Keine Diagnose ist so umstritten wie die Borderline Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen. Obgleich es keine Frage ist, dass es Kinder und Jugendliche mit schweren Erkrankungen im Grenzbereich zwischen Neurose und Psychose gibt, die der Borderline Persönlichkeitsstörung ähnlich sind. Dennoch ist die Diagnostik umstritten: Kann man bei Kindern und Jugendlichen von einer Borderline Persönlichkeitsstörung sprechen oder sollte man von einer Borderlinestruktur sprechen?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Begriff
Symptome
Ursachen
Diagnostik
Therapie
Borderline und Pubertät
Modediagnose Borderline
Was charakterisiert Borderline Jugendliche?
Werden aus Borderline Jugendliche auch Borderline Erwachsene?
Gibt es Zusammenhänge mit anderen Störungen?
Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kontroverse Diagnosestellung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen. Dabei wird analysiert, inwieweit die Symptomatik von einer entwicklungsbedingten Adoleszenzkrise abgrenzbar ist und ob eine frühe Diagnose als therapeutischer Wegweiser oder als Stigmatisierung zu bewerten ist.
- Historische und klinische Begriffsbestimmung von Borderline
- Klinische Symptomatik und diagnostische Kriterien (ICD-10/DSM-IV)
- Therapeutische Ansätze, insbesondere die Dialektisch-Behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A)
- Abgrenzung der Borderline-Störung von der typischen Adoleszenzkrise
- Diskussion über die Problematik der "Modediagnose" im Jugendalter
Auszug aus dem Buch
Modediagnose Borderline
Borderline ist in den letzten Jahren immer mehr zur Modediagnose geworden. Viele Skeptiker äußern, dass es sich dabei häufig um eine Verlegenheitsdiagnose handelt. Natürlich hat jede Zeit ihre Modediagnose, zu Zeiten Freuds war es die Hysterie, heute ist es Borderline und AD(H)S (Koch 2010, Pelzer 2010).
Persönlich denke ich nicht, dass man bei einem Großteil der Diagnosen von einer Verlegenheitsdiagnose sprechen kann. Dazu sind die Diagnosekriterien heute zu genau. Vor vielen Jahren als diese Kriterien wie heute noch nicht existierten, da könnte man davon ausgehen. Vielmehr denke ich, dass es sich um eine Auswirkung der gesellschaftlichen Verhältnisse handelt. Die Hilflosigkeit, die großen emotionalen Schwankungen und die Ängste von Borderlinern sind wohl in vielen Fällen die Auswirkungen einer auch emotional instabilen Kindheit, in der es in bestimmten Bereichen zu wenig Grenzen, zu wenig Sicherheit und viel Grund für Ängste gab. Auch heute ist auffällig, dass viele Kinder schon frühreif wirken und abgeklärt wirken, aber mit emotionalem Stress kaum umgehen können. Entweder reagieren sie unkontrolliert, aggressiv, gefühlskalt oder überzeichnet. Dies alles spricht für Borderline Struktur. Meine Hypothese lässt sich durch Statistiken (Diepold 1994) stützen, die aufzeigen, dass Borderline Kinder und Jugendliche Eltern haben, die ihrerseits an Neurosen und zum Teil selbst an Persönlichkeitsstörungen leiden oder litten.
Jedoch denke ich, dass die Diagnose viel zu schnell auch bei Jugendlichen oder Erwachsenen gestellt wird. Wenn man Erfahrungsberichte im Internet liest, erfährt man schnell wie viele Fachpersonen die Diagnose stellen. Ein kurzes Gespräch, in dem z.B. Selbstverletzendes Verhalten, "Ritzen", erwähnt wird und der Patient erhält die Diagnose Borderline. Was gerade im Jugendalter mehr als kritisch zu sehen ist. Eben wie vorher schon gesagt wurde, ist die Pubertät von vielen Merkmalen geprägt die auch für eine Borderline Störung sprechen. Diese Merkmale bzw. Symptome treten aber nur während der Pubertät auf und legen sich danach wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die wissenschaftliche Kontroverse bezüglich der Borderline-Diagnose bei Kindern und Jugendlichen und die Unterscheidung zur Borderlinestruktur.
