Innovationen im Mediensystem zählen heute zu den charakteristischen Merkmalen moderner Gesellschaften. Gerade erleben wir eine neue Veränderung des Kommunikation- und Informationssystems. Multimedia und Internet sind in diesem Kontext sehr wichtige Stichpunkte, unter anderen durch diese neuen Möglichkeiten wird die zum „ globalen Dorf “. Aber diese Innovationen stellen hier nicht den Gegenstand des Interesses dar, sondern es geht um die Einführung der Kabelkommunikation oder Breitbandkommunikation am Ende der 70er Jahre. Das war die nächste große Veränderungswelle im Bereich der Medien nach der Zeit des Entstehens von Rundfunk und der Einführung des Fernsehens in den 50er Jahren. Das Fernsehen ist es mit diesem Schritt gelungen, den Weg zum eindeutig bestimmenden und bedeutendsten Massenmedium unserer Zeit einzuschlagen. Der Platz, den es heute einnimmt. Der Weg war allerdings zur Zeit des Aufkommens der Kabelkommunikation in der Bundesrepublik Deutschland sehr steinig. Heftiger Streit brach damals in den Bereichen Politik, Medien, Wissenschaft und Wirtschaft aus. Fragen wie Finanzierung, Akzeptanz bei der Bevölkerung, Zulassung von ersten privaten Rundfunkveranstaltern, rechtliche Einordnung der neuen Medien, Auswirkungen der Ausweitung des Fernsehprogrammangebots auf Familie und Freizeitverhalten usw. spielten in der Diskussion wichtige Rollen. Die damalige Bundesregierung Brandt richtete zur Lösung dieser Probleme eine Regierungskommission ein. Die „Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationsystems“ (KtK) brachte dann sogleich den Vorschlag ein, Modellversuche, genauer Kabelpilotprojekte durchzuführen, die das Ziel haben sollten, Erkenntnisse für einen späteren flächendeckenden Ausbau des Kommunikationssystems zu gewinnen. Genau um diese Kabelpilotprojekte, - vier an der Zahl - , mit den Standorten Ludwigshafen, München, Dortmund und Berlin, dreht sich das Untersuchungsthema meiner Arbeit. Es gab zwar auch Versuche in Baden-Würtemberg, aber darüber hatte ich nur ungenügend Literatur zur Verfügung. Der Schwerpunkt meiner Ausarbeitung über die Kabelpilotprojekte liegt beim „Kabelfernsehen“. Ich werde mich zuerst mit der Konzeption, dem Weg der Entwicklung hin zur Durchführung der Pilotprojekte, mit dem Zweck und den Zielen der Modellversuche beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Konzeption und die Ziele der Kabelpilotprojekte
1.1 Die Einordnung der damaligen „neuen“ Kommunikationsdienste
2. Die einzelnen Kabelpilotprojekte
2.1. Die frühen Versuche
2.2. Das Kabelpilotprojekt Ludwigshafen/Vorderpfalz
2.3. Das Kabelpilotprojekt München
2.4. Das Kabelpilotprojekt Dortmund
2.5. Das Kabelpilotprojekt Berlin
3. Ein Überblick: Befunde, Erkenntnisse und Prognosen aus den Kabelpilotprojekten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung der Kabelkommunikation in der Bundesrepublik Deutschland anhand der vier Modellversuche in Ludwigshafen, München, Dortmund und Berlin. Ziel ist es, die Konzeption, den Zweck und die Ergebnisse dieser Projekte darzustellen, um die Akzeptanz, das Nutzungsverhalten und die medienpolitische Bedeutung der damals neuen Breitbandtechnologien kritisch zu beleuchten.
- Historische Konzeption und medienpolitische Rahmenbedingungen der Kabelpilotprojekte
- Vergleichende Analyse der vier Projektstandorte und ihrer spezifischen Programmangebote
- Sozialwissenschaftliche Begleitforschung und deren Erkenntnisse zur Mediennutzung
- Auswirkungen der Kabelkommunikation auf das bestehende Mediensystem und Freizeitverhalten
Auszug aus dem Buch
2.2. Das Kabelpilotprojekt Ludwigshafen/Vorderpfalz
Im Juni 1982 wurde zur Durchführung des Kabelpilotprojektes die öffentlich-rechtliche Anstalt für Kabelkommunikation (AKK) gegründet. 1983 konnte die AKK bereits in eine eigene Sendezentrale einziehen. Die Kosten für Bau und Ausstattung beliefen sich auf 21 Millionen DM. Der offizielle Sendebeginn vollzog sich am 1. Januar 1984. Wiederum spielte das Pilotprojekt Ludwigshafen/Vorderpfalz in dieser Hinsicht den Vorreiter für die anderen Projekte. Die Laufzeit des Versuchs betrug zwei Jahre.
