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'Das Heideprinzeßchen' von Eugenie Marlitt. Poetischer Realismus oder Trivialliteratur?

Titel: 'Das Heideprinzeßchen' von Eugenie Marlitt. Poetischer Realismus oder Trivialliteratur?

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2013 , 12 Seiten

Autor:in: Hans-Georg Wendland (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Es stellt sich die Frage, welcher Art von Literatur die Werke der Marlitt zuzuordnen sind. Handelt es sich hier um Trivialliteratur von geringem literarischen Wert oder erfüllen ihre Romane die Kriterien ernstzunehmender Hochliteratur im Stil des poetischen Realismus? Wenn man als Kriterien zugrundelegt, dass - wie in den Werken von Hedwig Courths-Mahler - bestimmte Themen (z. B. Liebe, Abenteuer, Intrigen, Verwechslungen, Verirrungen und abschließendes Happy End) sich in abgewandelter Form beständig wiederholen, Erzählstruktur und Sprache auf bestimmte Grundmuster reduziert werden, der schablonenhafte Aufbau ein leichtes Lesevergnügen garantiert und es sich zudem um weitverbreitete literarische Massenprodukte handelt, kommt man zu dem Schluss, dass Marlitts Romane Beispiele von trivialer Literatur sind. Ob sie deswegen als sentimentaler Kitsch anzusehen sind, sei dahingestellt, denn einige dieser Kriterien könnte man auch in der sogenannten Hochliteratur nachweisen, beispielsweise in den Romanen Theodor Fontanes, dessen Roman "Quitt" 1890 ebenfalls in der von ihm nicht besonders geschätzten "Gartenlaube" erscheint. Eine andere Zuweisung wird häufig unter Hinweis auf den Provinzialismus der Marlittschen Romane vorgenommen. In der Tat kann offenbart sich in ihren Figuren häufig ein klischeehaftes provinzielles Denken, wonach die Welt zweigeteilt ist und der tugendhafte Mensch sich aus der bösen und gemeinen großen Welt ins Private zurückzieht, wo er sich in die Lektüre der "Gartenlaube" vertiefen kann, die ihm das Bild einer überschaubaren kleinen Welt vermittelt, in der er sich zuhause fühlt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk der Autorin im Überblick

Merkmale der Romane und Erzählungen

"Das Heideprinzeßchen": ein Heideroman?

Die Heide als naturnaher Lebensraum und Kulisse für menschliche Schicksale

Die Heide als Zufluchtsort und Projektionsfläche für die Sehnsucht nach Geborgenheit und Harmonie

Die Verschiebung von Innen- und Außenperspektive: die Ambivalenz von Land- und Stadtleben

Eugenie Marlitt als Autorin der "Gartenlaube"

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese wissenschaftliche Untersuchung analysiert das Werk "Das Heideprinzeßchen" von Eugenie Marlitt vor dem Hintergrund ihrer Einordnung in den literarischen Kontext des bürgerlichen Realismus sowie der trivialliterarischen Strukturen ihrer Zeit. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der räumlichen Inszenierung der Lüneburger Heide als Projektionsfläche für menschliche Schicksale und der ambivalenten Gegenüberstellung von ländlichen und städtischen Lebenswelten.

  • Biografische Einordnung und schriftstellerische Entwicklung von Eugenie Marlitt.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Zuordnung zum poetischen Realismus versus Trivialliteratur.
  • Analyse der "Gartenlaube" als mediales und kommerzielles Umfeld.
  • Untersuchung der topografischen und symbolischen Bedeutung der Heide.
  • Perspektivwechsel zwischen kindlich-naiver Wahrnehmung und gesellschaftlicher Konvention.

Auszug aus dem Buch

Die Heide als naturnaher Lebensraum und Kulisse für menschliche Schicksale

Im "Heideprinzeßchen" entfaltet Eugenie Marlitt das beeindruckende Talent, eine ihr an sich nicht vertraute Landschaft detailreich zu beschreiben. Sie tut dies nicht, weil sie die Heide um ihrer selbst willen liebt oder aus reiner Naturbegeisterung. In diesem Roman bildet die Heide vielmehr eine natürliche Kulisse für bewegte menschliche Schicksale. Dabei kommen zwei Grundaspekte immer wieder zum Tragen: Einerseits wird die Heide in ihrer vermeintlichen Ursprünglichkeit und Unberührtheit und auch in ihrer anspruchslosen Kargheit beschrieben, andererseits bildet sie eine von Menschen seit Jahrhunderten besiedelte und gestaltete Kulturlandschaft, deren Kargheit prägend für ihre Lebensweise geworden ist und für die sie von verwöhnteren Menschen verachtet und gemieden wird.

Aus der kindlichen Perspektive der Protagonistin sind beide Aspekte gleichermaßen bedeutsam, und sie werden beide gleichermaßen idealisiert und mit einer Aura des Geheimnisvollen und Wunderbaren versehen , während ihre erwachsene Umgebung die Dinge etwas realistischer beurteilt. In dieser paradiesischen Umgebung, die sich bei genauerem Hinsehen als fruchtbar und menschenfreundlich erweist, scheinen Natur und Mensch zu einer harmonischen Synthese zu verschmelzen.

