Der Universalienstreit. Wie es Umberto Eco in seinem Roman "Der Name der Rose" gelingt, die philosophische Disputation über die Universalienfrage auszugleichen


Facharbeit (Schule), 2012

14 Seiten, Note: 14 Punkte (Note 1)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Universalienstreit

3. Zusammenfassung

4. Der Universalienstreit im Roman
4.1 Positionierung des Protagonisten William v. B
4.2 Positionierung der Abtei

5. Die Postmoderne

6. Interpretation des Schlusssatzes

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach dem Lesen von Ecos Roman „Der Name der Rose“ konnte ich zwischen dem kriminalistischen Inhalt und dem Titel keine Kausalität erkennen. Meine Recherchen in den Medien ergaben, dass es nicht nur mir so erging. Doch der Autor selbst lieferte mir eine Erklärung, in Form der veröffentlichten Nachschrift. In dieser nennt er ein Zitat von Abaelard als Grundlage für den Titel, dessen Deutung er dem Leser allerdings offen lässt. Da ich es nun genauer wissen wollte, beschäftige ich mich mit Abaelard und seinen Aussagen. Es stellte sich heraus, dass der Satz „Nulla rosa est.“ zur Erläuterung seiner Position im Universalienstreit diente. Die Möglichkeit, dass Eco in seinem Bestseller Roman parallel zur kriminalistischen Handlung ein philosophisches Thema behandelt, interessierte mich und ich entschloss mich dazu, meine Facharbeit darauf zu konzentrieren.

Im Nachfolgenden untersuche ich, wie Eco den Universalienstreit in seinen Roman einbaut und ihn ausgleicht. Zu diesem Zweck erarbeite ich worum es im Universalienstreit geht, um in der anschließenden Zusammenfassung die Stellen hervorheben zu können, in denen der Autor dieses Thema aufgreift. Da ich Grund zur Annahme habe, dass die Protagonisten des Kriminalromans auch die Disputationspartner im Universalienstreit sind, werde ich deren Positionierung zu dem Streit herausarbeiten, um Ansatzpunkte für einen möglichen Ausgleich zu finden. Um keine Möglichkeiten ungenutzt zu lassen, werde ich mich auch mit der Literaturepoche befassen, der das Buch zugeschrieben wird, der Postmoderne. Besonders der Schlusssatz im Roman erschien mir beim Lesen großes Interpretationspotenzial im Bezug auf das Thema der Universalien zu haben, weswegen ich ihm einen eigenen Untersuchungsabschnitt widme. Abschließend fasse ich dann meine erlangten Erkenntnisse zusammen, um die Frage nach einem im Roman genannten Ausgleich des Streits bestmöglich zu beantworten.

