Urlaub 2.0: Die Nutzung sozialer Netzwerke bei Urlaubsreisen am Beispiel von Facebook


Masterarbeit, 2013
131 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitender Teil

1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit
1.3 Relevanz des Themas für die Volkskunde/Kulturanthropologie
1.4 Forschungsstand
1.5 Quellen und Methoden
1.5.1 Empirische Methodik: Qualitative Forschung
1.5.2 Auswahl und Rekrutierung der Interviewpartner
1.5.3 Probleme bei der volkskundlichen Internetforschung
1.6 Begriffsdefinitionen
1.6.1 Selbstdarstellung
1.6.2 Inszenierung
1.6.3 Identität
1.6.4 Öffentlichkeit
1.6.5 Privatheit Hauptteil: Theorie

2. Reisen
2.1 Reisen und die Entstehung des Tourismus
2.2. Die kulturelle Bedeutung des Reisens

3. Instrumente der Berichterstattung
3.1 Fotografie
3.2 Urlaubsfotografie - zum Phänomen des Knipsens
3.3 Postkarten

4. Präsentationsformen von Fotos
4.1 Fotoalben
4.2 Der Diaabend
4.3 Facebook und das Web 2.0 Hauptteil: Empirie
5. Auswertung und Analyse der Interviews
5.1 Motive zur bildlichen Inszenierung einer Reise bei Facebook
5.2. Motivwahl und Reisebeweise
5.3. Die textuelle Inszenierung der Reise
5.4. Interaktionen
5.5. Zielgruppe
5.6 Archivierung und Aufbereitung
5.7 Facebook vs. Postkarte
5.8. Weitere Mittel der Urlaubsberichterstattung Schlussbemerkung

6. Fazit

7. Methodenkritik

8. Ausblick

Literaturverzeichnis

Sekundärliteratur

Internetquellen

Anhang

Einleitender Teil

1. Einleitung

1.1 Ausgangssituation

„Unser Vater im Himmel, habe ein Auge auf uns, die wir Dir in demütigem Gehor­sam als Touristen dienen und dazu verdammt sind, diese Erde zu durchstreifen, Pho­tos zu knipsen, Postkarten zu versenden [und] Andenken zu kaufen [...]. Und wenn unsere Reise vorüber ist und wir heimkehren zu unseren Lieben, so gewähre uns die Gnade, dass wir jemanden finden, der sich unsere Filme anschaut, und unsere Ge­schichten anhört, damit unser Touristenleben nicht vergeblich war [...].“[1]

Was dieses Touristengebet satirisch aufgreift, beschäftigt tatsächlich schon während ei­nes Urlaubs viele Touristen: Es ist der Gedanke um den „Gebrauchswert [der Reise] für die Zeit nach der Rückkehr.“[2] Ein kommunikativer Austausch nach einer Reise ist ein unentbehrlicher Bestandteil und eng mit ihr verknüpft: „Die Reise ist erst dann wirklich abgeschlossen, wenn der einzelne die Reise im Alltag für sich und vor anderen instal­liert, vorgezeigt und erzählt hat.“[3]

Mit dem 21. Jahrhundert haben sich die Techniken zur Reiseberichterstattung verviel­fältigt. Neben Postkarten, Fotos, Diaabenden und Fotoalben ist mit dem sozialen Netz­werk Facebook[4] eine weitere Möglichkeit hinzugekommen, Erlebtes zu inszenieren. Mit ein paar getippten Zeilen, einem Foto und einem Klick können zahlreiche Menschen le­sen und sehen, wie jemand gerade seine Zeit verbringt. Private Urlaubserlebnisse wer­den so zu einem Teil der virtuellen Identität. Stetig steigende Nutzerzahlen der Platt­form Facebook zeigen, dass es für immer mehr Menschen reizvoll ist, private Ereignisse im Netz zu teilen, denn selten war Öffentlichkeit so leicht zu erreichen.[5] Auch durch die sich rasant entwickelnde Smartphone-Technik[6] ist es kein Aufwand mehr, Bilder online zu präsentieren, da ein Gerät alle dafür nötigen Techniken in sich vereint: Eine Kamera, einen schnellen Internetzugang und im besten Fall noch eine Facebook-App[7]. Gab es im Januar 2009 nur 6,31 Millionen Smartphone-Nutzer in Deutschland, so stieg die Zahl bis ins Jahr 2012 auf 27,3 Millionen Nutzer an.[8] Es ist zu erwarten, dass diese Zahl in Anbetracht ihres rasanten Wachstums noch weiter steigt.

Dank Smartphones und diverser Anwendungen wie zum Beispiel E-Mail-Programmen, Facebook oder WhatsApp [9] , das ein kostenloses Übertragen von Nachrichten und Bildda­teien an Freunde via Internet ermöglicht, ist das Versenden von Urlaubsgrüßen sehr ein­fach geworden. Dies hat zur Folge, dass die Zahl der verschickten Urlaubspostkarten gesunken ist. Kamen im Jahr 1997 noch 144 Millionen Urlaubspostkarten in Deutsch­land an, so waren es nach Angaben der Deutschen Post im Jahr 2010 nur noch 63 Mil­lionen Karten, also weniger als die Hälfte: „Jeder dritte Deutsche schickt lieber eine E­Mail oder eine SMS aus dem Urlaub. Bei denen unter 30 Jahren sind es sogar knapp 60 Prozent.“[10]

Als einer der thematischen Ausgangspunkte für diese Arbeit dient unter anderem ein Beispiel aus dem Privatleben. Die Geschichte einer Bekannten, die ihre Urlaubspostkar­te fotografierte und dieses Bild dann bei Facebook hochgeladen und so mit ihren Freun­den geteilt hat, da es ihr zu aufwändig war Briefmarken zu kaufen und einen Briefkas­ten zu finden, ist bezeichnend für sich verändernde Gepflogenheiten der Urlaubsbe­richterstattung. Ein weiterer Ausgangspunkt ist der öffentliche Diskurs, in dem das Thema Facebook regelmäßig steht. Das soziale Netzwerk ist zu einem Teil der Alltags­kultur avanciert, wie die stetig steigenden Nutzerzahlen belegen. Auch Beobachtungen in meinem persönlichen Netzwerk verdeutlichen den Trend zu Statusmeldungen und dem Präsentieren von Urlaubsbildern via Facebook.

1,75 Milliarden Fotos werden jede Woche auf die Plattform hochgeladen, so die Statis­tik.[11] Genaue An gaben, wie viele Bilder davon Urlaubsfotos sind gibt es nicht. Allein diese immense Zahl verdeutlicht jedoch, welche Bedeutung Facebook für den Alltag vieler Menschen hat. Doch was bewegt Menschen dazu, ihre privaten Urlaubsbilder auf einer Plattform, die immer wieder im Visier von Datenschützern steht, mit hunderten und mehr Usern zu teilen? Die Möglichkeiten der Präsentation sind vielfältig. Können Postkarten und Fotos als Instrumente bezeichnet werden, mit denen von Reisen gegrüßt und anhand derer von Reisen berichtet wird, so sind klassische Fotoalben, Diaabende und eben Facebook die Plattformen, auf denen inszeniert werden kann. Doch welche Möglichkeiten werden überhaupt noch genutzt? Und welchen Nutzen bringt die Öffent­lichkeit, die durch das Teilen privater Inhalte via Facebook entsteht? Welche Aspekte der Urlaubsberichterstattung haben sich verändert? Verschicken Facebook-User noch Postkarten? Welche Wege wählen sie, um von ihren Reisen zu berichten? Diesen und weiteren Fragen soll im Verlauf der Arbeit nachgegangen werden.

1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, ob und wie die Berichterstattung über Urlaube via Facebook einer klassischen Urlaubsberichterstattung zum Beispiel per Postkarte oder anhand von Fotos und Fotoalben, die nach dem Urlaub gezeigt werden, vorgezogen wird. Aus dieser Zielsetzung leitet sich folgende Fragestellung für die vorliegende Arbeit ab:

Welche Möglichkeiten bietet das soziale Netzwerk Facebook zur Berichterstattung über Urlaubsreisen und wie nutzen User diese im Vergleich zu anderen Instrumenten?

Zu diesem Zweck soll die Plattform Facebook untersucht und ihre Möglichkeiten zur Berichterstattung aufgezeigt werden. Theoretische Ansätze zu den Themen Postkarten, Fotografie und Fotoalben bilden die Grundlage für qualitative Interviews mit vier Per­sonen, deren Verhalten zum Thema Urlaubsberichterstattung Aufschluss über die tat­sächliche Handhabung sozialer Netzwerke und die Nutzung klassischer Instrumente wie Postkarten oder Fotoalben geben soll. Diese Interviews bilden die Grundlage der Arbeit. Um zu überprüfen, welche Möglichkeiten zur Urlaubsberichtserstattung genutzt werden, werden die Gesprächspartner speziell zu ihrem Verhalten im und nach dem Urlaub be­fragt. Weiterhin sollen Intentionen beim Veröffentlichen von Fotos auf der Plattform Facebook beleuchtet und klassische Instrumente der Volkskunde wie Postkarten und Fotoalben auf ihre Präsenz und ihre aktuelle Verwendung hin untersucht werden. Diese Untersuchung erfolgt rein qualitativ und spiegelt einen ausführlichen Eindruck über gängige Praxen wider, von denen auf die Gesellschaft und auf die Bedeutung für die gegenwärtige Kultur geschlossen werden kann.

Die Arbeit ist in acht Kapitel untergliedert. Zu Beginn wird das Thema in den Kanon der Kulturanthropologie eingeordnet und der aktuelle Forschungsstand aufgezeigt. An­schließend erfolgen eine Darstellung der verwendeten Quellen und Methoden sowie ei­ne kurze Definition der wichtigsten Begriffe. Im zweiten Kapitel werden die Historie des Tourismus und die kulturelle Bedeutung des Reisens erläutert. Das darauffolgende Kapitel 3 beschreibt zwei bildgestützte Instrumente, die es zur Inszenierung und Be­richterstattung von Urlaubsreisen gibt, nämlich Postkarten und die Fotografie. Rein mündliche Erzählungen sind für diese Arbeit nicht von Bedeutung. Im vierten Kapitel werden die Plattformen vorgestellt, die für die Präsentation von Urlauben eine Rolle spielen. Relevant für diese Arbeit sind Fotoalben, Diaabende und das soziale Netzwerk Facebook, das in Kapitel 4.3 vorgestellt und in den Kontext des Web 2.0[12] eingeordnet wird. Es wird beschrieben, welche Möglichkeiten zur Urlaubsberichterstattung die Platt­form Facebook bietet.

