Das Leben des Gottfried Semper


Studienarbeit, 2013
39 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Das Leben des Gottfried Semper
1.1 Die jungen Jahre
1.2 In Dresden
1.3 In Europa

2 Die Semperoper in Dresden
2.1 Das erste Sempersche Hoftheater
2.2 Das Interimstheater
2.3 Das zweite Königliche Hoftheater
2.4 Der Wiederaufbau der Semperoper

3 Sempers weitere Werke in Dresden
3.1 Die Sempergalerie
3.2 Die Alte Synagoge
3.3 Die Villa Rosa
3.4 Das Maternihospital
3.5 Der Palais Kaskel-Oppenheim
3.6 Der Cholerabrunnen

4 Sempers Werke in der Schweiz und in Österreich
4.1 Das Polytechnikum in Zürich
4.2 Der Kirchturm in Affoltern
4.3 Die Eidgenössische Sternwarte in Zürich
4.4 Das Stadthaus in Winterthur
4.5 Das Kaiserforum in Wien
4.6 Das Burgtheater in Wien

Abbildungsverzeichnis

(Abb.1) Gottfried Semper - Porträt aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek

Quelle: http://www.library.ethz.ch/var/storage/images/media/images/gottfried-semper/13536-1-ger-DE/Gottfried-Semper_smallimage.jpg, Zugriff: 16.01.2013

(Abb.2) Erstes Hoftheater Dresden 1841

Quelle: http://www.dresden-und-sachsen.de/dresden/pics/semperoper_erste.jpg, Zugriff: 09.12.2012

(Abb.3) Wolfgang Amadeus Mozart Bildstatur

Quelle: Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, Edition Lerchl, Meißen 1995, S.33

(Abb.4) Figurengruppen Hoftheater Dresden 1841

Quelle: Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.35

(Abb.5) Interimstheater Dresden

Quelle: Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.43

(Abb.6) Semperoper Dresden 1878

Quelle: Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.47

(Abb.7) Sohn und 2ter Bauherr Manfred Semper 1878

Quelle: Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.59

(Abb.8) Rundplafonds Semperoper Dresden 1878

Quelle: http://www.freizeitclub2001.at/wp-content/uploads/2012/04/100_4561.jpg, Zugriff: 08.01.2013

(Abb.9) Schmuckvorhang Semperoper Dresden 1878

Quelle: http://www.epochtimes.de/thumb/xxl/Schmuckvorhang_.JPG, Zugriff: 08.01.2013

(Abb.10) Zerstörte Semperoper Dresden 1949

Quelle:http://www.tourdresden.de/wp-content/uploads/2010/11/Semperoper-Ruine-1949.jpg, Zugriff: 16.12.2012

(Abb.11) Zerstörte Semperoper Dresden 1949

Quelle: http://data6.blog.de/media/338/4356338_d2cc3852bb_m.jpeg, Zugriff: 16.12.2012

(Abb.12) Wiederaufbau Semperoper Dresden 1978

Quelle: Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.79

(Abb.13) Fünf-Minuten-Uhr Semperoper Dresden

Quelle: http://www.uhrmacherwerkstatt.com/Teubner/fuenf-minuten-uhr_big.jpg, Zugriff: 12.01.2013

(Abb.14) Semperoper Dresden 2012

Quelle: http://www.tourdresden.de/wp-content/uploads/2010/11/Semperoper-Luftbild.jpg, Zugriff: 16.12.2012

(Abb.15) Sempergalerie

Quelle: http://www.kim-hotel.de/upload/gemaeldegaleriedresdenhotel.jpg, Zugriff: 08.01.2013

(Abb.16) Alte Synagoge

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4f/Dresden_alte_Synagoge_Semper_1910.jpg, Zugriff: 09.01.2013

(Abb.17) Alte Synagoge von Innen

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1d/Dresden%2C_alte_Synagoge_innen_-_1898_Version_1.jpg, Zugriff: 09.01.2013

(Abb.18) Villa Rosa

Quelle: http://www.gottfriedsemperclub.de/images/villarosa.jpg, Zugriff: 09.01.2013

(Abb.19) Maternihospital

Quelle: http://www.saxonia.com/jpg/007618.jpg, Zugriff: 09.01.2013

(Abb.20) Palais Kaskel-Oppenheim

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/aa/Dresden_Palais_Kaskel-Oppenheim,_Au%C3%9Fenfassade_-_L%C3%B6ffler_S._400,_Bildnr._493_um_1900.jpg, Zugriff: 10.01.2013

(Abb.21) Cholerabrunnen

Quelle: http://assets0.qypecdn.net/uploads/photos/0174/0977/DSCI0292_gallery.JPG?40683, Zugriff: 10.01.2013

(Abb.22) Grundriss Erdgeschoss Polytechnikum

Quelle: Martin Fröhlich: „Gottfried Semper“, Artemis & Winkler Verlag, 1.Auflage, Zürich, 1991, S.

(Abb.23) Grundriss 2. OG (mit Aula unten) Polytechnikum

- Martin Fröhlich, „Gottfried Semper“, a.a.O., S.76

(Abb.24) Das Polytechnikum 1865

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c8/Hundert_Jahre_Bilder_aus_der_Stadt_Z%C3%BCrich_-_Das_Polytechnikum_1865.jpg, Zugriff: 09.12.2012

(Abb.25) Das Polytechnikum 2009

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2c/ETH_geradlinig_1.jpg, Zugriff: 09.12.2012

(Abb.26) Kirchturm in Affoltern

Quelle: Martin Fröhlich, „Gottfried Semper“, a.a.O., S.144

(Abb.27) Grundriss Sternwarte

Quelle: Martin Fröhlich, „Gottfried Semper“, a.a.O., S.125

(Abb.28) Schnitt Sternwarte

Quelle: Martin Fröhlich, „Gottfried Semper“, a.a.O., S.126

(Abb.29) Perspektive Stadthaus Winterthur

Quelle: http://www.bachakademie.de/img/projekte/2009061_perspektive_1864.jpg, Zugriff: 09.12.

(Abb.30) Grundriss Stadthaus Winterthur

Quelle: Martin Fröhlich, „Gottfried Semper“, a.a.O., S.86

(Abb.31) Zeichnung Stadthaus Winterthur

Quelle: http://www.andreas-praefcke.de/carthalia/europe/images/ch_winterthur_stadthaus.jpg, Zugriff: 09.12.2012

(Abb.32) Stadthaus Winterthur 1934

Quelle: Martin Fröhlich, „Gottfried Semper“, a.a.O., S.87

(Abb.33) Das geplante Kaiserforum

Quelle: http://www.oeaw.ac.at/kunst/projekte/hofburg/0_kaiserforum_g.jpg, Zugriff: 09.12.2012

(Abb.34) Das Kaiserforum 2012

Quelle: Google Earth, Zugriff: 09.12.2012

(Abb.35) Das Burgtheater

Quelle: http://www.stadt-wien.at/uploads/pics/burgtheater.jpg, Zugriff: 17.01.2013

(Abb.36) Eine Feststiege im Burgtheater

Quelle: Martin Fröhlich, „Gottfried Semper“, a.a.O., S.116

(Abb.37)

1 Das Leben des Gottfried Semper

1.1 Die jungen Jahre

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Gottfried Semper - Porträt aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek[1]

Gottfried Semper kam am 29. November 1803 als Sohn des Wollwarenfabrikanten Gottfried Emanuel Semper und Johann Marie Semper in Hamburg-Altona auf die Welt. Er ging in die Gemeindeschule in, dann ab 1819 in die Hamburger „Gelehrtenschule des Johanneums“ und machte dort 1823 sein Abitur. Anschließend studierte er an der Universität Göttingen Mathematik und Geschichtswissenschaften und in München Architektur, um dann nachfolgend einige Projekte und Entwürfe in vereinzelten Städten in Deutschland und in Paris zu entwickeln. Seine Studien in Mathematik und Geschichte waren ihm später sehr wichtig, da für ihn ohne ihre Einbeziehung keine Erforschung der Baugeschichte möglich gewesen wäre.[2]

Auf Reisen durch Italien und Griechenland und dortigem Studium der antiken Bauten um 1830 entwickelte er eine Faszination für die Polychromie, die Vielfarbigkeit antiker Gebäude. Die Gebäude seien seinen Entdeckungen nach nicht mamorweiß, sondern farbig gewesen. In einem sich darüber nachfolgenden Streit positionierte er sich unmissverständlich auf die Seite derer, die von der Polychromie der von den Griechen und Römern erbauten Gebäude überzeugt waren und diese bewiesen.

