Durch das öffentlich werden von Fällen wie z.B. Enron, WorldCom, HealthSouth, MAN, Siemens, Madoff, Parmalat, Libor-Manipulation, etc. wurde dem Thema Fraud in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
Nicht zuletzt wurden vor allem die externen Jahresabschlussprüfer dafür kritisiert diese Fälle nicht rechtzeitig aufgedeckt zu haben. Es entstand eine sog. Erwartungslücke zwischen der Öffentlichkeit und den durch die Standards für Abschlussprüfer festgelegten Anforderungen, Fraud im Unternehmen aufzudecken (Guggenberger 2012, 63). So ist nach dem IDW PS 210 Tz. 12 ff., das nachträgliche Aufdecken von Unregelmäßigkeiten kein Anzeichen dafür, dass der Abschlussprüfer die Grundsätze ordnungsgemäßer Abschlussprüfung nicht eingehalten hat. Ein erhöhtes Risiko der Nichtaufdeckung von Unregelmäßigkeiten ist insbesondere bei falschen Angaben auf Grund von Unrichtigkeiten und Verstößen oder der bewussten Umgehung des Internen Kontrollsystems gegeben. Denn nach IDW PS 210 Tz. 44 ff. kann der Abschlussprüfer grundsätzlich von der Echtheit von Dokumenten und Buchungsunterlagen sowie von der Korrektheit der erhaltenen Informationen ausgehen. Aber auch die Leistungsfähigkeit des Abschlussprüfers ist nach Orth et al. (2012) begrenzt. Dabei liegen die größten Herausforderungen zur Umsetzung des IDW Standards gegen Fraud, bei dem momentanen hohen Konkurrenzkampf in der Branche und damit verbunden sinkenden Honoraren (Budgetdruck), was wiederum zu einem erhöhten Zeitdruck führt. Zudem wird aus der Praxis befürchtet, dass ein zu kritisches Hinterfragen, das Verhältnis zum Mandanten belasten könnte.
Dies zeigt, dass die Abschlussprüfer momentan in einer schlechten Position sind, um auf Fraud im Unternehmen eingehen zu können. Doch ist vor allem das Unternehmen selbst für die Verhinderung und Aufdeckung von Fraud verantwortlich. So wurde bereits am 5. März 1998 das KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz) beschlossen. Aus den dadurch eingeführten § 91 Abs 2 AktG und dessen Begründung sowie aus der allgemeinen Begründung zum KonTraG, hat die Praxis die Pflicht zur Einführung eines Risikomanagement als auch eines Internes Kontrollsystem, das aus prozessabhängigen als auch prozessunabhängigen Maßnahmen (z.B. Interne Revision) besteht, geschlossen. So soll der Vorstand Schaden vom Unternehmen abwenden. (Bär und Martin 2002, 130).
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
2. Grundlagen Fraud
2.1 Begriff „Fraud“
2.2 Ursachen für Fraud
2.3 Fraud-Schema (Delikte)
2.4 Fraud und Compliance
3. Maßnahmen gegen Fraud
3.1 Risiken
3.1.1 Identifikation
3.1.2 Bewertung
3.1.3 Steuerung
3.2 Präventionsmaßnahmen
3.2.1 Organisatorische Sicherungsmaßnahmen
3.2.2 Unternehmenskultur
3.2.3 Fraud Schulungen
3.2.4 Vorkehrungen bei der Personalauswahl
3.2.5 Anreizsysteme
3.3 Proaktive Aufdeckungsmaßnahmen
3.3.1 Prozessunabhängige Überwachungsmaßnahmen
3.3.1.1 Prüfungsmethoden
3.3.1.2 Data Mining
3.3.2 Zwangsurlaub und Job-Rotationen
3.3.3 Austrittsinterview
3.3.4 Hinweisgebersystem (Whistleblowing-System)
3.3.5 Amnestieprogramme
3.4.6 Kommunikationswege
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten von Unternehmen zur internen Bekämpfung von Fraud, indem sie aktuelle Literatur, Statistiken und Praxisbeispiele analysiert sowie Umsetzungshemmnisse und Präventionsstrategien kritisch beleuchtet.
- Grundlagen des Begriffs Fraud und dessen Ursachen
- Methoden der Risikoidentifikation und -bewertung
- Organisatorische und kulturelle Präventionsansätze
- Proaktive Aufdeckungsmaßnahmen durch interne Revision und Datenanalyse
- Instrumente wie Hinweisgebersysteme und Amnestieprogramme
Auszug aus dem Buch
2.2 Ursachen für Fraud
Das in der Literatur weitverbreitetste Modell zur Erklärung von Fraud, ist das Fraud-Triangle von Donald R. Cressey. Dieses hatte er während seiner Dissertation in dem Fach Kriminologie an der Universität von Indiana in den 1940er-Jahren aufgestellt, als er Unterschlagungstäter zu ihren Motiven befragte (Kopetzky und Wells, 2012, 7).