Zusammenfassung der Kapitel

Leben und Werk der Autorin im Überblick: Dieser Abschnitt bietet einen biografischen Abriss von Eugenie Marlitts Leben, von ihrer musikalischen Ausbildung bis hin zu ihrem Aufstieg als erfolgreiche Bestsellerautorin der "Gartenlaube".

Merkmale der Romane und Erzählungen: Hier werden die literarischen Kennzeichen von Marlitts Prosa analysiert, insbesondere die Einordnung als Vertreterin des bürgerlichen Realismus sowie die Darstellung traditioneller Frauenbilder und moralischer Tugenden.

"Das Heideprinzeßchen": ein Heideroman?: Das Kapitel hinterfragt die Gattungsbezeichnung und untersucht die Rolle der Heide als zentralen Schauplatz, der in Marlitts Werk ansonsten eher thüringisch geprägt ist.

Die Heide als naturnaher Lebensraum und Kulisse für menschliche Schicksale: Diese Sektion beleuchtet, wie die Heide als gestaltete Kulturlandschaft und als atmosphärischer Hintergrund für die Entwicklung der Protagonistin fungiert.

Die Heide als Zufluchtsort und Projektionsfläche für die Sehnsucht nach Geborgenheit und Harmonie: Der Text erörtert, wie die Abgeschiedenheit der Heide für die Charaktere zur Flucht vor städtischen Konflikten und zur Suche nach innerem Frieden wird.

Die Verschiebung von Innen- und Außenperspektive: die Ambivalenz von Land- und Stadtleben: Dieser Teil analysiert den Kontrast zwischen der kindlichen Naturverbundenheit Leonores und der städtischen Welt ihres Vaters sowie die daraus resultierenden Identitätskonflikte.

Eugenie Marlitt als Autorin der "Gartenlaube": Abschließend wird die symbiotische Geschäftsbeziehung zwischen Marlitt und dem Verleger Ernst Keil untersucht und wie die serielle Veröffentlichungsweise ihren kommerziellen Erfolg sicherte.

Schlüsselwörter

Eugenie Marlitt, Das Heideprinzeßchen, Gartenlaube, bürgerlicher Realismus, Trivialliteratur, Frauenbild, Lüneburger Heide, 19. Jahrhundert, serielle Literatur, Familienroman, Naturdarstellung, Heimatliteratur, Ernst Keil, Identitätsfindung, Land-Stadt-Kontrast.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Roman "Das Heideprinzeßchen" von Eugenie Marlitt und beleuchtet sowohl die literarische Einordnung des Werkes als auch die spezifische Gestaltung der Schauplätze und Figurenkonstellationen im Kontext des 19. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die Natur- und Raumdarstellung, die Ambivalenz zwischen ländlichem und städtischem Leben sowie die Untersuchung der literarischen Qualität zwischen Realismus und Trivialität.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Marlitt durch die gezielte Nutzung von Naturmotiven und Kontrasten eine Leserschaft für ihre Familienromane gewinnen konnte, die gesellschaftliche Werte widerspiegelten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text kritisch untersucht, Gattungsmerkmale reflektiert und biografische sowie zeitgenössische Kontexte einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der landschaftlichen Inszenierung der Heide, der psychologischen Entwicklung der Protagonistin Leonore und der engen Zusammenarbeit zwischen der Autorin und ihrem Verleger Ernst Keil.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Eugenie Marlitt, bürgerlicher Realismus, Trivialliteratur, Heide-Motivik, Gartenlaube und das Frauenbild des 19. Jahrhunderts.

Warum wird Leonore als "Heideprinzeßchen" bezeichnet?

Der Titel bezieht sich auf die Protagonistin, die in der Abgeschiedenheit der Lüneburger Heide aufwächst und dort, fernab der städtischen Welt, ein idealisiertes, fast märchenhaftes Leben führt.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des "poetischen Realismus" bei Marlitt?

Die Untersuchung macht deutlich, dass Marlitt zwar Elemente des poetischen Realismus nutzt, ihr Werk jedoch stark durch trivialliterarische Muster wie Klischees, Schwarz-Weiß-Malerei und ein standardisiertes Erfolgsrezept geprägt ist.

Welche Funktion hat die Heide im Roman?

Die Heide fungiert als komplexer Raum: Einerseits als unberührter Zufluchtsort für die Großmutter und Leonore, andererseits als Projektionsfläche für ihre Sehnsüchte und als Kulisse, die im Verlauf des Romans der zivilisierten Stadt weichen muss.

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Details

Titel
'Das Heideprinzeßchen' von Eugenie Marlitt. Poetischer Realismus oder Trivialliteratur?
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Philosophische Fakultät)
Autor
Hans-Georg Wendland (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V215815
ISBN (eBook)
9783656444763
ISBN (Buch)
9783656445227
Sprache
Deutsch
Schlagworte
heideprinzeßchen eugenie marlitt poetischer realismus trivialliteratur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hans-Georg Wendland (Autor:in), 2013, 'Das Heideprinzeßchen' von Eugenie Marlitt. Poetischer Realismus oder Trivialliteratur?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215815
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Leseprobe aus  12  Seiten
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