Diese Arbeit soll einen Überblick über den Verlauf der amerikanischen Revolution und den politischen Wandlungsprozess, dem sie unterlag und den sie bedingte, ermöglichen.
Sie umfasst nach allgemeiner Auffassung die Ereignisse zwischen dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 und endet mit dem Frieden von Paris 1783. In diesen 20 Jahren vollzog sich ein bis dahin beispielloser Prozess einer Staatsgründung, innerhalb dessen viele verschiedene Demokratieüberlegungen angestellt und diskutiert wurden. Insbesondere die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung nimmt eine bedeutende Rolle in diesem Vorgang ein. Die welthistorische Wirkung, die sie durch die Formulierung von allgemeinen Menschenrechten und ihre Berufung auf das Naturrecht entfaltete, war beispiellos. Zudem steht sie stellvertretend für einen Wandel der innerkolonialen staatsrechtlicher Betrachtungseise, nämlich von einer vormodernen zu einer modernen Argumentation.
Dieser Wandel soll im Wesentlichen unter Bezugnahme auf die DoI, die Positionen ihres Verfassers Thomas Jefferson und die Diskussionen im Rahmen der Kontinentalkongresse aufgezeigt werden. Zudem werden mit dem Treaty of Albany und dem Prozess unter Beteiligung von James Otis zwei Schlüsselereignisse des Revolutionsgeschehens vorgestellt
Für diese Arbeit ist der Verlauf der Revolution also vorrangig aus Verfassungstheoretischer Sicht interessant: Viele Ereignisse und Motive der politischen Akteure die nicht in direktem Zusammenhang dazu stehen, können daher keine Beachtung finden. Ähnliches gilt für die Ereignisse nach der Erklärung der Unabhängigkeit 1774: In dieser Zeit ist bereits das moderne Staatsrechtliche Denken Konsens gewesen, und es beginnt bereits die Verfassungsdiskussion, wie sie in den Federalist Papers zur Geltung kommt. Die Revolution in den Köpfen der Menschen findet jedoch ihren Abschluss in der DoI und sie wird daher in dieser Arbeit als das eigentliche Ende der Revolution behandelt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Grundsätzliches
Ausgangslage:
Das Ende der Politik der wohlwollenden Vernachlässigung
Beginn der Revolution
Rückblick: Das Treaty of Albany
Erster Kontinentalkongress
Thomas Jefferson
Zweiter Kontinentalkongress
Declaration of Independence
Einleitung
Präambel
Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den Verlauf der amerikanischen Revolution unter verfassungstheoretischen Gesichtspunkten, um den politischen Wandlungsprozess von einer vormodernen zu einer modernen staatstheoretischen Argumentation aufzuzeigen.
- Der Wandel in der staatsrechtlichen Betrachtungsweise während der Revolutionsjahre.
- Die Rolle von Thomas Jefferson und die Bedeutung der Unabhängigkeitserklärung.
- Die Funktion des Treaty of Albany und der Kontinentalkongresse für die Einigung der Kolonien.
- Die Bedeutung des Naturrechtsgedankens für die Entwicklung des amerikanischen Bewusstseins.
Auszug aus dem Buch
Beginn der Revolution
John Adams, der zweite Präsident der Vereinigten Staaten, datierte im Rückblick den Beginn der amerikanischen Revolution auf das Jahr 1761 (also sogar noch vor dem Ende des Krieges). Damals fand eine Prozess gegen einen wegen Schmuggels angeklagten Händlers statt, der Aufsehen erregte und dessen Zeuge Adams wurde: „American Independence was then and there born […]. Then and there was the first scene of the first act of opposition to the arbitrary claims of Great Britain. Then and there the child Independence was born.“
Das Plädoyer des verteidigenden Anwalts, James Otis, trug bereits den aufkeimenden Gedanke der Revolution in sich - wenn auch noch nicht ganz ausgereift: „Er sah in der Anklage einen Verstoß gegen das Prinzip der natürlichen Billigkeit des Rechts, das vor allen positiven Parlamentsgesetzen existiert und diesen übergeordnet ist. Gleichzeitig rief er das Parlament […] auf, diesem Irrtum ein Ende zu setzen. Er verwandelte so einen juristischen Fall in eine Politische Angelegenheit und wies gleichzeitig darauf hin, daß eine gerechte Politik von Prinzipien geleitet sei, die höherrangig sind als positives Recht. Otis zufolge war die Macht des Englischen Parlaments absolut aber nicht willkürlich. Der Anwalt aber bezog die Begründung seiner theoretischen Behauptung aus einer immer noch vormodernen Theorie der nationalen Souveränität[…].“
Otis argumentierte also bereits mit einer „natürlichen Billigkeit des Rechts“ (eines Naturrechts), dem das Parlament untergeordnet sei - auch wenn er die absolute Autorität des Parlaments nicht in Frage stellte und ihm sogar eine gerichtliche Befugnis zuwies, dieses Recht für ungültig zu erklären. Diese Argumentation kam noch ohne den Gedanken einer Gewaltenteilung aus und dachte die Folgen der übergeordneten Bedeutung eines Naturrechts nicht Konsequent zu Ende: Stellt man das Naturrecht als dessen machtheoretischer Grundlage über das Parlament, so muss auch das Handeln der Regierenden von diesem Naturrecht beschränkt werden. Otis bewegte sich damit also noch streng im britischen System und seine Auffassung von Staatsrecht kann deshalb zu Recht als vormodern gelten. Der Grundlegende Gedanke, den er entwickelte, war aus der Verfassungsdiskussion allerdings nicht mehr wegzudenken und war bei der späteren Entwicklung der Unabhängigkeitserklärung von großer Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt das Ziel der Arbeit, den politischen Wandlungsprozess zwischen 1763 und 1783 aus verfassungstheoretischer Perspektive zu untersuchen.
