Martin Luther King. Ein charismatischer Führer?

Eine Untersuchung nach Max Weber


Seminararbeit, 2010
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff des Charisma nach Max Weber
2.1 Der charismatische Führer
2.2 Charisma als das Außeralltägliche
2.3 Die Beziehung innerhalb der charismatischen Gemeinde

3. Die Person Martin Luther King Jr.
3.1. Der Weg zur Gewaltlosigkeit
3.2. Die Bürgerrechtsbewegung auf dem Vormarsch
3.2.1. Der Busboykott von Montgomery
3.2.2. Der Marsch auf Washington

4. Untersuchung der charismatischen Merkmale
4.1. Anwendung der Definition Werbers auf King als Bürgerrechtler
4.2. King als Synonym für eine ganze Bewegung

5. Fazit

1. Einleitung

Seit diesem Jahr regiert in den Vereinigten Staaten der afroamerikanische Präsident Barack Obama. Noch vor fünfzig Jahren wäre dies undenkbar gewesen. Zu verdanken hat er diesen Umstand, der Bürgerrechtsbewegung Mitte des 20. Jahrhunderts. Denk man an die Visionen, Taten und Erfolge dieser Bewegung, so denkt man an Martin Luther King Jr., den Mann der schon zu Lebzeiten über nationale Grenzen hinweg Anerkennung fand. Trotz der Vielzahl bürgerrechtlicher Organisationen und deren jeweiliger Führer, ist es King an den man sich erinnert und den man als „Kopf“ dieser Bewegung sieht. Heute wird er jeden dritten Montag im Januar, in den USA als Staatsheld gefeiert. Ohne über den Begriff oder seine Bedeutung nachzudenken, wird er oftmals als charismatisch beschrieben. Doch was genau zeichnet Charisma aus und wie erkennt man ob eine Person tatsächlich Charisma besitzt?

Diesen Fragen wird anhand des Charisma Begriffs und vor allem der Definition der charismatischen Herrschaft des Soziologen, Max Weber, auf den Grund gegangen. Schon bald wird zu erkennen sein, dass sich hinter dem Begriff Charisma viel mehr verbirgt als eine Art der Ausstrahlung.

„ Charisma verlangt die totale Unterwerfung bis hin zur Hörigkeit, fordert bedingungslosen Gehorsam bis hin zur freiwilligen Selbstaufgabe und Selbstopferung im Dienste des charismatischen Führers und der charismatischen Idee.“ (Gebhardt 1994, 41)

Im Folgenden wird zuerst die Position Webers dargelegt. Danach wird sich diese Arbeit mit dem Leben und der Person Martin Luther King Jr. auseinandersetzten, denn dieser ist nicht als Bürgerrechtler zur Welt gekommen. Erst die Bürgerrechtsbewegung hat King zu dem gemacht der er war. Hierbei wird vor allem auf seine Vision der Nonviolent Direct Action und seiner Sendung christlicher Liebe eingegangen. Zur Verdeutlichung dieser Vorgehensweise innerhalb der Gemeinschaft um King, werden als Beispiele, der Busboykott von Montgomery (1955-1956) und der Marsch auf Washington (1963), herangezogen.

Zuletzt werden die erarbeiteten Merkmale einer charismatischen Herrschaft mit den Merkmalen der Führerschaft Kings verglichen. Letztendlich wird sich zeigen ob Martin Luther King Jr. zu Recht als charismatischer Führer bezeichnet wird, oder ob dies nur aus der Unkenntnis der Bedeutung dieses Begriffes herrührt.

2. Der Begriff des Charisma nach Max Weber

„Als Charisma bezeichnet Weber im allgemeinsten Sinne eine spezifische, weil außeralltäglich gedachte Kraft oder Zuständlichkeit, die bestimmten Gegenständen, Ideen oder Personen zugesprochen wird.“ (Gebhardt 1994, 34)

2.1 Der charismatische Führer

Charisma ist nichts rational messbares, ein Führer gilt dann als charismatisch, wenn er als Charismatiker von seinen Anhängern betrachtet wird. Das heißt, dass Charisma derjenige besitzt, dem es zugesprochen wird (Weber 2008, 179).

