Hochbegabte Underachiever. Wie sich die Problematik in Schulleistungen zeigt und diagnostiziert werden kann


Hausarbeit, 2012
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1. Hochbegabung
2.2. Underachiever

3. Mögliche Ursachen des gegebenen Persönlichkeitsmerkmals

4. Häufigkeit und besondere Risikogruppen dieser Disposition

5. Schwierigkeiten bei der Erkennung

6. Wahrscheinliche Belastungen des Kindes
6.1. Innerhalb der Familie
6.2. In Begegnung mit der Peergroup
6.3. Im schulischen Alltag
6.4. Im Umgang mit sich selbst

7. Fazit

8. Darstellungsverzeichnis

9. Quellen

1. Einleitung

Höchstwahrscheinlich hat jeder von uns schon eine Phase durchlebt, in welcher er im Beruf oder in der Schule nicht die besten Leistungen erbringen konnte. Sei es auf Grund fehlender Motivation, persönlicher Lebensumstände oder einschränkender Krankheiten.

Bei sogenannten Underachievern, Kindern und Jugendlichen, die trotz nachweislich hoher Intelligenz nur unterdurchschnittliche oder gar ungenügende Noten erreichen, ist die Diskrepanz von Potential und Leistung besonders ausgeprägt.

Zu oft wird von einem linearen Verhältnis ausgegangen, wer eine manifeste, hohe Begabung aufweist, strengt sich auch immer dementsprechend an und erzielt auch die gewünschten Erfolge. Beständig wird behauptet, „die Hochbegabung setzt sich doch irgendwie immer durch."

Doch diese Annahmen sind falsch „Hochbegabte und Genies setzten sich nicht immer durch, wie manche (...) allzu naiv glauben" (Hany & Nickel, 1992, S. 206), denn Begabung ist keine Garantie für außergewöhnliche Leistungen.

Selbst in der Wissenschaft gibt es extrem konträre Ansichten Gegenüber Minderleistern, einige (Scheel, Wahl, Reimann) behaupten die Underachievement-Problematik sei ein Messfehler und plädieren für eine Einstellung der Forschung. Andere schätzen, dass 50% der Hochbegabten, Minderleister sind.

Diese besondere Problematik, der erwartungswidrigen Schulleistungen, möchte ich in dieser Arbeit beleuchten, beginnend mit einer Begriffsklärung der Ausdrü style="margin-top:0in;background:transparent;">Folgend werden mögliche Ursachen, die Häufigkeit und besondere Risikogruppen erörtert. Des Weiteren lege ich die individuellen Schwierigkeiten der Diagnostik des Underachievements dar.

Hauptpunkt der Arbeit sollen aber die spezifischen Belastungen des Betroffenen sein, im speziellen mit seiner Familie, in seinen Peer-Beziehungen, in der Schule und mit seinem Selbst.

In einem Fazit werde ich meine Ausführungen noch einmal zusammenfassen und reflektieren.

2. Begriffsklärung

Mit diesem Punkt versuche ich einen gleichwertigen Kenntnisstand aller Leser zu erreichen. Da es viele verschiedene Definitionen der Hochbegabung und auch des Underachievement gibt, wird dieser Abschnitt aufzeigen welcher Erklärungsversuch meiner Arbeit zu Grunde liegt.

Zu Klärung vorab möchte ich festhalten, dass die Begrifflichkeit „Hochbegabte Underachiever" nicht redundant sind, da nicht jeder Hochbegabte eine erwartungswidrige Schulleistung zeigt und ebenso nicht jeder der hinter seinen Möglichkeiten bleibt eine hohe Begabung hat.

2.1 Hochbegabung

Für die Hochbegabung existieren über 100 verschiedene Definitionen, folglich ist es noch nicht gelungen eine präzise, allumfassende Begriffsbestimmung zu formulieren.

Die etymologische Bedeutung von 'begaben' findet sich im Mittelhochdeutschen, es bedeutet, jemanden mit Gaben, mit Fähigkeiten auszustatten.

Gemäß der Gaußschen Normalverteilung sind, statistisch, 2% der Bevölkerung Hochbegabt, mit einem IQ von > 130.

Gemein hin versteht man darunter hohe Intelligenz oder herausragende Leistung.

In der Wissenschaft dominiert Gegenwärtig eindeutig der mehrdimensionale Begabungsbegriff, obwohl die Begabungsforschung weit von einer interdisziplinären Zusammenarbeit entfernt ist (vgl. Rost in Tettenborn, 1996, S. 2).

Darüber hinaus existieren zahlreiche Modelle, die das Konstrukt Hochbegabung erfassen sollen, meiner Arbeit liegt das triadische Interdependenzmodell (Dar. 1) nach Mönks zugrunde, welches Hochbegabung nicht als statistisches Phänomen darstellt, sondern als veränderlich und beeinflussbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 1: triadisches Interdependenzmodell nach Mönks

Allerdings geht aus Mönks Modell keinerlei Gewichtung zwischen den jeweiligen Kategorien hervor, eine Priorisierung ist aber durchaus möglich und auch nötig.

