Können Maschinen denken? Der Turing-Test


Hausarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 11


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Turings vorgreifende Widerlegungen
2.1 Die Ersetzung einer zentralen Fragestellung: Das Imitationsspiel
2.2 Digitalrechner
2.3 Einwände und Entgegnungen
2.3.1 Lernende Maschinen – ein Argument für Turing

3. Grenzen und Voraussetzungen des Turing-Tests: In welchem Rahmen macht er Sinn?
3.1 Der Turing-Syllogismus oder: Warum ist eine Maschine, die den Turing-Test besteht, intelligent?
3.2 Der Turing-Test als Gedankenexperiment?
3.3 Einige ausgewählte Einschränkungen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema „Künstliche Intelligenz“ oder auch „AI“ (Artificial Intelligence) beschäftigt die Menschen seit langer Zeit und ist heute relevanter und gegenwärtiger denn je zuvor. Maschinen nehmen uns Arbeiten ab und – so zumindest der Konsens in unserem Kulturkreis – machen uns das heutige Leben leichter. Bei dem Begriff der künstlichen Intelligenz liegt auf den ersten Blick immer die Verbindung zur Robotik nahe. Jedoch kommen nicht nur spezialisierte Forschungseinrichtungen mit KI in Kontakt, sie hat mittlerweile Eingang in unseren Alltag gefunden. In vielen Lebensbereichen dient sie uns als „verlängerter Arm“, mittlerweile so selbstverständlich, dass wir es ohne genaueres Hinschauen gar nicht mehr bemerken. Gibt man einen Suchbegriff bei einer großen Suchmaschine wie Google[1] ein, so macht sie einem innerhalb kürzester Zeit Vorschläge für den gewünschten Suchbegriff auf Grundlage dessen, was man in der Vergangenheit gesucht hat, an welchem Standort man sich auf der Welt befindet und (vielen) anderen Faktoren. Ampelschaltungen passen sich dem Verkehr an und Apples Spracherkennungssoftware Siri[2] versucht, verbal eingegebene Benutzerbefehle in entsprechende Handlungen umzusetzen. Komplexe Klimamodelle werden mit verschiedensten Informationen versorgt, um diese für uns zu interpretieren, zusammenzuführen und daraus Prognosen für künftige Klimaveränderungen abzugeben. Oft haben wir gar keinen Einblick in die hinter dieser „künstlichen Intelligenz“ arbeitenden Mechanismen und Abläufe. Viele Maschinen wirken auf uns wie eine „Blackbox“. Wenn von künstlicher Intelligenz die Rede ist, ist damit also weniger die Übernahme eintöniger Tätigkeiten wie das automatische Öffnen der elektrischen Schiebetür am Eingang vom Supermarkt oder die Erhitzung des Leitungswassers für den morgendlichen Tee gemeint. Die KI-Forschung ist bestrebt, in einem gewissen Sinn und Umfang autonom arbeitende Systeme zu erschaffen, die sich „intelligent“ verhalten.

Artificial Intelligence (which I'll refer to hereafter by its nickname, “AI”) is the subfield of Computer Science devoted to developing programs that enable computers to display behavior that can (broadly) be characterized as intelligent.[3]

Die Idee von KI ist wie bereits eingangs erwähnt schon älter. Im Jahr 1950 veröffentlichte Alan M. Turing in der Fachzeitschrift „Mind“ seinen aufsehenerregenden Artikel „Computing Machinery and Intelligence“[4]. Die von ihm dort gefassten Gedanken bzw. der sogenannte „Turing-Test“ sollen die Diskussionsgrundlage für diese Arbeit darstellen. Wie der Titel schon sagt, beschäftigt er sich in dem Aufsatz mit dem Zusammenhang zwischen Rechenmaschinen und Intelligenz. Anstatt auf die Frage „Können Maschinen denken?“ einzugehen, ersetzt er diese durch ein Spiel, in dem eine „Rechenmaschine“ gegen zwei Menschen antritt. Die Entwicklung seiner Idee von Maschinen, die Rechenoperationen ausführen können (welche damit die Grundlage für diesen Artikel darstellen), liegt jedoch noch etwas weiter zurück.

