China und Myanmar. Auswirkungen des Reformprozesses auf die Sino-Burmesischen Beziehungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der Beziehungen seit der Unabhängigkeit

3. Beziehungen nach dem Kalten Krieg bis heute

4. Chinas Interessen in Myanmar
4.1. Ressourcen, Energie und Märkte
4.2. Politische Stabilität
4.3. Strategisches Interesse

5. Die Wahlen von 2010
5.1. Ausgangssituation
5.2. Ausgang der Wahlen
5.3. Veränderungen nach den Wahlen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Internetquellen

1. Einleitung

Myanmar stand stets im Schatten seines größeren Nachbarn. Das Sprichwort „When China spits, Burma swims“ scheint nach wie vor zuzutreffen. Das kleinere Land war lange Zeit und in vielerlei Hinsicht auf die Gunst des großen Nachbarn angewiesen.

Von Seiten der Experten hieß es, dass man sich nicht zu viel Hoffnung auf Veränderungen durch die neue Verfassung Myanmars und die damit einhergehenden Wahlen im Jahr 2010 machen sollte. Umso überaschender sind die Entwicklungen, die sich seit Mitte des letzten Jahres abzeichnen: Der neue – und alte – Regierungschef, Ex-General Thein Sein, hat eine Reihe von relativ großen Schritten im Demokratisierungsprozess unternommen, mit denen nicht gerechnet wurde. Ob es sich tatsächlich um nachhaltige Veränderungen handelt oder lediglich um geschicktes taktieren, womöglich auch um eine Mischung aus beidem, ist noch nicht abzusehen. Sicher ist jedoch, dass sich Veränderungen abzeichnen. In der vorliegenden Arbeit wird daher versucht, anhand vorhandenen Materials eine Einschätzung abzugeben, ob die aktuellen Entwicklungen einen Einfluss auf die chinesischen Interessen haben, ob sich die aktuell stattfindenden Veränderungen Vorteilhaft oder Nachteilig in die Pläne Pekings einfügen, und mit welchen veränderten Bedingungen China in Zukunft im Umgang mit Myanmar rechnen muss.

Zunächst wird in einem kurzen Abriss die Entwicklung der Beziehungen der beiden Länder seit der Unabhängigkeit Myanmars Ende der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts erläutert. Dabei wird gesondert darauf eingegangen, welchen Veränderungen die Beziehungen seit Ende des kalten Krieges unterworfen waren. Im darauffolgenden Teil wird versucht, zu durchleuchten, welche Bedeutung Myanmar für die Interessen Chinas hat. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den wirtschaftlichen Interessen Chinas – insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der ärmeren Binnenprovinzen – sowie auf Chinas geostrategische Interessen. Dadurch soll klar werden, ob und welche Bedeutung eine Veränderung des politischen Systems in Myanmar bzw. eine Verschiebung der Machtverhältnisse im Land für China haben könnte.

Im darauffolgenden Teil wird auf den Verlauf und den Ausgang der Wahlen eingegangen. Im Anschluss daran werden sich abzeichnende oder bereits geschehene innenpolitische Veränderungen in Myanmar auf die Bedeutung für die Interessen Chinas hin untersucht. Dieser Teil stützt sich hauptsächlich auf Internetquellen bzw. Medienberichte. Zwar handelt es sich größtenteils um renommierte Quellen, allerdings sind Sie dennoch nicht mit wissenschaftlicher Literatur gleichzusetzen. Da es sich um aktuelle Entwicklungen handelt, ist wissenschaftliche Literatur zu diesen Themen (noch) nicht verfügbar.

2. Entwicklung der Beziehungen seit der Unabhängigkeit

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Unabhängigkeit Myanmars1, hielt sich der damalige Ministerpräsident Nu strikt an die non alignment policy, um sein Land aus den Wirren des aufkommenden kalten Krieges herauszuhalten. Zum einen, weil er die Ansichten anderer Staatschef, wie z.B. die von Indonesiens Präsident Sukarno, teilte, dass junge Nationen in Asien sich auf die wichtigen Herausforderungen des Nation–Buildings konzentrieren sollten. Zum anderen aus Angst, dass eine Partizipation externen Kräften einen Grund bzw. einen Anlass zur Intervention und schlimmstenfalls sogar zur Besetzung Myanmars liefern könnte.2 Ein wichtiger Punkt seiner Politik war es, ein freundschaftliches Verhältnis zum mächtigen, großen Nachbarn China aufrechtzuerhalten, ohne dabei zu stark in Chinas Lager abzurutschen und sich abhängig zu machen.

