Die lange arabische Epoche in Spanien (711 bis 1492) hat nicht nur in Kunst und Kultur Spuren hinterlassen, sondern auch in der Sprache ihren Niederschlag gefunden. Zwar wurde den Bewohnern die arabische Sprache nicht völlig aufgedrängt, aber durch die Arabisierung Spaniens gelangten viele arabische Sprachelemente ins Romanische. Bis heute lebt im Spanischen der sprachliche Einfluss der lexikalischen Arabismen fort.
Dies zeigt sich deutlich bei den spanischen Orts- und Flussnamen. Gerade in der Toponymik ist der Einfluss des Arabischen am Stärksten erhalten geblieben. Große Flüsse wie der Guadalquivir oder der Guadiana tragen heute noch arabische bzw. arabisierte Namen. Ähnliche Einflüsse zeigen sich bei vielen bekannten Städten wie Zaragoza, Córdoba, Almería oder Murcia.
Bei der Behandlung des Themas wird eine Klassifizierung der Toponymik vorgenommen und drei Aspekte werden besonders herausgestellt: Zum einen wird auf die verschiedenen sprachlichen Typen (mozarabische, arabisierte, hybride, rein arabische Namen) und Formungsprinzipien eingegangen. Zum anderen wird die inhaltliche Bedeutung des arabischen Namensgutes untersucht, das sich überwiegend aus Eigennamen oder Sachbezeichnungen herleitet. Drittens wird die räumliche Verteilung der Ortsnamen bzw. der Flussnamen arabischen Ursprungs aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Sprachliche Typen und Formungsprinzipien
2.1 Mozarabische Namen
2.2 Arabisierte Namen
2.3 Hybride Namen
2.4 Rein arabische Namen
3. Bedeutung der arabischen Ortsnamen
3.1 Eigennamen
3.2 Sachbezeichnungen
4. Räumliche Verteilung der arabischem Ortsnamen
5. Flussnamen arabischen Ursprungs und deren räumliche Verteilung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die arabischen und arabisierten topographischen Namen Spaniens mit dem Ziel, diese nicht nur zu summieren, sondern eine wissenschaftliche Klassifizierung vorzunehmen und ihre räumliche Verbreitung auf der Iberischen Halbinsel aufzuzeigen.
- Sprachliche Typen und Formungsprinzipien von Ortsnamen
- Bedeutung arabischer Eigennamen und Sachbezeichnungen
- Räumliche Analyse der Arabisierung anhand von Karten
- Klassifizierung und Verteilung arabischer Flussnamen
- Historischer Kontext der Reconquista und ihr Einfluss auf die Toponymik
Auszug aus dem Buch
3.2 Sachbezeichnungen
Himmelsrichtungen: Algarbe = der Westen. Jarque = der Osten. Alquibla = der Mittag, Süden.
Reliefbezeichnungen: Gibraltar = Berg des Ţāriķ. Algar = Höhle. Mancha = Hochebene. Albacete = Ebene. Zafra = Felsen, Felsburg.
Fließende Gewässer: Sie werden in Kapitel 5 näher behandelt. Aber wie im Deutschen werden auch im Arabischen die Namen fließender Gewässer auf Siedlungen, Berge und Gebirge übertragen. So ergeben sich Orte wie Guadalajarra = Steinbach. Guadarrama = Sandfluss. Guadalcazar = Schlossbach. Guadalupe = Wolfsfluss. Hierher gehört auch Rambla = trockenes, sandiges Flussbett.
Boden, Bergbau, Heißquellen: Alhambra = die rote Erde. Almagra = der Rotlehm. Almadén = das Bergwerk. Alhama = die Therme.
Naturpflanzen: Acebuche = der wilde Ölbaum. Alcornoque = die Steineiche. Moeda = Macchienberg.
Kulturpflanzen: Alloz = der Mandelbaum. Garrobe = das Johannisbrot.
Agrarische Bezeichnungen: Almarcha = die (sumpfige) Wiese (36-mal vorkommend). Alaraz = das Feld.