Begriff: Erläutert die historische Entwicklung des Begriffs vom 17. Jahrhundert bis zur modernen Zuordnung als emotional instabile Persönlichkeitsstörung.
Symptome: Listet die Symptome auf verschiedenen Ebenen (körperlich, emotional, gedanklich, verhalten) auf und vergleicht diese mit spezifischen Beobachtungen bei Kindern und Jugendlichen.
Ursachen: Diskutiert die Entstehung der Borderline-Störung durch das Zusammenwirken von frühen Traumata und genetisch bedingtem Temperament.
Diagnostik: Analysiert die Anwendung von ICD-10 und DSM-IV Kriterien bei Jugendlichen und stellt diagnostische Interviewinstrumente wie das DIB-R vor.
Therapie: Beschreibt moderne Verfahren mit Fokus auf die Dialektisch-Behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A) und deren spezifische Module.
Borderline und Pubertät: Untersucht die Überschneidung von pubertätsbedingten Entwicklungskrisen mit Borderline-Symptomen.
Modediagnose Borderline: Hinterfragt die gesellschaftlichen Hintergründe und die kritische Praxis der zu schnellen Diagnosestellung.
Was charakterisiert Borderline Jugendliche?: Beleuchtet den Forschungsstand und verschiedene Symptomkataloge zur Charakterisierung jugendlicher Patienten.
Werden aus Borderline Jugendliche auch Borderline Erwachsene?: Reflektiert den Langzeitverlauf anhand existierender Studien und die Stabilität der Diagnose.
Gibt es Zusammenhänge mit anderen Störungen?: Erörtert Komorbiditäten wie Hyperaktivität, Angststörungen und Depressionen.
Fazit: Resümiert die ethische und klinische Problematik der Diagnosestellung bei Jugendlichen und fordert eine differenziertere klinische Praxis.
Schlüsselwörter
Borderline, Persönlichkeitsstörung, Jugendliche, Adoleszenz, Psychotherapie, DBT-A, Diagnostik, Trauma, Pubertät, emotional instabil, Stigmatisierung, Verlegenheitsdiagnose, Komorbidität, Adoleszenzkrise, Symptomatik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der komplexen und wissenschaftlich umstrittenen Diagnostik der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Symptomatik, die Abgrenzung zur Adoleszenzkrise, die Anwendung von Diagnosekriterien sowie therapeutische Ansätze wie die DBT-A.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, ob und unter welchen Bedingungen eine Borderline-Diagnose bei Jugendlichen fachlich gerechtfertigt ist und wie eine Abgrenzung zu normalen krisenhaften Entwicklungsprozessen gelingen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse des aktuellen Forschungsstandes sowie eine kritische Auseinandersetzung mit diagnostischen Kriterien und therapeutischen Manualen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung des Begriffs, die Symptome auf verschiedenen Ebenen, die ätiologischen Faktoren (Trauma/Temperament) sowie die Anwendung spezifischer Therapieformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Borderline, Adoleszenz, DBT-A, Diagnostik, Trauma, Modediagnose und Stigmatisierung.
Warum ist die Diagnose Borderline bei Jugendlichen so umstritten?
Weil die Persönlichkeit in der Pubertät noch nicht gefestigt ist und viele Merkmale der Borderline-Störung starke Ähnlichkeiten mit einer normalen Adoleszenzkrise aufweisen.
Welche Rolle spielt die "Modediagnose"-Debatte in der Arbeit?
Die Autorin diskutiert kritisch, ob Borderline heute zu leichtfertig als Etikett für jegliche Form von emotionaler Instabilität oder selbstverletzendem Verhalten im Jugendalter vergeben wird.
- Arbeit zitieren
- Stephanie Drinkgern (Autor:in), 2012, Borderline bei Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215900