Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Soziologie - Allgemeines und Theorierichtungen

Michel Foucaults 'Überwachen und Strafen': Das Panopticon am aktuellen Beispiel

Titel: Michel Foucaults 'Überwachen und Strafen': Das Panopticon am aktuellen Beispiel

Essay , 2012 , 8 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Falk Köhler (Autor:in)

Soziologie - Allgemeines und Theorierichtungen
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Schon Abraham Lincoln sagte im 19. Jahrhundert: „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“1 Die Macht als Mittel des Herrschens ist eine Instanz, nach der die Menschheit seit Ewigkeiten strebt. Führung zu übernehmen und über andere Personen zu bestimmen stellt für viele Menschen einen besonderen Anreiz dar. Aber wer besitzt Macht und wie setzt er diese um? Unzählige Philosophen und Pädagogen haben sich lange mit dem Machtbegriff befasst und auseinandergesetzt. Häufig wird mit dem Begriff Macht Bestrafung oder zumindest die Position eine solche auszuüben assoziiert. Der Franzose Michel Foucault hat sich während seiner Überlegungen zu der Thematik Macht in seinem Buch „Überwachen und Strafen“2 immer stärker auf die Theorie des Panopticons gestützt. Ein System, welches eine absolute Überwachung garantieren soll, mag sich für viele Menschen als absurd und un-möglich anhören. Im Folgenden soll dieser Gedanke aufgegriffen und unter anderem an aktuellen Beispielen erörtert werden. Ist die Umsetzung eines panoptischen Systems in unserer aktuellen Gesellschaft möglich? Lassen sich Menschen nach der Idee des Panopticons ein-sperren, überwachen und somit umerziehen? Es wird deutlich, dass eine solche Realisierbarkeit nicht möglich ist. Am Beispiel von U-Bahnstationen wird relativ schnell deutlich, dass ein panoptisches System sehr schnell Grenzen aufweist. Um diese entsprechend zu verdeutlichen, wird zunächst der Begriff des Panopticons als Institution erläutert, um anschließend erst die Vorteile und daran Anknüpfend die Nachteile des panoptischen Systems und dessen Wir-kung auf die Gesamtheit der Individuen darzustellen. Untermauert wird diese Argumentation mit Hilfe eines Berichts von Götz Eisenberg mit dem Titel „Im Glanze des Kamera-Auges“. Foucault wiederum stützt sich hierbei auf die Grundidee des Panopticons als Gefängnis, den Begriffen von Macht und Herrschaft sowie den verschiedenen Ansätzen von Bestrafungen im ausgehenden 18. Jahrhundert. Die Monographie „Überwachen und Strafen“ von Michel Foucault stellt die Grundlage zur Darstellung dieser Problematik dar. Abschließend sollte es möglich sein, die Frage nach einer Etablierung eines solchen Systems in unserer modernen Gesell-schaft zur Analyse und Kritikbildung zu klären.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Macht, Gewalt und Überwachung bei Foucault

3. Das Panopticon als Modell der Disziplinierung

4. Das Panopticon in der modernen Gesellschaft: Das Beispiel U-Bahn

5. Grenzen der panoptischen Überwachung

6. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Michel Foucaults Konzept des Panopticons auf moderne gesellschaftliche Überwachungssysteme. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit das Modell des "perfekten Gefängnisses" als Analysemodell für die heutige Überwachungspraxis, insbesondere im öffentlichen Raum wie U-Bahnstationen, taugt und wo die Grenzen dieser Disziplinierung liegen.

  • Grundlagen des Macht- und Gewaltbegriffs nach Michel Foucault
  • Die historische Entwicklung der Bestrafung: Vom Leibesmarter zur Disziplinierung
  • Architektur und Wirkungsweise des Panopticons nach Jeremy Bentham
  • Analyse moderner Überwachungstechnologien am Beispiel von U-Bahnstationen
  • Diskussion der Grenzen und der Akzeptanz öffentlicher Überwachung

Auszug aus dem Buch

Das Panopticon in der modernen Gesellschaft: Das Beispiel U-Bahn

In unserer modernen Gesellschaft lassen sich gleich mehrere Systeme und Anwendungen feststellen, welche dem panoptischen Prinzips unterliegen. Ein solches stellt beispielsweise die Kontrolle in U-Bahnstationen dar. Eine Vielzahl von Kameras lassen für den örtlichen Sicherheitsdienst ständig die absolute Überwachung zu. Das Sicherheitspersonal kann mit Hilfe dieser Überwachung sämtliche Bewegungen aller Personen an der U-Bahnstation erfassen und gegebenenfalls bei Schwierigkeiten eingreifen. Verstärkt wird diese Kontrolle durch den Einsatz von Wachpersonal. Somit werden die Passanten nicht nur durch die Kameras und dem vor den Bildschirmen sitzenden Sicherheitsmann, sondern auch durch die Streife unmittelbar am Bahnsteig beobachtet und gegebenenfalls gemaßregelt.