Bewässerungswirtschaft: Sie wurde von den Arabern in Spanien zu einer vorher nie erreichten Blüte gebracht. Almunia = das bewässerte Landgut. Alberca = das Bewässerungsbecken. Noria = Wasserhebewerk.
Gewerbe: Alfar = die Töpferware. Almázara = die Ölpresse.
Verkehr: Alcántara - die Brücke. Albareda = die Post.
Gebäude und Siedlungen: Allen voran steht Aldea = das Dorf, das in Spanien 229-mal vorkommt. Ráfal = der Bauernhof. Medina = die Stadt. Azor = die Mauer. Almodóvar = die runde Siedlung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Gibt einen Überblick über die historische Präsenz der Araber in Spanien und begründet die Relevanz der topographischen Erforschung.
2. Sprachliche Typen und Formungsprinzipien: Klassifiziert Ortsnamen in mozarabische, arabisierte, hybride und rein arabische Typen anhand ihrer Entstehungsweise.
3. Bedeutung der arabischen Ortsnamen: Untersucht die inhaltliche Semantik der Namen, unterteilt in Eigennamen sowie Sachbezeichnungen aus verschiedenen Lebensbereichen.
4. Räumliche Verteilung der arabischem Ortsnamen: Analysiert die geographische Dichte der Arabisierung auf der Halbinsel unter Berücksichtigung von Siedlungstypen.
5. Flussnamen arabischen Ursprungs und deren räumliche Verteilung: Betrachtet spezifisch die langlebigen Flussbezeichnungen und deren kontinuierliche Zunahme von Norden nach Süden.
Schlüsselwörter
Arabismen, Toponymik, Iberische Halbinsel, Ortsnamen, Flussnamen, Arabisierung, Reconquista, Sachbezeichnungen, Sprachwissenschaft, Siedlungsgeschichte, Maurisches Spanien, Sprachkontakt, Namenskunde, Historische Geographie, Lautensach.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss des Arabischen auf die spanische Toponymik, insbesondere auf Orts- und Flussnamen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die linguistische Typologie, die inhaltliche Bedeutung der Namen sowie deren räumliche Verteilung auf der Iberischen Halbinsel ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine exemplarische Klassifizierung der arabisch geprägten Toponymik, statt einer bloßen Auflistung von Namen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-geographische Analyse verwendet, die auf dem Vergleich von Namenkatalogen und der Untersuchung phonetischer und morphologischer Gesetze basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die sprachliche Kategorisierung, die inhaltliche Deutung von Eigen- und Sachbezeichnungen sowie die kartographische Auswertung der Dichteverteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arabismen, Toponymik, Reconquista und die räumliche Differenzierung der sprachlichen Spuren der maurischen Herrschaft.
Warum sind Flussnamen für die Untersuchung besonders wichtig?
Flussnamen besitzen laut Autor ein höheres Alter als Siedlungsnamen und sind geographisch gesehen deutlich beständiger gegenüber Veränderungen.
Welche Rolle spielt die Siedlungsstruktur bei der Interpretation der Dichtekarten?
Die Siedlungsdichte beeinflusst die Punktdichte in den Karten; daher muss bei der Interpretation stets der Siedlungstyp (Weiler, Dörfer, Latifundien) mit einbezogen werden.
Inwiefern hat die Reconquista das arabische Namensgut beeinflusst?
Die Wiedereroberung durch die Christen führte insbesondere in den Ebenen zur Veränderung der Siedlungsstruktur und damit teilweise zum Untergang alter arabischer Namen.
Wie unterscheidet sich die Arabisierung auf den Balearen von der auf dem Festland?
Auf den Balearen ist die Arabisierung im Namensschatz besonders stark ausgeprägt, was auf eine hohe Anzahl an Einzelhöfen mit arabischen Namen zurückzuführen ist.
- Arbeit zitieren
- Dr., M.A. Roland Engelhart (Autor:in), 2013, Arabismen in spanischen Orts- und Flussnamen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215681