Hegemoniale Stabilität


Seminararbeit, 2002

19 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hegemonialzyklen- Ein historischer Überblick
2.1 Theorie des modernen Weltsystems nach Wallerstein
2.2 Theorie der Hegemoniezyklen
2.2.1 Ein Beispiel: Amerika - Traditionslinien und Grundmuster Amerikanischer Außenpolitik

3. Hegemonie und hegemoniale Stabilität- Begriffsklärung
3.1 Hegemonie und Krieg
3.2 Die Notwendigkeit eines Stabilisators im Weltsystem
3.2.1 Die Rolle der Vereinten Nationen im Weltsystem
3.2.2 Ist ein Stabilisator im Weltsystem überhaupt noch nötig?

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Diese Arbeit hat das Thema der hegemonialen Stabilität als Grundlage. Das Thema der Hegemonie und Hegemoniezyklen soll hier näher betrachtet werden. Die Rolle der USA soll in dieser Hausarbeit eine größere Rolle spielen. Es sollen die Traditionslinien und Grundmuster Amerikanischer Außenpolitik erläutert werden.

Als Grundlage und zur Definition des Begriffes „Weltsystem“ dient der Ansatz von Immanuel Wallerstein. Es soll dargestellt werden, welcher Zusammenhang zwischen Hegemonie und Krieg besteht und ob man heute immer noch davon sprechen kann, das ein Hegemon nur durch Kriege abgelöst wird.

Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit der Frage, ob in der heutigen Zeit, von wachsender Globalisierung und gemeinsamen „Kampf gegen den Terror“, ein Stabilisator überhaupt noch notwendig ist.

Die Arbeit soll jedoch nicht klären ob Amerika in 30 Jahren immer noch ein Hegemonialstaat ist, denn diese Prognose aufzustellen, würde ein Thema für eine andere Hausarbeit sein. Ferner soll auch nicht die Amerikanische Außenpolitik dargestellt werden, lediglich die Traditionslinien und Grundmuster sollen hier erläutert werden.

Die Arbeit befasst sich, Zusammengefasst, mit Hegemonie und vor allem mit der Frage ob ein Weltsystem noch einen Stabilisator benötigt.

2. Hegemonialzyklen- Ein historischer Überblick

Beschäftigt man sich mit der Herausbildung der Weltwirtschaft, kann man dazu verschiedene Ansätze benutzen, hier wäre die Theorie des modernen Weltsystems von Immanuel Wallerstein und die Theorie der Hegemoniezyklen zu nennen.

Im folgenden sollen diese beiden Ansätze genauer betrachtet werden und der Grundlage dienen.

Betrachtet man die wirtschaftlichen Beziehungen im historischen Kontext, erkennt man das es bis heute ein weltweites Netz von wirtschaftlichen Beziehungen gibt. Dies kann der Handel mit Gütern und Dienstleistungen sein oder auch Investitionen. Jedoch ist mit dem Begriff „Weltwirtschaft“ auch der Mechanismus der Konkurrenz von nationalstaatlicher organisierter Volkswirtschaft gemeint.[1]

Im Laufe der Geschichte entwickelte sich zunehmend ein Wettlauf um die am meisten technisch fortgeschrittensten Produktionsmethoden und somit auch um die höchste Produktivität.[2]

Im 19 Jahrhundert begann bereits eine zunehmende Verflechtung der privaten Wirtschaft. Jedoch erst nach Beendigung der Weltwirtschaftskrise und dem 2. Weltkrieg fingen wirtschaftlich dominantere Staaten an, internationale Regeln, abgesicherte Wirtschafts- und Wachstumsgemeinschaften auf liberaler Grundlage zu gründen. Gegenwärtig findet die wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr durch den Handel zwischen den nationalen Unternehmen statt. Es fand ein Wandel statt, indem die „global integrierte Produktion bei hoher Mobilität von Kapital und wachsender Mobilität von Arbeit“[3] immer mehr an Bedeutung gewinnen. Hierbei komm es zu „Prozessen der Vereinheitlichung und Differenzierung zugleich.“[4] Die wirtschaftliche Hegemonie der USA verschwant mit der Zeit und die japanische und auch die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland konnte sich erfolgreich auf dem Weltmarkt behaupten.