Doch gibt es bestimmte Merkmale die einen charismatischen Führer auszeichnen. So besitzt dieser immer eine spezifische charismatische Qualität. Diese kann sich in vollkommen unterschiedlichen Weisen zeigen und ist nicht an bestimmte Charakter- oder Führungseigenschaften gebunden, es ist ein Phänomen des Glaubens. Ob starker Held oder religiöser Prophet, Beide sind mit dieser spezifischen Qualität im Stande eine Anhängerschaft um sich zu sammeln. Unabhängig davon, wie sich diese Qualität in den Eigenschaften der verschiedener Personen äußert, ist sie immer einzigartig und gilt daher nach Weber, sogar als göttlich. (Gebhardt 1994, 35)

Charisma ist ein sehr vielseitiges Phänomen. Beschäftigt sich diese Arbeit hauptsächlich mit dem Personalcharisma, welches bestimmte menschliche Individuen inne haben, so darf man nicht vergessen, dass Charisma auch Ideen und sogar Gegenständen zugesprochen werden kann[1] (Gebhardt 1994, 36ff.). Doch ist eine isolierte Betrachtung des Personalcharisma kaum möglich, bedenkt man, dass der charismatische Führer, als Grundlage des Gehorsams den er von seiner Anhängerschaft fordert, seine Idee oder Sendung hat, die er glaubt erfüllen zu müssen. (Bendix 1964, 228)

„Charisma ruht auf dem Fundament einer unfehlbaren und unerschütterlichen Selbstgewissheit; es wird getragen von der leidenschaftlichen Überzeugung von der Richtigkeit und Reinheit der Lehre, von der affektuell gestützten Gewißheit (sic), von der schicksalhaften Notwendigkeit und, vor allem, von der 'Gerechtigkeit' der Aufgabe“ (Gebhardt 1994, 41)

Der charismatische Träger setzt mit seiner Sendung einen Gegenpol zur bestehenden Ordnung und schafft es oftmals diese sogar zu stürzen (Bendix 1964, 228). Charismatische Führer wollen die Gesellschaft mit ihrem „Willen zur Mission“ beeindrucken und neigen daher oft zu Handlungen mit erhöhtem Risiko, sowie zu radikalen sozialen Experimenten. „Kompromisse sind nicht erlaubt“. Das Charisma kann nicht angefochten werden. (Gebhardt 1994, 41f.).

Dieses erhält jedoch erst dann an Geltung, wenn es die Person die es trägt schafft, durch eine Form der Bewährung, z.B. ein Wunder, die Anerkennung der Beherrschten zu erlangen.

„ Aber diese ist(...) nicht der Legitimitäts grund, sondern sie ist die Pflicht der Kraft Berufung und Bewährung zur Anerkennung dieser Qualität Aufgerufenen (Weber 2008, 179).

Die Geltung des charismatischen Führers kann auch schwinden, sollte er z.B. von seiner Qualität verlassen werden, oder keine Erfolge mehr aufweisen können. In diesem Fall ist es möglich, dass in dem seine charismatische Kraft ihn verlässt, auch seine Autorität über seine Anhängerschaft verloren geht (Weber 2008, 179).

2.2 Charisma als das Außeralltägliche

Max Weber unterscheidet in seinem Werk „ Wirtschaft und Gesellschaft“ drei Formen legitimer Herrschaft. Die legale-( rationale), die traditionale- und die charismatische Herrschaft. Als Grundlage der Unterscheidung dieser Herrschaftstypen, verwendet er ihre jeweilige Legimitätsgeltung.[2] Die charismatische gilt nur soweit als legitim, solange „das persönliche Charisma kraft Bewährung 'gilt'“(s. Kap. 2.1.) ( Weber 2008, 159; 181). Die Legitimität erfolgt hier nicht durch eine Form der Wahl, sondern in dem der Führer zu diesem durch eine höhere Gewalt erkoren wird (Bendix 1964, 228).

[...]


[1] Diese Formen von Charisma, werden als Ideen- und Objektcharisma bezeichnet. (Gebhardt 1994, 38)

[2] Erstere beruht auf dem Glauben an die Legalität vorhandener Ordnungen und deren Vertreter. Die traditionale Herrschaft glaubt an die Heiligkeit der Tradition und der von ihr berufenen Autorität (Weber 2008, 159).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Martin Luther King. Ein charismatischer Führer?
Untertitel
Eine Untersuchung nach Max Weber
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Soziologie)
Veranstaltung
Artifizielles Charisma
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V215546
ISBN (eBook)
9783656439288
ISBN (Buch)
9783656439745
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der vorliegenden Arbeit wird sich mit der Person Martin Luther King auseinandergesetzt. Es wird der Frage auf den Grund gegangen, ob Martin Luther King als charismatischer Führer, nach Max Weber, zu definieren ist.
Schlagworte
Charisma, Max Weber, Martin Luther King, charismatischer Führer, Wirtschaft und Gesellschaft, Bürgerrechtsbewegung, I have a dream
Arbeit zitieren
Kira Gehrmann (Autor), 2010, Martin Luther King. Ein charismatischer Führer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215546

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