Im anschließenden empirischen Teil der Arbeit werden die geführten Interviews in Ka­pitel 5 anhand von acht Kategorien ausgewertet, was letztendlich zur Beantwortung der Forschungsfrage führen wird. Die Aussagen der Gesprächspartner werden zu diesem Zweck mit der behandelten Forschungsliteratur in Bezug gesetzt und analysiert. In ei­nem Fazit sollen die Ergebnisse der Arbeit anschließend zusammengefasst werden. Eine kritische Reflektion der Methode erfolgt in Kapitel 7. Das letzte Kapitel zeigt einen Ausblick, in dem weitere Forschungsfragen, die durch die qualitative Untersuchung aufgeworfen wurden, thematisiert werden und ein Blick in die Zukunft gerichtet wird.[13]

1.3 Relevanz des Themas für die Volkskunde/Kulturanthropologie

Einst galt die Volkskunde „als die Wissenschaft von der Sesshaftigkeit.“[14] Sie etablierte sich im Spannungsfeld „der ambivalenten Deutung der Moderne, Heimat vs. Entwurze- lung, Land vs. Stadt [...]“[15] und sicherte sich so um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert gesellschaftliche Wertschätzung. Doch auch Forschungsfelder rund um die Themen Reisen und Tourismus wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts in den Kanon der Volkskunde, aus der sich die Kulturanthropologie entwickelt hat, aufgenommen und zählen zum Bereich der Freizeitforschung. Reisen gehört zur Kultur der Deutschen „wie Weihnachten, Ostern und die Saisonabläufe der Fußball-Bundesliga“[16], so der Volk­skundler Konrad Köstlin. Reisen sind fester Bestandteil des Jahresrhythmus und somit auch der Alltagskultur. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist das Berichten von Rei­sen ebenfalls noch Teil einer Reise und schließt diese erst ab. Um von Reisen berichten zu können, ist es wichtig, diese bildlich festgehalten zu haben, weshalb das Thema der Fotografie eine zentrale Rolle bei der Urlaubsberichterstattung einnimmt und Raum für interdisziplinäre Betrachtungen bietet. Fotografie ist Dokument, Quelle und künstleri­scher Ausdruck beziehungsweise künstlerisches Objekt zugleich. Unter kulturanthropo­logischen, historischen, medienwissenschaftlichen und kunstgeschichtlichen Aspekten können unzählige Aspekte der Fotografie untersucht werden, wobei in dieser Arbeit die kulturanthropologische Bedeutung von Fotos als Erinnerungsobjekt im Vordergrund stehen soll. Doch auch die Aufbereitung und Inszenierung von Fotos soll betrachtet werden und mit Fotoalbum und Diaabend sind zwei klassische Themen der Volkskunde relevante Untersuchungsaspekte dieser Arbeit.

Das Versenden von Postkarten an die Daheimgebliebenen war jahrzehntelang aus kei­nem Urlaub wegzudenken. In Anbetracht der gesunkenen Anzahl der versendeten Kar­ten[17] müssen ihre Vorteile in einer Zeit, in der Grüße in Millisekunden elektronisch übermittelt werden können, jedoch hinterfragt werden. Postkarten sind Kommunikati­onsmedium und Sammel- und Erinnerungsobjekt zugleich und daher ein wichtiger Un­tersuchungsgegenstand der Kulturanthropologie.

Soziale Netzwerke werden immer bedeutsamer für den Alltag vieler Menschen, wie al­leine die Nutzerzahlen von Facebook belegen. Eine Milliarde Menschen nutzen Face- book weltweit,[18] was etwa einem Siebtel der Weltbevölkerung entspricht. Diese enorme Präsenz macht es unmöglich, Facebook aus dem Kanon der Kulturanthropologie wegzudenken. Die Plattform ist - ebenso wie Reisen - zu einem Teil der Alltagskultur avanciert und bietet eine Grundlage für zahlreiche Untersuchungen, da dort kulturelle Aspekte, wie die Ausprägung von Identität oder Selbstdarstellung und Menschen in Interaktion beobachtet werden können. Dass nun ein digitales Netzwerk eine zentrale Rolle in der Urlaubsberichterstattung einnimmt, die lange Zeit von klassischen Fotoalben, Postkarten oder sogenannten Diaabenden geprägt war, bedarf einer Untersuchung mit Blick auf den sich vollziehenden Wandel. Mit Facebook ist ein neues Kommunika­tionsmedium hinzugekommen, dessen Bedeutung und Verwendung für die Urlaubsbe­richterstattung im Zuge dieser Arbeit betrachtet werden soll.

Aufgabe der Kulturanthropologie ist das Betrachten und Beschreiben von Alltagsphä­nomenen, denn diese definieren die Kultur. Durch menschliches Verhalten können Rückschlüsse auf kulturelle Konzepte geschlossen werden, die in den Köpfen der Ge­sellschaft bewusst und unbewusst verankert sind. So sind alle gewählten Formen der Berichterstattung von Reisen, sei es per Postkarte, per Facebook oder per Fotoalbum, Zeichen des kulturellen Ausdrucks. In der vorliegenden Arbeit wird ein für die Kulturanthropologie relevantes Themengebiet betrachtet, nämlich der Mensch in einem Spannungsfeld zwischen Kultur und Technik. Darüber hinaus werden zeitgenössische Phänomene und der Umgang mit klassischen Instrumenten in einer von Digitalität gepräg­ten Umgebung analysiert.[19]

1.4 Forschungsstand

Für das Forschungsanliegen Urlaub 2.0 - Die Nutzung sozialer Netzwerke bei Urlaubs­reisen am Beispiel von Facebook reicht Literatur aus dem Kanon der Volkskunde und Kulturanthropologie nicht aus. Sie muss um Werke aus der Medien- und Kommunikati­onswissenschaft sowie aus der Soziologie ergänzt werden. Für viele Unterthemen kann jedoch auf volkskundliche Literatur zurückgegriffen werden, da dort insbesondere für die Bereiche Fotografie und Postkarte zahlreiche Publikationen vorliegen. Im Jahre 1959 erschien mit Richard Carlines Pictures in the Post in England die erste Veröffent­lichung zur Postkarte als Forschungsthema. Zu Beginn der 70er Jahre setzt dann auch in Deutschland das Interesse an „Postkarten als historische Bildquellen und als lohnende

Sammelobjekte ein.“[20] Weiter verstärkt hat sich dieses Interesse in den 80er Jahren. Seitdem gibt es zu diesem Thema auch zahlreiche Literatur, die interdisziplinär geprägt ist. So untersucht Volkskundlerin Karin Walter das Thema Postkarte unter einem foto­grafischen und motivzentrierten Schwerpunkt in ihrer Abhandlung Postkarte und Foto­grafie[21] der Brite Martin Willoughby nähert sich dem Thema historisch mit vielen Il­lustrationen[22] und Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Anett Holzheid betrachtet Postkarten interdisziplinär in Das Medium Postkarte. Eine sprachwissenschaftliche und mediengeschichtliche Studie[23] Die Besonderheit dieses Werkes ist seine Aktualität - es ist aus dem Jahr 2011. Es zeigt sich, dass das Thema Postkarte also noch immer präsent ist und gerade mit der Entwicklung neuer Medien und Möglichkeiten, Urlaubsgrüße zu versenden, wieder näher betrachtet werden muss.

Den Begriff des Knipsers, der im Zusammenhang mit der Urlaubsfotografie für diese Arbeit zentral ist und in Kapitel 3.2. näher erläutert wird, hat der Fotograf Timm Starl durch seine Ausstellung „Die Geschichte der privaten Fotografie [...]“ im Münchner Stadtmuseum 1995/96 in der Fotokunde verbreitet und etabliert.[24] Irene Ziehe benutzt diesen Terminus ebenfalls in ihrem Beitrag Fotografieren. Bewahren. Erinnern. Zum Phänomen des "Knipsens “ in Band 1 des Ausstellungskataloges des Museums Europä­ischer Kulturen mit dem Titel Faszination Bild. Kulturkontakte in Europa? [25] Christiane Schurian-Bremeckers Beitrag Anpirschen, beobachten, abwarten, schießen. Fotografie als touristische Verhaltensweise in Reisebilder. Produktion und Reproduktion touristi­scher Wahrnehmung von Christoph Köck[26] verdeutlicht den Wert von Urlaubsfotos für den Reisenden. Die Reise im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit: zum Bei- spielDiaabend[27] von den Volkskundlerinnen Elisabeth Fendl und Klara Löffler darf bei einer Betrachtung der kulturellen Bedeutung von Fotografie und ihrer Aufberei­tung ebenfalls nicht fehlen.

Auch zum Thema Reisen gibt es kulturanthropologische Werke, die den Menschen im Spannungsfeld sich verändernder Gegebenheiten im Zuge der Tourismusentwicklung betrachten. Zu nennen ist zunächst Theresa Frank mit Begegnungen - Eine kritische Hommage an das Reisen.[28] Reisen wird hier sowohl aus dem Blickwinkel des Reisen­den als auch der Bereisten unter dem Aspekt der Horizontserweiterung durch die Be­gegnung mit fremden Menschen und Kulturen betrachtet. Christoph Hennig nähert sich dem Thema Reisen in Reiselust. Touristen, Tourismus und Urlaubskultur[29] von 1997 unter anderem, indem er die Reisemotive von Menschen hinterfragt.

Dass der Mensch in den meisten Werken der Volkskunde im Mittelpunkt steht, ist auf einen Paradigmenwechsel im Jahr 1970 zurückzuführen, bei dem sich das Fach den So­zialwissenschaften annäherte. Nicht mehr nur Objektivationen, also die vom rein Sub­jektiven gelöste Darstellung, sondern der Mensch im Bezug zur Kultur und seiner Um­welt steht seit diesem Zeitpunkt im Vordergrund der Forschung.[30] Dennoch ist die Volkskunde ein eigenständiges Fach geblieben, wenn auch mit einem veränderten Fo­kus und zwar dem Menschen im Mittelpunkt.

Ein Beitrag, der alle Aspekte der Urlaubsberichterstattung in sich vereint, also sowohl klassische als auch moderne Wege, existiert in der Volkskunde/Kulturanthropologie bisher nicht. Daher kommt eine kulturanthropologische Arbeit zum Thema Urlaubsbe­richterstattung via Facebook ohne Exkurse in andere Disziplinen nicht aus. Zwar nimmt die Anzahl der Werke zum Thema Internet und soziale Netzwerke in der Kulturanthro­pologie von Jahr zu Jahr zu, die Medien- oder Sozialwissenschaften dürfen aber in die­ser Arbeit - auch für Erläuterungen zu den Aspekten Selbstdarstellung oder Identität - nicht vernachlässigt werden.

1.5 Quellen und Methoden

Als Quellen fungieren in dieser Arbeit die vier geführten qualitativen Interviews. Sie bilden die Untersuchungsgrundlage, auf deren Basis im Verlauf der Arbeit die For­schungsfrage beantwortet werden soll. In diesem Kapitel soll die für die qualitative Un­tersuchung verwendete Methodik aufgezeigt und diskutiert werden. Es wird nicht der Anspruch erhoben, Auswirkungen auf einer quantitativen Ebene zu erschließen und damit repräsentative Ergebnisse zu liefern. Vielmehr ist es das Ziel dieser Arbeit, mit­tels eines explorativen Ansatzes neue Erkenntnisse zu gewinnen und somit neue For­schungsbereiche herzuleiten.

