Die Bedeutung der Radartechnik als Mittel der Aufklärung im Kalten Krieg

Die deutsche Luftwaffe als wesentlicher Träger der NATO- Luftverteidigung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Luftwaffe im Kontext des Kalten Krieges

3. Die Entwicklung der Radartechnik
3.1 Entdeckung der Radartechnik und deren Einsatz im 2. Weltkrieg
3.2 Bedeutung der Radartechnik für die Luftwaffe als Teil der NATO

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Kalte Krieg ist ein fassettenreiches Themengebiet, in dem es eine Vielzahl an Kontroversen zu diskutieren gibt. Im Fokus soll jedoch nicht die Alltagsgeschichte oder Ähnliches stehen, sondern die Frage nach der technischen Entwicklung und deren Bedeutung. Der Kalte Krieg stand in technischer Hinsicht unter anderem im Zeichen der Air Power und somit war nicht nur der Sowjetunion, sondern auch der NATO und seinen Bündnispartnern daran gelegen, dem Feind in keiner Beziehung nachzustehen. Der Bundesrepublik Deutschland, als Mitglied der NATO, wurde unter diesen Umständen eine besondere Aufmerksamkeit zuteil. Die neu aufgestellte Bundeswehr sollte als „Kräfte der ersten Stunde“[1], welche unmittelbar vor dem Eisernen Vorhang des Warschauer Pakts aufgestellt war, frühzeitig Angriffe erkennen und diese abfangen können. Eine besondere Rolle wurde hierbei der Luftwaffe übertragen. Ihre Kernaufträge im Kalten Krieg waren, neben dem hohen Bereitschaftsgrad und der Wachsamkeit, insbesondere das Halten des hohen Ausbildungsstandes sowohl auf personeller als auch auf materieller Ebene. Im Rahmen dieses Auftrages mussten nicht nur Luftfahrzeuge geschaffen, sondern auch entsprechendes Personal rekrutiert und geschult werden. Eine konstant steigende Entwicklung vollzog sich sowohl auf dem Gebiet der Luftfahrzeugproduktion als auch im Bereich der Radarentwicklung.

Im Fokus dieser Hausarbeit soll die mobile Radartechnik stehen, welche als Frühwarnsystem im Kalten Krieg genutzt wurde.[2] Wie wurde die Radartechnik nach dem Zweiten Weltkrieg weiterentwickelt und angepasst? Wie wichtig war das Frühwarnsystem für die damalige Luftwaffe zur Auftragserfüllung? Da das Gebiet der Radartechnik einen enormen Umfang besitzt, stehen im Mittelpunkt dieser Hausarbeit die Frühwarnsysteme entlang der innerdeutschen Grenze. Um die Bedeutung dieser Systeme greifbar darzustellen, wird die Umsetzungen von Planung und Einsatz exemplarisch am „[…] Luftverteidigungsgürtel in Niedersachsen“[3] dargestellt. Hierbei wird nicht auf den Aufbau und Einsatz der Flugabwehrsysteme und der Luftfahrzeuge eingegangen.

Auf Grund der geringen Quellen- und Literaturlage über die zu behandelnde Thematik, beschränken sich viele Argumente, Darstellungen und Erklärungen auf vier Hauptwerke.

Die Monographie: „Immer im Einsatz- 50 Jahre Luftwaffe“[4] von Hans- Werner Jarosch und der Sammelband: „Die Luftwaffe 1950 - 1970- Konzeption, Aufbau, Integration“[5] herausgegeben von Bernd Lemke, bilden auf Grund des umfassenden Einblicks in die Struktur und Aufgaben der Luftwaffe während des Kalten Krieges ein unerlässliches Basiswerk für diese Hausarbeit. Hierbei sticht das Werk von Lemke durch eine Vielzahl an spezifischen Texten verschiedener Historiker zu unterschiedlichen Thematiken und Zusammenhängen der Luftwaffe mit dem Kalten Krieg besonders hervor. Um dieses Themengebiet der Entstehung von Radartechnik und deren Einsatz im Zweiten Weltkrieg diskutieren zu können, wird die Monographie von Ulrich Kern: „Die Entstehung des Radarverfahrens: Zur Geschichte der Radartechnik bis 1945“[6] sowie die Monographie „Radartechnik - Grundlagen und Anwendungen“[7] von Jürgen Göbel herangezogen. Untermauert werden diese Werke durch Beispiele, welche unter anderem in der Zeitschrift Der Spiegel während der 60er und 70er Jahre publiziert wurden.