Bis zum Start 1984 waren 40000 Anschlußmöglichkeiten geschaffen worden. Allerdings ging der Prozeß der direkten Anschlüsse an die Haushalte anfangs mit Skepsis und Zurückhaltung einher, denn am 1. Januar waren erst 1200 Haushalte angeschlossen. Bis Mitte Januar registrierte man etwa 3800 weitere Interessenten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung erläutert den historischen Kontext der Einführung der Kabelkommunikation am Ende der 70er Jahre und definiert die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der vier ausgewählten Kabelpilotprojekte.
1. Die Konzeption und die Ziele der Kabelpilotprojekte: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung der Modellversuche auf Empfehlung der KtK-Kommission sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen und spezifischen Untersuchungsziele.
1.1 Die Einordnung der damaligen „neuen“ Kommunikationsdienste: Hier werden unterschiedliche technische Dienste wie Videotext, Bildschirmtext und Kabeltext hinsichtlich ihrer Übertragungsform und Kapazität differenziert.
2. Die einzelnen Kabelpilotprojekte: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Übersicht über die vier verschiedenen Standorte, deren organisatorische Struktur und Programmgestaltung.
2.1. Die frühen Versuche: Ein Rückblick auf das gescheiterte „Projekt Kassel“ und die begleitenden Laborstudien am Heinrich-Hertz-Institut.
2.2. Das Kabelpilotprojekt Ludwigshafen/Vorderpfalz: Detaillierte Darstellung des Pionierprojekts, inklusive der Rolle der AKK und der Beteiligung privater Programmveranstalter.
2.3. Das Kabelpilotprojekt München: Analyse der organisatorischen Grundlagen in Bayern, die nicht auf einem Landesgesetz, sondern auf einem Grundvertrag basierten.
2.4. Das Kabelpilotprojekt Dortmund: Untersuchung des Projekts in Nordrhein-Westfalen, das sich strikt an der bestehenden öffentlich-rechtlichen Rundfunkordnung orientierte.
2.5. Das Kabelpilotprojekt Berlin: Beschreibung des Berliner Ansatzes, der die Erprobung individueller Breitband-Dialogdienste in den Mittelpunkt stellte.
3. Ein Überblick: Befunde, Erkenntnisse und Prognosen aus den Kabelpilotprojekten: Zusammenfassende Bewertung der sozialwissenschaftlichen Begleitforschung und der langfristigen Auswirkungen der Kabelnutzung auf das Freizeitverhalten und die Medienvielfalt.
Schlüsselwörter
Kabelpilotprojekte, Kabelfernsehen, Breitbandkommunikation, Modellversuche, Ludwigshafen, München, Dortmund, Berlin, Begleitforschung, Medienpolitik, Rundfunkordnung, Programmangebot, Mediennutzung, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Private Rundfunkveranstalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen Kabelpilotprojekte in Deutschland, die in den 1980er Jahren durchgeführt wurden, um die Einführung der Kabel- und Breitbandkommunikation zu erproben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die medienpolitische Konzeption, die technische Umsetzung an den vier Standorten, die Rolle der Programmveranstalter sowie die sozialwissenschaftliche Untersuchung der Medienakzeptanz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zweck der Modellversuche zu erklären und anhand der Begleitforschung aufzuzeigen, wie sich das Programmangebot und das Nutzungsverhalten durch das Kabelfernsehen verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse der offiziellen Berichte, Gesetze und sozialwissenschaftlichen Forschungsberichte zu den jeweiligen Modellversuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der vier Pilotprojekte, wobei jeder Standort hinsichtlich seiner gesetzlichen Grundlage, Organisation und inhaltlichen Besonderheiten detailliert untersucht wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kabelpilotprojekte, Breitbandkommunikation, Begleitforschung, Mediennutzung und die spezifischen Standorte Ludwigshafen, München, Dortmund und Berlin sind die zentralen Begriffe.
Warum galt das Projekt in Ludwigshafen als „Vorreiter“?
Ludwigshafen war das erste Projekt, das am 1. Januar 1984 startete und zudem das umfangreichste Feldexperiment mit einer „Vorher-Nachher-Messung“ für die sozialwissenschaftliche Begleitforschung bot.
Was unterschied das Dortmunder Projekt von den anderen?
Dortmund hielt sich streng an die bestehende öffentlich-rechtliche Rundfunkordnung und erlaubte im Gegensatz zu den anderen Standorten keine privaten Trägerschaften für Programme.
Welche Bedeutung hatten die „Offenen Kanäle“?
Die Offenen Kanäle ermöglichten Bürgern die Partizipation an der Kommunikation über Medien und wurden als Erfolg gewertet, da sie teilweise nach Ende der Projekte fortgeführt wurden.
- Quote paper
- Olaf Kunde (Author), 1998, Die Kabelpilotprojekte der siebziger und achtziger Jahre zu den damaligen neuen Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21572