Einige Jahre vor der Veröffentlichung seines Artikels im „Mind“ erschien im Jahr 1936 sein Text „On Computable Numbers with an Application to the Entscheidungsproblem“[5]. Kontextuell anzumerken ist hierbei und auch bei seinem im Jahr 1950 veröffentlichten Artikel, dass es zu dieser Zeit – erst recht nicht im Jahr 1936 – keine Maschinen oder gar Computer gab, die (komplexe) Rechenaufgaben ausführen oder gar ein intelligentes Verhalten zeigen konnten. Noch hat sich zu dieser Zeit die Menge an Menschen mit derartigen Thematiken beschäftigt, wie es heute der Fall ist. Turing war damit seiner Zeit voraus. In Bezug auf das im Titel der Arbeit erwähnte „Entscheidungsproblem“ geht es um die Frage, ob es bei einer gegebenen Problemstellung möglich ist, im Vorfeld zu entscheiden, ob diese lösbar ist oder nicht. Turing beantwortet diese Frage damit, dass dies möglich sei, wenn sich der Lösungsweg in „kleinste, nachvollziehbare Schritte“, wie es bei einem „algorithmischen Rechenverfahren“ der Fall ist, aufteilen lässt. Wenn dies bei einem vorliegenden Problem möglich ist, so kann diese Aufgabe auch von einer Maschine übernommen werden.[6] Turing entwickelte hier das Konzept bzw. die Idee der „Turing-Maschine“.

Eine Turing-Maschine besteht aus einem unendlich langen Speicherband, das in Zellen unterteilt ist, in denen die Daten stehen. Außerdem besitzt sie einen Lese/Schreibkopf, der die Daten aus einer Zelle nimmt, nach den Anweisungen eines Steuerprogrammes bearbeitet und in eine weitere Zelle schreibt. Auf diese Weise können alle mathematischen Operationen, in kleinste Rechenschritte übersetzt, durchgeführt werden.[7]

Erst auf Grundlage dieses Konzeptes von rechnenden Maschinen war es möglich, weitergehende Gedanken von denkenden oder intelligenten Maschinen wie die in dem vorliegenden Artikel „Computing Machinery and Intelligence“ zu entwickeln.

Turing äußerte in diesem Aufsatz die Erwartung, daß künftig Maschinen auf allen intellektuellen Gebieten mit dem Menschen konkurrieren würden und den Glauben, „daß sich bis zum Ende des Jahrhunderts der Wortgebrauch und die allgemeine Einstellung der Gebildeten so weit geändert haben werden, daß man, ohne auf Widerspruch rechnen zu müssen, davon wird sprechen können, daß Maschinen denken“.[8]

In meiner Arbeit möchte ich wie folgt vorgehen. Im ersten Schritt werde ich mich Turings besagten Artikel widmen. Er schrieb über „intelligente Maschinen“ zu einer Zeit, in der es noch nicht einmal den ersten „Personal Computer“ (den frei verkäuflichen Computer) gab. „This means in effect, that if we wish to imitate anything so comlicated as the human brain, we need a very much larger machine than any of the computers at present available.”[9] Zunächst widme ich mich dem besagten Spiel bzw. Turing-Test. Anschließend möchte ich mich auf mögliche Einwände gegen den Turing-Test beziehen, die der Autor in seinem Artikel darstellt bzw. gegen die er versucht, sich argumentativ zu verteidigen. Folgend diskutiere ich die Voraussetzungen und Grenzen des Turing-Tests. Dabei werde ich unter Anderem auf den Turing Syllogismus und die Frage, ob der Test als ein Gedankenexperiment anzusehen ist, eingehen. Abschließend würde ich in meinem Fazit gern noch ein paar eigene Gedanken auf Grundlage des vorher Diskutierten zur der zentralen Fragestellung „Können Maschinen denken?“ fassen.

[...]


[1] www.google.com, Zugriff: 20.03.2013

[2] http://www.apple.com/de/ios/siri/, Zugriff: 20.03.2013

[3] http://plato.stanford.edu/entries/logic-ai/index.html#russell_sj-norvig:2003a, Zugriff: 20.03.2013

[4] (Turing, Computing Machinery and Intelligence, 1950)

[5] (Turing, On Computable Numbers with an Application to the Entscheidungsproblem, 1936)

[6] (Vater, 2001), S.20ff

[7] (Borchers)

[8] (Tietzel, 1984), S.61

[9] (Turing, Can Digital Computers Think?, 2004), S.113

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Können Maschinen denken? Der Turing-Test
Hochschule
Universität Kassel  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Können Maschinen Denken?
Note
11
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V215760
ISBN (eBook)
9783656442967
ISBN (Buch)
9783656443315
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
können, maschinen, turing-test
Arbeit zitieren
Mischa Gillessen (Autor), 2012, Können Maschinen denken? Der Turing-Test, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215760

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