Damit das Prinzip des panoptischen Prinzips in diesem Beispiel greift, müsste die Polizeistreife vor Ort stets zivil gekleidet sein, damit man diese nicht als staatliche Instanz für Ordnung und Sicherheit identifizieren kann. Würden diese die Streife in der gewohnten Uniform laufen, so würde dies jedem Individuum auffallen und man würde dementsprechend nicht mehr unbemerkt beobachtet werden. Somit sind die Voraussetzungen für die Charakteristika eines panoptischen Systems nach Foucault erfüllt, sofern man das soeben beschriebene als Voraussetzung definiert.

Die Passanten werden rund um die Uhr durch Kameras überwacht und in der Hinsicht diszipliniert, als dass sie davon abgehalten werden, Straftaten oder Ähnliches zu begehen. Eine Steigerung lässt sich an dieser Stelle herbeiführen, wenn zusätzlich zu den Kameras Polizei als Zivilstreife oder andere Sicherheitsdienste vor Ort patrouillieren. Die Menschen sind, ähnlich wie bei dem Panopticon von Bentham, vorübergehend eingesperrt und jederzeit durch Kameras zu beobachten. Hierbei wissen die Passanten nicht, ob sie gerade durch die Kamera betrachtet werden könnten oder eben nicht. Allein der Fakt, dass sie beobachtet werden und dementsprechend bei Fehlverhalten bestraft werden könnten, lässt sie von solchen Taten Abstand nehmen. Die Menschen werden durch die bloße Anwesenheit von Kameras und vielleicht noch Sicherheitsdiensten diszipliniert und umerzogen. Die Menschen disziplinieren sich selber.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Macht, des Panopticons und der Fragestellung der Arbeit anhand eines Zitats von Abraham Lincoln.

2. Macht, Gewalt und Überwachung bei Foucault: Erläuterung der Begriffe Macht, Gewalt und Disziplinierung und deren historischer Wandel von körperlicher Bestrafung hin zur permanenten Überwachung.

3. Das Panopticon als Modell der Disziplinierung: Darstellung des architektonischen Konzepts nach Jeremy Bentham und Foucaults Adaptation als gesellschaftliches Analysemodell.

4. Das Panopticon in der modernen Gesellschaft: Das Beispiel U-Bahn: Anwendung des panoptischen Prinzips auf die Videoüberwachung im öffentlichen Nahverkehr und deren disziplinierende Wirkung auf Passanten.

5. Grenzen der panoptischen Überwachung: Kritische Analyse der Akzeptanz, des Ignorierens von Überwachungssystemen und der rechtlichen Einschränkungen.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit panoptischer Strukturen in der Moderne und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Michel Foucault, Panopticon, Macht, Disziplinierung, Überwachung, Gewalt, Gefängnis, Bentham, Gesellschaftsanalyse, U-Bahn, Sicherheit, Kontrolle, Leibesmarter, Privatsphäre, Verhaltenssteuerung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und soziologischen Analyse von Machtstrukturen und Überwachungsmechanismen, basierend auf Michel Foucaults Werk "Überwachen und Strafen".

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind Machtverhältnisse, der Übergang von körperlicher Strafe zu psychologischer Disziplinierung, das architektonische Konzept des Panopticons und die moderne Videoüberwachung.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob das historische Modell des Panopticons auf heutige soziale Räume, wie beispielsweise U-Bahnstationen, anwendbar ist und welche gesellschaftlichen Auswirkungen dies hat.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die zentrale Begriffe von Foucault auf ein aktuelles Alltagsbeispiel (U-Bahn-Überwachung) überträgt und kritisch diskutiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil erörtert die Definitionen von Macht und Disziplinierung, das Modell des Panopticons nach Bentham und die praktische Realisierbarkeit sowie die Grenzen dieses Systems in der modernen Gesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Panoptismus, Machtverhältnis, Disziplinierung, gesellschaftliche Kontrolle und Überwachungssysteme charakterisiert.

Wie unterscheidet sich laut Autor das Panopticon von Bentham vom Panoptismus nach Foucault?

Während Bentham das Panopticon primär als architektonisches Gefängnismodell auf Basis einer Ausnahmesituation entwarf, interpretiert Foucault es als allgemeines Funktionsmodell für Machtbeziehungen im Alltagsleben der modernen Gesellschaft.

Welche Grenze der Überwachung identifiziert der Autor am Beispiel der U-Bahn?

Eine wesentliche Grenze ist, dass die U-Bahn kein geschlossenes System ist. Da Menschen die Wahl haben, diese zu nutzen oder nicht, und da Kameras oft nicht als unmittelbare Bedrohung wahrgenommen werden oder absichtlich ignoriert werden ("Kick"-Faktor), ist eine lückenlose Disziplinierung nicht möglich.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Michel Foucaults 'Überwachen und Strafen': Das Panopticon am aktuellen Beispiel
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Soziologie)
Veranstaltung
Macht und Herrschaft. Eine Auseinandersetzung mit Michel Foucault
Note
1,5
Autor
Falk Köhler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
8
Katalognummer
V215568
ISBN (eBook)
9783656440604
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Michel Foucault Panopticon Überwachen und Strafen Macht und Herrschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Falk Köhler (Autor:in), 2012, Michel Foucaults 'Überwachen und Strafen': Das Panopticon am aktuellen Beispiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215568
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  8  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum