Unterrichtsstunde: Unterscheidung langer und kurzer Vokale (3. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 1998

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1 Sachanalyse

2 Lehr- und Lernziele

3 Lehrplanbezug und Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

4 Didaktische Überlegungen

5 Methodische Überlegungen

6 Literaturangaben

7 Verlaufsplanung

8 Anhang

1 Sachanalyse

Das Unterrichtsthema ,,Unterscheidung kurzer und langer Vokale“ verweist auf das phonologische (oder phonematische) Prinzip, das (neben dem semantischen, dem syntaktischen und dem morphologischen) ein wichtiges Grundprinzip der deutschen Rechtschreibung darstellt. Die besondere Aufmerksamkeit hat hier der Abbildung vokalischer Phoneme (im folgenden der Einfachheit halber, wenn auch nicht ganz korrekt, als ,,Vokale“ bezeichnet) zu gelten.

Die Lautstruktur der deutschen Sprache ist von einem dynamischen Akzent geprägt, der zweifach bedingt ist:

- Den Hauptton trägt, auch in Ableitungen oder Komposita, der Vokal des Grundmorphems (der sog. „Stammvokal“).
- Zwischen kurzen und langen Vokalen in betonter Stellung besteht ein relativ großer phonetischer Unterschied.

Insgesamt sind 18 Vokale zu unterscheiden: kurzes, (offenes) a, e, i, o, u, ö, ü, langes, (geschlossenes) a:, e:, i:, o:, u:, ö:,ü:, langes ä:, außerdem die Diphthonge au, ai und oi.

Für ihre Abbildung stehen nur die fünf Grapheme a, e, i,o, u zur Verfügung (y, das in deutschen Wörtern nicht vorkommt, darf hier vernachlässigt werden), zusätzlich ä, ö, ü und die Graphemverbindungen au, ei, ai, äu, eu. Zur Abbildung von Kürze oder Länge einfacher Vokale stehen keine besonderen Zeichen bereit; bei genauerer Analyse lassen sich jedoch Regelmäßigkeiten in den Abbildungsbeziehungen erkennen.

1. Kurze Vokale werden in der Regel durch den entsprechenden Buchstaben wiedergegeben. Folgt einem betonten Vokal nur ein Konsonant, wird der ihm entsprechende Buchstabe verdoppelt (vgl. herb, aber Herr). An die Stelle von zz und kk treten, von Fremdwörtern abgesehen, tz bzw. ck. Nach dem morphematischen Prinzip bleibt diese Verdoppelung auch dann erhalten, wenn dem Doppelkonsonanten z.B. Flexionsmorpheme folgen (z.B. fallen - fällst).

Eine Ausnahme stellen eine kleine Gruppe einsilbiger Wörter (Präpositionen wie an, in; außerdem hat, bin, es, das) und Vorsilben (un-, ver-, zer-) dar, die trotz kurzen Vokals keine Verdoppelung aufweisen, im Kontext jedoch selten in betonter Position vorkommen.

2. Betonte lange Vokale werden in der überwiegenden Zahl der Fälle durch den entsprechenden Buchstaben abgebildet (vgl. Leben, holen).

3.Daneben trägt jedoch ein beträchtlicher Teil unseres Wortschatzes eine zusätzliche Kennzeichnung des langen Vokals:

- In wenigen Wörtern wird er als Doppelvokal (aa, ee, oo)abgebildet.
- Langes i: wird, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als ie gekennzeichnet.
- Eine größere Anzahl langer Vokale ist durch -h gekennzeichnet, wobei hier überwiegend eine Regelhaftigkeit zugrunde liegt, die sprachgeschichtlich teilweise auf das grafisch-ästhetische Prinzip zurückzuführen ist und für Schüler weder hilfreich noch durchschaubar sein dürfte. Die in Sprachbüchern manchmal erwähnte Regel: „Dehnungs-h steht vor m, n, r oder l“ weist ebenso Ausnahmen auf (z.B. Samen, wen, verlo­ren, Bär, König) wie die, dass in Grundmorphemen mit sch, ch oder qu kein -h vorkomme (Ausnahme z.B. Schuh). Häufig steht h am Ende von Morphemen, die auf einen langen Vokal enden und trennt damit das Grundmorphem von der nachfolgenden Endung, die mit unbetontem -e beginnt (fliehen, sehen: sog. Trennungs-h).

Dies gilt jedoch überwiegend nicht für Diphthonge (schauen, schreien; aber: Geweih, Reihe); die Rechtschreibreform schafft hier weitere Veränderungen (z.B. rau statt rauh). Aus diesen Beobachtungen sollte der sinnvolle Schluss gezogen werden, dass gerade bei der h-Schreibweise das

morphematische und das semantische neben dem phonologischen Prinzip besondere Beachtung finden müssen.