Wichtig ist mir auch Sterns Ansicht, dass Begabung an sich immer nur die Möglichkeit der Leistung, eine unumgängliche Vorbedingung, nicht die Leistung selbst ist (Stern in: Meyer, 2003, S. 19).

2.2 Underachiever

Allgemein bezeichnet man Menschen, deren Leistungen hinter ihren Möglichkeiten Zurückbleiben, als Underachiever. Ich werde mich, bei dieser Definition wie auch in dieser Arbeit, auf Hochbegabte Minderleister (deutsche Übersetzung für Underachiever) beschränken.

Mia Kellmer-Pringel stellte 1982 das erste Konzept zum Underachievement vor, indem auch Kinder mit einer hohen Begabung unter dieser Gruppe zu finden waren. Sie stellte einen individuellen Zusammenhang zwischen intellektueller Kapazität und dem Leistungsniveau her. (vgl. Kellmer-Pringel in: Meyer, 2003, S. 10).

Hochbegabung wurde oben vereinfacht mit einem IQ über 130 definiert, um als hochbegabter Underachiever zu gelten muss dieser Wert erreicht werden, das Leistungsniveau darf aber nicht höher als < 50% in einer Vergleichsgruppe sein.

„Im weiteren Sinne bezeichnet man damit [Underachievement] Schülerinnen und Schüler bei denen sich eine bedeutsame Diskrepanz aus hoher Begabung und geringer Leistung zeigt." (Stumpf, 2012, S.83).

Folglich sind es Menschen, zumeist Kinder im Schulalter, die es nicht schaffen Leistungen zu erzielen, die ihrer hohen Begabung entsprechen. So sind sie laut Weinert: „Problemkinder unter den Hochbegabten"(Weinert in: Konrad, 2005, S. 5).

Allerdings ist meiner Meinung nach die Begrifflichkeit schlecht gewählt, da das Kind zum Beispiel in einem IQ-Test, die geforderte Leistung gebracht hat, sodass es in diesem Bereich nicht hinter den Erwartungen zurückbleibt. Eine Anpassung, wie Partly-Achiever (Teilleister) wäre angemessen. Durch eine solche Ausdrucksweise würde auch die Stigmatisierung, wie sie Heckhausen beschreibt (Heckhausen, 1980, S.40), etwas gemindert. Zugleich sollte man die deutsche Übersetzung „Minderleister" überdenken, hierbei suggeriert der Begriff eine Ursache nur in der betreffenden Person, nicht systemisch, in Korrelation mit seiner Umwelt.

3. Mögliche Ursachen des gegebenen Persönlichkeitsmerkmals

Wie bei vielen Fragestellungen gibt es auch beim Underachievement nicht die eine typische Ursache, vielmehr ist es, nach neusten wissenschaftlichen Stand, ein multikausales, individuelles Bedingungsgefüge in den unterschiedliche Faktoren wechselseitig wirken. (Ehm in: Stumpf, 2012, S. 85).

Als Hauptursache sieht man heute die Unterforderung in der Schule. Zu weiteren Ursachen habe ich aus verschiedenen Quellen eine Tabelle erstellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 2: Tabelle zu den Ursachen des Underachievements ( Spahn, 1997, S. 203ff; Huser, 2007, S. 20f)

Häufig kann ein auslösendes Ereignis festgemacht werden, wonach sich das Underachievement manifestiert. Vielfach wird der Schuleintritt als eine solche Episode beschrieben, da die hohen Erwartungen der Kinder, nun endlich mehr Wissen zu erlangen, enttäuscht werden. Weiterhin können die Schuljahre 7-9 solche Ereignisse darstellen, durch die nicht erlernte Lern - und Arbeitsstrategien kommen bei dem hochbegabten Kind schnell Wissensdefizite auf, die es nicht mehr aufholen kann. Aber auch eine traumatische Erfahrung außerhalb der Schule kann zu erwartungswidrigen Schulleistungen führen, welche sich erhärten.

Dabei ist kein kausaler Zusammenhang feststellbar, eine Henne-Ei-Problematik wird sichtbar, da nicht geklärt werden kann ob z. B. die Schulleistung durch Motivationslosigkeit ungenügend ist oder entgegengesetzt.

Zu spezifischeren Ursachen in Schule, der Familie, in Beziehung mit der Peer und seiner eigenen Persönlichkeit werde ich, in Punkt 6. Wahrscheinliche Belastungen des Kindes, noch tiefer eingehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Hochbegabte Underachiever. Wie sich die Problematik in Schulleistungen zeigt und diagnostiziert werden kann
Hochschule
SRH Hochschule für Gesundheit Gera
Veranstaltung
M 15
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V215471
ISBN (eBook)
9783656432265
ISBN (Buch)
9783656434559
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problematik, underachiever
Arbeit zitieren
Katharina Prügner (Autor), 2012, Hochbegabte Underachiever. Wie sich die Problematik in Schulleistungen zeigt und diagnostiziert werden kann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215471

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Hochbegabte Underachiever. Wie sich die Problematik in Schulleistungen zeigt und diagnostiziert werden kann


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden