Freiburg im Breisgau. Eine Analyse zähringischer Stadtplanung.


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gründung Freiburgs im Breisgau, Forschungskontroversen und der Beginn der Zähringer-Dynastie

3. Die planerische Gestaltung Freiburgs durch die Zähringer
3.1. Inspiration und Motivation

4.Schlussbetrachtung

Quellen und Literatur
1. Quellen
2. Literatur

1. Einleitung

Ein in der Mediävistik sehr kontrovers diskutiertes und aus vielen Perspektiven beleuchtetes Phänomen ist die mittelalterliche Stadt Europas. Allein die Auswahl der anzulegenden Kriterien, nach denen man eine Gebietskörperschaft als Stadt bezeichnen kann, stellt den Historiker vor gewaltige Probleme. Der Wirtschaftshistoriker wird andere Maßstäbe anlegen als der Rechtshistoriker und letztlich sind sie doch beide daran interessiert, diejenigen Eigenschaften zu benennen, die originär zur europäischen Stadt des Mittelalters gehören.

Ein Teilgebiet des Themengeflechts „Stadt“ stellt die Stadtplanung dar. Hier stellt sich besonders die vermeintliche Existenz der beiden Stadttypen „gewachsene Stadt“ und „Gründungsstadt“ und die darum kreisende Kontroverse als besonders interessant dar. In überspitzter und populärhistorischer Form wurde dieses Forschungsgebiet von den Architekten Klaus Humpert und Martin Schenk um ein zweifelhaftes und von vielen Geschichtswissenschaftlern abgelehntes Werk erweitert.[1]

Als Archetyp der mittelalterlichen Planstadt gilt vielen Geschichtswissenschaftlern bis heute die Stadt Freiburg im Breisgau. Sie sei vor den ersten Bautätigkeiten geplant und vom Adelsgeschlecht der Zähringer 1120 gegründet worden, was durch die Gründungsurkunde belegt sei.[2] Im Zusammenhang mit der Stadtgeschichtsforschung lohnt sich daher ein genauer Blick auf die Herrschaftsfamilie der Zähringer und deren Einfluss auf die planerische Ausgestaltung von Freiburg i. Br.

Lohnenswert scheint es also, der Frage nach den zähringischen Eingriffen in die Stadtplanung im Angesicht der strittigen Gründungsurkunde Freiburgs nachzugehen und dessen ebenso umstrittene Genese als Gründungsstadt zu überprüfen. Für die Stadtgeschichtsforschung im größeren Kontext können dabei vor allem die Erkenntnisse über die an der Stadtplanung beteiligten Personen wertvoll sein. Diese können Auskunft geben über die Organisation der Stadt, bzw. deren Ausgestaltung und Wachstum. Ebenso streift dieses Thema das größere Forschungsgebiet der städtischen Selbstverwaltung. Wie viel Einfluss hatte die Herrschaftsdynastie, in diesem Fall die Zähringer, auf die Stadt und deren planerische Ausgestaltung?

Die konkrete Fragestellung der hier vorliegenden Arbeit lautet also: Wo sind stadtplanerische Eingriffe in Freiburg im Breisgau nachweisbar und welchem der Zähringerherzöge kann man die einzelnen Eingriffe zuschreiben? In diesem Zusammenhang wird ferner nach der Motivation des Adelsgeschlechts und den damit verbundenen Forschungskontroversen gefragt.

Die vorliegende Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Auf einen allgemeinen Überblick über die Geschichte der Stadt Freiburg und dem Geschlecht Zähringer werden die verschiedenen Standpunkte der Zähringerforschung vorgestellt. Die städtebaulichen Veränderungen in Freiburg werden in einem nachfolgenden Schritt beleuchtet und auf ihre Planhaftigkeit überprüft. Den geographischen Betrachtungsraum stellt dabei wie bereits erwähnt die Stadt Freiburg im Breisgau dar, darüber hinaus richtet sich der Blick gelegentlich auf den weiteren Südwestdeutschen Raum. Der zeitliche Betrachtungsrahmen erstreckt sich über die Hauptlinie der Zähringer, von Bertold I. um 1000 bis zum Tode Bertolds V. 1218, wobei das Hauptaugenmerk auf dem frühen 12. Jahrhundert liegt.

