Diese Arbeit setzt sich unter anderem mit der Frage der Risikoeinschätzung auseinander. Dieser Thematik wird innerhalb der Katastrophenforschung deshalb so viel Aufmerksamkeit zu Teil, da die subjektive Einschätzung von Katastrophen und ihr tatsächliches, objektives Ausmaß teils stark divergieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Gefahren- und Risikoeinschätzung
1.1 Definition von Risiko und Gefahr
1.2 Risikoanalyse
1.2.1 Gefahrenanalyse
1.2.2 Anfälligkeitsanalyse
1.2.3 Risikobestimmung
1.3 Vulnerabilität
1.3.1 Konzept der Vulnerabilität
1.3.2 Problemgruppen von Vulnerabilität
1.3.3 Vulnerabilität und interdisziplinäre Naturrisikoforschung
1.4 Risikoanalysen als wesentliches Element des Katastrophenmanagements
1.4.1 Risikomanagement in Forschung und Praxis
1.4.2 Risikomanagement und Schutzsysteme
1.5 Deskriptive Beschreibung der Ergebnisse
1.5.1 Angst vor Naturkatastrophen?
1.5.2 Wertung der Bedrohung durch bestimmte Naturkatastrophen
1.5.3 Einschätzung von Institutionen im Kontext von Naturkatastrophen
1.5.4 Selbsteinschätzung im Falle von Naturkatastrophen
1.5.5 Subjektive Prognose der Entwicklungen in Weinzödl
1.5.6 Subjektive Einschätzung der eigenen Reaktion im Ernstfall
1.6 Diskussion der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Risikobewusstsein und die subjektive Risikoeinschätzung von Einwohnern in Gebieten mit hoher Naturkatastrophenfrequenz am Beispiel von Weinzödl zu untersuchen und dabei den Zusammenhang zwischen objektiven Gefahrenszenarien und der individuellen Wahrnehmung sowie Reaktion der Betroffenen zu analysieren.
- Definition und theoretische Abgrenzung von Risiko, Gefahr und Gefährdung
- Bedeutung der Risikoanalyse als Element des Katastrophenmanagements
- Konzept der Vulnerabilität in der interdisziplinären Naturrisikoforschung
- Empirische Untersuchung der Risikowahrnehmung am Beispiel Weinzödl
- Einschätzung von Institutionen, Präventionsmaßnahmen und der eigenen Reaktionsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
1.1 Definition von Risiko und Gefahr
Wie in der Einleitung schon erwähnt, beschäftigen wir uns in diesem Kapitel mit Risiko und Gefahren im Bereich von Katastrophen. Um mit dem rechten Selbstverständnis an die Sache herangehen zu können, werden wir zuerst die Begriffe Risiko und Gefahr näher definieren.
Die Ingenieur- und Umweltwissenschaften verstehen unter dem Begriff Risiko das Produkt von Eintrittswahrscheinlichkeit bzw. Eintrittshäufigkeit und Schadensausmaß. Unter Eintrittshäufigkeit versteht man die Häufigkeit, indem ein Ereignis innerhalb eines gewissen Zeitraums eintritt. Daraus ergeben sich zum Beispiel die Bezeichnungen für 30-jährige oder 100-jährige Hochwässer. Das Schadensausmaß hängt vom jeweiligen Sachgebiet ab. Es wird jedoch in materiellen bzw. ökonomischen und immateriellen Schäden unterschieden.
Nach Thomas Egli bedeutet Risiko die „qualitative oder quantitative Charakterisierung eines Schadens hinsichtlich der Möglichkeit des Eintreffens und der Tragweite der Schadenswirkung.“ Eine sozialwissenschaftliche Definition von Risiko nach Hillmann: „Begriff, der auf Entscheidungssituationen mit fehlender oder unvollkommener Information angewandt wird. […] Diese normativ-rationale Definition differiert oft von tatsächlichen Risikowahrnehmungen und –urteilen. In diese gehen subjektive Kriterien und Wertvorstellungen ein, […] die den ‚objektiven’ Risikoniveaus nicht entsprechen.“
Diese sozialwissenschaftliche Definition von Risiko lässt sich auf das Risikobewusstsein von Betroffenen bei Katastrophen gut anwenden. Im Vorfeld von Katastrophen, sowie während des Ereignisses, gibt es oft nur wenig bis gar keine Informationen über die anbahnende Katastrophe bzw. über dessen Ausmaß. Das davon ausgehende Risiko wird somit falsch eingeschätzt und kann zu verheerenden Folgen führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gefahren- und Risikoeinschätzung: Einleitendes Kapitel, das die Diskrepanz zwischen objektivem Ausmaß von Katastrophen und der subjektiven Wahrnehmung thematisiert.
1.1 Definition von Risiko und Gefahr: Erläutert die begrifflichen Unterschiede und definiert Risiko aus ingenieurwissenschaftlicher sowie sozialwissenschaftlicher Sicht.
1.2 Risikoanalyse: Beschreibt Methoden zur Abschätzung von Wahrscheinlichkeiten und Auswirkungen für ein professionelles Katastrophenmanagement.
1.2.1 Gefahrenanalyse: Behandelt die Identifizierung und Lokalisierung von Gefahrenquellen und den Einsatz von Hilfsmitteln wie Gefahrenkarten.