1.2 In Dresden

Kurz bevor Semper 1834 als Professor in Dresden berufen wurde, bekam er auch seine ersten Bauaufträge, unter anderem in Hamburg. Als Architekturprofessor heiratete er dann 1835 Bertha Thimmig, mit der er sechs Kinder bekam und entwarf bis zu seiner Flucht 1849, aufgrund seiner aktiven Teilnahme an der Dresdener Revolution, unter anderem die Gemäldegalerie und das Königliche Hoftheater.

Zu Sempers Zeit in Dresden besuchten ca. 200 Schüler die Bauschule. Bernhard Krüger und Christian Friedrich Arnold erwiesen sich später als die bedeutendsten Semperschüler. Krüger war unter anderem nach Sempers oben bereits genannter Flucht aus Dresden an der Vollendendung der Gemäldegalerie beteiligt.[3]

1.3 In Europa

Semper flüchtete über einige Zwischenstationen in Deutschland und Frankreich nach London. Dort entwarf er eine Synagoge und bekam einige Projekte der Weltausstellung. Auch wenn die Auftraggeber überzeugt von Sempers Entwürfen waren, kam es nie dazu, dass in London eines seiner Bauwerke errichtet wurde, da sie als zu kostspielig und risikoreich galten. Dort entstanden dann auch seine Literaturwerke „Die vier Elemente der Baukunst“ und „Wissenschaft, Industrie und Kunst“. In London wurde er Professor am Department of Practical Art.

1855 ging er dann nach Zürich, wo er das Polytechnikum für die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich entwarf und baute und wurde dort auch Professor für Architektur. Auch in Zürich erwiesen sich einige seiner Schüler als bedeutend und wurden zu erfolgreichen Architekten.

Durch seinen mittlerweile international bekannten Namen kam Semper 1871 zu den Aufträgen, das Kunst- und das Naturhistorische Museum in Wien im Rahmen des Kaiserforums zu entwerfen. Zusammen mit Carl von Hasenauer, mit dem er sich später aufgrund von zahlreichen Meinungsverschiedenheiten, zerstritt, wurden die Museen und auch die Neue Burg als Teil des Kaiserforums entworfen.

Er verbrachte danach viel Zeit in Rom und starb dann 1879 auf einer Reise nach Italien.

2 Die Semperoper in Dresden

2.1 Das erste Sempersche Hoftheater

Im April 1838[4] beschlossen König und Ministerrat den Bau eines Hoftheaters in Dresden. Damit nahm Dresdens Baugeschichte eine ganz neue Wendung[5]. Es wurde der im Jahre 1831[6] von Hamburg nach Dresden geholte Gottfried Semper mit dem Bau beauftragt. Das Königliche Opernhaus sollte Teil einer großzügigen Platzanlage werden und in Verbindung mit dem Zwinger ein Festraum bilden. Nach 3-jähriger Bauzeit wurde am 12. April 1841[7] das erste Hoftheater in Dresden mit Goethes Schauspiel »Torquato Tasso« eingeweiht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Erstes Hoftheater Dresden 1841[8]

Der Rundbau in den Formen der italienischen Frührenaissance wurde als eines der schönsten europäischen Theater berühmt. Das 3 etagige, langgestreckte Gebäude hatte ein hufeisenförmiger Abschluss und war mit Figurengruppen oder Staturen verziert. Den beiden unteren Geschossen waren Vestibüle als Arkadenumgänge vorgelegt. Dreigeschossige seitliche Anbauten wirkten wie Querhausarme. Das Gebäude wirkte ästhetisch ausgewogen und war klar gegliedert. Der gesamte Außerschmuck des Bauwerkes, die flachen Pilaster und Reliefs, figürliche Plastiken und Sgraffiti, folgten diesem Stilkonzept. Die Fassenden des Querhauses, markierten den Hauptbau der Bühne kraftvoll nach außen und waren von Dreiecksgiebeln bekrönt. Deren Felder des Hochreliefs die Handschrift von Ernst Rietschels, des damals bedeutendsten Bildhauer Deutschlands, trugen. Sie stellten dem Doppelzweck entsprechend, die Musik und die Tragödie dar.

Die dreigeschossige Rückfront, nach Art einer Palaisfassade durch Säulen und Rundbögen gegliedert, war mit einer Attika abgeschlossen, welche Ernst Julius Hähnels Baccus-Fries schmückte. Der dreitürige, relativ schlichte Haupteingang an der Frontseite wurde durch eine flache Freitreppe und flankierende, überlebensgroße Staturen in gerundeten Nischen hervorgehoben. Dies wiederholte sich im ersten Stockwerk. Die unteren Figuren, Standbilder von Goethe und Schiller, stellten die Heroen des Sprechtheaters dar. Die oberen, Sitzstaturen von Mozart und Glucks, die des Musiktheaters. Auch diese vier Skulpturen waren Arbeiten von Rietschel. Zum Bildprogramm gehörten vier Staturen von Ernst Julius Hähnels, welche Sophokles und Euripides, Shakespeare und Molière verkörpern. Außerdem mehrere bacchantische Skulpturen Julius Moritz Seeligs an den Fassaden der Seitenflügel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 Wolfgang Amadeus Mozart Bildstatur[9] Abb.4 Figurengruppen Hoftheater Dresden 1841[10]

Im Innere des Theaters wurde durch Semper sehr zweckgebunden gebaut. Die Logen umgaben das Parkett. Die vier Ränge, unten noch stark geschmückt, wurden nach oben hin immer bescheidener und mit Balustraden verbaut. Der gesamte Innenraum war von Malereien geprägt. Die Wände mit schallschluckende Gesimse und Verzierungen versehen. Diese gestalterischen Details und eine günstige, akustische Einrichtung waren klangverbessernde Elemente. In der Mitte, über der recht kurzen Bühne, zierte eine Fünf- Minuten-Uhr den Saal. Diese wurde von einem Dresdner Uhrenmacher erfunden und ist noch bis heute zu bewundern. Für große Beliebtheit beim Dresdner Publikum sorgte der handgemalte Theatervorhang, welcher durch den Künstler Julius Hübner angefertigt wurde. Er zeichnete sich durch Malerei aus der Romantik aus. Die gesamte Beleuchtung des Hauses, einschließlich der Bühne, wurde durch ein eigenes Gaswerk in der Nähe des Hoftheaters am Zwingerteich betrieben. Semper verbaute im Saal einen 1,9 Tonne schweren Gaskronleuchter.

Dieser Kronleuchter war maßgeblich die Ursache, dass am 21. September 1869[11] die Semperoper, zum Entsetzen der Dresdner Bürger, bis auf Grundmauern niederbrannte.

Bei Wartungsarbeiten und Reparaturen am Kronleuchter wurde mit Zündhölzern und Klebstoff leichtfertig umgegangen[12]. Das Theater, was im Inneren fast komplett aus Holz bestand, brannte in wenigen Minuten nieder.

2.2 Das Interimstheater

Das opernverwöhnte Publikum aus Dresden war über die Zerstörung erschüttert. Um diese Katastrophe zu überstehen, ließ König Johann ein Interimstheater bauen. Dieses Ausweichtheater, was in einer Bauzeit von nur zwei Monaten entstanden war, bestand zu großen Teilen aus Holz. Daher wurde es im Volksmund auch „Bretterbude“ genannt. Es entstand gleich hinter der abgebrannten Semperoper, nahe dem Theaterplatz. Die Einweihung am 02. Dezember 1869[13] geschah mit Goethes Schauspiel »Iphigenie auf Tauris« und Webers »Jubelouvertüre«. Dieses kleine Bauwerk hatte ein Fassungsvermögen von 1800[14] Zuschauerplätzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5 Interimstheater Dresden 1969[15]

2.3 Das zweite Königliche Hoftheater

Es wurde ein Lösung für das Hoftheater von Semper gesucht. Ein Originaler Wiederaufbau des Theaters erwies sich als unrealistisch, da der technische und räumliche Anspruch des alten Hoftheaters nicht mehr genügt hätte. Ein Neubau scheiterte zunächst an den Kosten. Zudem wurde die Notwendigkeit in Frage gestellt.

