„Korruption ist verlockend, weil sie ethisch gerechtfertigt ist.“
Ist diese These des Politik- und Medienwissenschaftlers Frank Überall zutreffend? Diese Frage soll im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden, da das Thema Kor-ruption besonders in einer Zeit der fortschreitenden Globalisierung immer wieder für Schlagzeilen in den Medien sorgt und ein aktuelles Problem darstellt.
Insbesondere gilt es im Rahmen dieser Arbeit zu überprüfen, welche Branchen und Persönlichkeiten zu Korruption neigen, wobei ein statistischer Ausblick helfen soll. Weiterhin wird im Rahmen dieser Arbeit die Frage nach dem Unrechtsbewusstsein der Gesellschaft und den Leidtragenden der Korruption beantwortet werden.
Als Ergebnis der Arbeit werden Vorschläge zur Korruptionsprävention dargestellt, die aus den im Hauptteil gewonnenen Erkenntnissen resultieren. Aufgrund des Umfangs der Arbeit können nicht alle Punkte eine kritische Würdigung erfahren.
Als Literaturgrundlage wurden verschiedene Quellen ausgewertet. Darunter vor allem Bücher und Publikationen verschiedener Organisationen wie z.B.
Transparency International Deutschland e.V..
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1. Was ist Korruption?
2.2. Situative und strukturelle Korruption
2.3. Ursachen für Korruption
3. Darstellung der Korruptionsmuster
3.1. Korruptionsstatistik – Darstellung der Kriminalitätslage
3.2. Branchenvergleich Korruption
3.3. Täterprofile
4. Auswirkungen und Begleiterscheinungen von Korruption
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Phänomene der Korruption in Deutschland, insbesondere deren Ursachen, die statistische Kriminalitätslage sowie die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Ziel ist es, durch die Analyse von Korruptionsmustern und Täterprofilen ein tieferes Verständnis für dieses komplexe Problem zu gewinnen und präventive Ansätze für Unternehmen aufzuzeigen.
- Definition und kriminologische Einordnung von Korruption
- Statistische Auswertung der Korruptionsstraftaten und Schadenshöhen
- Analyse der Ursachen (u.a. Wertewandel, Organisationsstrukturen)
- Charakterisierung von Täterprofilen (Betrügerpersönlichkeit vs. typischer Täter)
- Präventionsstrategien wie Compliance-Management-Systeme
Auszug aus dem Buch
3.3. Täterprofile
Als literarische Grundlage für die Charakterisierung dient eine empirische Untersuchung von Bannenberg (2002) und dem Bundeskriminalamt. Im Rahmen dieser Studie wurden 101 Strafverfahren aus 14 Bundesländern mit 436 Beschuldigten untersucht. Die Korruptionsstraftaten ereigneten sich zwischen 1995 und 1998. Als Ergebnis der Studie wurden zwei Täterprofile dargestellt. Es wurde das Profil der „Betrügerpersönlichkeit“ und das Profil des „Typischen Täters“ identifiziert.
Die Betrügerpersönlichkeit konnte nur in 5-10 Prozent der untersuchten Straftaten ermittelt werden, dafür werden ihr aber die schwerwiegenden Straftaten zugerechnet. Die Betrügerpersönlichkeit zeichnet sich aus durch einen ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung und Angeberei, vereint mit hoher krimineller Energie. Hinzu kommt eine sehr manipulative Wirkung auf das direkte Umfeld.
Zu der perfekten Fassade der Betrügerpersönlichkeit gehört zudem ein nach außen hin hoher beruflicher Status, wie z.B. Rechtsanwalt oder Notar. Der bereits erfolgte Entzug der Zulassung oder laufende Zivilverfahren und einschlägige Vorstrafen werden dabei ganz bewusst durch den Täter verschwiegen. Charakteristisch ist zudem, dass die Betrügerpersönlichkeit keinerlei Verantwortung übernimmt und diese auch noch bei Verurteilung leugnet.
Im Vergleich zu der Betrügerpersönlichkeit trat der typische Täter deutlich häufiger auf. Er wurde in 90-95 Prozent der durch Bannenberg untersuchten Strafverfahren identifiziert.
