Die amerikanische Revolution und ihre Staatstheoretische Reflexion


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Grundsätzliches

Ausgangslage:

Das Ende der Politik der wohlwollenden Vernachlässigung

Beginn der Revolution

Rückblick: Das Treaty of Albany

Erster Kontinentalkongress

Thomas Jefferson

Zweiter Kontinentalkongress

Declaration of Independence
Einleitung
Präambel

Schluss

Literatur

Einleitung

Diese Arbeit soll einen Überblick über den Verlauf der amerikanischen Revolution und den politischen Wandlungsprozess, dem sie unterlag und den sie bedingte, ermöglichen.

Sie umfasst nach allgemeiner Auffassung die Ereignisse zwischen dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 und endet mit dem Frieden von Paris 1783. In diesen 20 Jahren vollzog sich ein bis dahin beispielloser Prozess einer Staatsgründung, innerhalb dessen viele verschiedene Demokratieüberlegungen angestellt und diskutiert wurden. Insbesondere die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung nimmt eine bedeutende Rolle in diesem Vorgang ein. Die welthistorische Wirkung, die sie durch die Formulierung von allgemeinen Menschenrechten und ihre Berufung auf das Naturrecht entfaltete, war beispiellos. Zudem steht sie stellvertretend für einen Wandel der innerkolonialen staatsrechtlicher Betrachtungseise, nämlich von einer vormodernen zu einer modernen Argumentation.

Dieser Wandel soll im Wesentlichen unter Bezugnahme auf die DoI, die Positionen ihres Verfassers Thomas Jefferson und die Diskussionen im Rahmen der Kontinentalkongresse aufgezeigt werden. Zudem werden mit dem Treaty of Albany und dem Prozess unter Beteiligung von James Otis zwei Schlüsselereignisse des Revolutionsgeschehens vorgestellt Für diese Arbeit ist der Verlauf der Revolution also vorrangig aus Verfassungstheoretischer Sicht interessant: Viele Ereignisse und Motive der politischen Akteure die nicht in direktem Zusammenhang dazu stehen, können daher keine Beachtung finden.1 Ähnliches gilt für die Ereignisse nach der Erklärung der Unabhängigkeit 1774: In dieser Zeit ist bereits das moderne Staatsrechtliche Denken Konsens gewesen, und es beginnt bereits die Verfassungsdiskussion, wie sie in den Federalist Papers zur Geltung kommt. Die Revolution in den Köpfen der Menschen findet jedoch ihren Abschluss in der DoI und sie wird daher in dieser Arbeit als das eigentliche Ende der Revolution behandelt.

Grundsätzliches

Die amerikanische Revolution weist Eigenheiten auf, die sie als Revolution einzigartig machen. So zeichnet sie aus, dass sie eine politische Revolution war und zwar vorrangig nach außen gerichtet, also gegen das Mutterland England. Die Amerikaner mussten keine krassen gesellschaftlichen Unterschiede begleichen und besaßen bereits die egalitären Vorbedingungen für die Ausübung von Freiheit, die sie der Krone gegenüber verteidigten. Damit unterschiedet sich die amerikanische etwa von der französischen Revolution, die eine zuvor existierende feudale Ordnung umstoßen musste, um die „natürlichen Rechte“ des Individuums durchsetzen zu können.2 Dies bedeutet nicht, dass die Revolution unter den Siedlern nicht umstritten war. Es gab fortwährend Versuche, den Konflikt mit England zu bereinigen und erst langsam setzte sich eine einheitliche Position innerhalb der Kolonien durch.3 Dennoch lief die amerikanische Revolution innenpolitisch relativ friedlich ab und im Verlauf der Revolution wurde die im sich werden befindende Nation geeint. Eine Gegenrevolution, wie sie nach der Französischen Revolution auftrat, fand infolgedessen nicht statt.

Ausgangslage: Das Ende der Politik der wohlwollenden Vernachlässigung

Am Anfang der Revolution stand das Ende des Siebenjährigen Krieges. Frankreich hatte den Konflikt verloren und musste sich aus den (aus Kolonialer Sicht) nördlich und südlich gelegenen Regionen entfernen: Quebec fiel in die Hände Großbritanniens und das Gebiet am Unterlauf des Mississippi wurde den Spaniern zugesprochen. So entstand eine für das britische Empire im Grunde vorteilhafte Ausgangslage, in der man die Gefahr einer Umklammerung der Kolonien durch den Französischen Feind abgewehrt hatte und das Kräfteverhältnis auf dem neuen Kontinent zugunsten des Empires geklärt wurde.4 Damit war der größte Konkurrent um den neuen Kontinent aus dem Feld geschlagen und die Kolonien standen in den sprichwörtlichen Startlöchern um die Besiedelung desselben auszuweiten.