Die regelhaften Lernhilfen, die Schülern zu vermitteln sinnvoll sind, beschränken sich damit auf folgende Aussagen:

1. Nurnach kurzem Vokal steht ein Doppelkonsonant (einschließlich ck, tz).Aus dieser Aussage folgt:

- Nach langen Vokalen steht kein Doppelkonsonant, also auch kein tz oder ck.
- Diphthonge gelten grundsätzlich als lang; ihnen folgt weder Doppelkonsonant noch tz oder ck.
- Einfachen Konsonanten folgt ebenfalls kein Doppelkonsonant, auch kein tz oder ck.

2. Langes i wird, von wenigen zu lernenden Ausnahmen abgesehen (z.B. Tiger, Fibel, Suffixe -in, -ine, -iv, Pronomen ihm, ihn) ie geschrieben.

3.Wörter (und Morpheme) mit -h als Dehnungszeichen müssen eingeprägt und gelernt werden. Besonders sollte man hier auf den Wortstamm und die Bedeutung des Wortes achten.

Die Anwendung dieser Lernhilfen setzt die sichere akustische Differenzierung langer und kurzer Vokale voraus.

2 Lehr- und Lernziele

Die Schüler sollen:

- ihre Fähigkeit zur akustischen Differenzierung schulen
- kurze und lange Vokale durch akustische und sprechmotorische Übungen phonetisch unterscheiden lernen
- durch spielerischen Umgang mit Sprache Einsicht in ihre Regelhaftigkeit anbahnen
- Lernhilfen erkennen und anwenden lernen
- auf visuellem, akustischem, motorischem und haptischem Wege Zugang zur Sprachanalyse finden
- ihre Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit durch Partnerarbeit schulen: üben sich gegenseitig zuzuhören, sich an Spielregeln zu halten

3 Lehrplanbezug und Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

Die sichere akustische Unterscheidung kurzer und langer Vokale ist Voraussetzung für das Erkennen und Anwenden von Lernhilfen und Regeln, die im Bildungsplan ausdrücklich aufgeführt werden. Folgende im Bildungsplan erwähnten Inhalte setzen diese akustische Differenzierung voraus:

- Wörter mit aa, ee, oo
- Schreibweise von Wörtern mit kurzem, betontem Selbstlaut; besondere Schreibung von tz und ck
- Schreibweise von Wörtern mit h nach langem betonten Selbstlaut

Außerdem verlangt der Bildungsplan ausdrücklich, „die akustische ... Wahrnehmung und die Artikulation“ zu schulen. Ebenso soll das Verständnis für „rechtschriftliche Regelmäßigkeiten“ angebahnt, weiter ein „klassenbezogener Lernwortschatz“ erarbeitet und gesichert werden. All diesen Vorgaben entsprechen die Inhalte dieser Unterrichtseinheit.

Bei der vorliegenden Stunde handelt es sich um eine Hinführung zu dem Thema „Doppelkonsonanten“ (einschließlich ck und tz).

4 Didaktische Überlegungen

Die Fähigkeit des Unterscheidens von langen und kurzen Selbstlauten ist eine Voraussetzung für die Schreibung vieler Wörter, sie muß geübt und gefestigt werden. Eng damit verknüpft ist die Fähigkeit zur korrekten Artikulation. Im süddeutschen Raum, wo mundartlich bedingt, die Vokale oft eine besondere „Lautverschiebung“ erfahren, ist dies von besonderer Wichtigkeit.

Indem weitere Lernkanäle herangezogen werden, wird die Lautdifferenzierung unterstützt. Im spielerischen Umgang mit begrenztem Wortmaterial prägen sich die Schüler häufig gebrauchte Wörter ein und gewinnen so einen Grundwortschatz.

Damit wird ihnen „Wortmaterial“ zur Verfügung gestellt, das die Grundlage für eine analytische Auseinandersetzung mit Sprache bietet. Zunehmend sollen die Schüler nämlich Sprache zum Gegenstand analytischer Untersuchung machen, dabei Regelhaftigkeiten selbst entdecken, Verfahren zur Regelbildung kennenlernen, Lernhilfen gewinnen und anwenden lernen. Dies fördert nicht nur ihre Rechtschreibfähigkeit, sondern schafft auch die Voraussetzung für einen reflektierten Umgang mit Sprache.

5. Methodische Überlegungen

Thematik und didaktische Überlegungen führen zu folgendem Ablauf der Unterrichtsstunde, Überlegungen zu methodischen Alternativen in einzelnen Phasen werden außerdem dargestellt.

