zwingend erforderlich ist, weil der Erzieher eine Verpflichtung gegenüber dem Heranwachsenden hat und ihm eher Vorschriften macht, Regeln näherbringt und weniger Entscheidungsmöglichkeit bei dem Heranwachsenden besteht.

Beim Beraten ist es wichtig, dass sich der Beratungsgegenstand nicht innerhalb der Konstellation befindet, dass der Berater ein höheres Maß an Erfahrung besitzt als der Ratsuchende und dass die Vorgänge keine einseitigen Monologe sind, sondern sich Handeln und Reflektieren abwechseln (vgl. Sprey 1986, S.34ff.).

Eine Beratungssituation formt sich, indem ein Ratsuchender eine Person, die nicht mehr oder noch nicht in einer erzieherischen Relation zu ihm steht, um Hilfe bittet (vgl. Sprey 1986, S.38). Dabei ist festzustellen, dass dieses Verhältnis den Ratsuchenden davon abhalten kann, beispielsweise ein Familienmitglied zu wählen, um zukünftigen Unannehmlichkeiten vorzubeugen (vgl. Sprey 1986, S.39 vgl. Bollnow 1959, S.85). Zum Beispiel wird eine Mutter während der Beratung ihres Kindes darauf achten, auf bestimmte Verhaltensweisen nicht zu sehr zu drängen, damit es sich nicht bevormundet fühlt (vgl. Sprey 1986, S.41). Ein Erzieher auf der anderen Seite ist nicht wählbar, sondern bedingt durch die Lebensumstände des Heranwachsenden.

Grundsätzlich ist die Option, ob eine Erziehungs- zu einer Beratungssituation werden kann, daran gebunden, welches Erziehungsstils die Eltern oder der Elternteil sich bedienten (vgl. Sprey 1986, S.42 vgl. Spranger 1962, S.93ff.). Begünstigt werden kann dieser Umstand durch einen offenen Erziehungsstil (vgl. Sprey 1986, S.42 vgl. Spranger 1962, S.93ff.). Heutzutage ist es vordringlich so, dass Heranwachsende ihre Eltern, die ehemaligen Erzieher, zu Beratern werden lassen, wenn sie nicht allzu stark bevormundet wurden, sondern eher eigene Entscheidungen treffen konnten mit Unterstützung der Eltern. Dafür müssen diese mit dem Thema des Loslassens gut umgehen können.

Grundvoraussetzung für ein gut funktionierendes Beratungsgespräch ist außerdem gegenseitiges Vertrauen, Akzeptanz, Ehrlichkeit und dass sich beide Seiten auf die Situation einlassen. Sprich: Verständigungsbereitschaft und Helferwillen (vgl. Sprey 1986, S. 46 zit. nach Hennis 1963, S. 9), wodurch erkennbar wird, dass der menschliche Aspekt in der Beratung eine große Rolle spielt. Für das Gelingen dieses Vorhabens ist ein gewisser Grad der eigenständigen Anstrengung erforderlich (vgl. Sprey 1986, S. 47 zit. nach Bollnow 1958, S. 37), so wie auch in der Erziehung, denn der Vorgang fällt dem Heranwachsenden nicht immer leicht und es gehört ebenso zu einem gesunden Erziehungsverhältnis Vertrauen dazu.

3. Die Ordnungsstruktur

Der Beratung liegen Sach- und Lebensfragen zu Grunde (vgl. Sprey 1986, S. 46). Ausgangspunkt der Situation ist immer Ratlosigkeit oder -bedürftigkeit, welche sich durch eine gestörte Ordnung beim Ratsuchenden äußert (vgl. Sprey 1986, S. 46). Der Auslöser für eine instabile Ordnung ist die Konfrontation mit einer alltäglichen Vielfalt an Optionen, die eigenverantwortliche Entscheidungen voraussetzen (vgl. Sprey 1986, S. 47 zit. nach Fink 1959, S. 149-162). Dazu ist jedoch nicht jeder in der Lage, weil feste Denk- und Verhaltensstrukturen nötig sind (vgl. Sprey 1986, S. 47 zit. nach Fink 1959, S. 149-162), die es erleichtern können, das eigene Leben in geordneten Bahnen verlaufen zu lassen. In der Erziehung werden diese dem Heranwachsenden vorgegeben und dies geschieht entweder indem er mit einem Problem zu den Erziehern kommt und um Hilfe bittet oder indem die Erzieher ein Verhalten bemängeln und verbessern wollen.

[...]


[1]
[1]Im Folgenden wird die Person, die in einer Beratungssituation beraten wird, als Ratsuchender bezeichnet, denn Sprey verwendet in ihren Ausführungen verschiedene Begrifflichkeiten hierfür: Ratsuchender, Ratbedürftiger, Heranwachsender, Jugendlicher und zu Beratender. Auf eine genauere Beschreibung dieser Person wird im weiteren Verlauf noch eingegangen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Beratung in der Pädagogik unter dem Aspekt der Erziehung
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V215464
ISBN (eBook)
9783656432272
ISBN (Buch)
9783656439134
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beratung, pädagogik, aspekt, erziehung
Arbeit zitieren
Jana Schirmer (Autor), 2012, Beratung in der Pädagogik unter dem Aspekt der Erziehung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215464

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