Dass man letztlich dennoch dem Hoftheater zustimmte, war mit der gewährleisteten kommerziellen und künstlerischen Unabhängigkeit zu begründen. Damit unterlag die Unterhaltung des Theaters nunmehr dem königlichen Haus und war somit nicht von Einnahmen abhängig. Als neuer und alter Bauherr wurde erst durch Forderungen der Öffentlichkeit Gottfried Semper benannt. Semper, der an den Mai-Revolutionen teilgenommen hatte und als Revolutionär steckbrieflich gesucht wurde war, ist nicht erste Wahl gewesen. Nur er alleine konnte aber die Garantie geben, dass der neue Bau ein bedeutendes Bauwerk werden würde. Erste Bauentwürfe wurden aus Kostengründen abgelehnt. Am 26. April 1871[16] erfolgte jedoch die Grundsteinlegung für das zweite Sempersche Hoftheater. Als Bauherr betreute sein Sohn Manfred Semper den Bau, weil Gottfried Semper selber mit Verpflichtungen in Zürich und Wien präsent sein musste. In der 7-jährigen Bauzeit wurden die einst genannten Baukosten auf vier Millionen Mark verdoppelt. Semper nannte als Gründe, die gestiegenen Bau- und Lohnkosten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.6 Semperoper Dresden 1878[17] Abb.7 Sohn und 2ter Bauherr Manfred Semper 1878[18]

Am 02. Februar 1878[19] wurde Gottfried Sempers zweites Hoftheater mit Goethes »Iphigenia« eingeweiht. Es unterschied sich wesentlich von dem Ersten. Das neue Hoftheater wurde um eine halbe Gebäudetiefe nach hinten versetzt, um die Sicht der Gemäldegalerie zur Elbe nicht zu behindern. Des Weiteren ersetzte er die halbkreisförmige Südwestfassade des Baues durch eine flache, kreissegmentförmige Grundrissgestalt mit kurzen Seitenflügeln. Somit bildete sich eine bessere Platzwand zum Theaterplatz und zur Hofkirche. Die breite Eingangsfront passt sich der langgestreckten Gemäldegalerie an und folgt dem Baustil der italienischen Hochrenaissance. Der zweigeschossige Arkadenbau verwendet Motive der venezianischen Palazzo-Architektur des 16. Jahrhunderts.

Ein drittes Stockwerk war gezeichnet durch einen Segmentbogen in geschwungene Bauweise, die etwas nach hinten versetzt wurde. Das Hauptportal wird durch römisch-antike Herrschaftsmotive und Schillings Panther Quadriga nun deutlich mehr betont. Es erfolgte eine tektonische Trennung des Bühnenhauses vom Publikumsteil. Wieder verbaute Semper Skulpturen, plastische Dekore und Staturen Paare an den Fassaden und Fronten des Bühnenhauses. Dabei wurde Antike und Neuzeit miteinander verbunden. Die Staturenpaare am Obergeschoss der Elbseite stellen das Antike und auf der Zwingerseite das „moderne“ Theater dar. Sitzfiguren von Goethe und Schiller zu beiden Seiten des Haupteinganges sind vom ersten Hoftheater übernommen worden. Gleiches gilt für die Nischenfiguren der Dichter Shakespeare, Sophokles, Molière und Euripidis an den Schmalseiten der Theaterplatzfront. An der Rückfront, welche vom Dreiecksgiebel des hochragenden Bühnenhauses beherrscht wird, ist der plastische Schmuck stark zurückgenommen.

Im halbkreisförmigen Zuschauerraum erheben sich drei Logenränge über dem Parkett. Ein vierter Rang wird mit ansteigenden Sitzreihen ausgestattet und endet erst kurz unter der Saaldecke. Eine Königliche Hofloge wird durch Hervorragen aus der Wandfläche und über zwei Ränge gehenden Säulenstellungen besonders betont. Diese Loge ließ Semper in der Mittelachse der Ränge und gegenüber der Bühne einbauen. Die flache Saaldecke erhielt durch gemalte Kassettengliederung räumliche Wirkung. Ein 1,9 Tonnen schwerer Kronleuchter aus poliertem Messing zierte ebenfalls den Zuschauersaal. Im Inneren erscheinen Skulpturen nur am Bühnenportal und in seiner unmittelbaren Umgebung. Die in zwei Geschosse geteilten Gewände des Bühnenportals zeigen zwischen den prächtigen korinthischen Säulen gerundete Nischen mit den Figuren von Tyche und Nemesis im unteren und Psyche und Eros im oberen Geschoss. Die Herstellung und Ausführungen des umfangreichen Skulpturenprogramms wurden fast ausschließlich Dresdner Bildhauern wie Rietschel, Hähnel, Schilling und Diez anvertraut. Von entscheidender Bedeutung für die Wirkung der Innenräume ist deren farbige Fassung, einschließlich der ornamentalen und figürlichen Malereien, verantwortlich. Die Wandelgänge und Vorhallen des Erdgeschosses sind schlichter ausgestattet als die des Obergeschosses. Die Ausstattung des Zuschauerraumes vermeidet jeden aufwendigen Prunk. Alle Aufmerksamkeit soll sich auf die Bühne richten, die nun allerdings durch den architektonischen und bildnerischen Reichtum von Proszenium, Bühnenportal und Schmuckvorhang hervorgehoben wird.