Indes war der Krieg ein kostspieliges Unterfangen gewesen, so dass die britische Krone sowohl die Kosten einer West-expansion bzw. den Schutz der ausgeweiteten Kolonien5 scheuten, als auch nach neuen Wegen der Haushaltssanierung suchten. Die Folge war die Königliche Proklamation vom 07. Oktober 1963, in der die Krone eine Ausweitung des kolonialen Gebietes Richtung Westen in Hinblick auf die Grenzkonflikte mit den Indianern einschränkte bzw. nur unter Kontrolle von Vertretern der Krone erlaubte6. Außerdem wurde ein neues Steuergesetze verabschiedet. Dippel schreibt: „Mit diesem ‚amerikanischen Fiskalgesetz‘ von 1764, dass in den Kolonien allgemein als ‚Zuckergesetz‘ bezeichnet wurde, galt die Politik der ‚wohlwollenden Vernachlässigung‘ endgültig als beendet.“7

Dieser Begriff (salutary neglect), vom britischen Staatsphilosophen Burke geprägt8, umschrieb die Tatsache, dass bereits seit mehr als einem Jahrhundert verschiedene Steuergesetze (u.a. auf Grundlage der Navigation Acts) existierten, allerdings nie aktiv vom Empire eingetrieben wurden. Die nun verabschiedeten Gesetze stellten also aus staatsrechtlicher Sicht nicht die besondere politische Zäsur dar, als die sie wahrgenommen wurden, zumal keine Illusionen darüber bestanden, dass es im Sinne der Englischen Verfassung keine Verfassungswidrigen Gesetze gab9. Dennoch regte sich durch sie das Bewusstsein der Kolonialisten, dass die Politik der Englischen Führung die Interessen der Siedler nicht ausreichend berücksichtigte und sie legten so den Grundstein für den Widerstand, der letztlich zum Aufbegehren gegen die britische Staatsmacht führte.

Beginn der Revolution

John Adams, der zweite Präsident der Vereinigten Staaten, datierte im Rückblick den Beginn der amerikanischen Revolution auf das Jahr 1761 (also sogar noch vor dem Ende des Krieges). Damals fand eine Prozess gegen einen wegen Schmuggels angeklagten Händlers statt, der Aufsehen erregte und dessen Zeuge Adams wurde:

„American Independence was then and there born […]. Then and there was the first scene of the first act of opposition to the arbitrary claims of Great Britain. Then and there the child Independence was born.“10

Das Plädoyer des verteidigenden Anwalts, James Otis, trug bereits den aufkeimenden Gedanke der Revolution in sich - wenn auch noch nicht ganz ausgereift:

„Er sah in der Anklage einen Verstoß gegen das Prinzip der natürlichen Billigkeit des Rechts, das vor allen positiven Parlamentsgesetzen existiert und diesen übergeordnet ist. Gleichzeitig rief er das Parlament […] auf, diesem Irrtum ein Ende zu setzen. Er verwandelte so einen juristischen Fall in eine Politische Angelegenheit und wies gleichzeitig darauf hin, daß eine gerechte Politik von Prinzipien geleitet sei, die höherrangig sind als positives Recht. Otis zufolge war die Macht des Englischen Parlaments absolut aber nicht willkürlich. Der Anwalt aber bezog die Begründung seiner theoretischen Behauptung aus einer immer noch vormodernen Theorie der nationalen Souveränität[…].“11

Otis argumentierte also bereits mit einer „natürlichen Billigkeit des Rechts“ (eines Naturrechts), dem das Parlament untergeordnet sei - auch wenn er die absolute Autorität des Parlaments nicht in Frage stellte und ihm sogar eine gerichtliche Befugnis zuwies, dieses Recht für ungültig zu erklären. Diese Argumentation kam noch ohne den Gedanken einer Gewaltenteilung aus und dachte die Folgen der übergeordneten Bedeutung eines Naturrechts nicht Konsequent zu Ende: Stellt man das Naturrecht als dessen machtheoretischer Grundlage über das Parlament, so muss auch das Handeln der Regierenden von diesem Naturrecht beschränkt werden. Otis bewegte sich damit also noch streng im britischen System und seine Auffassung von Staatsrecht kann deshalb zu Recht als vormodern gelten. Der Grundlegende Gedanke, den er entwickelte, war aus der Verfassungsdiskussion allerdings nicht mehr wegzudenken und war bei der späteren Entwicklung der Unabhängigkeitserklärung von großer Bedeutung.