1.2.2 Anfälligkeitsanalyse: Untersucht die Verletzlichkeit von Regionen und Gesellschaften gegenüber Extremereignissen.
1.2.3 Risikobestimmung: Führt Gefährdung und Vulnerabilität zur Bestimmung des Risikos zusammen und differenziert zwischen subjektiver und objektiver Sichtweise.
1.3 Vulnerabilität: Führt in das Konzept der Verletzlichkeit ein, die sowohl soziale als auch strukturelle Komponenten umfasst.
1.3.1 Konzept der Vulnerabilität: Erörtert den Stellenwert der Vulnerabilität in der interdisziplinären Naturrisikoforschung.
1.3.2 Problemgruppen von Vulnerabilität: Identifiziert makroökonomische, strukturelle und individuelle Ebenen, die das Risiko beeinflussen.
1.3.3 Vulnerabilität und interdisziplinäre Naturrisikoforschung: Verbindet unterschiedliche fachliche Perspektiven zu einem ganzheitlichen Analyserahmen.
1.4 Risikoanalysen als wesentliches Element des Katastrophenmanagements: Stellt die historische Entwicklung und die Zielsetzung von Risikominderungsstrategien dar.
1.4.1 Risikomanagement in Forschung und Praxis: Analysiert die Unterschiede zwischen wissenschaftlicher Grundlagenforschung und operativer Katastrophenhilfe.
1.4.2 Risikomanagement und Schutzsysteme: Beschreibt, wie Schutzsysteme zur Verbesserung der Lebensumstände beitragen und welche Rolle die Vorsorge spielt.
1.5 Deskriptive Beschreibung der Ergebnisse: Präsentiert die empirischen Befunde der Befragung von Einwohnern aus Weinzödl.
1.5.1 Angst vor Naturkatastrophen?: Zeigt, dass trotz erlebter Ereignisse keine generelle Angst oder Fluchttendenz bei den Befragten vorliegt.
1.5.2 Wertung der Bedrohung durch bestimmte Naturkatastrophen: Analysiert die Bewertung von Hagel, Sturm und Hochwasser im Kontext der erlebten Ereignisse.
1.5.3 Einschätzung von Institutionen im Kontext von Naturkatastrophen: Beleuchtet das Vertrauen der Befragten in Wissenschaft und Behörden.
1.5.4 Selbsteinschätzung im Falle von Naturkatastrophen: Untersucht das Informationsverhalten der Bewohner im Vorfeld ihres Wohnortswechsels.
1.5.5 Subjektive Prognose der Entwicklungen in Weinzödl: Dokumentiert die uneinheitlichen Ansichten über zukünftige Risiken im Wohngebiet.
1.5.6 Subjektive Einschätzung der eigenen Reaktion im Ernstfall: Untersucht die Einschätzung der eigenen Handlungsfähigkeit unter Stress und Panik.
1.6 Diskussion der Ergebnisse: Fasst zusammen, dass die Bewohner Weinzödls trotz der hohen Betroffenheit nicht in ständiger Sorge leben.
Schlüsselwörter
Katastrophenmanagement, Risiko, Gefahr, Vulnerabilität, Risikoanalyse, Gefahrenanalyse, Naturkatastrophen, Risikowahrnehmung, Weinzödl, Katastrophenvorsorge, Schutzsysteme, Verletzlichkeit, Krisenszenarien, Naturrisikoforschung, Risikobestimmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Katastrophenmanagement sowie die subjektive Risikoeinschätzung von Menschen in Gebieten, die häufig von Naturereignissen betroffen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen sind die theoretische Differenzierung zwischen Risiko und Gefahr, das Konzept der Vulnerabilität sowie eine empirische Untersuchung der Wahrnehmung durch Anwohner.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu verstehen, wie Einwohner eines hochwassergefährdeten Gebiets ihre eigene Bedrohungssituation wahrnehmen und ob diese Wahrnehmung zu Verhaltensänderungen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus einer theoretischen Literaturanalyse zum Risikomanagement und einer deskriptiven empirischen Auswertung von Befragungsergebnissen genutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Herleitung der Begriffe Risiko, Gefahr und Vulnerabilität sowie deren praktische Anwendung im Risikomanagement, gefolgt von einer fallbezogenen Untersuchung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Risikomanagement, Vulnerabilität, Naturrisikoforschung, Gefahrenanalyse und Katastrophenbewältigung.
Welche Erkenntnis lässt sich aus der Untersuchung der Einwohner von Weinzödl ableiten?
Die Befragung zeigt überraschend, dass trotz hoher faktischer Belastung durch Naturkatastrophen kein dominierendes Angstgefühl existiert und die Bewohner nicht über einen Umzug nachdenken.
Wie bewerten die Befragten die Rolle von Institutionen im Katastrophenfall?
Die Einschätzung ist ambivalent; während ein gewisses Vertrauen in Schutzmaßnahmen besteht, herrscht Uneinigkeit bezüglich der Vorhersagefähigkeit und der wissenschaftlichen Erforschung lokaler Risiken.
Welchen Einfluss hat das Thema "globale Erwärmung" auf die Befragten?
Zwei der vier befragten Personen sehen einen negativen Einfluss der globalen Erwärmung auf ihre direkte Umwelt, was auf eine zunehmende gesellschaftliche Sensibilisierung hindeutet.
- Arbeit zitieren
- MA Markus Scholze (Autor:in), 2010, Katastrophenmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215858