2.1 Theorie des modernen Weltsystems nach Wallerstein

Nachdem ich einen kurzen Überblick über die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen gegeben habe, möchte ich nun die beiden Ansätze die sich mit der Herausbildung der Wirtschaft beschäftigen kurz vorstellen.

Zu erst ist hier die Theorie des modernen Weltsystems zu nennen, welche Immanuel Wallerstein aufstellte. Zuvor muss jedoch geklärt werden was Wallerstein unter dem Begriff Weltsystem versteht. Weltsysteme sind für Wallerstein durch eine große räumliche sowie auch durch zeitliche Ausdehnungen gekennzeichnet. Jedoch müssen sich Weltsysteme nicht über die gesamte Welt erstrecken[5]. „Entscheidend ist das Vorhandensein einer inneren – funktionalen wie auch geografischen – Arbeitsteilung bei gleichzeitiger Existenz von verschiedenen kulturellen Systemen.“[6]

Er nimmt zu dem modernen Weltsystem in seiner kapitalistischen Form eine kritische und auch ablehnende Haltung ein. Hier ist es wichtig zu erklären wie Wallerstein den Begriff des Kapitalismus definiert. Für ihn ist es „eine Produktionsweise, in der der Primat der Kapitalakkumulation gilt, wo also Gewinn um seiner selbst Willen angestrebt wird.“[7] So ist für Wallerstein das moderne Weltsystem ein kapitalistisches, das es für ihn „seinen systemischen Zusammenhang der weltweiten kapitalistisch bestimmten Arbeitsteilung verdankt.“[8] Ein Weltsystem zeichnet sich für seinen Zusammenhalt aus, obwohl keine zentrale Lenkung stattfindet. Im Laufe der historischen Entwicklung wird immer deutlicher das internationale Beziehungen, also die zwischenstaatlichen Beziehungen, im Umkreis eines weiteren Systems stattfinden. Die „treibende Dynamik aus der kapitalistischen Organisation der Produktion und der dadurch ausgelösten Dynamik der technischen Entwicklung“[9] resultiert daraus. Immer mehr Staaten unterliegen dieser Dynamik und müssen infolgedessen darauf reagieren. Wallerstein sieht die Stellung eines Staates innerhalb des Weltsystems als ausschließlich ökonomisch bestimmt.

Nach Wallerstein bilden die wirtschaftlich führenden Staaten das sogenannte „Zentrum“, die schwächeren Staaten bilden die „Peripherie“, jedoch wäre ein solches

„internationales „Zwei-Klassen-System“ von Staaten“[10] nach Wallerstein nicht stabil. Zur Stabilisierung ist eine dritte Gruppe notwendig, eine sogenannte Zwischengruppe. Diese nennt Wallerstein „ Semi-(Halb-) Peripherie“. Dies sind zum Beispiel Staaten wie der Iran zu Zeiten des Schahs oder sogenannte Schwellenländer wie Brasilien oder Südkorea. Die „Semi-Peripherien“ werden also als notwendig erachtet, denn sie sind es, die das System aufrecht erhalten. Folglich hat das System selbsterhaltene und sich selbstreproduzierende Kräfte.

2.2 Theorie der Hegemoniezyklen

Der zweite Ansatz, die Theorie der Hegemoniezyklen, dient der Analyse der Wirksamkeit von politischen Faktoren. Hierzu dienen die verschiedenen Ansätze der Hegemoniezyklentheorie. „ Sie sehen in politisch- militärischen Faktoren[...] wesentliche weitere Gründe, die- neben ökonomischen Faktoren und im Zusammenspiel mit ihnen- Vorherrschaft (Hegemonie) im internationalen System begründen.“[11] Diese Vormachtstellungen sind jedoch von einem Muster von Aufstieg und Verfall gekennzeichnet. Deshalb wird hier der Begriff Hegemoniezyklen verwendet.

Hegemoniezyklen nach Modelski[12]

Lange Zyklen in der globalen Politik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anstelle des Fragezeichens an der Stelle des Herausforderers im Amerikanischen Zyklus steht im Original die Sowjetunion- ein Beispiel dafür, dass die Prognosefähigkeit der Hegemoniezyklen- Theorie durchaus begrenzt ist; vgl. auch COLLINS/WALLER 1993. Darstellung nach Modelski

Das Schaubild zeigt Aufstiege und Niederlagen von Nationalstaaten. Jedoch hat sich der Autor in der Darstellung der Zahlen verschrieben. Richtig sind die Zahlen im ersten Britischen Zyklus in der Spalte „Weltmacht“ 1714-1739 und im zweiten Britischen Zyklus in der Spalte des „Herausforderers“ 1874- 1914.

Es gibt verschiedene Ursachen für diese Entwicklungen der Hegemonialzyklen, hier können die „langfristigen Wellen der wirtschaftlichen Entwicklung [...] mit einer Dauer von rund 50 Jahren für einen Auf- bzw. Abschwung“[13] gesehen werden. Als weitere Ursache kann man, vor allem wenn es um den Verfall der Vormachtstellung geht, eine Begründung darin finden, dass sich der jeweilige Hegemon wirtschaftlich zu sehr „übernimmt“. Dies erklärt die Theorie des „imperial overstretch“. Beide Ursachen verfolgen jedoch die „Berücksichtigung des Wechselspiels von Politik und Wirtschaft“.[14]

Die beiden Ansätze zur Entwicklung der Weltwirtschaft und der Hegemonialenzyklen sollen im folgenden am Beispiel der USA verdeutlicht werden. Dies soll im Abschnitt 2.2.1 folgen.

2.2.1 Ein Beispiel: Amerika – Traditionslinien und Grundmuster Amerikanischer Außenpolitik

Die Außenpolitik der USA wird auch heute noch von bestimmten Mustern und Paradigmen bestimmt, die weit in der Geschichte der USA zurückliegen. Im Handeln des Hegemon USA finden sich verschiedene Traditionslinien.

Zum einen wäre der Idealismus zu nennen. Hier herrscht in der Außenbeziehung eine friedliche Beziehung zu anderen Staaten, Einmischung in innere Angelegenheiten findet nicht statt. Nur wenige Instrumente sind für die Außenpolitik notwendig, es findet lediglich eine Verbreitung der Ideale von Freiheit und Demokratie in der Welt statt.

Eine weitere Traditionslinie ist der Realismus. Hier ist die Außenpolitik der USA am nationalen Interesse orientiert. Die aktive Außenpolitik richtet sich gegen die äußere Bedrohung und ist somit von hoher Notwendigkeit. Es herrscht das Bild vor, das ein friedliches Zusammenleben der Völker nicht möglich ist. Diese Traditionslinie war vor allem während des „Kalten Krieges“ vorherrschend.

Aus beiden Traditionslinien ergeben sich zwei Möglichkeiten für die Außenpolitik der USA. Dies wäre eine aktive und eine passive Option. Für beide Optionen ergeben sich zwei Grundmuster, den Isolationismus (passiv) und den Internationalismus (aktiv). Mit diesen beiden Begriffen kann man die Grundmuster der Außenpolitik der USA beschreiben. Der Isolationismus wollte das außenpolitische Engagement möglichst gering halten. Der Internationalismus führte jedoch immer wieder zu Einmischungen in äußere Angelegenheiten.[15]

[...]


[1] Vgl. List, Martin: Internationale Politik : Probleme und Grundbegriffe / Martin List; Maria
Behrens; Wolfgang Reichardt; Georg Simonis. - Opladen : Leske + Budrich, 1995.. S.128

[2] Ebenda.

[3] Ebenda.

[4] Ebenda.

[5] Vgl. http://www.arbeitsalltag.de/Texte/Wallerstein.htm (11.07.02)

[6] Ebenda.

[7] Vgl. List, 1995. 129

[8] Ebenda.

[9] Ebenda.

[10] Vgl. List, 1995. S. 129

[11] Ebenda.

[12] Ebenda.

[13] Ebenda. S.131

[14] Ebenda. S.131

[15] Vgl. Lemke, Christiane: Internationale Beziehungen : Grundkonzepte, Theorien und Problemfelder / von
Christiane Lemke. - München [u.a.] : Oldenbourg, 2000 S. 123 fff.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Hegemoniale Stabilität
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar Einführung in die internationalen Beziehungen und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens
Note
2,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
19
Katalognummer
V21626
ISBN (eBook)
9783638251990
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hegemoniale, Stabilität, Seminar, Einführung, Beziehungen, Techniken, Arbeitens
Arbeit zitieren
Katharina Demuth (Autor), 2002, Hegemoniale Stabilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21626

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