Grundsätzliches: Charakterisiert die amerikanische Revolution als eine vorrangig nach außen gerichtete politische Revolution, die keine feudale Ordnung stürzen musste.
Ausgangslage: Beschreibt das Ende der „Politik der wohlwollenden Vernachlässigung“ durch neue britische Steuergesetze nach dem Siebenjährigen Krieg.
Beginn der Revolution: Analysiert James Otis' Plädoyer und dessen verfassungstheoretische Bedeutung für den aufkeimenden Widerstand gegen Großbritannien.
Rückblick: Das Treaty of Albany: Untersucht den ersten, wenn auch gescheiterten Versuch eines Bündnisses der dreizehn Kolonien zur Verteidigung gegen Frankreich.
Erster Kontinentalkongress: Erläutert die politische Spaltung des Kongresses und die Suche nach einer einheitlichen Position der Kolonien gegenüber der britischen Krone.
Thomas Jefferson: Porträtiert Jefferson als zentralen Akteur und Theoretiker, dessen Positionen maßgeblich durch das politische System Virginias geprägt waren.
Zweiter Kontinentalkongress: Behandelt die Konstituierung einer Armee und den allmählichen Stimmungsumschwung hin zur Unabhängigkeitserklärung unter dem Eindruck des Krieges.
Declaration of Independence: Analysiert die Bedeutung der Präambel als liberale politisch-philosophische Begründung der amerikanischen Staatlichkeit.
Schluss: Reflektiert über die Schwierigkeit, den komplexen Wertewandel einer Nation in einer Hausarbeit darzustellen und betont die exemplarische Bedeutung der gewählten Ereignisse.
Schlüsselwörter
Amerikanische Revolution, Unabhängigkeitserklärung, Naturrecht, Thomas Jefferson, Kontinentalkongress, Volkssouveränität, Staatsgründung, Verfassungsdiskussion, James Otis, politischer Wandel, Liberalismus, Menschenrechte, Widerstandsrecht, Kolonien, Großbritannien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den politischen Wandlungsprozess der amerikanischen Revolution zwischen 1763 und 1783 und dessen staatstheoretische Reflexion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Entwicklung des amerikanischen Staatsverständnisses, die Rolle des Naturrechts und der Übergang von einer vormodernen zu einer modernen Argumentation in der Unabhängigkeitserklärung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den ideengeschichtlichen und politischen Prozess der amerikanischen Staatsgründung anhand ausgewählter Schlüsselereignisse verfassungstheoretisch nachzuzeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt einen verfassungstheoretischen Ansatz, indem er zentrale Dokumente und Akteure wie Thomas Jefferson oder James Otis analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Ausgangslage nach dem Siebenjährigen Krieg, die Rolle der Kontinentalkongresse, die Bedeutung von Thomas Jefferson sowie eine detaillierte Analyse der Präambel der Unabhängigkeitserklärung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Amerikanische Revolution, Unabhängigkeitserklärung, Naturrecht, Volkssouveränität und politischer Wandel.
Warum wird das "Treaty of Albany" als wichtiges Ereignis hervorgehoben?
Obwohl es scheiterte, stellte es den ersten Versuch zu einer Einheit der Kolonien dar und legte die Grundfragen für eine spätere amerikanische Konföderation.
Welche Rolle spielte James Otis für das Verständnis der Revolution?
Otis argumentierte bereits mit einem übergeordneten Naturrecht, was zwar vormodern blieb, aber den Grundstein für das spätere moderne staatsrechtliche Denken in der Unabhängigkeitserklärung legte.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Radikalen und Gemäßigten während der Kontinentalkongresse wichtig?
Diese Spaltung verdeutlicht den Prozess der Radikalisierung: Während die Gemäßigten auf Autonomie unter der Krone hofften, dachten die Radikalen bereits über eine Loslösung von England nach.
Warum ist die Unabhängigkeitserklärung aus staatsrechtlicher Sicht umstritten?
Ihr Einfluss auf die amerikanische Kultur ist unbestritten, doch ihre rechtliche Bindung an die spätere Verfassung und Rechtsordnung der USA ist juristisch umstritten.
- Citation du texte
- David Kuhnert (Auteur), 2012, Die amerikanische Revolution und ihre Staatstheoretische Reflexion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215575