1.5.1 Empirische Methodik: Qualitative Forschung

Die Besonderheit qualitativer Forschung liegt darin, dass sie sich auf wenige Untersu­chungseinheiten beschränkt und weniger auf Repräsentativität ausgerichtet ist. Sie soll erste Erkenntnisse liefern, um weitere Forschungsansätze zu ermöglichen. Wenige Per­sonen werden ausführlich befragt, was zur Ableitung neuer Fragestellungen für das je­weilige Forschungsgebiet führen kann. Qualitative Forschung erfolgt „deskriptiv- explorierend oder thesengenerierend und [ist] weniger der Überprüfung von Hypothesen verpflichtet.“[31] Aus den Einstellungen und Praxen von Interviewpartnern können Zu­sammenhänge abstrahiert und auf eine höhere, gesamtgesellschaftliche Ebene übertra­gen werden. Die Relevanz eines Themas für die Kultur und die Kulturanthropologie wird anhand qualitativer Methoden deutlich. Häufig stehen in der qualitativen For­schung keine Theorien zur Verfügung, die den Untersuchungsgegenstand ausreichend erklären. Forscher arbeiten daher wie auch in der vorliegenden Arbeit meist explorativ und ohne feste Hypothesen. Diese entwickeln sich anhand der gewonnenen Ergebnisse und werden anschließend „in theoretische Zusammenhänge eingeordnet.“[32] Um herauszufinden, welchen Umgang Facebook-Nutzer mit dem Berichten über und von Urlaubsreisen pflegen, wurden vier Kontakte aus meinem privaten Netzwerk be­fragt. Die geführten Gespräche waren leitfadenorientierte, narrative Interviews. In der Volkskunde zählt das narrative Interview zu der am häufigsten angewandten Interview­technik und lässt dem Gesprächspartner großen Freiraum in seinen Antworten.[33] Der Grundgedanke des narrativen Interviews ist die „Hervorlockung“[34] von Erzählungen durch konkrete Fragen. Die Fragen dienen daher lediglich als Leitfaden und sind offen formuliert, sodass der Interviewte ausführlich antworten kann. Der Vorteil dieser Art der Befragung liegt darin, dass die Abfolge verändert werden kann und sowohl Fragen situativ umgewandelt als auch gezielte Nachfragen gestellt werden können.[35] Dieser flexible Umgang mit dem Frageleitfaden ist eine der Herausforderungen des narrativen Interviews. Weiterhin können neue Aspekte, die sich im Gespräch ergeben, vertieft werden. Die Interviewsituation soll auf diese Weise einer natürlichen Gesprächssituati­on möglichst nahe kommen, ohne jedoch die Rollen von Interviewer und Befragtem aufzuheben.[36] Die Auswertung der Interviews, die qualitative Inhaltsanalyse, „birgt das Problem, dass Aussagen dabei aus dem Kontext herausgelöst und die Bedeutungspoten­tiale reduziert werden.“[37]

Vorjedem Interview habe ich die Profile und Fotoalben derjeweiligen Personen bei Fa- cebook betrachtet, um während des Gesprächs gegebenenfalls auf Besonderheiten, ein­zelne Bilder oder Alben eingehen zu können und um die Facebook-Aktivität einesjeden Nutzers einzuschätzen. Auf die Profile der einzelnen Personen soll aber nicht weiter eingegangen werden, alle nötigen Informationen ergeben sich aus den Interviews und ihren Auswertungen.

Die Interviews wurden zwischen dem 04. Dezember 2012 und dem 19. Dezember 2012 durchgeführt. Zwei Befragungen wurden bei den jeweiligen Personen zu Hause geführt und zwei in einem Bonner Café. Die ungezwungene Atmosphäre und bekannte Umge­bung führte zu einer entspannten Stimmung und redebereiten Interviewpartnern. Die Interviews dauerten zwischen 25 und 45 Minuten, wurden mit einem Diktiergerät auf­gezeichnet und im Anschluss transkribiert. Die Begrüßungs- und Abschiedssituationen wurden dabei nicht mitberücksichtigt, da sie für die Ergebnisse dieser Arbeit nicht rele­vant sind. Es wurden umgangssprachliche Äußerungen transkribiert und übernommen und für die Verschriftlichung nur leicht angepasst. Auch unzusammenhängende Aussa­gen wurden transkribiert, durch Gedankenstriche kenntlich gemacht und eine Übertra­gung ins Schriftdeutsch an manchen Stellen durchgeführt. Der Inhalt wurde in jedem Fall beibehalten und sinngemäß nicht verändert. Für ein valides Untersuchungsdesign wurden die Fragen im Vorfeld an anderen Probanden als den Interviewpartnern getestet, um die Verständlichkeit der Fragen zu überprüfen.

Alle Interviewfragen dienen dem Zweck herauszufinden, ob und weshalb Personen ihre privaten Urlaubsfotos bei Facebook hochladen, und ob noch klassische kulturanthropo­logische Objekte wie Postkarten oder Fotoalben genutzt werden, um Grüße von einer Reise zu senden und Impressionen zu vermitteln. Der Leitfaden wurde vor und während eines jeden Interviews flexibel angepasst und variierte je nach Gesprächssituation. So gab es speziell auf einige Personen zugeschnittene Fragen und solche, die für alle Inter­viewten gleich waren.[38]

Die Fragen beziehen sich auf die Nutzung von Facebook für das Versenden von Ur­laubsgrüßen sowohl bildlicher als auch textbasierter Art, auf die Inszenierung von Rei­sen bei Facebook, auf die Zielgruppe, an die die Beiträge gerichtet werden und auf die Motivwahl. Weitere Fragen betreffen unter anderem das Versenden von Postkarten, die technischen Unterschiede zwischen Facebook und Postkarten, die Aufbereitung und Archivierung von Fotos und die Nutzung anderer Dienste zur Berichterstattung von Urlaubsreisen.

Aus den Antworten der Interviewpartner können acht Kategorien abgeleitet werden, de­nen die einzelnen Aussagen zugeordnet werden. Diese werden paraphrasiert, in Bezug zur Forschungsliteratur gesetzt und auf einer Makroebene zusammengefasst.

1.5.2 Auswahl und Rekrutierung der Interviewpartner

Aus forschungsökonomischen Gründen wurden für diese qualitative Untersuchung Per­sonen aus meinem privaten Netzwerk befragt. Nur so ist ein Zugang zu den Profilen und somit zu den Fotos der befragten Personen möglich, da meist ein Facebook-Kontakt be­stehen muss, um private Informationen einsehen zu können. Auch konnten durch die bereits bestehende persönliche Bekanntschaft zu den Interviewpartnern Hintergründe besser eingeschätzt und Fotos und Alben bereits vor den Interviews betrachtet sowie die Facebook-Aktivität der User beurteilt werden. Des Weiteren sorgte die bestehende Be­kanntschaft für eine gute und angenehme Gesprächsatmosphäre. Die befragten Personen wurden durch einen Aufruf innerhalb des eigenen Facebook-Netzwerks am 06. Novem­ber 2012 gefunden. Dieser Aufruf ist ebenfalls nur innerhalb des eigenen Netzwerks möglich gewesen.

Auf den Aufruf, in dem konkret nach Personen gefragt wurde, die Bilder oder Status­meldungen aus dem Urlaub bei Facebook posten, virtuelle Alben erstellen oder Inspira­tionen für die nächste Reise aus geposteten Bildern gezogen haben, meldeten sich elf Kontakte. Vier davon wurden direkt aussortiert, da aufgrund eines anderen Wohnortes nur ein schriftliches oder telefonisches Interview möglich gewesen wäre, ein persönli­ches aber aus methodischen Gründen vorgezogen wurde. Aus den verbleibenden sieben Kontakten wurden vier aufgrund spezieller Besonderheiten in der Facebook-Nutzung ausgewählt.

Die Personen gruppieren sich altersmäßig um das Durchschnittsalter des typischen Fa- cebook-Nutzers von 29,4 Jahren[39] und stehen an unterschiedlichen beruflichen und pri­vaten Punkten ihres Lebens. Die qualitative Untersuchung innerhalb der Stichprobe sorgt für eine Verzerrung der Wirklichkeit im Hinblick auf die Urlaubsberichterstattung. Allerdings ist in einer qualitativen Studie kein repräsentatives Abbild der Gesellschaft gewünscht, sondern die Einsicht in die Gedanken, die hinter gewissen Handlungen ste­hen und die Ableitung von Hypothesen daraus. Es wurden daher bewusst Personen aus­gesucht, die regelmäßig Facebook nutzen und zu ihren Einstellungen befragt. Im Fol­genden werden die einzelnen Personen vorgestellt.

Tobias ist 28 Jahre alt und Student der Medienwissenschaften. Er reagierte auf den Auf­ruf bei Facebook und bot sich als Interviewpartner an. Er interessiert sich neben dem Studium auch privat für die Themen Film und Fotografie und hat an einer Filmschule in den USA bereits einen fortgeschrittenen Umgang mit beiden Medien erlernt. Darüber hinaus hat er bei Facebook Alben veröffentlicht, dessen Fotos er mit einer herkömmli­chen Polaroid-Kamera aufgenommen, eingescannt und dann ins soziale Netzwerk hoch­geladen hat. Er postet in regelmäßigen Abständen Beiträge, sowohl textueller als auch bildlicher Art und kann somit als aktiver Facebook-Nutzer bezeichnet werden.

Francis ist 30 Jahre alt und arbeitet nach einem Studium der Kunstgeschichte als Perso­nalberaterin in einem Bonner Unternehmen. Sie reagierte auf die Anfrage und wurde für ein Interview ausgewählt, da sie durch das regelmäßige Hochladen von Urlaubsfotos, die immer durch ein gutes Auge, besondere Blickwinkel und ansprechende Motive be­stechen, geeignet schien. Sie hat bei Facebook sieben Alben mit Fotos von Reisen ein­gestellt und postet ebenso einzelne Bilder. Auch sie ist eine aktive Facebook-Nutzerin.

Johannes ist 33 Jahre alt und selbstständiger Fotograf, Kamera- und Tonmann. Er foto­grafiert regelmäßig für die Bonner Lokalzeitung General Anzeiger sowie für diverse Magazine und arbeitet zusätzlich im Film- und Fernsehbereich wie zum Beispiel für RTL und KiKA. Sein professioneller Hintergrund im Bereich der Fotografie machte den Reiz für eine Befragung hinsichtlich des Umgangs mit Fotografie in sozialen Netzwer­ken aus. Das von ihm auf den Facebook-Aufruf angebotene Interview bedeutet somit einen interessanten Untersuchungsaspekt für diese Arbeit. Eines seiner Facebook-Alben zeigt 536 Fotos einer vierwöchigen Reise nach Kambodscha und wird von Johannes während des Interviews immer wieder thematisiert. Auch er ist ein aktiver Facebook- Nutzer.