Der gekonnte Einsatz architektonischer, plastischer und farblicher Mittel, besonders in den oberen Foyers und Vestibülen, erzeugt den Eindruck heiterer Festlichkeit. Gottfried Semper erzielte diese Wirkung nicht zuletzt durch den bewussten Einsatz von farbigem Marmor, Kunstmarmor und den Strucco-Iustro anstelle des zunächst vorgesehenen grauen Elbsandsteins. Putten mit Götterattributen zieren die Deckenwölbungen des unteren Rundfoyers.

An den reich gegliederten Kassettendecken des oberen Rundfoyers sind im Wechsel ovale und rechteckige Bildfelder ausgegrenzt mit Szenen der griechischen Mythologie. In den rechteckigen Tabletten werden die Daten des Dionysos erzählt. Inhalt der Ovalbilder an der Elbseite ist die Geschichte von Amor und Psyche. In deren Mittelpunkt steht der Triumphzug der Aphrodite. Auf der Zwingerseite wird ebenso in den Ovalbildern der Dionysosmythos mit der Darstellung seines Unterganges weitergeführt. Die entsprechenden Bilder auf der Elbseite zeigen den heroisch-tragischen Aspekt der Dionysos Geschichte mit Gott Apollon als Leitfigur. Höhepunkt dieses Zyklus ist das trapezförmige, große Mittelbild in der Hauptachse des Theaters, welches den triumphalen Aufzug des Dionysos mit seinem Gefolge darstellt. Die großen, rechteckigen Malereien an den Decken über der Vestibülen haben die poetische Gerechtigkeit mit Helden aus der Drama und Oper zwingerseitig und die versöhnten Familien der Pelopiden und Labdakiden elbseitig zum Inhalt. Damit stehen sich auch hier, wie schon bei dem Statuenprogramm des Außenbaus, die Themenkreise des „modernen“ Theaters und der antiken Mythologie gegenüber. Eine besondere Rolle spielen in den oberen Foyers und Vestibülen die Lünettenbilder an den Schildbogenflächen der Deckenwölbungen. Sie zeigen Szenen aus der Geschichte des dramatischen und musikalischen Theaters von der Antike bis zur damaligen Gegenwart in landschaftlicher und architektonischer Umgebung. Im Zuschauerraum ist nur die Decke durch reiche, ornamentale wie auch figürliche Malereien hervorgehoben. Die acht Felder des radfensterartig gegliederten Rundplafonds werden von gerahmten Bildern beherrscht. Zwischen allegorischen Kinderszenen der vier Theaterkünste Schauspiel, Tanz und Malerei erscheinen im ovalen Format die vier Musen der Dichterkunst als sitzenden Frauengestalten. Sie verkörpern zugleich die vier großen europäischen Theaternationen Griechenland, Frankreich, England und Deutschland. Die Doppelbildnisse in der Nähe des Kronleuchters stellen die großen Dramendichter dar: Sophokles und Euripides, Molière und Goldoni, Shakespeare und Calderon, Goethe und Schiller. Das langgestreckte, 17,20 Meter mal 2,40 Meter große Deckenbild über dem Proszenium nimmt das Thema, die poetische Gerechtigkeit, der zwingerseitigen Vestibül Decke auf.