In den 1950ern hatten sich GMD Truppen, die aus China geflohen waren, in den Grenzregionen niedergelassen. Sie benutzten Nord-Myanmar als Basis, um sich zu organisieren und Angriffe nach Yunnan zu starten. China übte Druck aus: Myanmar solle etwas gegen die GMT Präsenz Unternehmen, oder China würde selbst eingreifen. Nu gelang es, in der UN einen offiziellen Abzug der GMT Truppen, die von Taiwan und den USA unterstützt wurden, zu erwirken.3

Insgesamt konnte Nu in den 50er Jahren eine Neutrale Stellung zwischen der VRC und den USA erhalten. Er stellte sich international oft auf Seiten der VRC, kritisierte aber auch Aggressionen durch kommunistische Länder, z.B. den Angriff Nordkoreas auf Südkorea.4

Erst Mitte der 1960er Jahre verschlechterten sich die Beziehungen zwischen China und Myanmar. Vorher hatte die Regierung in Peking, aufgrund der neutralen Ausrichtung der U Nu Regierung, davon abgesehen, kommunistische Gruppen in Myanmar zu unterstützen. Dies änderte sich, nachdem sich die VRC mit der Sowjetunion überworfen hatte, und die Beziehungen zwischen Myanmar und der UdSSR zunehmend besser wurden. Peking begann, insgeheim die Communist Party of Burma (CPB) zu unterstützen und bezeichnete die Regierung Myanmars als Reaktionär. In Myanmar ging die Angst um, dass die Auslandschinesen die Kulturrevolution ins eigene Land bringen könnten. Diese Angst wurde dadurch unterstützt, dass chinesische Studenten begannen, Maoistische Erkennungssymbole zu tragen. Es kam zu mehreren Aufständen in der Hauptstadt Rangon, die ursprünglich durch Lebensmittelknappheit hervorgerufen wurden, aber bald einen starken, anti-chinesischen Einschlag bekamen. Die Beziehungen zwischen Rangon und Peking kühlten daraufhin stark ab.5

Erst Ende der 80er Jahre verbesserten sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder. Die CPB löste sich auf, nachdem China einige Jahre zuvor die Unterstützung eingestellt hatte. Nachdem in Myanmar die Studentenproteste von 1988 mit Militärischer Gewalt niedergeschlagen wurden, und ein Jahr später auch die chinesische Regierung Panzer zum Platz des himmlischen Friedens aussandte, um die eigenen Studentenproteste gewaltsam aufzulösen, sahen sich beide Staaten mit harscher internationaler Kritik konfrontiert. Die starke Kritik von außen gegen das Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung führte dazu, dass die beiden Länder wieder näher zusammenrückten.6

3. Beziehungen nach dem Kalten Krieg bis heute

In der folgenden Zeit entwickelte sich eine zunehmend gute Beziehung zwischen den beiden Ländern. China fungierte oftmals als Schutzmacht Myanmars auf der internationalen Bühne und wendete Kritik aus der westlichen Welt und von Menschenrechtsorganisationen ab. Auch im UN Sicherheitsrat und in der UN Vollversammlung trat China als Schutzherr Myanmars auf. Myanmar wurde auch von China mit Waffen versorgt. Da es weiterhin bewaffnete Konflikte mit aufständischen Gruppen gab, wollte die Regierung das Militär modernisieren. In den Jahren 1990 und 1994 gab es jeweils größere Waffendeals zwischen Myanmar und China.7

Bei einem Besuch des amtierenden Premierministers der Volksrepublik, Li Peng, im Jahre 1994, wurde China als „vertrauenswürdigster Freund“ bezeichnet.8 Auch gab es 1996 ein Militärabkommen zum Austausch von militärisch relevanten Aufklärungsdaten. 9 Diese Fakten deuten auf eine durchaus freundschaftliche Beziehung der beiden Staaten hin.

Nichtsdestotrotz versuchte die Regierung von Myanmar auch Beziehungen zu anderen Ländern zu vertiefen, um einer Abhängigkeit von China, dem übermächtigen großen Nachbarn, vorzubeugen. So wurde versucht, die Beziehungen zu Thailand und anderen ASEAN Staaten, aber auch zu Indien, Chinas größtem regionalen Rivalen, und zu Russland auszubauen. 10 Die Regierung schloss Verteidigungsbündnisse mit Israel, Singapore und Pakistan, bereits ab 1995 wurden Waffen von anderen Staaten erworben, u.a. von Russland, Nord Korea und Indien.11

[...]


1 Das Land wurde Ende der 80er Jahre in Union von Myanmar umbenannt. Einige Staaten und Zeitungen verwenden weiterhin den alten Namen Burma. In dieser Arbeit wird aus Gründen der Einheitlichkeit fast ausschließlich der Name Myanmar verwendet.

2 Charney, 2099: S. 78 f.

3 Charney, 2009: S. 79 f.

4 ebd.

5 Charney, 2009: S. 126.

6 Haacke, 2005: S. 25 f; Holliday, 2009: S. 489.

7 Haacke, 2005: S. 26.

8 „When Premier Li Peng visited in 1994, the SLORC referred to China as its ‘most trusted friend’.” Haacke, 2005: S. 26.

9 Haacke, 2005: S. 27f.

10 Haacke, 2005: S. 27f.

11 ebd.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
China und Myanmar. Auswirkungen des Reformprozesses auf die Sino-Burmesischen Beziehungen
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Ostasiatisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V215632
ISBN (eBook)
9783656440642
ISBN (Buch)
9783656441533
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
China, Internationale Beziehungen, Burma, Myanmar, Burma Reformen, Myanmar Reformen, Beziehungen China Burma, Beziehungen China Myanmar, ASEAN, Internationale Politik, China Wirtschaftsbeziehungen, China Südostasien, Politik Südostasien, Politik Südasien
Arbeit zitieren
Arif Akdogan (Autor), 2012, China und Myanmar. Auswirkungen des Reformprozesses auf die Sino-Burmesischen Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215632

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