Nora ist 25 Jahre alt und Studentin der Psychologie. Sie bot sich als Interviewpartnerin für die Untersuchung an und betonte direkt, dass sie bei Facebook nie ganze Alben hochlade, sondern höchstens einzelne Fotos. Dieser Aspekt macht sie für die vorliegen­de Arbeit besonders interessant, da alle anderen Personen angaben, regelmäßig sowohl einzelne Bilder zu präsentieren als auch ganze Alben zu erstellen. In der empirischen Untersuchung fungiert sie nun als Gegenpol zu den anderen drei Personen, die regelmä­ßig Fotoalben erstellen. Auch sie nutzt Facebook regelmäßig.

1.5.3 Probleme bei der volkskundlichen Internetforschung

Für diese Arbeit und die verwendeten Internetquellen ergeben sich die Einschränkun­gen, die stets für das Forschen in und mit dem Internet gelten.

Im Vordergrund bei der Nutzung des Internets stehen die Aspekte der Aktualität, des In­formationsgehalts und der Einfachheit des Zugriffs. Bei einer wissenschaftlichen Unter­suchung zum Thema Facebook liegt es nahe, Artikel aus dem Internet hinzuzuziehen, da diese tagesaktuell sind. Sich ständig ändernde Nutzerzahlen, Neuigkeiten zum Börsen­gang von Facebook oder auch Zahlen zur Smartphone- und Internetnutzung können nicht mit der Geschwindigkeit in Bücher gedruckt werden, mit der sie sich verändern. Das Internet ist nach wie vor die schnellste Informationsquelle und daher häufig noch vor Zeitungen oder dem Fernsehen für viele Menschen die erste Wahl.[40] Auch eine Ar­beit, die Facebook als Teil des Untersuchungsgegenstands beinhaltet, kommt ohne das

Internet nicht aus. Eine Registrierung bei Facebook ist eine notwendige Voraussetzung für die Betrachtung der Funktionen, die die Plattform zur Reiseberichterstattung bietet. Für aus dem Internet entnommene Informationen gilt, dass diese nicht immer richtig sein müssen. Auf gewisse Seiten kann jeder zugreifen und die Informationen verändern wie zum Beispiel auf Wikipedia, eine aus von Usern beigesteuerten Inhalten bestehende Wissensplattform. Auch Facebook-Profile und mit ihnen zusammenhängende Informa­tionen müssen nicht immer der Realität entsprechen. Als Quelle muss das Internet daher prinzipiell kritisch betrachtet werden, da es keine Gewähr für Wissenschaftlichkeit, Au­thentizität und Richtigkeit gibt. „Deswegen aber grundsätzlichjeden Informationsgehalt von Daten aus [...] dem Internet anzuzweifeln, ginge indessen [aber] zu weit.“[41]

1.6 Begriffsdefinitionen

An dieser Stelle sollen zentrale Begriffe der Arbeit definiert werden, die bei der Aus­wertung der Interviews zum Tragen kommen und für die Bildung der Kategorien auf ei­ner Makroebene sowie für das anschließende Beantworten der Forschungsfrage ent­scheidend sind. Zu nennen sind hier die Begriffe Selbstdarstellung, Inszenierung, Iden­tität, Öffentlichkeit und Privatheit.

1.6.1 Selbstdarstellung

Sowohl die Inszenierung von Reisen als auch die Berichterstattung von ihnen beinhaltet so wie alle Momente menschlicher Interaktion Prozesse der Selbstdarstellung,[42] wes­halb der Begriff im Rahmen dieser Arbeit einer Definition bedarf. Der Terminus ent­stammt der Sozialpsychologie und kann folgendermaßen erläutert werden:

„[Selbstdarstellung ist] der Versuch, uns als den Menschen zu präsentieren, der wir sind oder von dem wir wollen, dass andere Menschen glauben, dass wir so sind; dies geschieht durch die Worte, die wir sprechen, unser nonverbales Verhalten wie auch unsere Handlungen.“[43]

Die Medienpsychologin Nicola Döring ergänzt:

„Man spricht von Selbstdarstellungsverhalten, um zum Ausdruck zu bringen, dass wir unser soziales Verhalten in der Regel so gestalten, dass wir bei denjenigen Per- sonen, die gerade anwesend sind oder denen unser aktuelles Verhalten bekannt wer­den könnte, einen günstigen Eindruck hinterlassen. Ein günstiger Eindruck ist nicht unbedingt ein positiver Eindruck, sondern ein zielkonformer Eindruck.“[44]

Menschen versuchen also durch verschiedene Methoden mit unterschiedlichen Instru­menten sich selbst zu präsentieren und auf diese Art und Weise einen für sie nützlichen Eindruck zu vermitteln: „Nicht wie wir erscheinen, sondern wie wir erscheinen wollen, das sagt etwas über uns.“[45]

1.6.2 Inszenierung

Auch der Begriff der Inszenierung taucht im Zusammenhang mit der Präsentation von Urlaubsfotos im Verlauf der Arbeit häufig auf und soll an dieser Stelle kurz definiert werden. Als Inszenierungen werden Akte und wahrnehmbare Manifestationen bezeich­net, die für ein Publikum oder vor einem Publikum vollzogen werden, dessen Existenz sich der Akteur bewusst ist. Dieses Publikum muss bei der Darstellung mit einberechnet werden.[46]

„Daran knüpft dann jeweils die Frage, was wie und warum gezeigt oder nicht ge­zeigt wird. Inszenierungen betreffen das absichtsvolle Sichtbarmachen von Ent­scheidungen, Beschlüssen, Ereignissen, Vorgängen etc. vor einem Publikum, doch auch ihr absichtsvolles Ausklammern, Verschleiern oder Verbergen.“[47]

Inszenierung und Selbstdarstellung sind eng miteinander verknüpft.

1.6.3 Identität

Der zum Grundkanon der Volkskunde gehörende Begriff definiert sich nach Wolfgang Ka- schuba wie folgt:

„[D]er Begriff Identität [lässt sich] als ein anthropogenes, also menschheitsge­schichtliches Grundmuster verstehen, das in den Wunsch mündet sich als soziales Wesen in den Zusammenhang seiner Umwelt einzupassen und dabei durch Über­einstimmung wie durch Abgrenzung seinen spezifischen ,sozialen Ort’ zu fin­den.“[48]

Hermann Bausinger setzt sich ebenfalls mit dem Identitätsbegriff auseinander:

„Der Begriff verkörpert, so weit die Konnotationen im einzelnen auseinander lau­fen mögen, ein Moment von Ordnung und Sicherheit inmitten des Wechsels; und sein besonderer Reiz liegt dabei darin, dass er nicht eigentlich die Bedeutung von Starrheit oder Erstarrung vermittelt, sondern dass er verhältnismäßig elastisch et­was Bleibendes in wechselnden Konstellationen anvisiert.“[49]

Für die Urlaubsberichterstattung bedeutet dies, dass die eigene Identität durch das Fes­thalten von Eindrücken sowohl für andere als auch für einen selbst bestätigt wird. Und weiter:

„Identität ist ein analytisches Konstrukt; aber Identität ist gleichwohl direkt er­fahrbar: als Gefühl der Übereinstimmung des Individuums mit sich selbst und sei­ner Umgebung, und vielleicht noch deutlicher in der negativen Form: im Bewuss­tsein oder Gefühl mangelnder Übereinstimmung.“[50]

Identität ist ein Balanceakt zwischen der Variabilität sich verändernder Lebenssituatio­nen und der Konstanz zeitlich überdauernder Persönlichkeitseigenschaften. Identität be­schreibt den Prozess, sich in seiner Umwelt individuell zu präsentieren. Über Urlaubsfo­tos kann dies deutlich werden. Sowohl die Übereinstimmung mit anderen als auch die freie Entfaltung sowie die damit verbundene Abgrenzung von anderen sind Bestandteile des Identitätskonstrukts. Kaschuba unterscheidet zwischen individueller und kollektiver Identität: „Identität [meint sowohl] eine Ich- als auch eine Wir-Identität, zwei sich inei­nander verschränkende Bedeutungsdimensionen von Selbstsein und Dazugehören.“[51] Ich-Identität kann dabei nur in Interaktion mit anderen gewonnen werden und ist von ihnen abhängig. Sie bildet sich aus der eigenen Biographie und den Identifikationszu­schreibungen anderer.[52] Eine mangelnde Übereinstimmung mit anderen macht Identität erst bewusst. In der „Multioptionsgesellschaft“[53], die sich auch mit der Durchdringung des Internets aller Lebensbereiche etabliert hat, steht nicht mehr die Frage danach, was Identität ist und wie sie bewahrt werden kann im Vordergrund, sondern wie „Identität als nie abzuschließendes Projekt stetig hergestellt und verändert werden kann.“[54] Dieser

Prozess kann als „alltägliche Identitätsarbeit“[55] bezeichnet werden, für die zum Beispiel Facebook eine große Plattform bietet. Durch die Interaktion mit anderen wird Identität gewonnen, insbesondere durch Reaktionen auf Beiträge und Fotos.

1.6.4 Öffentlichkeit

Öffentlichkeit ist ein schwer zu fassendes Konstrukt und im Rahmen der Urlaubsbe­richterstattung besonders im Hinblick auf das Publikum, dem Eindrücke vermittelt wer­den, von Bedeutung. In Abgrenzung zur Öffentlichkeit muss ebenfalls der Begriff Pri- vatheit definiert werden, der die „entgegengesetzte Sphäre“[56] zur Öffentlichkeit bildet. Beide Begriffe sind schwer zu fassen und zu definieren - es gibt zahlreiche Ansätze und Theorien. Da für diese Arbeit ein grobes Verständnis der beiden Begriffe aber ausreicht, werden nur die Grundzüge und Charakteristika dieser Konstrukte erläutert und was sie ausmacht.

Der Öffentlichkeitsbegriff ist im Alltagsverständnis nicht eindeutig definiert. So gibt es verschiedene Öffentlichkeiten, wie den Staat, das politische System oder die Massen­medien, eben alle Bereiche des Lebens, die nicht privat, sondern öffentlich „d.h. auch Fremden zugänglich“[57] sind. Ursprünglich bedeutete Öffentlichkeit einen Bereich, „der nicht geheim und entsprechend der Allgemeinheit zugänglich, also offen ist und [...] bezieht sich auf den Bereich staatlicher Angelegenheiten.“[58] Neben seiner bisherigen abstrakten Bedeutung nahm der Begriff erst im Laufe des 19. Jahrhunderts „die Bedeu­tung eines Personenverbandes an.“[59] Laut dem Systemtheoretiker Niklas Luhmann be­steht Öffentlichkeit aus „breit angelegter Kommunikation mit Unbekannten.“[60] Dabei ist die Anzahl dieser Unbekannten unüberschaubar. Jeder kann Teil dieser Öffentlich­keit sein: „Was immer in der Öffentlichkeit gesagt und getan wird, diffundiert in eine unübersehbare Umwelt.“[61] Die Besonderheit der Öffentlichkeit ergibt sich daraus, „dass alle Mitglieder einer Gesellschaft teilnehmen dürfen, das Publikum ist grundsätzlich unabgeschlossen.“[62] Offenheit ist daher eine „Konstitutionsbedingung von Öffentlich­keit.“[63]

Wichtig ist auch die Kommunikationskomponente im Zusammenhang mit Öffentlich­keit. Kommunikation und Öffentlichkeit sind aneinander gekoppelt, wie auch der Ame­rikanist Michael Warner feststellt.[64] Das System beruht auf der „Basis des Austauschs von Informationen und Meinungen.“[65] Im bürgerlichen Verständnis bedeutet Öffent­lichkeit, dass alles „fürjeden und zujeder Zeit zugänglich ist.“[66]

1.6.5 Privatheit

Privatheit ist eine abstrakte Kategorie und „das Ergebnis einer Zuordnung“[67] und exis­tiert im Grunde nicht beziehungsweise nur über die Abgrenzung zum Öffentlichen: „Was unter Privatheit verstanden und wie sie konzipiert wird, ist also eine kulturrelative Variable.“[68] Der Begriff ist aus den gleichen Gründen wie der Öffentlichkeitsbegriff für diese Arbeit relevant.