Im Folgenden wird zunächst die Rolle der deutschen Luftstreitkräfte im Kontext des Kalten Krieges dargestellt, um den Auftrag, sowie die Schwierigkeit einer Etablierung dieser zu veranschaulichen. Im Anschluss soll ein kurzer prägnanter Überblick zur Geschichte der Radartechnik beschrieben werden, um sich anschließend auf die Thematik der mobilen Radarsysteme spezialisieren zu können. Dieser Abschnitt wird sich entsprechend knapp gestalten, da er nicht elementar für die vorliegende Arbeit ist. Daran anknüpfend soll die Rolle der Frühwarnsysteme für die Bundesrepublik Deutschland sowie der NATO erörtert werden. Abschließend sollte es möglich sein, ein umfassendes Fazit in Bezug auf die eingangs gestellten Fragen geben zu können. Bevor jedoch unmittelbar der Bogen zu der Geschichte der Radargeräte geschlagen werden kann, ist es unerlässlich, sich zunächst der Rolle der deutschen Luftwaffe im Kontext des Kalten Krieges vor Augen zu führen.

2. Die Luftwaffe im Kontext des Kalten Krieges

Seit der Gründung der Bundeswehr im Jahre 1955 wurde ihr Auftrag in regelmäßigen Abständen immer wieder aktualisiert und an die weltpolitische Lage angepasst.[8] Diese ständige Angleichung wird vor allem in den Weißbüchern des Bundesministeriums der Verteidigung sichtbar. Das Weißbuch von 1975/ 1976 definierte einen Kernauftrag der Streitkräfte wie folgt: „[…] jeden Aggressor durch Kampfkraft und hohe Einsatzbereitschaft ab[zu]-schrecken, militärische Gewalt anzudrohen, oder anzuwenden.“[9] Demgegenüber wurde nur 3 Jahre später der Kernauftrag leicht abgewandelt, sodass das eben zitierte im gleichen Maße galt, aber nun das Hauptaugenmerk auf die nukleare Bedrohung durch den Feind lag.[10] Dieses kontinuierliche Anpassen des Auftrages könnte ein Indiz für die stets instabile Lage der Machtverhältnisse zwischen dem Warschauer Pakt und der NATO zur Zeit des Kalten Krieges sein. Der Historiker Hans- Werner Jarosch sieht in einem tiefgreifenden Ereignis der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts einen weiteren Hinweis, warum die Luftwaffe mehr oder weniger gezwungen war, stets auf technischer Ebene mitzuziehen. Jarosch spricht in diesem Zusammenhang von der „Entspannung“, sowie der darauffolgenden „Ernüchterung“ der Verhältnisse der Supermächte.[11] Eine dieser Annäherungen stellte unter anderem der Weltraumvertrag von 1967 dar. Während die NATO auf diesem Wege versuchte, eine Entspannung der Verhältnisse zu gewährleisten, erfuhren diese Bemühungen im Jahr 1968 erste „Ernüchterungen“.[12] Die Ereignisse und Ergebnisse des Prager Frühlings sollen an dieser Stelle in keiner Weise erläutert werden. Unbestritten bleibt, dass der NATO an diesen Geschehnissen vor Augen geführt wurde, welche enorme Entwicklung der Warschauer Pakt, im Hinblick auf den technischen Fortschritt, vollzogen hatte. Auf Grund dieser Machtdemonstration, wurden entsprechende Maßnahmen als Reaktion eingeleitet.

Neben dem Erhöhen der Verteidigungsbereitschaft, wurde in erster Linie die Ausrüstung modernisiert und somit die „[…] Kampfkraft der taktischen Luftstreitkräfte […]“[13] verbessert. Die folgenden Jahre waren geprägt vom gegenseitigen Abschrecken, wodurch „[…] ein gewisses Gleichgewicht […]“[14] zwischen den Supermächten eintrat. Dieses Verhältnis schien sich zu festigen und wurde durch diverse Verträge[15] in gleichem Maße ebenso nach außen publiziert. Diese annähernde Balance wurde dann massiv durch die Einführung des Waffensystems SS- 20 (Mittelstreckenraketen) auf russischer Seite sowie der hohen Produktionszahlen der MiG 21 gestört.[16] Die SS- 20 hat das Gewicht sehr stark verschoben, sodass kein Gleichgewicht mehr herrschte. Da der NATO in jeder Hinsicht vergleichbare (Abwehr-) Systeme gegen diese Bedrohungen fehlten, war sie gezwungen, nachzuziehen.[17] In diesem Rahmen sollte der deutschen Luftwaffe eine besondere Rolle zuteil werden. 1977 beschloss die USA, in Kooperation mit den europäischen Staaten, die Rüstung für alle Mitgliedsstaaten der NATO einheitlich zu standardisieren. Innerhalb dieses Programmes, sollte unter anderem ein gemeinsames „Airborne Warning and Control System“[18] integriert werden, welches in erster Linie an der innerdeutschen Grenze aufgestellt war. Ausgehend von diesem Plan war die Bundesrepublik Deutschland diesbezüglich in besonderem Maße gefordert. Die Luftwaffe übernahm in diesem Rahmen allein 50% der bodengebundenen Luftverteidigung und 80% der Frühwarn- und Leitsysteme der NATO.[19]

Daher musste die Bundesrepublik Deutschland entsprechende Maßnahmen ergreifen, um die geforderten Anordnungen umzusetzen. So wurden beispielsweise Autobahnen zu Notlandebahnen[20] umfunktioniert und speziell die Luftwaffe baute ihre Infrastruktur sowie die Organisation aus und steigerte die Qualität der Ausbildungen und Übungen durch enge Kooperation mit den USA.[21] Somit verstand sich die Luftwaffe im Kontext des Kalten Krieges als eine in die Pflicht genommene Teilstreitkraft der Bundeswehr, welche einen hohen Stellenwert im Rahmen der NATO eingenommen hatte.