Da mit dem ersten Theater auch der Hübnersche Schmuckvorhang verbrannt war, schrieb man 1874[20] einen Entwurfswettbewerb für einen neuen aus. Den ersten Preis erhielt der Karlsruher Maler Ferdinand Keller und dadurch den Auftrag zur Ausführung eines neuen Vorhangs. Das dominante Mittelbild ist trotz aller unvermeidlichen Allegorik von großem, malerischem Reiz. In seinem Zentrum erscheint die Göttin Phantasie mit Flügeln und brennender Fackel, rechts und links zur Seite stehend die Bühnenkünste Musik und Dichtkunst sowie weitere allegorische Figuren.

Die seitlichen Schmuckflächen zeigen auf goldenem Grund je einen Putto, inmitten von einem reichen, pflanzenbehafteten Arabesken Werk.

In der Zierfriese aus Girlanden und Puttengruppen an oberen und unteren Rand des Vorhangs sind Porträtmedaillons berühmter Dramendichter und Opernkomponisten eingebunden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.8 Rundplafonds Semperoper Dresden 1878[21] Abb.9 Schmuckvorhang Semperoper Dresden 1878[22]

Der Schmuckvorhang wird seinerseits durch einen karminroten, fest installierten Harlekinvorhang mit gemaltem Faltenwurf gerahmt, auf dem das Wappen der sächsischen Könige prangt. Am 02. Februar 1878[23] erfolgte mit Goethes »Iphigenie auf Tauris« die Einweihung des zweiten Semperschen Hoftheaters.

2.4 Der Wiederaufbau der Semperoper

In der Bombennacht vom 13. zum 14. Februar 1945[24] zerstörten Alliierte Flugzeugbomber große Teile von Dresden und auch die zweite Semperoper.

[...]


[1] http://www.library.ethz.ch/var/storage/images/media/images/gottfried-semper/13536-1-ger-DE/Gottfried-Semper_smallimage.jpg, Zugriff: 16.01.2013

[2] Vgl. http://www.arthistoricum.net/themen/themenportale/geschichte-der-kunstgeschichte/quellen-zur-geschichte-der-kunstgeschichte-digital/gottfried-semper-1803-1879, Zugriff: 16.01.2013

[3] Vgl. Volker Helas, „Sempers Dresden – Die Bauten und die Schüler“, Michael Sandstein Verlag, Dresden,2003, S.8

[4] Vgl. Wolfgang Hänsch, „Die Semperoper“, Deutsche Verlags Anstalt, Stuttgart, 1986, S.30

[5] Vgl. Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, Edition Lerchl, Meißen 1995, S.31

[6] Vgl. Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.31

[7] Vgl. Wolfgang Hänsch, „Die Semperoper“, a.a.O., S.36

[8] http://www.dresden-und-sachsen.de/dresden/pics/semperoper_erste.jpg, Zugriff: 09.12.2012

[9] Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.33

[10] Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.35

[11] Vgl. Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.39

[12] Vgl. Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.39

[13] Vgl. Wolfgang Hänsch, „Die Semperoper“, a.a.O., S.39

[14] Vgl. Wolfgang Hänsch, „Die Semperoper“, a.a.O., S.39

[15] Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.43

[16] Vgl. Wolfgang Hänsch, „Die Semperoper“, a.a.O., S.42

[17] Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.47

[18] Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.59

[19] Vgl. Wolfgang Hänsch, „Die Semperoper“, a.a.O., S.43

[20] Vgl. Wolfgang Hänsch, „Die Semperoper“, a.a.O., S.43

[21] http://www.freizeitclub2001.at/wp-content/uploads/2012/04/100_4561.jpg, Zugriff 08.01.2013

[22] http://www.epochtimes.de/thumb/xxl/Schmuckvorhang_.JPG, Zugriff: 08.01.2013

[23] Vgl. Wolfgang Hänsch, „Die Semperoper“, a.a.O., S.43

[24] Vgl. Dr. H. Bartning / Dr. H.J. Neidhardt, „Semperoper – Gottfrieds Opernhaus zu Dresden“, a.a.O., S.63

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Das Leben des Gottfried Semper
Hochschule
Hochschule Anhalt - Standort Bernburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
39
Katalognummer
V215935
ISBN (eBook)
9783656451167
Dateigröße
4038 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dresden, Geschichte, Baugeschichte, Gottfried Semper, Semper, Architektur, Semperoper
Arbeit zitieren
Paul Heinzmann (Autor), 2013, Das Leben des Gottfried Semper, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215935

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