5.1 Einstieg

Um Interesse an der Thematik zu wecken, wird von einer märchenhaft-phantastischen Geschichte ausgegangen, welche die Schüler im Laufe der Unterrichtsstunde begleitet. Am Beginn der Handlung beabsichtigt ein Löwe, ein Fest für Tiere zu veranstalten. Er überlegt sich, welche Tiere er einladen möchte. Der Lehrer stellt den Schülern zwei Tiere in Form von Beschreibungen vor, welche von den Schülern erraten werden sollen. Drei weitere Tier-Rätsel werden den Schülern gestellt und von Mitschülern erraten. Indem sie selbst Rätsel formulieren, soll die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Schüler geschult werden.

Durch die erratenen Tiernamen wird das Wortmaterial für die nachfolgende Sprachanalyse bereitgestellt. Die Namen der Tierarten werden anhand von Wortkarten angeheftet.

Alternative:

Ausgegangen werden könnte von gleichklingenden Wörtern ( wie in manchen Sprachbüchern aufgeführt), die sich lediglich durch die Vokallänge unterscheiden (Schaf – Schaff, Kehle - Kelle, Hüte – Hütte). Bei diesem Zugang dürfte es jedoch schwierig sein einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen dem höchst unterschiedlichen Wortmaterial herzustellen. Ein solcher Zugang könnte zu konstruiert sein, die Wörter dem Wortschatz der Kinder nicht entsprechen.

5.2 Sprechübungen und motorische Übungen

Die gefundenen Tiernamen werden in das Kreuzworträtsel eingetragen, Tierpaare mit den Vokalen „a, e, i, o, u“ werden gebildet. Anschließend werden die Wörter gesprochen und auf die nebenstehende Zeile geschrieben. Den Schülern sollen dabei die akustischen Unterschiede der Vokale deutlich werden. Sprechübungen und die symbolische Unterscheidung der Vokallänge auf nebenstehender Zeile sollen die gewonnene Erkenntnis sichern helfen, ein bewußteres Verarbeiten ermöglichen.

Ein „Gedächtnistest“ leitet über zu rhythmischen Sprechübungen, die motorisch unterstützt werden. Die Differenzierungsfähigkeit der Schüler soll auf unterschiedlichen Lernkanälen geschult werden.

5.3 Ergebnissicherung

Das Lernergebnis wird schriftlich formuliert, in den Merktext übertragen.

Alternative:

Die Regel könnte ausführlicher formuliert werden, z. B. in der Form:

Kurze und lange Selbstlaute kann man unterscheiden, indem man kurze Selbstlaute lang, lange kurz spricht.

Da die Regel jedoch sprachlich kompliziert ist, dürfte sie kaum zur Erhellung beitragen; besser ist es hier, ihre praktische Anwendung durch häufige Wiederholung einzuprägen.

5.4 Anwendung des Gelernten

5.4.1 Puzzlespiel

Die gewonnene Erkenntnis wird auf zusätzliches Wortmaterial übertragen. Schüler bearbeiten in Partnerarbeit ein Puzzlespiel mit Tiernamen. Die Wörter unterscheiden sich durch lange und kurze Vokale, durch Hören und Sprechen treffen Schüler die Unterscheidung. Die Zusammensetzung der Puzzleteile spricht haptisch-konstruktive Fähigkeiten an und ermöglicht eine zusätzliche Selbstkontrolle. In einem weiteren Schritt übertragen sie die Tiernamen in eine Tabelle.

Alternative

Mit diesem Material sind weitere Lernspiele möglich, z.B. das „Wettlauf-Spiel“. Alle Puzzleteile werden mit der Rückseite nach oben auf den Tisch gelegt, die Mitspieler decken abwechselnd ein Teil auf, wer ein Wort mit langem Vokal aufgedeckt hat, darf auf einem vorgegebenen Spielfeld zwei Felder vorrücken, bei kurzem Vokal ein Feld. Das gleiche Spiel kann auch als Bewegungsspiel durchgeführt werden (langer Vokal – großer Schritt, kurzer Vokal – kleiner Schritt).

5.4.2 Lückentext

Als Differenzierungsübung für schneller arbeitende Schüler wird ein Text angeboten, der das Wortmaterial für die nächste Unterrichtsstunde (Doppelkonsonanten) bereitstellt. Dabei werden die erarbeiteten Tiernamen auf den Text übertragen. Schüler, die langsamer arbeiten, erhalten diese Aufgabe als Hausaufgabe.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Unterscheidung langer und kurzer Vokale (3. Klasse)
Veranstaltung
deutschseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
12
Katalognummer
V21624
ISBN (eBook)
9783638251976
Dateigröße
1434 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Unterrichtsentwurf Unterscheidung kurzer und langer Vokale
Schlagworte
Unterrichtsstunde, Unterscheidung, Vokale, Klasse)
Arbeit zitieren
Olaf Schauder (Autor), 1998, Unterrichtsstunde: Unterscheidung langer und kurzer Vokale (3. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21624

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