[...]


[1] Vgl. dazu: Jarosch, Hans- Werner: Immer im Einsatz - 50 Jahre Luftwaffe, Hamburg 2005, S. 65.

[2] Thoß, Bruno: NATO- Strategie und nationale Verteidigungsplanung, Planung und Aufbau der Bundeswehr unter den Bedingungen einer massiven atomaren Vergeltungsstrategie 1952- 1960, München 2006, S. 411.

[3] Tegge, Manfred: Der NATO- Luftverteidigungsgürtel in Niedersachsen - Relikte des Kalten Krieges, Bremen 2001, online unter: http://www.relikte.com/nds_flarak/index.htm [Stand: 2012- 09- 05].

[4] Titel: Jarosch: Immer im Einsatz, 2005.

[5] Titel: Lemke, Bernd (u.a. Hrsg.): Die Luftwaffe 1950- 1970 - Konzeption, Aufbau, Integration, Bd. 2, München 2006.

[6] Titel: Kern, Ulrich: Die Entstehung des Radarverfahrens: Zur Geschichte der Radartechnik bis 1945, Stuttgart 1984.

[7] Titel: Göbel, Jürgen: Radartechnik - Grundlagen und Anwendungen, Berlin 2011.

[8] Nicht nur die äußere Lage musste stets angepasst werden, sondern auch das Personal in den Hauptquartieren. Ein besonderes Problem stellt hierbei die erste Verwendung von Offizieren im Hauptquartier von SHAPE (Supreme Headquarters Allied Powers Europe) und AFCENT (Allied Joint Force Command Brunssum) dar. Vgl. dazu: Krüger, Dieter: Die Entstehung der NATO- Luftverteidigung und die Integration der Luftwaffe - III. Der Einbau der Luftwaffe in die NATO- Luftverteidigung, in: Die Luftwaffe 1950- 1970 - Konzeption, Aufbau, Integration, hrsg. v. Lemke, 2006, S. 525- 528.

[9] Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): Weißbuch 1975/ 1976- Zur Lage und Entwicklung der Bundeswehr, Bonn 1976, S. 86.

[10] Vgl. dazu: Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): Weißbuch 1979- Zur Lage und Entwicklung der Bundeswehr, Bonn 1979, S. 105.

[11] Jarosch: Immer im Einsatz, 2005, S. 65.

[12] Ebd.

[13] Jarosch: Immer im Einsatz, 2005, S. 65.

[14] Ebd.

[15] Nennenswerte Verträge: Atomwaffensprengvertrag (1970), Ostverträge (1973).

[16] Jarosch: Immer im Einsatz, 2005, S. 65- 66.

[17] Das Kräfteverhältnisse zwischen den USA und dem Warschauer Pakt hatte sich schlagartig verändert. Zu Beginn der 60er Jahre war die NATO in allen militärischen Belangen der Sowjetunion voraus. Vgl. dazu: Tabelle „Das militärische Kräfteverhältnis USA- UdSSR“, in: Weigl, Ludwig: Strategische Einsatzplanung der NATO - Einflussfaktoren, Inhalte, Umsetzungsmaßnahmen, München 2005, S. 70- 71.

[18] Jarosch: Immer im Einsatz, 2005, S. 66.

[19] Ebd., S. 67.

[20] Autobahnen wurden nicht erst im Kalten Krieg zu Notlandebahnen umfunktioniert. Bereits im Zweiten Weltkrieg wurde diese Prozedur durchgeführt. Auf Grund des schwindenden Gleichgewichts der Supermächte, wurden nun mehrere Autobahnen zu Gunsten der Luftfahrt umgebaut.

[21] Jarosch: Immer im Einsatz, 2005, S. 67.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Radartechnik als Mittel der Aufklärung im Kalten Krieg
Untertitel
Die deutsche Luftwaffe als wesentlicher Träger der NATO- Luftverteidigung
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Neuere Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte)
Veranstaltung
Sputnikschock und Cold War Kitchen. Zur Rolle von Wissenschaft und Technik im Kalten Krieg
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V215570
ISBN (eBook)
9783656439974
ISBN (Buch)
9783656439851
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Radartechnik, deutsche Luftwaffe, Kalter Krieg, NATO-Luftverteidigung, Aufklärung
Arbeit zitieren
Falk Köhler (Autor), 2012, Die Bedeutung der Radartechnik als Mittel der Aufklärung im Kalten Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215570

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