Fraud/ Vertrauensbruch tritt nach Cressey dann auf, wenn drei Faktoren gleichzeitig erfüllt sind. Es muss eine Gelegenheit/ Möglichkeit zur Tat (Opportunity) geben. Cressey hatte sich extra Unterschlagungstäter denen Vertrauen entgegen gebracht wurde - welches sie dann ausnutzten - für seine Studie ausgewählt. Er nannte sie „Trust-Violators“. Damit war die Gelegenheit zur Tat gegeben. In aktueller Literatur gelten vor allem schwache oder keine Prozesskontrollen als Gelegenheit für Fraud.
Zudem muss der Täter einen Anreiz/ Motivation für die Tat gehabt haben (Pressure). Nach Cressey handelte es sich bei dieser Dimension um finanzielle Probleme des Täters, die er nicht preisgeben konnte. In späteren Studien kamen neben finanziellem Druck durch plötzliche Schulden, Gier, die Unfähigkeit finanzielle Vorgaben zu erreichen etc. auch nicht finanzieller Druck wie die Herausforderung ein System zu umgehen oder bessere Resultate berichten zu müssen als sie in Wirklichkeit waren, hinzu.
Außerdem muss die Tat im Nachgang vom Täter selbst gerechtfertigt (Rationalisation) werden können. Bei Cressey’s Befragungen haben die meisten Täter die Theorie aufgestellt, dass sie wussten, dass ihre Handlung illegal war, sie es sich aber eingeredet hatten, dass sie es nicht ist. Auch heute gelten Aussagen wie „es ist das Beste für das Unternehmen“ als innere Rechtfertigung (Kassam 2012).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtung der Relevanz von Fraud-Fällen und der daraus resultierenden Erwartungslücke sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Grundlagen Fraud: Definition des Begriffs Fraud aus verschiedenen Perspektiven und Analyse der Entstehungsursachen durch das Fraud-Triangle.
3. Maßnahmen gegen Fraud: Detaillierte Darstellung von Risikomanagement, präventiven organisatorischen Maßnahmen sowie proaktiven Aufdeckungsmethoden wie Datenanalyse und Hinweisgebersystemen.
4. Fazit: Kritische Zusammenfassung der behandelten Maßnahmen und Bewertung der Wirksamkeit von Anti-Fraud-Strategien in Unternehmen.
Schlüsselwörter
Fraud, Compliance, Risikomanagement, Interne Revision, Fraud-Triangle, Prävention, Aufdeckung, Data Mining, Unternehmenskultur, Hinweisgebersystem, Anreizsysteme, Wirtschaftskriminalität, Betrugsprävention, Whistleblowing, Prüfungsmethoden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen Fraud in Unternehmen und untersucht, wie Organisationen durch präventive und proaktive Maßnahmen das Risiko von Betrug und Unregelmäßigkeiten intern bekämpfen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen (Ursachenforschung), die verschiedenen Arten von Präventionsmaßnahmen wie Compliance und Unternehmenskultur sowie proaktive Aufdeckungsmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die Möglichkeiten der Fraud-Bekämpfung zu geben und aufzuzeigen, wo Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen in der Praxis entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, wertet Statistiken aus und zieht zahlreiche Praxisbeispiele (z.B. Enron, Siemens, WorldCom) heran, um die theoretischen Konzepte zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Risikoidentifikation, die verschiedenen Präventionsansätze (Organisatorisch, Kultur, Schulung, Anreizsysteme) sowie spezifische Aufdeckungsmethoden (Data Mining, Hinweisgebersysteme).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Compliance, Risikomanagement, Interne Revision, Fraud-Triangle und Data Mining geprägt.
Welche Rolle spielt das "Fraud-Triangle" im Dokument?
Es dient als theoretisches Erklärungsmodell, das die drei Dimensionen Gelegenheit, Druck/Motivation und Rechtfertigung definiert, die zusammenwirken, damit Fraud in einem Unternehmen entstehen kann.
Wie unterscheidet sich die "Traditionelle Fraud-Aufdeckung" von der "Datengeleiteten Fraud-Aufdeckung"?
Während die traditionelle Methode eher reaktiv bei bereits bestehenden Verdachtsmomenten ansetzt, verfolgt die datengeleitete Methode einen proaktiven, prozesshaften Ansatz, bei dem mittels Data Mining der gesamte Datenbestand auf Unregelmäßigkeiten hin untersucht wird.
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- Marcel Stettin (Author), 2013, Aspekte der unternehmensinternen Bekämpfung von Fraud, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215517