Privatheit in Gänze zu erläutern ist an dieser Stelle nicht möglich. Es werden daher zwei Annäherungen an den Begriff, deren Aspekte bei der Auswertung der Interviews wieder aufgegriffen werden, wiedergegeben. Beide Definitionen schreiben dem Terminus Pri­vatheit drei Dimensionen zu. Dennis Gräf, Medienwissenschaftler mit volkskundlichem Hintergrund bezeichnet Privatheit als „kontextrelativ beziehungsweise raumbezogen.“[69] Auf erster Ebene wird Privatheit mit „physisch-topographischen Räumen (zum Beispiel Wohnung) korreliert.“[70] In zweiter Dimension ist sie immer auch ein „abstrakter menta­ler, das heißt topologisch-metaphorischer beziehungsweise semantischer Raum (zum Beispiel Privatsphäre)“[71] und drittens ist Privatheit eine soziokulturell geprägte Wahr­nehmungsstruktur. Die Philosophin Beate Rössler unterscheidet ebenfalls drei Dimen­sionen von Privatheit. Dezisionale Privatheit, die erste Ebene, umfasst nach ihrer Defi- nition die Autonomie des Individuums. Dabei geht es um „Freiheit im Kontext der ge­sellschaftlichen Vorgaben.“[72] Diese prinzipielle Freiheit bedeutet, „die eigene Lebens­form unkommentiert zu lassen und nicht ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.“[73] Die zweite Dimension der Privatheit ist laut Rössler die informationelle Privatheit. Inhalt dieser Dimension ist „die Selbstbestimmung des Subjektes, die Informationen und das Wissen über sich und das eigene Leben zu kontrollieren.“[74] Die dritte Dimension von Privatheit bezieht sich auf die lokale Privatheit, die „[...] der private Ort [ist], der dem Subjekt allein gehört oder über dessen Zugänglichkeit es bestimmt [und] an dem ein Subjekt seine Lebensform leben kann.“[75] Privatheit kann als „symbolischer Raum, in dem das Subjekt sich selbst entfaltet“[76] betrachtet werden. Der Philosoph Roland Bar­thes beschreibt im Jahr 1980 in seinen Bemerkungen zur Photographie den Einbruch des Privaten in den öffentlichen Raum, der mit dem Zeitalter der Fotografie einhergeht: „[...] das Private wird [...] öffentlich konsumiert“[77], der neue Wert der „Öffentlichkeit des Privaten“[78] ist geschaffen.

Es zeigt sich, dass Privatheit ein komplexes Konstrukt ist, welches nicht eindeutig defi­niert werden kann. Ursprünglich war der Begriff der Privatheit stark an das Konstrukt Familie geknüpft, der kulturelle Wandel dieses Begriffs und die Grenzverschiebung ist der Onlinekommunikation als ein wesentlicher Faktor zuzuschreiben.[79] Durch das Internet haben sich Wege geändert und geöffnet, so ist zu der one-to-one- Individualkommunikation, die zum Beispiel den privaten E-Mail-Austausch beinhaltet und der one-to-many-Massenkommunikation, bei der ein Anbieter Inhalte für viele Nut­zer bereitstellt die many-to-many-Kommunikation hinzugekommen.[80] Diese many-to- many-Kommunikationsmöglichkeiten „erlauben potenziell einen Dialog aller Beteilig­ten, die Botschaften oder multimediale Inhalte untereinander austauschen.“[81]

Hauptteil: Theorie

2. Reisen

2.1 Reisen und die Entstehung des Tourismus

Das Wort Tourismus stammt vom griechischen tornos, ihr zirkelähnliches Werkzeug und ist über das lateinische tornare, was so viel heißt wie runden und das französische tour ins Deutsche und auch Englische gelangt.[82] Eine Tour bezeichnet „eine Reise weg vom normalen Wohnort hin zu einem anderen Ort, an dem man für eine Zeit verweilt, um dann wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren; ein Tourist ist jemand, der eine solche Tour macht.“[83] Das Wort Reise ist gebräuchlicher und stammt vom englischen rise, also hochgehen, Anstieg, Erhöhung. Der Begriff bezeichnet „den Aufbruch, das Wegfahren“[84], wobei die Rückkehr in diesem Begriff, anders als im Tourismus-Begriff nicht miteinbezogen ist. Unter dem Oberbegriff Tourismus werden „alle Reisen, unab­hängig von ihren Zielen und Zwecken, [...] die den zeitweisen Aufenthalt an einem an­deren als den Wohnort einschließen und bei denen die Rückfahrt Bestandteil der Reise ist“[85], bezeichnet. In der Regel beschränkt sich der Begriff des Touristen in der Alltags­sprache auf Urlaubsreisende. Die Begriffe Urlaub und Urlauber werden ebenso in der Alltagssprache häufig als Synonyme für Reise und Tourist verwendet.[86] Urlaub ist defi­niert als „die Erlaubnis, ohne das Arbeitsverhältnis damit zu beenden, für eine Zeit die Dienstaufgaben niederzulegen.“[87] Urlaubsreisen sind ein wichtiges Freizeitthema, denen im Tourismus die größte Aufmerksamkeit gilt. Sie werden von einem großen Teil der Bevölkerung aus wirtschaftlich entwickelten Ländern unternommen und dem Interesse der Menschen entsprechend, „wird der Markt für Urlaubsreisen durch die Medien [...] stark beachtet.“[88]

Die Entwicklung des Reisens soll nun kurz skizziert werden, um im Anschluss die kul­turelle Bedeutung von Reisen zu diskutieren.

Bis zum Mittelalter waren Pilgerfahrten die Hauptformen des „nicht-utilitären Rei­sens.“[89] Aufgrund der Interessenverschiebung Reisender „zugunsten der Neugier geht um 1550 die Pilgerreise in die Bildungsreise über.“[90] Gänzlich neu ist dieser Trend aber nicht, denn bereits im Mittelalter gingen Handwerker, Studenten und junge Menschen auf Wanderschaft, um Erfahrungen zu sammeln. Ab dem 16. Jahrhundert etablierte sich die sogenannte Grand Tour in Aristokratenkreisen, die der Ausbildung und Erweiterung des Horizonts junger Adliger diente. Hierbei mussten besonders humanistisch gebildete englische Aristokraten über Frankreich nach Italien reisen, um an fremden Höfen Welt­gewandtheit, Bildung und Etikette zu erwerben.[91]

Auch reisende Studenten tauchen in der Geschichte immer wieder auf, denn: „Wissens­vermittlung wird nicht mehr nur Bildungsstätten wie Universitäten zugeschrieben; man lerne im Unterwegssein, indem man die Welt durchstreift.“[92] Diese Studien- und For­schungsreisen bewirken, dass Reisen immer populärer wird. Im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Entstehung der touristischen Reise, ist diese noch ein Privileg der Adeligen, Reichen und Großbürger.[93] Der eingangs erwähnte Begriff des Tourismus beziehung­sweise Touristen taucht im englischsprachigen Raum zum ersten Mal um 1800 auf.

Um 1900 sind Urlaubsreisen für normale Arbeitnehmer nicht nur monetär unmöglich, sondern auch der Mangel an Freizeit führt dazu, dass Verreisen nicht realisierbar ist. Wochenarbeitszeiten von über 50 Stunden erlauben nicht einmal Kurzreisen an den Wochenenden, um sich von der Arbeit zu erholen.[94] Erst mit der zunehmenden Gewäh­rung bezahlter Urlaubstage, „die meist über gewerkschaftliche Aktionen erkämpft und in Tarifverträgen festgeschrieben wurden, [kann] eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung eines Reisemarktes erreicht werden.“[95]

Im 19. Jahrhundert setzt dann eine Reisewelle ein und in England werden in den 1840er Jahren in Thomas Cooks neu eröffneten Reisebüros die ersten Pauschalreisen organi­siert.[96] In Deutschland erfolgt dieser Schritt im Jahr 1863 in Berlin durch Louis Stan­gen.[97] Für veränderte Lebensbedingungen sorgt die fortschreitende Industrialisierung und lässt Reisen somit „zum zentralen Mittel des Ausbruchs aus den schlechten Le­bensverhältnissen der Städte werden.“[98] Leisten können sich das bis dato aber nur wenige Menschen, denn für die arbeitende Bevölkerung ist Reisen immer noch unerschwinglich und ein Privileg der Reichen.

Als Entstehungsbedingungen für den Tourismus als Massenphänomen ab dem 20. Jahr­hundert werden „Industrialisierung, Modernisierung und Urbanisierung“[99] gesehen. Sie gelten als Wegbereiter der Reiseindustrie und führten im gleichen Schritt zur Entde­ckung des Erholungsbedürfnisses der Menschen: „Der Aspekt der Flucht aus einer in­dustrialisierten, modernisierten Welt in eine als natürlicher und ursprünglicher erlebte Welt ist der Reise bis heute erhalten geblieben.“[100] Der Begriff Masse im Tourismus­kontext entwickelte sich um 1900, wo ein starker Anstieg von Besuchern in Tourismus­orten wie zum Beispiel Baden-Baden oder an Wintersportplätzen verzeichnet werden konnte.[101] So stieg die Zahl der Touristen zwischen 1900 und 1910 von 2000 auf 11 000 Urlauber.[102]

Zentrale Voraussetzungen für Urlaubsreisen sind Freizeit und Kapital. Nach dem Zwei­ten Weltkrieg ist der Anteil an Freizeit stark gestiegen und dank sozialer Gegebenheiten wie bezahlter Urlaub oder der Anstieg der Lebenserwartung, gehören Urlaubsreisen seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem modernen Lebensstil dazu.[103] Billigflug­linien und immer günstigere Pauschalangebote verstärken dieses Phänomen noch. Zwischen den Jahren 1987 und 1994 ist die Reiseintensität der Deutschen jedes Jahr kontinuierlich gestiegen. So machten im Jahr 1994 fast 80% der Deutschen eine Ur­laubsreise mit einer Dauer von mindestens fünf Tagen. Die jährliche Reise ist demnach zu einer „sozialen Selbstverständlichkeit“[104] geworden. Mit der Entwicklung des Tou­rismus entwickelt sich auch die negative Konnotation mit dem Begriff des Touristen im Gegensatz zum Reisenden.[105] Das Schwinden der wahren Werte des Reisens wie Aus- und Weiterbildung hin zu Urlaub als Konsumgut und ein Verfall der Reisekultur gehen damit einher, sollen aber im Zuge dieser Arbeit nicht näher erläutert werden, da sie für die Beantwortung der Forschungsfrage irrelevant sind.

