Das praktische Wirken der sozialen Arbeit ist in Deutschland nicht ohne den Einfluss der großen Wohlfahrtsverbände denkbar. Insbesondere die konfessionell getragenen Organisationen, der durch die katholische Kirche legitimierte Deutsche Caritasverband (DCV) sowie das von der evangelischen Kirche getragene Diakonische Werk (DW), spielen aufgrund ihrer Größe und breiten Verflechtung in fast allen wesentlichen Bereichen der sozialen Arbeit eine übergeordnete Rolle. Somit leisten sie nicht nur Hilfe für Millionen von Menschen in Deutschland, sondern sie fungieren gleichermaßen als Arbeitgeber für mehr als eine Million Beschäftigte. Aufgrund des in der Verfassung verankerten Selbstbestimmungsrechts der Kirchen dürfen sie sich hierbei gesonderter arbeitsrechtlicher Regelungen bedienen, die ihnen u.a. erlauben, Mitarbeiter nicht nur nach fachlicher Eignung, sondern auch nach konfessionellen Kriterien auszuwählen.
Am Beispiel des Deutschen Caritasverbandes - analysiert wurden Stellenausschreibungen des zentralen Online- Jobportals der Caritas - untersucht die Arbeit, inwieweit die jeweilige Konfessionszugehörigkeit der BewerberInnen in der täglichen Ausschreibungspraxis als Einstellungsbedingung gilt.
Die Ergebnisse der Untersuchung liefern deutliche Hinweise darauf, dass trotz eindeutiger kirchenrechtlicher Bestimmungen keine einheitliche und somit transparente Vorgehensweise der Einrichtungen des DCV festzustellen ist. Darüber hinaus zeigen sich auffällige arbeitsfeldspezifische Differenzen, die vermuten lassen, dass der in Teilen bereits eingetretene Fachkräftemangel in der Sozialwirtschaft Auswirkungen auf die Ausschreibungspraxis der Einrichtungen der Caritas hat, so z.B. in Gesundheits- und Pflegeberufen.
Angesichts einer pluralen Gesellschaft, die jegliche Diskriminierungstendenzen zunehmend missbilligt (Stichwort: Inklusion), wirft der systematische Ausschluss von BewerberInnen ohne "passende" Konfession die Frage auf, ob die bestehende Praxis der konfessionell getragenen Verbände noch legitim und zeitgemäß ist.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Rolle der konfessionellen Träger im deutschen Wohlfahrtsstaat
- Der Deutsche Caritasverband
- Aufbau und Leitbild des Deutschen Caritasverbandes
- Die rechtliche Sonderstellung konfessioneller Träger
- Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 4. Juni 1985
- § 9 AGG Ausnahmeregelung für kirchliche Organisationen
- Urteil des Arbeitsgerichts Hamburg vom 4. Dezember 2007
- Auswirkungen des europäischen Antidiskriminierungsrechts
- Das Staat-Kirchen-Verhältnis in Deutschland aus Sicht der politischen Parteien
- Personalauswahl aus Sicht der kirchlichen Arbeitgeber
- Arbeitsmarktsituation in der Sozialwirtschaft
- Vorgaben der katholischen Kirche in Bezug auf Neueinstellungen
- Vor- und Nachteile einer Mitarbeiterauswahl nach konfessionellen Kriterien
- Die demographische Komponente
- Empirische Untersuchung – Analyse von 685 Stellenausschreibungen des Deutschen Caritasverbandes
- Die Jobbörse der Caritas
- Darstellung der gewählten Untersuchungsmethode
- Abgrenzung der Arbeitsfelder
- Differenzierung der ausgeschriebenen Stellen nach Stellenarten
- Konfessionszugehörigkeit als Einstellungsvoraussetzung
- Vor- und Nachteile der Untersuchungsmethode
- Darstellung der Ergebnisse der empirischen Untersuchung
- Differenzierung nach Arbeitsfeldern
- Differenzierung nach Dienstgebern
- Differenzierung nach Stellenarten
- Konfessionszugehörigkeit als Einstellungsvoraussetzung
- Konfessionszugehörigkeit als Einstellungsvoraussetzung nach Arbeitsfeldern
- Kirchenzugehörigkeit als Einstellungsvoraussetzung für Leitungskräfte
- Kirchenzugehörigkeit als Einstellungsvoraussetzung nach Dienstgebern
- Gleiche Tätigkeit, unterschiedliche Einstellungskriterien – drei Beispiele
- Bewertung der Ergebnisse
- Konfessionszugehörigkeit als Einstellungsvoraussetzung
- Leitungspositionen - erschwerte Bedingungen für nichtchristliche Bewerber?
- Fehlende Transparenz in der Ausschreibungspraxis
- Auswirkungen auf die Soziale Arbeit
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Praxis der Stellenausschreibungen des Deutschen Caritasverbandes und befasst sich mit der Frage, inwieweit Konfessionszugehörigkeit als Einstellungsvoraussetzung in den Ausschreibungen vorkommt. Dabei werden verschiedene Arbeitsfelder, Dienstgeber und Stellenarten analysiert.
- Rechtliche Rahmenbedingungen der konfessionellen Träger im deutschen Wohlfahrtsstaat
- Auswirkungen des Selbstbestimmungsrechts der Kirchen auf die Personalauswahl
- Empirische Analyse von Stellenausschreibungen des Deutschen Caritasverbandes
- Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der Praxis der konfessionellen Personalauswahl
- Relevanz der Ergebnisse für die Soziale Arbeit
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Arbeit stellt die Relevanz der konfessionellen Träger im deutschen Wohlfahrtsstaat und die Bedeutung des Deutschen Caritasverbandes dar. Sie definiert die Leitfragen der Arbeit und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
- Die Rolle der konfessionellen Träger im deutschen Wohlfahrtsstaat: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle des Deutschen Caritasverbandes im Kontext des deutschen Wohlfahrtsstaates und erklärt die Bedeutung der katholischen Kirche als Träger sozialer Einrichtungen.
- Die rechtliche Sonderstellung konfessioneller Träger: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen beleuchtet, die die konfessionellen Träger im deutschen Rechtssystem genießen. Dazu gehört insbesondere das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen und seine Auswirkungen auf die Personalauswahl.
- Personalauswahl aus Sicht der kirchlichen Arbeitgeber: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Vorgaben der katholischen Kirche in Bezug auf Neueinstellungen und den Vor- und Nachteilen einer Mitarbeiterauswahl nach konfessionellen Kriterien.
- Empirische Untersuchung – Analyse von 685 Stellenausschreibungen des Deutschen Caritasverbandes: Hier wird die Methodik der Untersuchung erläutert und die Analyse der Stellenausschreibungen des Deutschen Caritasverbandes vorgestellt.
- Darstellung der Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Untersuchung und beleuchtet die Häufigkeit der Konfessionszugehörigkeit als Einstellungsvoraussetzung in verschiedenen Bereichen der Caritas.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die Themen Konfessionszugehörigkeit, Personalauswahl, Stellenausschreibungen, Caritas, Wohlfahrtsstaat, Selbstbestimmungsrecht der Kirchen, Arbeitsrecht, Antidiskriminierungsrecht, Sozialwirtschaft, Fachkräftemangel, Soziale Arbeit.
- Arbeit zitieren
- BA Sebastian Hempel (Autor:in), 2012, Konfessionszugehörigkeit als Einstellungsvoraussetzung in Organisationen der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215855