Rückblick: Treaty of Albany

Das „Treaty of Albany“ von 1754 markierte den ersten Versuch zu einer Einheit der dreizehn Kolonien. Dieser erste formelle Versuch eines Bündnisses hatte allerdings bei weitem nicht die Zielsetzung oder Wirkung wie die späteren Kontinentalkongresse: Es war ein pragmatisch orientierter Versuch, zum Zweck der Verteidigung gegen die aufziehende französische Bedrohung eine gemeinsames Verteidigungsbündnis aufzubauen und eine sichere Kolonialisierung des Westens vorzubereiten. Wie ernst diese Bedrohung genommen wurde, zeigt ein zum Kongress erstellter Cartoon von Benjamin Franklin mit dem Titel „Schließ dich an oder Stirb“12. Franklin, zu dem Zeitpunkt Delegierter von Pennsylvania, war schon damals ein engagierter Verfechter der amerikanischen Einheit und konnte die Mehrheit der Delegierten für seine Bündnispläne gewinnen. Dennoch wurde der Plan letztlich nicht angenommen, weder von den Kolonialparlamenten noch von der Kolonialverwaltung in London. Ein entscheidender Faktor für die Kolonien war dabei, dass der Plan einen vom König ernannten Generalkonsul vorsah, der ein Vetorecht bei den gesetzgebenden Versammlungen haben sollte, was eine eigenständige Fiskalpolitik erschwert hätte.13 Diese Einschränkung ging den Kolonien, die ihre Selbstbestimmung nicht aufgeben wollten zu weit.

Trotzdem stellte der Einigungsplan von Albany bereits die Grundfragen zu einer amerikanischen Konföderation, die in den späteren Kongressen dann beantwortet werden mussten. Franklin selbst bezeichnete im Rückblick das Scheitern des Abkommens als eine vertane Chance zur Einleitung eines friedlichen Umwandlungsprozesses, mit welcher der Unabhängigkeitskrieg hätte vermieden werden können.14

[...]


1 So z.B. die äußerst bedeutsamen wirtschaftlichen Faktoren der Revolution, die wesentlich zu der Entwicklung der Ereignisse beigetragen haben.

2 Vgl. Howard, Dick: „Die Grundlegung der amerikanischen Demokratie“, Edition Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2001 S. 17

3 Vgl. Richard Saage: „Demokratietheorien, Historischer Prozess – Theoretische Entwicklung – soziotechnische Bedingungen. Eine Einführung“, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, S. 101

4 Vgl. Dippel, Horst: „Geschichte der USA“, Beck, München 1999, S. 18

5 Vgl. Howard, S. 72

6 „Königliche Proklamation von 1763“, http://www.solon.org/Constitutions/Canada/English/PreConfederation/rp_1763.html, zuletzt am 20.03.2012

7 Dippel, s. 18

8 Burke, Edmund: "On moving his resolutions for conciliation with the colonies. House of Commons, March 22, 1775.” http://www.gutenberg.org/dirs/etext04/burke10.txt, zuletzt am 20.03.2012

9 Vgl. Dippel, S. 20

10 John Adams: “To William Tudor”, in: “The Works of John Adams, Second President of the United States: with a Life of the Author, Notes and Illustrations, by his Grandson Charles Francis Adams”, Little, Brown and Co., Boston 1856, Vol. 10, online http://oll.libertyfund.org/title/2127/193620 , zuletzt am 20.03.2012

11 Vgl. Howard, S. 76

12 Cartoon von Franklin, Library of Congress, http://www.loc.gov/pictures/item/2002695523/, zuletzt am 20.03.2012

13 Vgl. Howard, S. 345

14 Vgl. Adams, Angela u. Willi Paul (Hrsg.): „Die Amerikanische Revolution und die Verfassung 1754- 1791“, DTV, München 1987, S.16

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die amerikanische Revolution und ihre Staatstheoretische Reflexion
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V215575
ISBN (eBook)
9783656440581
ISBN (Buch)
9783656442813
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
franklin, revolution, independence, unabhängigkeitserklärung, civil war, washington, amerika
Arbeit zitieren
David Kuhnert (Autor), 2012, Die amerikanische Revolution und ihre Staatstheoretische Reflexion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215575

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