Seit dem 20. Jahrhundert ist es möglich, Reisen nicht mehr nur anhand geographischer Mobilität zu erleben. Auch im medialen und virtuellen Raum nehmen sie ihren Platz ein.[106] Besonders seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts und der fortschreitenden Ent­wicklung von Internet und Social Media Angeboten, ist es kein Problem mehr, die Fremde von zu Hause aus hautnah zu erleben.

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird nun die kulturelle Bedeutung von Reisen skizziert. Das Erleben der Fremde im virtuellen und medialen Raum soll im empirischen Teil der Arbeit in Kapitel 5 hinterfragt werden.

2.2. Die kulturelle Bedeutung des Reisens

Durch den Wandel von Lebensbedingungen seit dem 20. Jahrhundert ist Reisen zu ei­nem alltäglichen Erlebnis geworden. Eine der zentralsten Fragen von Tourismus­Forschern ist, neben der Frage nach Reisebedingungen, die nach den Motiven des Rei­sens, so Sozialwissenschaftler und Reiseleiter Christoph Hennig.[107] Diese Frage hat vie­le Antworten gefunden, wie die Suche nach Authentizität, Sehnsucht nach der Fremde, Erholung und die Weiterentwicklung der Persönlichkeit.[108] Die größte Popularität er­fährt jedoch die Flucht-These, die besagt, dass Reisen eine Flucht vor den Belastungen der Industriegesellschaft sei: „Das moderne Reisen [ist] ein Ausweichen in ein fiktives Glück; es [liefert] eine Scheinlösung für die Probleme des Alltags.“[109] Allerdings zeigt sich, dass diese Annahme mit sozio-historischen Fakten nicht übereinstimmt, da seit je­her die Leute reisen, die zur Flucht am wenigsten Anlass haben. Zuerst waren es Aris­tokraten, die ein angenehmes Leben führten und auch heute reisen überwiegend wohl­habende Menschen „mit behaglichen Eigenheimen und angenehmen Arbeitsverhältnis­sen.“[110] Reisen dienen also weniger der Flucht, als der Bereicherung eines ohnehin schon guten Lebensstandards. Hennig postuliert, dass das Lebensgefühl vieler Men­schen in den Ferien steige, ebenso wie die Lebensintensität. Weitere Komponenten bilden Freiheit und Genuss.[111]

Eine Reise definiert sich dabei als „Kontrastbegriff und Alternative zum Alltäglichen und Gewohnten“[112], so Kulturanthropologin Theresa Frank. Sie sieht den „Wunsch nach Perspektivenwechsel und Horizonterweiterung“[113] als eines der zentralen Motive von

Reisenden und Touristen. Weiterhin attestiert sie reiseerfahrenen Menschen Qualitäten wie „Weltoffenheit, internationale Kompetenzen und kulturelles Know-how [...]. Die Fähigkeit vom eigenen kulturellen Background zu abstrahieren, sich auf fremde Le­benswelten einzulassen und Sensibilität für kulturelle Unterschiede zu entwickeln, wird mittlerweile in den unterschiedlichsten Zusammenhängen als essentielles Kapi­tal gehandelt, das offenbar nicht mehr nur eingeweihten Profis wie etwa Ethnologen Vorbehalten wird.“[114]

Frank bezeichnet Reisen als essenziell für den Fortschritt und die Weiterentwicklung von Kultur:

„Ohne Bewegung und Grenzüberschreitung, ohne Austausch mit Außenstehenden, ohne Impulse, die sich aus den Kontakten mit anderen Lebenswelten entwickeln, ohne zeitweiliges Verlassen des gewohnten Horizontes und verändertes Wiederkeh­ren, würde die menschliche Kultur stagnieren.“[115]

Auch der Literaturwissenschaftler Peter J. Brenner formuliert diesen Aspekt: „Das Rei­sen ist seit je eine treibende Kraft zivilisatorischer Entwicklung gewesen oder wurde wenigstens gerne so verstanden.“[116]

Reisen und das Sammeln von interkultureller Erfahrung dienen der Erholung, der Anre­gung und Bereicherung des Geistes und dem Ausbau interkultureller Kompetenzen und formen somit ein neues Gefühl für die eigene Kultur. Reisen ist folglich der Schlüssel zu einem aufgeklärten Geist und Weltoffenheit, frei nach dem Theologen und Philoso­phen Aurelius Augustinus: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“[117] Reisen lassen den Reisenden seinen Alltag durch einen zeitlich begrenzten Austritt aus ihm reflektieren und neu bewerten.

3. Instrumente der Berichterstattung 3.1 Fotografie

Lichtzeichnung oder Lichtbild bedeutet das aus dem Griechischen stammende Wort Fo­tografie.[118] Das Abbild des Menschen im Wasser oder auf einer glänzenden Oberfläche, ist seit jeher ein Motiv in Märchen, Sagen und Werken der Dichtung und tritt „immer wieder als ein von Zauberei, Symbolik und Geheimnis umgebenes Phänomen auf.“[119] Im Jahr 1839 gelang es zum ersten Mal, ein „durch Lichtreflexion erzeugte[s] Abbild der Natur in einem exakten Bild festzuhalten.“[120] Geforscht wurde in der Optik jedoch bereits Jahrtausende zuvor und es lagen schon weit vor 1839 Erkenntnisse über „licht­empfindliche Stoffe“[121] vor. Dem Maler Louis Daguerre gelang es als erstem, das Bild einer Camera obscura[122] zu konservieren. Dieses Verfahren war unter dem Namen Da- guerreotypie bald weit verbreitet. Allerdings handelte es sich bei den Fotos noch um seitenverkehrte Unikate.[123] In den folgenden Jahren nach der Entdeckung der Fotografie zielten alle weiteren Entwicklungen darauf ab, Apparate, Optik und Handhabung zu verbessern. Bis zur entscheidenden Erfindung dauerte es bis 1880, als es möglich wur­de, Papierbilder auf Rollfilmbasis zu entwickeln. Diese Filme wurden letztendlich zum ersten massentauglichen Produkt der Fotoindustrie und sind mit dem Markennamen Kodak bis heute bekannt.[124] Für jedermann zugänglich und vor allem erschwinglich wurden Fotos schließlich durch eine Preissenkung, die „eine Folge der zunehmenden Vereinfachung der Herstellungstechnik und des Wandels der Fotoformate [war].“[125] Die Entwicklung der Fotografie hin zum Massenmedium war dem Zeitgeist der Gesell­schaft geschuldet, die nach Fortschritt und Technologisierung strebte und sich nicht mehr mit den subjektiv verzerrten Zeichnungen und Malereien zufrieden geben wollte. Die Möglichkeit, die Umwelt nun technisch festhalten zu können, verringerte diese Verzerrungen.[126] Die zunehmende Schnelllebigkeit, die durch die Industrialisierung in den Alltag der Menschen kam, sollte durch die Möglichkeit den Augenblick auf einem Foto festzuhalten, ignoriert werden.[127] Wesentlich für den Bereich der Amateur­Fotografie wurde die Entwicklung von serienmäßigen Kleinbildkameras ab dem Jahre 1925, die zu einem besonderen Instruments des Sehens und Erfassens wurde.[128] Ab den 1930er Jahren kann von einer Popularität der Hobbyfotografie gesprochen werden. Der Prozess der Fotoherstellung gerät dank der simpel zu bedienenden Kamera mit kurzer Belichtungszeit in den Hintergrund und der Benutzer ist, frei nach dem damaligen Ko­dak-Slogan „You press the button, we do the rest“, nur noch am fertigen Bild, nicht am technischen Vorgang interessiert.[129]

Für die meinungsbildenden Massenmedien und die Werbung ist „das fotografische Bild das effektivste Mittel zur Information über Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft etc. und damit zur Schaffung von Leitbildern, Wert- und Wunschvorstellungen geworden.“[130] Eine Bildermasse überflutet täglich Augen und Gehirn und lädt zum Selektie­ren und Filtern ein, denn „visuelle Informationen können eine Schnelligkeit und Infor­mationsdichte beanspruchen“[131], die durch Worte nicht erreicht werden können. Bilder entwickeln eine „spezifische Dynamik des Erkennens und Erinnerns [und] sagen mehr als tausend Worte.“[132] Sie wirken „schneller als Worte, sind viel emotionaler und konk­reter“[133], sie wecken „unbewusste Sehnsüchte oder Lust.“[134] Fotos sind aus dem Alltag seit Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken. Sie halten Anlässe, Personen, Feste, beson­dere Momente und Ereignisse oder eben Urlaube fest und dienen als Zeugnis des abge­lichteten Moments: „Photographie [sic] zu lesen, bedeutet Kultur lesbar zu machen und ein jedes Bild als Beweisstück im historischen Prozeß [sic] deutbar zu machen“[135], so Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler in Anlehnung an den Philosophen Walter Ben­jamin über das Fotos als kulturelles Erinnerungsobjekt.

Maßgebend für die Bilderflut ist der Vormarsch digitaler Kameras beziehungsweise der Digitalfotografie. Der Unterschied zwischen analoger und digitaler Technologie liegt in ihrer Zusammensetzung. Digitale Technologien verwenden „diskrete Werte, voneinan­der unterscheidbare Elemente, aus denen das Bild, der Song und jede andere Nachricht zusammengesetzt wird.“[136] Es werden nur zwei Grundelemente (0 und 1) verwendet, um digitale Werte darzustellen. Aus diesem sogenannten Binärcode bestehen alle digita­len Werte.[137] Analoge Technologie hingegen verwendet „kontinuierliche Phänomene [...], die nicht aus kleinsten Elementen zusammengesetzt sind, also grundsätzlich Wel­len.“[138] Die erste Digitalkamera, die massentauglich war, erschien im Jahr 1994 und seitdem ging die Entwicklung rasant, wenn man die lange Zeit betrachtet, die die Foto­grafie brauchte, um sich generell zu etablieren.[139] 99 Prozent aller verkauften Kameras sind mittlerweile digital,[140] analoge Kameras werden nicht mehr produziert und nur noch wenige Firmen stellen überhaupt Filme her.[141] Die Vorteile der Digitalität liegen auf der Hand. Die Qualität übertrifft analoge Fotos, digitale Fotografie ist kostengünsti­ger in der Entwicklung der Bilder, der Fotografierende bekommt eine sofortige Rück­meldung auf dem Display der Kamera und das Retuschieren digitaler Fotos ist auch für Laien am Computer problemlos möglich.[142] Auch können durch die Einfachheit und die geringen Kosten unzählige Bilder geschossen werden. Dadurch, dass die Fotos digital auf dem Computer abgespeichert sind, können sie jederzeit an Freunde versendet wer­den oder eben in sozialen Netzwerken präsentiert werden. Allerdings birgt diese Art der Fotografie nicht nur Vorteile.[143] So haben digitale Bilder keine stabile Substanz „jen­seits ihres reproduzierbaren binären Codes. Ihr Aussehen auf dem Display hängt ab von Zoomeinstellungen, Monitor-Farbkalibrierungen usw. [,..].“[144] Auch ist die Dauerhaf­tigkeit des Datenträgers entscheidender Faktor bei der Speicherung digitaler Fotos.[145] In diesem Zusammenhang kann von einer „Abhängigkeit der Kommunikationsinstrumente von ihrer technologischen Materialisierung“[146] gesprochen werden, so der Kommunika- tions- und Medienwissenschaftler Martin Zierold.