2. Der Universalienstreit

Der Begriff der Universalien leitet sich vom lat. Universalia, die Allgemeinbegriffe, ab.[1] Die Streitfrage, ob die Namen der Dinge vorherbestimmt sind (ante res) oder Teil der Dinge sind (in rebus), taucht erstmals in den Lehren Platons und in denen seines Schülers Aristoteles' auf. Platon geht in seinen Lehren von einem dualem Reich immaterieller, transzendenter Wesen aus. Diese nennt er „Ideen". Sie nehmen in seinen Lehren die Rolle der Substanz (griech. ousía) der realen Individuen ein. Demzufolge ist jede gewonnene Erkenntnis über ein Individuum eine Wiedererkennung der Seele (griech. Anamnesis) an die „Ideen“.[2],[3] Da das „Ideenreich“ parallel existiert, spricht man auch vom platonischen Dualismus. Aristoteles hingegen forderte, dass die Substanz der Dinge in ihnen selbst liege. Sein Dualismus geht von Form (lat. forma) und Stoff (lat. materia) aus, die untrennbar im Einzelding liegen, wodurch eine Erkenntnis durch das Studium eines Individuums erlangt werden kann.[4] Diese Thematik wird im Hochmittelalter (um das 13. Jahrhundert) wieder aufgegriffen. Man orientierte sich wieder stärker an den Philosophen der Antike und entwickelte eine neue Methode der Beweisführung, die Scholastik. Diese fußt auf den Arbeiten von Anselm von Canterbury (1033-1109).[5] In seinem Werk „ De Veritate" versucht er mittels dem „ontologischen Argument" die Existenz eines Gottes, dem Schöpfer der „Ideen", scholastisch zu beweisen: Die ewigen Wahrheiten in Gott (die „Ideen"), der damit verbundenen Wahrheit der Dinge und der Wahrheit des Denkens und der Aussage.[6] Für ihn stellen die antiken „Ideen“ Urbilder der nichtschaffenden Natur, bzw. der Individuen dar. Der Philosoph Boethius kommentierte dies mit einem Zitat Porphyrius', in welchem er sich fragt, ob die Einzeldinge real sind oder nur in den Gedanken; wenn sie existieren, ob sie körperlicher Natur sind; ob sie von den sinnlichen Dingen getrennt sind oder in ihnen befinden. Die zentrale Frage des dadurch losgetretenen Universalienstreits war, ob die Universalien (die Allgemeinbegriffe) außerhalb der Erkenntnis (ante res) oder nur in der Erkenntnis existieren (in rebus). Daraufhin bildeten sich zwei Hauptpositionen: Der Begriffsrealismus und der Nominalismus. Der von der Kirche eingeführte Realismus wollte beweisen, dass nur die Universalien (die Allgemeinbegriffe) an sich existieren und aus ihnen die konkreten Einzeldinge (Individuen) erwachsen. Durch diese Argumentation wollten sie die Existenz einer causa prima[7] nachweisen. Dagegen nahm der Nominalismus an, dass nur die Individuen real existieren, die Universalien nur als bloße Laute (flatus vocis, dt. Hauch der Stimme). Neben den extremen Hauptpositionen bildeten sich im Laufe der Zeit einige gemäßigtere Richtungen.[8],[9],[10] Eine dieser Richtungen ist eine abgewandelte Form des Nominalismus, der Konzeptualismus. Die Konzeptualisten vertraten neben dem nominalistischen Gedanken der Individualität die Ansicht, dass die Universalien Inhalt des göttlichen Geistes sind. In den Dingen bestehen sie jedoch nur als eine im Nachhinein vom menschlichen Geist festgestellte Gemeinsamkeit (post res), nicht als eigentliche Sache (res). Sie können nur durch Abstraktion[11] erfasst werden.[12],[13]

Konzeptualistische Ansicht zum Universalienstreit[14]

[...]


[1] Hoffmeister, Johannes: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Darmstadt 1995. S.631

[2] Anamnesis. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Anamnesis.html, 19.02.2012

Platon: Sämtliche Werke Bd. V Spätdialoge I. Artemis-Jubiläumsausgabe. Zürich und München 1974. S.321-415.

[4] Kunzmann 2002, S.49

[5] Ebd. S.73

[6] Vgl. Canterbury, Anselm von: De Veritate (dt. Über die Wahrheit). P. Franciscus Salesius Schmitt O.S.B.. Imprimatur Wimpfen 1966. Stuttgart-Bad Cannstatt 1966

[7] hier: Substanz, auf die alles Existente zurückgeht, das Urbild

[8] Vgl. Matthias, Peter: GEO-Themenlexikon. Philosophie. Ideen, Denker, Visionen. A-Z. Mannheim 2007. S.352

[9] Vgl. Kunzmann 2002, S.75

[10] Hoffmeister 1995, S.631

[11] hier: „Die A. ist das wichtigste Mittel, die unübersehbare Mannigfaltigkeit der Gegenstände, die uns in der Anschauung, in der Vorstellung und auch im Denken selbst entgegentreten, systematisch zu ordnen durch Zusammenfassung[...].“ (Hoffmeister 1995, S.10)

[12] Vgl. Kunzmann 2002, S.75

[13] Vgl. Hoffmeister 1995, S.359

[14] Grafik entnommen aus: Kunzmann 2002, S.74

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Universalienstreit. Wie es Umberto Eco in seinem Roman "Der Name der Rose" gelingt, die philosophische Disputation über die Universalienfrage auszugleichen
Hochschule
Modellschule Obersberg
Note
14 Punkte (Note 1)
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V215710
ISBN (eBook)
9783656442035
ISBN (Buch)
9783656442684
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Universalienstreit, Universalienproblem, Eco, Umberto, Name der Rose, Rose, Diskurs, Deutsch, Q3, Q.3, Postmoderne, Nominalismus, Platon, Philosophie, Ideenlehre
Arbeit zitieren
Florian Schütrumpf (Autor), 2012, Der Universalienstreit. Wie es Umberto Eco in seinem Roman "Der Name der Rose" gelingt, die philosophische Disputation über die Universalienfrage auszugleichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215710

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