Die vorliegende Arbeit stützt sich dabei vornehmlich auf die Literatur der Zähringerforschung aus dem Südwestdeutschen Raum und der Schweiz. Prägend für dieses Forschungsgebiet ist Eduard Heycks „Geschichte der Herzöge von Zähringen“, erstmals erschienen 1891 und 1980 neu gedruckt.[3] Zentral für das Thema ist sicherlich auch die Veröffentlich von Ernst Hamm. Dieser widmet sich der Frage nach vorstädtischen Siedlungen verschiedener Zähringerstädte und attestierte im Falle Freiburg einen für die Stadtplanung entscheidenden „siedlungstechnischen Willen“.[4] Verweise auf das Werk Heycks findet man auch bei Paul Hofer. Dieser lieferte einen Forschungsbericht, der versuchte die Grenze der Zähringerforschung zwischen Deutschland und der Schweiz aufzuheben und widmete sich der Fragestellung, ob die eigentlichen Merkmale der mittelalterlichen Stadt in deren Stadtplan fassbar seien.[5] Einen weiteren Bezug auf Eduard Heyck finden wir in der Veröffentlichung anlässlich des Zähringer-Jubiläums in Villingen-Schwenningen.[6] Hier heißt es zwar, die Gründung Freiburgs sei für 1120 eindeutig bezeugt, was aber nicht argumentativ erläutert wird. Die Vortragsreihe „Freiburg und seine Zähringer“ der Universität Freiburg brachte einen Sammelband hervor, wobei hier besonders Hagen Kellers Beitrag interessant für die hier vorliegende Fragestellung erscheint.[7] Dieser zieht die exakte Datierung der Freiburger Stadtgründung auf 1120 in Zweifel. Die Vortragsreihe zog noch zwei weitere Sammelbände nach sich. Ferner kann für das hier behandelte Thema die Veröffentlichung über Stadtplanung von Frank G. Hirschmann interessant sein.[8] Dieser bezieht in seine Betrachtungen zwar nur Kathedralsstädte westlich des Rheins ein, was Freiburg i. Br. ausschließt, er sucht aber nach den Personen, die an Planung und Bau der Stadt des Mittelalters beteiligt waren.

Quellen werden u.a. aus der Arbeit Marita Blattmanns geschöpft,[9] ferner finden wir diese auch bei Ulrich Parlow.[10]

[...]


[1] Klaus Humpert, Martin Schenk: Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung. Das Ende vom Mythos der "gewachsenen Stadt", Stuttgart 2001. Das Konzept der gewachsenen Stadt wird hier vermeintlich widerlegt. Viele Historiker bemängeln jedoch das keinerlei Quellen oder sonstige geschichtliche Hintergründe miteinbezogen werden.

[2] Stellvertretend für diese Forschungsmeinung: Stadt Villingen-Schwenningen (Hrsg.): Die Zähringerstädte. Veröffentlichung zum „Zähringer-Jubiläum“, Villingen-Schwenningen 1978.

[3] Eduard Heyck: Geschichte der Herzöge von Zähringen, Aalen 1980.

[4] Vergl.: Ernst Hamm: Die Städtegründungen der Herzöge von Zähringen in Südwestdeutschland, Freiburg 1932. Hamm stellt bereits die strikte Trennung in gewachsene und gegründete Stadt in Frage.

[5] Paul Hofer: Die Zähringerstädte. Dokumente zum Städtebau des Hochmittelalters aus 15 Städten Süddeutschlands und der Schweiz, Thun 1964. Hofer betonte, alle Zähringerstädte seien erst nach intensiver Planung gebaut worden.

[6] Stadt Villingen-Schwenningen (Hrsg.): Die Zähringerstädte. Veröffentlichung zum „Zähringer-Jubiläum“, Villingen-Schwenningen 1978.

[7] Hagen Keller: Die Entwicklung Freiburgs zur Stadt, in: Die Zähringer. Eine Tradition und ihre Erforschung, hrsg. v. Karl Schmid, Sigmaringen 1986 (Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung 1), S.17 - 29.

[8] Frank G. Hirschmann: Stadtplanung, Bauprojekte und Grossbaustellen im 10. und 11. Jahrhundert. Vergleichende Studien zu den Kathedralstädten westlich des Rheins, Stuttgart 1998. Hirschmann behandelt v.a. die sakrale Topographie der Stadt und beschränkt sich bei den beteiligten Personen vorwiegend auf den Klerus.

[9] Marita Blattmann: Die Freiburger Stadtrechte zur Zeit der Zähringer. Rekonstruktion der verlorenen Urkunden und Aufzeichnungen des 12. und 13. Jahrhunderts, 2 Bde., Freiburg im Breisgau 1991.

[10] Ulrich Parlow: Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation zu einem südwestdeutschen Herzogsgeschlecht des hohen Mittelalters, Stuttgart 1999.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Freiburg im Breisgau. Eine Analyse zähringischer Stadtplanung.
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Historisches Seminar - Abteilung Landesgeschichte)
Veranstaltung
Proseminar : „Die Anfänge der europäischen Stadt“
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V215942
ISBN (eBook)
9783656451143
ISBN (Buch)
9783656452799
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediävistik, Mittelalter, Stadt, Freiburg, Zähringer, Stadtplanung, Gründungsstadt, gewachsene Stadt
Arbeit zitieren
Fabian Rink (Autor), 2011, Freiburg im Breisgau. Eine Analyse zähringischer Stadtplanung., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215942

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