3.2 Urlaubsfotografie - zum Phänomen des Knipsens

Im Fokus dieser Arbeit soll nicht die professionelle oder künstlerische Fotografie, son­dern die Urlaubsfotografie stehen, die sich meist auf sogenannte Knipserbilder [147] be­schränkt. Zwar kann auch Urlaubsfotografie professionelle oder künstlerische Elemente beinhalten, der Zweck dieser Bilder geht aber darüber hinaus. Der französische Sozio­loge Pierre Bourdieu schenkte der Knipserfotografie erstmals 1965 in seinem Werk Un Art moyen. Essais sur les usages sociaux de la photographie Aufmerksamkeit.

[...]


[1] Buchwald, Arthur: Das Touristengebet. In: SZ-Magazin 2/1994, S. 4. Zitiertnach: Fendl, Elisabeth; Löff­ler, Klara: Die Reise im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit: zum Beispiel Diaabend. In: Can­tauw, Christiane (Hg.): Arbeit Freizeit Reisen. Die feinen Unterschiede im Alltag. Münster 1995, S. 55-68, hier: S. 55.

[2] Bausinger, Hermann: Grenzenlos. Ein Blick auf den modernen Tourismus. In: Ders.; Beyrer, Klaus; Korff, Gottfried (Hg.): Reisekultur. Von der Pilgerfahrt zum modernen Tourismus. München 1991, S. 343­354, hier: S. 350.

[3] Fendl, Elisabeth; Löffler, Klara: Die Reise im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit: zum Beispiel Diaabend. In: Cantauw, Christiane (Hg.): Arbeit Freizeit Reisen. Die feinen Unterschiede im Alltag. Müns­ter 1995, S. 55-68, hier: S. 55.

[4] Auf die Besonderheiten des sozialen Online-Netzwerks Facebook wird in Kapitel 4.3 näher eingegangen.

[5] Im Oktober 2012 knackte Facebook die Rekord-Marke und hat seitdem über eine Milliarde Nutzer welt­weit- Tendenz steigend. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/soziales-netzwerk-facebook-hat-eine- milliarde-nutzer-11913558.html Stand: 17.10.2012.

[6] Ein Smartphone ist ein Mobiltelefon, das sich von einem klassischen Mobiltelefon durch einen größeren Bildschirm (meist Touchscreen) und zusätzliche Funktionen wie GPS und die Möglichkeit, Applikationen daraufzuladen,unterscheidet. Siehe: http://www.duden.de/rechtschreibung/Smartphone. Stand: 24.01.2013.

[7] Apps sind Applikationen beziehungsweise bestimmte Anwenderprogramme, die auf bestimmte Mobiltele­fone, insbesondere Smartphones, geladen werden können. http://www.duden.de/rechtschreibung/App Stand:

24.01.2013.

[8] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/198959/umfrage/anzahl-der-smartphonenutzer-in-deutschland- seit-2010/ Stand: 20.11.2012.

[9] Der WhatsApp Messenger ist eine plattformübergreifende mobile Nachrichten-Applikation, die es erlaubt über eine Internetverbindung Nachrichten auszutauschen. Zusätzlich zu Textnachrichten können auch Bil­der, Video- und Audiodateien verschickt werden. Siehe auch: http://www.whatsapp.com/7Hde Stand:

25.03.2013.

[10] http://www.welt.de/reise/deutschland/article10235496/Wie-lange-Postkarten-nach-Deutschland- brauchen.html Stand: 19.12.2012.

[11] http://aUfacebook.de/zahlen_fakten/infografik-facebook-2012-nutzerzahlen-fakten/ Stand: 01.11.2012.

[12] Erklärungen und eine Definition zum Web 2.0 finden sich ebenfalls in Kapitel 4.3.

[13] Die Transkripte, die als Quelle für die Analyse dienen, befinden sich im Anhang der Arbeit. Aus ökono­mischen Gründen hat der Anhang eine andere Formatierung als der Fließtext.

[14] Göttsch-Elten, Silke: Mobilitäten. Alltagspraktiken, Deutungshorizonte und Forschungsperspektiven. In: Johler, Reinhard; Matter, Max; Zinn-Thomas, Sabine (Hg.): Mobilitäten. Europa in Bewegung als Heraus­forderung kulturanalytischer Forschung. 37. Kongress der deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Freiburg im Breisgau. Münster 2011, S. 15-29, hier: S. 25.

[15] Göttsch-Elten (2011), S. 25.

[16] Köstlin, Konrad: Wir sind alle Touristen - Gegenwelten als Alltag. In: Cantauw, Christiane (Hg.): Arbeit FreizeitReisen. Die feinen Unterschiede im Alltag. Münster 1995, S. 1-12, hier: S. 5.

[17] http://www.nifab.de/2012/02/die-zahl-der-verschickten-postkarten-smkt-rapide-online-postkarten- verschicken/ Stand: 16.01.2013.

[18] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/soziales-netzwerk-facebook-hat-eine-milliarde-nutzer- 11913558.html Stand: 17.10.12.

[19] Die Begriffe Gesellschaft und Umgebung beziehen sich auf die deutsche Bevölkerung zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

[20] Walter, Karin: Postkarte und Fotografie (Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte). Würzburg 1995, S. 4.

[21] Walter (1995).

[22] Willoughby, Martin: Die Geschichte der Postkarte. Ein illustrierter Bericht von der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart. Erlangen 1993.

[23] Holzheid, Anett: Das Medium Postkarte. Eine sprachwissenschaftliche und mediengeschichtliche Studie. Berlin 2011.

[24] Vgl. Ziehe, Irene: Fotografieren. Bewahren. Erinnern. Zum Phänomen des "Knipsens". In: Karasek, Erika; Claassen, Uwe (Hg.): Faszination Bild. Kulturkontakte in Europa. Berlin 1999, S. 97-113, hier: S.

97.

[25] Karasek, Erika; Claassen, Uwe (Hg.): Faszination Bild. Kulturkontakte in Europa. Berlin 1999.

[26] Schurian-Bremecker, Christiane: Anpirschen, beobachten, abwarten, schießen. Fotografie als touristische Verhaltensweise. In: Köck, Christoph (Hg.) Reisebilder. Produktion und Reproduktion touristischer Wahr­nehmung. Münster/New York/München/Berlin 2001, S. 199-208.

[27] Fendl, Elisabeth; Löffler, Klara: Die Reise im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit: zum Bei­spiel Diaabend. In: Cantauw, Christiane (Hg.): Arbeit Freizeit Reisen. Die feinen Unterschiede im Alltag. Münster 1995, S. 55-68.

[28] Frank, Theresa: Begegnungen. Eine kritische Hommage an das Reisen. Wien/Münster/Berlin 2011.

[29] Hennig, Christoph: Reiselust. Touristen, Tourismus und Urlaubskultur. Frankfurt am Main/Leipzig 1997.

[30] Vgl. Schmidt-Mappes, Isabel: Freundschaften heute. Volkskundliche Untersuchung eines Kulturphäno­mens. Freiburg 2001, S. 30.

[31] Schmidt-Lauber, Brigitta: Das qualitative Interview oder: Die Kunst des Reden-Lassens. In: Göttsch, Sil­ke; Lehmann, Albrecht (Hg.): Methoden der Volkskunde. Positionen, Quellen, Arbeitsweisen der Europä­ischen Ethnologie. 2. überarb. u. erw. Auflage. Berlin 2007, S. 165-188, hier: S. 183.

[32] Ebd., S. 183.

[33] Vgl. Schmidt-Lauber (2007), S. 175f.

[34] Vgl. Schmidt-Lauber (2007), S. 176.

[35] Vgl. Schmidt-Lauber (2007), S. 177.

[36] Vgl. Weischer, Christoph: Sozialforschung. Konstanz 2007, S. 275.

[37] Schmidt-Lauber (2007), S. 182.

[38] Der Leitfaden befindet sich im Anschluss an die Transkripte im Anhang.

[39] Siehe dazu: http://www.ecommerce-manager.com/2012/05/09/wo-finden-sie-die-meisten-kunden- facebook-twitter-google/ oderhttp://www.beyond-print.de/2012/01/16/facebook-wachst-um-37-prozent/ Standbeider Seiten: 24.03.2013.

[40] Im Jahr 2012 lag der Anteil der Internetnutzer in Deutschland bei 75,6 Prozent. Siehe: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/13070/umfrage/entwicklung-der-internetnutzung-in-deutschland- seit-2001/ Stand: 24.03.2013.

[41] Hengartner, Thomas: Volkskundliches Forschen im, mit dem und über das Internet. In: Göttsch, Silke; Lehmann, Albrecht (Hg.): Methoden der Volkskunde. Positionen, Quellen, Arbeitsweisen der Europäischen Ethnologie, 2. überarb. u. erw. Auflage. Berlin 2007, S. 187-209, hier S. 193.

[42] Vgl. Misoch, Sabrina: Identitäten im Internet. Selbstdarstellung auf privaten Homepages. Konstanz 2004, S. 29.

[43] Aronson, Eliot; Wilson, Timothy D.; Akert, Robin M.: Sozialpsyschologie, 4., aktualisierte Auflage. München 2004,S.177.

[44] Döring, Nicola: Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, Soziale Beziehungen und Gruppen, 2., vollst. überarb. und erw. Auflage. Göttingen 2003, S.

334.

[45] Abels, Heinz: Identität. Wiesbaden 2006, S. 324.

[46] Vgl. Schultz, Tanjev: Alles inszeniert und nichts authentisch? Visuelle Kommunikation in den vielschich­tigen Kontexten von Inszenierung und Authentizität. In: Knieper, Thomas; Müller, Marion (Hg.): Authenti­zität und Inszenierung von Bilderwelten. Köln 2003, S. 10-24, hier S. 12.

[47] Schultz (2003), S. 12.

[48] Kaschuba, Wolfgang: Einführung in die Europäische Ethnologie, 3. Auflage. München 2006, S. 134.

[49] Bausinger, Hermann: Zur kulturalen Dimension von Identität. In: Zeitschrift für Volkskunde 73 (1977), S. 210-215, hierS.210.