Der typische Täter zeichnet sich durch Unauffälligkeit aus. Er hat keine Schulden, keine Vorstrafen und keine illegalen Wertvorstellungen. Der typische Täter ist männlich, mittleren Alters und besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. In der Regel hat er im Unternehmen gewisse Macht- und Entscheidungsbefugnisse, die er sich durch zahlreiche Weiterbildungen erarbeitet hat. Er ist ehrgeizig und investiert viel Zeit in seinen Beruf.
Der typische Täter versteht sein Vorgehen nicht als kriminelle Handlung und verwendet deswegen ausgeprägte Rechtfertigungs- und Neutralisierungstechniken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Korruptionsanfälligkeit verschiedener Branchen und dem Unrechtsbewusstsein in der Gesellschaft.
2. Begriffsdefinitionen: Dieses Kapitel erläutert den kriminologischen Korruptionsbegriff sowie die Unterscheidung zwischen situativer und struktureller Korruption und analysiert deren Ursachen.
3. Darstellung der Korruptionsmuster: Hier wird die Kriminalitätslage anhand von Statistiken, ein Branchenvergleich sowie die Analyse von Täterprofilen vorgenommen.
4. Auswirkungen und Begleiterscheinungen von Korruption: Dieses Kapitel analysiert die makro- und mikroökonomischen Folgen von Korruption, wie Wettbewerbsverzerrungen und Reputationsschäden.
5. Fazit: Das abschließende Kapitel bestätigt die Eingangsthese und schlägt präventive Maßnahmen wie Compliance-Systeme zur Korruptionsbekämpfung vor.
Schlüsselwörter
Korruption, Korruptionsprävention, Wirtschaftskriminalität, Betrugs-Dreieck, Compliance-Management-System, Täterprofile, Informationsasymmetrie, Principal-Agent-Modell, Bestechlichkeit, Bestechung, Strafgesetzbuch, Wettbewerbsfähigkeit, Unrechtsbewusstsein, Wertewandel, Wirtschaftssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Erscheinungsformen, Ursachen und Folgen von Korruption in Deutschland aus betriebswirtschaftlicher und kriminologischer Sicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die statistische Kriminalitätslage, die psychologischen und strukturellen Hintergründe von Korruptionshandlungen sowie die praktischen Ansätze zur Prävention in Unternehmen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Branchen besonders korruptionsanfällig sind und inwieweit das Unrechtsbewusstsein der Gesellschaft und die ökonomischen Rahmenbedingungen Korruption begünstigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung bestehender kriminologischer Studien, Publikationen von Organisationen wie Transparency International sowie Statistiken des Bundeskriminalamtes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Korruptionsmuster, Täterprofile und statistische Entwicklungen detailliert analysiert sowie die Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Unternehmen beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Korruptionsprävention, Compliance, Wirtschafts- und Unternehmensethik sowie Täterprofile (Betrügerpersönlichkeit vs. typischer Täter) maßgeblich geprägt.
Was unterscheidet die "Betrügerpersönlichkeit" vom "typischen Täter"?
Während die Betrügerpersönlichkeit manipulativ ist und schwerwiegende Delikte begeht, zeichnet sich der typische Täter durch Unauffälligkeit, Machtbefugnisse im Unternehmen und das Fehlen eines Unrechtsbewusstseins durch Neutralisierungstechniken aus.
Warum spielt das Principal-Agent-Modell eine Rolle?
Das Modell dient der Erklärung der Ursachen von Korruption, indem es die Informationsasymmetrie zwischen Prinzipal, Agent und Klient als Grundlage für korruptives Verhalten aufzeigt.
Welche Maßnahmen empfiehlt die Autorin zur Korruptionsprävention?
Es wird die Einführung eines Compliance-Management-Systems (CMS), die Einrichtung einer Internen Revision sowie die Nutzung von Geschenkerichtlinien und Hinweisgebersystemen empfohlen.
- Arbeit zitieren
- Saskia Koblitz (Autor:in), 2013, Korruptionsmuster in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215820