[50] Ebd., S. 210.

[51] Kaschuba (2006), S. 134.

[52] Siller, Hermann Pius: Menschwerden im Aufeinandertreffen und Wandel der Kulturen. Eine Problem­skizze. In: Schreijäck, Thomas (Hg.): Menschwerden im Kulturwandel. Kontexte kultureller Identität als Wegmarken interkultureller Kompetenz. Initiatoren und ihre Inkulturationsprozesse. Lutzern 1999, S. 19-40, hier S. 28.

[53] Vgl. Gross, Peter: Die Multioptionsgesellschaft. Frankfurt am Main 1994.

[54] Vogelgesang, Waldemar: Digitale Medien - Jugendkulturen - Identität. In: Hugger, Kai-Uwe (Hg.): Digi­tale Jugendkulturen. Wiesbaden 2010, S. 37-53, hier S. 38.

[55] Vogelgesang (2010), S. 38.

[56] Zitiert nach: Ritter, Martina: Die Dynamik von Privatheit und Öffentlichkeit in modernen Gesellschaften. Wiesbaden 2008, S. 40.

[57] Gerhards, Jürgen; Neidhardt, Friedhelm: Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit. Fragestel­lungen und Ansätze. Berlin 1990, S. 4.

[58] Gerhards; Neidhardt (1990), S. 4.

[59] Ebd., S. 4.

[60] Luhmann, Niklas: Öffentliche Meinung. In: Luhmann, Niklas (Hg.): Politische Planung. Aufsätze zur So­ziologie von Politik und Verwaltung. Opladen 1971, S. 9-34, hier: S. 24.

[61] Gerhards; Neidhardt (1990), S. 16.

[62] Gerhards; Neidhardt (1990), S. 16.

[63] Ebd., S. 16.

[64] Warner, Michael: Publics and Counterpublics. Camebridge 2002, zitiert nach: Dietzsch, Ina: Zusammen sind wir super! Die SUPERillu - ein neues Medium jenseits neuer Medien. In: Kulturation. Online Journal für Kultur, Wissenschaft und Politik, Text 23, 2008. Siehe: http://www.kulturation.de/ki_1_textphp?id=44 Stand: 23.01.2013.

[65] Gerhards; Neidhardt (1990), S. 15.

[66] http://www.kulturation.de/ki_1_textphp?id=44 Stand: 23.01.2013.

[67] Gräf, Dennis; Halft, Stefan; Schmöller, Verena: Privatheit. Zur Einführung. In: Dies. (Hg.): Privatheit. Formen und Funktionen. Passau 2011, S. 9-28, hier: S. 10.

[68] Ebd., S. 10.

[69] Gräf; Halft; Schmöller (2011), S. 13.

[70] Ebd. S. 13.

[71] Ebd. S. 13.

[72] Zitiert nach: Ritter (2008), S. 46.

[73] Ritter (2008), S. 47.

[74] Ritter (2008), S. 48.

[75] Ritter (2008), S. 49.

[76] Ritter, Martina: Alltag im Umbruch. Zur Dynamik von Öffentlichkeit und Privatheit im neuen Russland. Hamburg 2008, S. 27.

[77] Barthes, Roland: Die helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie. Übers. v. Dietrich Leube, 1. Aufla­ge. Frankfurt am Main 1985, S. 109.

[78] Barthes (1985), S. 109.

[79] Konert, Bertram; Hermanns, Dirk: Der private Mensch in der Netzwelt, In: Weiß, Ralph; Groebel, Jo. (Hg.): Privatheit im öffentlichen Raum. Medienhandeln zwischen Individualisierung und Entgrenzung. Op­laden 2002, S. 415-198, hier: S. 418.

[80] Vgl. Konert; Hermanns (2002), S. 417.

[81] Konert; Hermanns (2002), S. 418.

[82] Vgl. Mundt, Jörn W.: Tourismus. 3. überarb. u. ergänzte Auflage, München 2006, S. 1.

[83] Mundt (2006), S. 1.

[84] Mundt (2006), S. 2.

[85] Mundt (2006), S. 3.

[86] Vgl. Mundt (2006), S. 9.

[87] Mundt, Jörn W.; Lohmann, Martin: Erholung und Urlaub. Zum Stand der Erholungsforschung im Hinb­lick auf Urlaubsreisen. Starnberg 1988, S. 20.

[88] Mundt (2006), S. 10.

[89] Frank (2011), S. 64.

[90] Frank (2011), S. 64.

[91] Märker, Peter; Wagner, Monika: Bildungsreise und Reisebild. Einführende Bemerkungen zum Verhältnis von Reisen und Sehen. In: Dies.; Bopp, Petra (Hg.): Mit dem Auge des Touristen. Zur Geschichte des Rei­sebildes. Tübingen 1981, S. 7-18, hier: S. 7.

[92] Frank (2011), S. 67.

[93] Frank (2011), S. 75.

[94] Vgl. Mundt (2006), S. 38.

[95] Mundt (2006), S. 38f.

[96] Vgl. Märker; Wagner (1981), S. 11.

[97] Vgl. Ebd. S.11.

[98] Frank (2011), S. 76.

[99] Frank (2011), S. 76.

[100] Ebd., S. 76.

[101] Bausinger, Hermann: Bürgerliches Massenreisen um die Jahrhundertwende. In: Gyr, Ueli (Hg.): Soll und Haben. Alltag und Lebensformen bürgerlicher Kultur. Festgabe für Paul Hugger zum 65. Geburtstag. Zürich 1995, S. 131-147, hier: S. 138.

[102] Vgl. Bausinger (1995), S. 135.

[103] Vgl. Frank (2011), S. 76.

[104] Mundt (2006), S. 46.

[105] Vgl. Frank (2011), S. 76.

1U6 Vgl. Frank (2011), S. 76.

[107] Vgl. Hennig, Christoph: Reiselust. Touristen, Tourismus und Urlaubskultur, Frankfurt am Main/Leipzig 1997, S. 72.

[108] Vgl. Mundt (2006), S. 116tf!

[109] Hennig (1997), S. 72.

[110] Hennig (1997), S. 72f.

[111] Vgl. Hennig (1997), S. 72.

[112] Frank (2011), S. 29.

[113] Frank (2011), S. 16.

[114] Frank (2011), S. 16f.

[115] Frank (2011), S. 11.

[116] Brenner, Peter J.: Der Mythos des Reisens. Idee und Wirklichkeit der europäischen Reisekultur in der Frühen Neuzeit. In: Maurer, Michael (Hg.): Neue Impulse derReiseforschung. Berlin 1999, S. 13-61, hier: S. 13.

[117] http://www.zitate-online.de/literaturzitate/allgemein/212/die-welt-ist-ein-buch-wer-nie-reist-sieht.html Stand: 03.01.2012.

[118] Vgl. Haberkorn, Heinz: Anfänge der Fotografie. Entstehungsbedingungen eines neuen Mediums. Rein­bek b. Hamburg 1981, S. 9.

[119] Haberkorn (1981), S. 9.

[120] Ebd., S. 9.

[121] Ebd., S. 9.

[122] Eine Camera obscura ist ein innen geschwärzter Kasten, auf dessen transparenter Rückwand ein auf der Vorderseite befindliches Loch oder eine Sammellinse ein (auf dem Kopf stehendes, seitenverkehrtes) Bild erzeugt. Siehe: http://www.duden.de/rechtschreibung/Camera_obscura Stand: 15.11.2012.

[123] Vgl. Walter (1995), S. 15.

[124] Vgl. Ziehe, Irene: Fotografieren. Bewahren. Erinnern. Zum Phänomen des "Knipsens". In: Karasek, Eri­ka u.a. (Hg.): Faszination Bild. Kulturkontakte in Europa. Berlin 1999, S. 97-113, hier: S. 98.

[125] Walter (1995), S. 16.

[126] Ziehe (1999), S. 98.

[127] Vgl. Ziehe (1999), S. 99.

[128] Vgl. Ziehe (1999), S. 100f.

[129] Vgl. Ziehe (1999), S. 101.

[130] Haberkorn (1981), S. 10.

[131] Bruhn, Matthias: Das Bild. Theorie - Geschichte - Praxis. Berlin 2009, S. 17.

[132] Ebd., S. 17.

[133] Boehme-Neßler, Volker: BilderRecht. Die Macht der Bilderund die Ohnmacht des Rechts. Wie die Do­minanz der Bilder im Alltag das Recht verändert. Berlin/Heidelberg 2010, S. 1 des Vorworts.

[134] Hoffmann, Detlef: Studium und puntum, erneut beleuchtet. In: Sykora, Katharina; Leibbrandt, Anna (Hg.): Roland Barthes Revisited. 30 Jahre Die Helle Kammer. Köln 2012, S. 17-30, hier: S. 25.

[135] Stiegler, Bernd: Walter Benjamins Photoalbum oder das Lesen von Photographien als Kulturtechnik. München 2009, S. 199.

[136] Humer, Stephan: Digitale Identitäten. Der Kern digitalen Handelns im Spannungsfeld von Imagination und Realität. Winnenden 2008, S. 26.

[137] Vgl. Humer (2008), S. 26.

[138] Humer (2008), S. 25.

[139] Vgl. Pogues, David: David Pogues Digitale Fotografie. Das fehlende Handbuch. Köln 2009, S. 1.

[140] Stand nach Pogues im Jahr 2009.

[141] Vgl. Pogues (2009), S. 1.

[142] Vgl. Pogues (2009), S. 1f.

[143] Die Nachteile werden im empirischen Teil dieser Arbeit thematisiert.

[144] Zierold, Martin: Gesellschaftliche Erinnerung. Eine medienkulturwissenschaftliche Perspektive. Berlin 2006, S. 167.

[145] Zierold (2006), S. 170.

[146] Zierold (2006), S. 167.

[147] Ethnologin Irene Ziehe nutzt diesen Begriff in: Dies. (1999), S. 97-113.

Ende der Leseprobe aus 131 Seiten

Details

Titel
Urlaub 2.0: Die Nutzung sozialer Netzwerke bei Urlaubsreisen am Beispiel von Facebook
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,1
Autor
Jahr
2013
Seiten
131
Katalognummer
V215931
ISBN (eBook)
9783656445005
ISBN (Buch)
9783656446200
Dateigröße
1077 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Facebook, Reisen, Urlaub, Web 2.0, Urlaubsberichterstattung, Öffentlichkeit, Privatheit, Qualitative Forschung, Empirische Kulturwissenschaft, Selbstdarstellung, Inszenierung, Identität, Social Media, Soziales Netzwerk, Tourismus, Fotografie, Postkarte, Knipsen, Diaabend, Fotoalbum, Internet, Virtualität, Realität, Kommunikation, Smartphone, Alltag, Volkskunde, Online, Whatsapp, Instagram, E-Mail, SMS
Arbeit zitieren
B.A. Farina Fontaine (Autor), 2013, Urlaub 2.0: Die Nutzung sozialer Netzwerke bei Urlaubsreisen am Beispiel von Facebook, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215931

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